Wettskandal – und unser Club ist dabei

Schon als ich das erste Mal von dem neuen Wettskandal hörte, dachte ich: Da ist unser Club bestimmt wieder dabei. Und bingo: Das Spiel des FCN in Osnabrück im vergangenen Mai soll doch tatsächlich verschoben worden sein. Der Club war Nutznießer, denn er gewann 2:0 und holte drei Punkte. Ohne die hätte es zum Aufstieg nicht gereicht.
Ich behaupte allerdings: Der Club hätte auch so gewonnen und war allenfalls unfreiwillig Profiteur von Leuten, die den Qualitäten unserer damaligen Zweitligamannschaft misstrauten. Hier zur Erinnerung noch einmal der NZ-Spielbericht von damals, in dem unser Kollege Harald Büttner von einem „klassischen Arbeitssieg“ sprach:

Wie heißt es doch so schön: Der Zweck heiligt die Mittel. Eine glanzlose Vorstellung hat der 1. FC Nürnberg gestern Abend in seinem vorletzten Heimspiel abgeliefert, aber das Ergebnis stimmte. Mit 2:0 (1:0) besiegte die Elf von Trainer Michael Oenning den Abstiegskandidaten VfL Osnabrück und festigte damit Rang drei in der 2. Fußball-Bundesliga. Zum Matchwinner avancierte vor 33 507 Zuschauern einmal mehr Marek Mintal, der nach abgesessener Rot-Sperre ein Comeback nach Maß feierte und beide Tore erzielte.

Bis der fünfte Heimsieg in Serie unter Dach und Fach war, mussten die Club-Fans allerdings mächtig zittern. Der haushohe Favorit 1. FCN ließ gegen einen letztlich harmlosen Gegner jegliche Souveränität vermissen und machte sich das Leben selbst schwer. Doch in dieser entscheidenden Saisonphase gibt es keinen Schönheitspreis zu gewinnen. Es war ein klassischer Arbeitssieg, den man schnell abhaken sollte.

Zur allgemeinen Verunsicherung beim Club trug der kurzfristige Ausfall von Abwehrspieler Dominic Maroh bei. Der 22-Jährige hatte sich bei einem Sturz im Abschlusstraining so schwer an der linken Schulter verletzt, dass die Saison für ihn wohl gelaufen ist. Nach eingehender Untersuchung diagnostizierte Club-Mannschaftsarzt Dr. Matthias Brem gestern einen Gelenklippenabriss in der linken Schulter. In der Sommerpause muss sich Maroh operieren lassen.

Die Lücke in der Abwehr schloss Oenning, indem er Stefan Reinartz aus dem defensiven Mittelfeld in die Innenverteidigung zurückzog und Jawhar Mnari auf die «Sechser-Position» beorderte. Abstimmungsprobleme in der Hintermannschaft waren unübersehbar, auch wenn Reinartz seine neue Aufgabe solide löste. Mnari erledigte seinen Part mit seiner Routine und Ballsicherheit ebenfalls gut.

Neben dem verletzten Maroh verzichtete Oenning gegenüber dem Derby in Fürth freiwillig auf Shootingstar Dario Vidosic und Juri Judt, schließlich galt es ja, die zuletzt gesperrten Torjäger Marek Mintal und Isaac Boakye wieder einzubauen. Von beiden hatte der Club-Coach eine gewisse Bringschuld eingefordert – und musste nicht lange darauf warten. Nach einer guten Viertelstunde bediente der Ghanaer das «Torphantom» mit einem klugen Steilpass – den der Slowake prompt zu seinem 14. Saisontor verwertete. Mintal zog aus 18 Metern ab und hatte Glück, dass der Ball vom linken Innenpfosten ins Tor sprang. So mancher Zuschauer wähnte den Schützen im Abseits, wurde aber durch die Fernsehbilder eines Besseren belehrt.

Im Prinzip war das Führungstor die einzige nennenswerte Nürnberger Torchance in einer zerfahrenen, von Stockfehlern und Fehlpässen geprägten ersten Halbzeit. Man konnte kaum einen Unterschied zwischen dem Dritten und dem Drittletzten ausmachen. Auch Osnabrück, zuletzt zweimal siegreich, hatte sein Pulver in der Anfangsphase schnell verschossen.

