Legende auf Abschiedstournee

Zuletzt bekam er wieder regelmäßige Einsatzzzeiten, wenn auch nur als „Joker“ – und beim grandiosen 5:0 gegen St. Pauli verdiente sich Marek Mintal gar einen Scorerpunkt, als er Christian Eiglers vierten Treffer auflegte.  Dennoch scheint klar, dass der dreimalige Torschützenkönig nur noch in den Herzen der Fans „unantastbar“ ist, wie es auf einem Transparent heißt.  Bei Trainer Dieter Hecking konnte er sich nie einen Stammplatz erkämpfen, der auslaufende Vertrag des 33-Jährigen wird nicht verlängert. Mintal, seit 2003 im Verein,  hängt am Club, schlug deswegen auch eine Offerte aus den USA aus und würde sogar zu reduzierten Bezügen bleiben, heißt es – aber im harten Profigeschäft zählt das alles nicht, obwohl die Manager doch so gerne das „Söldnerwesen“  der Spieler beklagen, wenn diese zum Beispiel aus laufenden Verträgen aussteigen wollen.

Gut, selbst der im Umgang mit verdienten Spielern zumeist nicht besonders taktvoll agierende FCN (man denke jüngst an die Ausbootung von Dieter Lieberwirth) hat erkannt, dass man einem Marek Mintak nicht einfach den Stuhl vor die Tür setzen kann. Er bietet ihm ein Engagement im Jugendbereich an; aber auch wenn  der Slowake sich selbst schon scherzhaft als „Rentner“ bezeichnete, ein bisschen kicken will er dann doch noch. Notfalls in der Zweiten Liga.

Ein Kompromiss wäre aber doch, Mintal als Leitwolf der Regionalliga-Reserve zu installieren. Es ist unschön, Bayern München als Vorbild zu nehmen, aber der Rekordmeister hat mit dieser Methode Altstars wie Pflügler oder Fink einen gleitenden Übergang in den Ruhestand ermöglicht und zugleich der eigenen „Zweiten“ geholfen. Falls Mintal sich damit anfreunden könnte, gegen Wormatia Worms (die waren aber auch mal in der Zweiten Liga) und Greuther Fürth II zu spielen, wäre das vielleicht für beide Seiten eine gute Lösung. Und wenn bei den Profis doch ein Engpass in der Offensive entsteht (wer weiß, wie der Club die voraussichtlichen Abgänge von Gündogan oder  Schieber verkraftet), könnte der „Oldie“ einspringen.

Mintal gehört zum Kreis der 24 „Legenden“, die Bernd Siegler, Harald Kaiser und Christoph Bausenwein in ihrem Buch über die besten Spieler der Club-Geschichte vorstellten. Es wäre schön, wenn er noch weiter für den FCN auf Torejagd gehen würde, und sei es auch nur drei Stockwerke tiefer in der Regionalliga. Derzeit aber sieht es freilich eher so aus, als würde sich die Legende auf ihrer Abschiedstournee befinden.