Warum die Nürnberger Fürther werden

20100501 Petric happy nach 3:0 - Diekmeier am BodenBei Twitter habe ich inzwischen etliche Kölner Fans um Unterstützung gebeten. Man will ja nichts unversucht lassen, unseren Club (auch wenn manche meinen, er hätte es nicht verdient) in der ersten Liga zu halten. Wie man die Kölner Spieler dazu bringen könnte, am Samstag lieber dem Hedonismus und dem laissez faire zu huldigen anstatt sich gegen den Club reinzuhängen, habe ich gefragt. Ob und was die Spieler gerne trinken? Ob vielleicht ein paar Schäufele vor dem Match oder in der Pause genehm wären? Mit Fitnessgeräten hätten wir auch schon gute Erfahrungen gemacht. Frauen gebe es in Nürnberg ebenfalls…. Halt alles was die Grauzone zwischen professionellem Wettbewerb und Bestechung hergibt.

Ich bekam auch etliche Antworten. Unter den Kölner Fans sind nämlich durchaus auch nette, die dem Club alles Gute gönnen. Die meisten meinten allerdings, die Kölner würden eh verlieren. Die stünden zwar in der Tabelle besser da als der FCN, seien aber qualitativ nicht hochwertiger. Allerdings betonten sie auch, dass die Kölner Mannschaft auswärts meistens besser spiele als daheim. Offenbar gebe es eine tiefsitzende Angst vor dem eigenen Publikum. Insofern, so riet einer, wäre es vielleicht nicht schlecht, wenn sich die Clubfans als Köln-Fans verkleiden würden.

Wie auch immer! Nach diesem Austausch habe ich wenigstens wieder ein bisschen Hoffnung getankt und trete daher einem anderen Szenario näher. Der Relegation.

Die ist meines Erachtens nämlich auch aus einem anderen Grund wahrscheinlich. Den Club trifft es nämlich, das haben wir ja hier in diesem Blog schon ausführlichst dargestellt, immer auf besonders perfide Weise. So, dass es auch eine absurde und ganz spezielle Verlierernote besitzt. Ich sage nur: Abstieg wegen Phantomtor, Abstieg trotz bereits fest geplanter Nichtabstiegsfeier…
Und deswegen ist die Relegation gegen Augsburg viel clubaffiner. Augsburg, das halten viele Nürnberger nämlich für ein unbedeutendes Kaff in Restbayern, für einen Vorort von München; also das Fürth der Landeshauptstadt. Richtig ernst nimmt die hier keiner – und deswegen geht man natürlich auch davon aus, dass unser Club die wegputzt.

Augsburg dagegen ist nicht nur nicht schlecht, die haben auch die Chance auf Platz 2 in der bayerischen Fußballrangliste aufzusteigen. Das wird die beflügeln und der Club hätte dann nicht bloß den anstrengendsten Abstiegsweg gewählt, sondern gleich auch noch den, der ihn am besten zum Deppen macht. Hätte er doch gleich noch – wie er das in der laufenden Bundesligasaison so gerne praktiziert hat – einen unmittelbaren Konkurrenten aufgebaut. Und wenn der einstmals Ruhmreiche dann in der zweiten Liga sogar hinter 1860 München oder Fürth einlaufen würde, dann wäre er in Bayern Fürther. Das wäre gelebtes Club-Deppentum. Und deswegen wird es auch so kommen.

9 Kommentare in “Warum die Nürnberger Fürther werden

  1. Es passt alles zusammen:

    Hannover bügelt dank Gladbacher Mithilfe das Torverhältnis aus. Der Club muss gegen ein Team ran, das ohne Druck eh viel besser spielt. Granden wie Driller und Volkert können ihr unflätiges Mundwerk nicht halten und sprechen ein paar Tage vor dem letzten Spieltag Spielern und Führung jegliches Profi-Niveau ab. Das 0:4 mit dem der Club anreist, macht es nicht besser. Der Club hat kein besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln müssen (Hannover) hat keinen „neuer-Trainer“ Effekt (Bochum) und ist eh schon immer abgestiegen.

    Vielleicht klappts aber gerade deswegen doch noch.

  2. Kann mir jemand sagen, wo ich auf die Schnelle einen Efzee-Köln-Schal herbekomme? Könnte im Gegenzug einen Geißbock besorgen (wohne auf dem Land).

  3. Ja, wenn Ihr nicht anders könnt, als Euer Deppentum zu leben, macht´s halt! Bloß: Fürther werdet Ihr selbst beim schlimmsten denkbaren Szenario noch lange nicht – nicht mal im übertragenen Sinn. Dafür fehlen Euch Grundvoraussetzungen, die Ihr im Leben nicht lernt. Zum Beispiel Selbstbewusstsein und Toleranz.

  4. Eine Variante wurde bislang noch gar nicht erwähnt: Wenn der Club 2:4 gegen Köln verlieren würde und Bochum 0:1 gegen Hannover, dann hätten der VfL und der FCN das gleiche Torverhältnis. Es würde also der direkte Vergleich zählen. Der Club würde demnach den Kürzeren ziehen, weil er zuhause 0:1 verloren http://blog.nz-online.de/club/2009/09/25/hilflos-und-hoffnungslos/ und in Bochum nur ein 0:0 erreicht hat http://blog.nz-online.de/club/2010/02/27/ein-punkt-der-wenig-hoffnung-macht/ Erstmalig würde dann in der Bundesliga der Abstieg durch den direkten Vergleich besiegelt. Auch ein Alleinstellungsmerkmal, das zum Club passen würde.

  5. @vip:

    Bei jedem anderen Verein würde ich einen Abstieg auf diese Art und Weise kategorisch ausschließen, weil das einfach zu unwahrscheinlich ist.

    Aber der Club ist ja schon seit jeher die Ausnahme von jeder Regel…also noch ein Szenario, vor dem man sich am Samstag fürchten muss.

  6. @ greuther-weiber: Euer Beitrag strotzt ja geradezu vor Toleranz 😉
    …als ob es ein erstrebenswerter Zustand wäre, Fürther zu werden. dann schon lieber fünfter!

  7. @ Optimist

    Auf den alten Witz warten wir schon, seit vip seinen Blog-Beitrag veröffentlicht hat. Aber weil wir toleranter sind, als Du glaubst, lächeln wir trotzdem ein bisschen darüber 🙂 Auch, weil der Club weit davon entfernt ist, fünfter zu werden!

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