Auswärtssieg mit Schönheitsfehler

Der Club hatte schon oft Pech, musste schon oft unglückliche Niederlagen hinnehmen. Heute hatten mal die anderen die Kacke am Schuh. Die Wolfsburger haben unser echtes Mitgefühl. Gleich zwei Mal in einem Spiel kurz vor der Pause einen Treffer kassieren, das ist schon hart. Der arme Pierre Littbarski, der wie ein Schuljunge an der Seitenlinie umherlief, sah am Ende drein: zum Gotterbarmen. Andererseits: Geld, das müssen die VW-Kicker inzwischen konstatieren, schießt eben doch keine Tore.

Die machen nicht die teuren Stars wie Diego oder Grafite, sondern vergleichsweise günstige Abwehrspieler wie (der neue Club-Goalgetter) Philipp Wollscheid oder Per Nilsson (kurz nach seiner Einwechslung). Der Club gewann, es tut uns leid, diese Parallele ziehen zu müssen, in einer Art, die wir eigentlich von den Bayern kennen: schlecht spielen und dann mit ein bisschen Druck und viel Dusel doch noch drei Punkte einfahren. An so etwas müssen wir uns wirklich erst gewöhnen. Leider hatten die Vorbilder mit dem HSV einen Gegner, der sich offenbar völlig aufgegeben hat und vergrößerten daher, zumindest was die Tore angeht, ihren Vorsprung auf den Club.

Bei aller Euphorie müssen wir leider aber auch das Thema Areva – wieder einmal – aufgreifen. Das ist mehr als bloß eine Kleiderfrage. Zwar liefen die Clubspieler (wie auch die Spieler der anderen Mannschaften) mit Trauerflor wegen der Tsunami-Opfer in Japan auf. Die Werbung für Erlanger Atomfirma auf den Trikots könnte man aber gleichzeitig fast schon als Verhöhnung der Menschen ansehen, die von der Reaktorunfall von Fukushima betroffen sind.

Klar, dass man nicht einfach kurzfristig den Sponsor wechseln kann oder das Logo „aus gegebenen Anlass“ überkleben. Aber Gründe, sich von diesem Sponsor zu trennen, gab es doch schon zur Genüge. Wir haben hier im Blog wiederholt darüber geschrieben. Und wer meint, die hocken doch in Erlangen, die haben mit Japan nichts zu tun, braucht nur auf die Areva-Webseite zu schauen oder sich beispielsweise den Bericht über die Lieferung von MOX-Brennstäben nach Japan durchlesen. Wem das immer noch nicht reicht, dem hilft vielleicht weiter, dass Areva in Saudi-Arabien Verhandlungen mit der Binladen Group führt.

Angesichts dessen, dass es im Bundesligafußball scheinbar nicht mehr ausschließlich aufs Geld ankommt, sollten die Club-Verantwortlichen jetzt endlich die Reißleine ziehen. Mit einem derartigen Sponsor verscherzt man sich nur die Sympathien, die sich eine (überwiegend) junge Mannschaft durch herzerfrischenden Fußball erspielt.

21 Kommentare in “Auswärtssieg mit Schönheitsfehler

  1. Also sorry, das finde ich nun – obwohl selbst erklärter Gegner der Kernkraft – absolut deplatziert und man tut der Sache und auch der Mannschaft wahrlich keinen Gefallen das überhaupt zu thematisieren und in Bezug zu setzen. Gerade in Anbetracht der Vorkommnisse hätte man den Opfern sicher mehr Gefallen getan, sich zurückzunehmen und Sport Sport sein zu lassen. Dass man perspektivisch da auch aufgrund der Fan-Proteste mal diskutieren sollte, ist davon vollkommen unberührt, aber das heute jetzt zu bringen finde ich gerade bigott und ich bin über diesen Artikel schockiert.