Nach dem Seitenwechsel geriet die beeindruckende Zu-Null-Serie des Clubs – er ist zu Hause nunmehr seit 862 Spielminuten ohne Gegentor – auch nicht wirklich in Gefahr. Osnabrück suchte zwar mit dem Mut der Verzweiflung seine Chance, doch die biederen Angriffsbemühungen blieben meist im Ansatz stecken. Lediglich der eingewechselte Tom Geißler hatte den Ausgleich auf dem Fuß, schoss aber aus guter Position über das Tor.

Was der 1. FCN in der Offensive zu bieten hatte, war lange Zeit allerdings auch nicht besser. Im Spielaufbau fehlte die große Linie, und wenn die Räume mal da waren für Konter, dann wurden diese viel zu überhastet vorgetragen. Erst mit der Einwechslung der beiden Angreifer Vidosic und Marcel Risse kam noch einmal Schwung in die Nürnberger Angriffsaktionen. Der Schütze der beiden Club-Tore in den vorangegangenen zwei Spielen war schließlich auch an der Entstehung des alles entscheidenden 2:0 beteiligt: Nach einer Hereingabe des Australiers von der rechten Seite stocherte Mintal im zweiten Versuch den Ball im Liegen irgendwie über die Linie. Außer bei den beiden Toren trat Mintal übrigens kaum in Erscheinung – aber so ist er eben. Und irgendwie passte das auch zu diesem wenig berauschenden Spiel, in dem es letztlich nur um die Sicherung dreier eminent wichtiger Punkte ging.

Nürnberg: Schäfer – Diekmeier, Reinartz, Pinola, Bieler – Mnari – Kluge (88. Judt), Mintal, Gygax (69. Risse) – Eigler, Boakye (62. Vidosic) / Osnabrück: Berbig – Engel (75. Schuon), Cichon, Omodiagbe, Schäfer – Peitz, de Wit – Thomik, Frommer (50. Sykora), Grieneisen – Reichenberger (67. Geißler) / SR: Schmidt (Stuttgart) / Tore: 1:0, 2:0 Mintal (16., 86.) / Zuschauer: 33 507 / Gelbe Karten: Bieler (2) – Grieneisen (3), Cichon (10), Engel (4), Geißler (2).

2 Kommentare in “Wettskandal – und unser Club ist dabei

  1. Mhh.. es könnte aber auch sein Nürnberg nicht gewonnen hätte oder?

    Und wenn man die Relegationsspiele ansieht, wie schwach Cottbus da spielte, würde mich nicht wundern…

    Oder an das Derby im Ronhof, wo der Schiedsrichter klares Tor fürs Kleeblatt nicht gegeben hat usw.?

  2. Das ist krass, wie sich die Presse über den Wettskandal auslässt.
    Siehe hier: http://sportnachrichten.net/tag/wettskandal

    Aber wundert euch das wirklich? Damals als Hoyzer in den Knast musste, wurde es irgendwann schon ruhig. Auch damals hat Hoyzer von einem europäischen Netzwerk gesprochen. Man sprach auch von Manipulationen in Asien. Und trotzdem wurde es irgendwann ruhig… Es war doch nur eine Frage der Zeit bis das Ganze an die Öffentlichkeit geht. Das die Sarpina-Brüder sich mittlerweile ein weltweites Netzwerk aufgebaut haben.
    Macht die Augen auf… Immer wenn es um so viel Geld geht, wird es Kriminelle geben, die etwas versuchen zu manipulieren, um ihren Teil des Kuchens zu vergrößern. Das geht bei Dritten los, wird aber genau wie damals auch zu Spielern, Schiedsrichtern und Funktionären führen.
    Was was soll man machen, wenn man mittlerweile auf jeden Mist wetten kann? Wie lange ist die Nachspielzeit? Fallen mehr als 4 Tore? Wer hat den nächsten Eckball? Wer schießt das erste Tor? Man muss nicht immer nur manipulieren, wer gewinnt oder verliert…

    Das Ganze muss aufgeklärt und die Schuldigen bestraft werden und trotzdem müssen wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass auch schon bald wieder der nächste Wettskandal kommen wird.

Kommentarfunktion geschlossen.