Wie soll das easyCredit-Stadion heißen?

Stadion_Schon mehr als 2000 Unterschriften hat der Verein Deutsche Sprache (VDS) für seine Initiative gesammelt, das easyCredit-Stadion umzubenennen. Und jetzt bekommen die Sprachschützer prominente Unterstützung bei ihrem Versuch, den „dümmlichen Namen“ (so die Vize-Vereinschefin Annette Scheil) loszuwerden.

Der Erlanger Germanist Horst Haider Munske plädiert ebenfalls dafür, dass die Spielstätte des Clubs wieder Frankenstadion heißen soll. Der Professor, der von 1975 bis zu einer Emeritierung im Jahr 2004 den Lehrstuhl für Germanische und Deutsche Sprachwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg innehatte, begrüßt in einem Brief an den Vereinsvorsitzenden Gerhard Schwarz die Unterschriftensammlung ausdrücklich.

„Die Namen von Straßen, von Gebäuden, von öffentlichen Einrichtungen sind kein Freiwild der Werbeindustrie.“ Die Benennung folge vielmehr eingebürgerten Regeln. Für Kirchen etwa seien meist Heilige oder Namenspatrone namensstiftend, Straßen und größere Einrichtungen würden oft nach einer bekannten Persönlichkeit benannt (Albrecht-Dürer-Straße, Flughafen Franz Josef Strauß) oder sie bekämen einen Namen, der ihre Funktion charakterisiere – so etwa das Spielzeugmuseum.

„Dieser Tradition schlägt die Umbennennung in easyCredit-Stadion ins Gesicht.“ Angesichts der Identifikation der Nürnberger mit ihrem Club komme für das Nürnberger Stadion nur ein ehrender oder charakterisierender Name in Betracht. „Was aber hat der Fußballsport mit einem ,leichten Bank-Kredit zu tun? Heutzutage erwecken Kredite im übrigen eher schlimme Assoziationen“, schreibt der 75-Jährige.

Die Benennung dürfe nicht aktuellen Zwecken dienen, sie müsse auf Dauer angelegt werden. „Frankenstadion ist ein sehr passender Name. Er entspricht in jeder Hinsicht der Tradition und den Regeln solcher Namengebung“, meint Munske. Annette Scheil zufolge sind auch 95 Prozent der Unterstützer der Kampagne für Frankenstadion, einige sprechen sich für Max-Morlock-Stadion aus.

„Der Name Morlock steht für Ruhm und Ehre, bringt uns aber kein Geld“, sagt Ronald Höfler, Zweiter Werkleiter des städtischen Stadion-Eigenbetriebs. Höfler kann den Sprachschützern wenig Hoffnung machen – heutzutage sei die Stadt auf Einnahmen noch mehr angewiesen als 2006. Damals ging die Umbenennung von Frankenstadion in easyCredit-Stadion über die Bühne.

Fünf Jahre sollte der Vertrag zwischen der Teambank, die die Namensrechte erworben hat, und der Betreibergesellschaft des Stadions laufen. Deswegen will der VDS nun auch Alarm schlagen, bevor dieser klammheimlich verlängert wird. Allerdings könnte dies bereits geschehen sein, sagt Alfred Diesner, Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, auf Anfrage der NZ.

Im Vertrag war eine Option auf Verlängerung eingebaut. Ob diese schon gezogen worden ist oder nicht, wollte Diesner nicht verraten. Es sei Stillschweigen zwischen den Partnern vereinbart worden.

Immerhin, Vorschläge für einen anderen Namen wird man noch machen dürfen.

8 Kommentare in “Wie soll das easyCredit-Stadion heißen?

  1. Wieso genau haben die das Frankenstadion denn überhaupt so umbenannt? Wer kommt denn auf so eine schlechte Idee? Mensch.. Wenn sie das nicht getan hätten, gäbe es jetzt keine Schwierigkeiten.

  2. Ich bin zwar gegen Sponsorennamen, aber die „Hochtief“-Arena wäre so voller Selbstironie und Reflexion, dass man die Chance eigtl nutzen müsste (bzw. genutzt haben hätte sollen)

  3. Einem Stadion – einem dauerhaften Gebäude mit einem gewissen Symbolwert – einen Namen zu geben, der von wirtschaftlichen Geschicken bestimmt wird, also auch von einem eventuellen Niedergang, halte ich für eine sehr schlechte Entscheidung. Das ist mit der Münchner Allianz Arena nicht viel besser, aber immerhin ist der Name nicht gar so grauenhaft wie der in Nürnberg. Zumal dieser noch eine tatsächliche Bedeutung hat, nämlich Bündnis, Freundschaft, etc. – easyCredit ist hingegen nur Werbung pur. Das ist schlichtweg peinlich.
    So ein Vertrag läuft also auf fünf Jahre, das heißt demnach, möglicherweise dürfen die Zuschauer alle fünf Jahre in ein neu umbenanntes Stadion gehen. Wirklich toll! Zum Glück heißt das Stadion unter der Bevölkerung einfach nur „das Stadion“ oder „gehst zum Club?“
    Peinlich bleibt eine solche Namensentscheidung trotzdem. In der Übersetzung wird hier nämlich in die Welt hinaus gerufen: Wir tun für Geld alles!

  4. Das Stadion war ja auch lange Zeit vollkommen namenlos. „Frankenstadion“ wurde es erst nach dem großen Umbau Anfang der 90er Jahre genannt. Kann mich noch gut an Zeiten erinnern, als Günther Koch sich am Samstag Nachmittag aus dem „Städtischen Stadion“ gemeldet hat. Für mich wird es das auch immer bleiben. Ich werde also auch weiterhin einfach nur „in’s Stadion“ gehen.

  5. Der Namensvorschläge sind genügend gesagt- diese passen schon. Das Schlimme an dem jetzigen Namen ist es, dass dieser nicht den Namen der bekannten Bank trägt, sondern lediglich auf ein Angebotsprodukt dieser Bank hinweist. Wenn schon allein finanzielle Gründe für die Namensgebung entscheiden und man der Bank gegenüber verpflichtet ist, sollte man doch bitte den Namen der Bank für das Stadion verwenden. Dies wäre ein Kompromiß, da man sonst Gelder zurückzahlen müßte.

  6. Bernie hat recht. Namen sind nur Schall und Rauch. Was nützt es jemandem, wenn er zufällig Tom Cruise heißt, aber aussieht wie Karl Valentin?

  7. an gses:
    Der Name „easy-credit“ entbehrt aber bei der schon zum Dauerzustand gewordenen finanziellen Situation unseres Glubbs auch nicht einer gewissen Ironie, oder?

    Grüße aus Roth

  8. Genau wie schon gesagt wurde: Namen sind Schall und Rauch. Wird ja schließlich keiner gezwungen, Werbenamen zu verwenden, ich denke noch nicht mal Journalisten. Ich freu mich jedesmal, wenn ich in der Zeitung von Spielen aus dem Frankenstadion lese (ja, ab und zu kommt das mal vor).

    Was mich interessieren würde: ist die Verwendung der Werbenamen Bestandteil der Fernseh-Rechte-Schacher-Verträge? Will sagen, darf die Sportschau bzw. Sky nur dann senden, wenn sie sich verpflichten, die Stadien so zu nennen, wie es die Werbeträger gerne hätten? Wundern würd’s mich nicht…

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