  2. @Alexander Entschuldigung,aber was soll daran bigott sein? Natürlich ist es immer problematisch, aktuelle Ängste aufzugreifen um darauf sein (politisches) Süppchen zu kochen. Bei der Atomenergie – und auch bei der Diskussion um den Clubsponsor – ist es aber doch schon seit Jahren so, dass das immer wieder aufkommt, wenn sich ein, nach Aussagen der Betreiber eigentlich unmöglicher, Störfall ereignet und dann wartet man, bis sich die Wogen wieder geglättet haben.
    Wenn man dann erst diskutiert, passiert das, was immer passiert: gar nichts. Willst du das?

    • @B.Weizenkeim – Wie gesagt, es geht mir in dem Fall nicht um die Sache Kernkraft, zu der ich – wie auch gesagt – selbst eine klare Meinung habe und einen generellen Ausstieg befürworte. Ich habe nur ein Problem damit, wenn man Sport für politische Themen instrumentalisiert und genau das empfinde ich eben gerade. Beim Club können nun mal weder die Fans noch die Spieler etwas „dafür“ und ihre berechtigte Freude wird getrübt, da von einem Thema überlagert, das einfach nicht zusammengehört.

      Wenn ich „bigott“ schreibe, dann deshalb, weil man zwar von fehlendem Mitgefühl schreibt, ja sogar von „Verhöhnung der Menschen“, aber eigentlich doch selbst erst mit dem Artikel das Thema aufmacht und damit den Betroffenen das Unglück erst Recht noch mal vor Augen führt, dort wo man sich eigentlich für eine kurze Weile ablenken wollte, indem man sich dem Sport zuwendet und die Tagesnachrichten mal für 90 Minuten aus macht.

      Ich fand im Übrigen auch die Fragen vor und nach dem Spiel an Littbarski zu seiner Betroffenheit vollkommen deplatziert. Man sollte den Sport Sport sein lassen und nicht versuchen Dinge hineinzutragen. – Sport ist und bleibt eine Nebensache, vielleicht einer der schönsten, nicht mehr, nicht weniger. Der Trauerflor war die richtige Maßnahme, mehr hätte es nicht bedurft.

      Daher: Nix für ungut. Ich kann die Gedanken sogar nachvollziehen, ich persönlich hätte es aber halt lieber gesehen, wenn man es nicht thematisiert hätte. Gerade eben aus Respekt vor Thema und Menschen.

  3. Man sollte die „Bin Laden Group“, die übrigens in den 70er Jahren Formel1-Sponsor war (ja, da prangte der Schriftzug „Bin Laden“ auf einem Boliden), gedanklich nicht unrecherchiert mit Osama Bin Laden in einen Topf werfen.

  4. Der Trikotsponsor ist mir persönlich auch schon lange ein Dorn im Auge.
    Das darf man ruhig auch aufgrund der aktuellen Ereignisse erneut thematisieren! Daumen hoch dafür, auch wenn es nichts ändert und den Menschen in Japan grad auch nicht hilft.

    Aber was beim Club momentan passiert ist wirklich der Hammer…
    Wir sind RÜCKRUNDENHERBSTMEISTER 2011!!!! 🙂

  5. „Die Werbung für Erlanger Atomfirma auf den Trikots kann man aber gleichzeitig fast schon als Verhöhnung der Menschen ansehen, die von der Reaktorunfall von Fukushima betroffen sind.“

    Sorry, ich bin auch kein Freund von Atomkraft aber solch ein Statement geht entschieden zu weit und ist einfach nur scheinheilig. Den Opfern in Japan ist damit schon gleich dreimal nicht geholfen.

  6. @Mike Meinst du, mit solchen Kommentaren würdest Du den Opfern in Japan helfen? Das ist doch genau die Taktik der Atomlobby: ablenken, abwarten und abwiegeln – bis dann der nächste Unfall passiert.

  7. Pingback: Glubb-Blog Clubfans bei FCN-Auswärtsfahrten und Groundhopping - VfL Wolfsburg – FCN 1:2! Der 40. Punkt im Stile einer Spitzenmannschaft!

  8. Mein Gott, meisst ihr euch da etz künstlich aufregen? Das Wichtigste is erstmal auf dem Platz: Eurooooooooooobabooogal, Eurooooooooooobabooogal,Eurooooooooooobabooogal!
    Esst weiter eure Grünkernpuffer und glaubt an die Weltverbesserung mit Grünpiss! Wie man jetzt diesen sensationell-geilen Sieg schon wieder schlecht reden muss… Grausam!

  9. Ich bin gerade mal mit dem Anpfiff im Stadion gewesen, habe nach ein paar Minuten die Trauerbänder an den Ärmeln registriert und habe meine Nachbarn gefragt: Warum?
    Einhellige Antwort: Keine Ahnung!
    Ich dachte mir dann schon, dass es irgendwie mit den Ereignissen in Japan zu tun hat (die Trauerflore der VW-Burger fielen, im Gegensatz zu denen des Clubs, kaum auf).
    Mein 1. Gedanke: Konsequent wäre gewesen, die AREVA-Werbung zu überkleben!!!

  10. Mein einziger Gedanke zu dem AREVA-Vorschlag: Man sollte das politische aus dem Sport raushalten!
    Sonst müsste man konsequenterweise anfangen etwas tiefer zu graben und z.B. Beteiligungen von Firmen die Trikotwerbung machen kritisch zu durchleuchten oder das Gebaren eine Herrn Maschmeier (AWD/Hannover).

  11. Also, ich muß Alexander schon recht geben, ich finds in diesem Zusammenhang auch bigott bzw. schlichtweg doof.

    Wenn morgen ein ICE entgleist, muß Hertha umgehend den DB Schriftzug überkleben, stürzt ein Urlaubsflieger ab, sollte Hannover natürlich eine Zeit lang auf TUI-Werbung verzichten und nachdem es sich bei dem Mörder des kleinen Mirko um einen Telekom Mitarbeiter gehandelt hatte, war es natürlich völlig pietätlos von Bayern München, nicht mindestens für einen Spieltag den T-Schriftzug zu überkleben!

  12. Ihr wisst aber schon, dass der Wunsch die Politik draußen zu lassen auch von den Volksmusikfreunden vorgebracht wurde, nachdem die ARD den Musikantenstadel wegen Japan ausfallen ließ.

  13. Abschalten ist schon richtig. Aber doch bitte nicht die Köpfe, sondern die Atomkraftwerke!

  14. 1. Liebe „Clubfreunde“, gab es in Eurer „Nürnberger Zeitung“ oder auf Eurem Online-Auftritt noch nie eine Werbeanzeige von E.ON oder RWE oder gar Areva? Schätze schon, oder?

    2. Es ist richtig, dass an dieser Stelle schon des Öfteren der Hauptsponsor angeprangert wurde. Dieser Meinung kann/muss man sich durchaus anschließen, nicht erst seit diesem Wochenende. Aber Sportliches mit Politischem vor dem Hintergrund einer aktuellen Katastrophe in einem Text zu verwursteln, geht gar nicht, ist unsachlich und bigott.

    3. unterstreiche ich den Beitrag von Michael Fischer.

  15. Bei so vielen fast gleichlautenden und -formulierten Beiträgen (bigott…) könnte man leicht eine von einer hiesigen Nuklearfirma gesteuerte PR-Aktion vermuten. Dass da auch der Bundestrainer dabei ist, macht es nicht besser. Genausowenig, dass die Atomlobby auch anderswo Werbung macht.
    Ich finde, der Club kann sich inzwischen einen weniger umstrittenen Sponsor leisten.

    • Gerne wiederhole ich mich, wenn’s dem Verständnis dient.

      Ein weniger umstrittener Sponsor für den Club wäre mir auch wesentlich lieber. Überhaupt keine Frage. Besser gestern als heute.
      Alleine das Spiel in Wolfsburg mit dem Sponsor vor dem Hintergrund der Katastrophe in Japan in einen Kontext zu bringen, halte ich für falsch.
      Oder mit anderen Worten: ich kritisiere die Machart des Textes, ohne dabei unseren Sponsor auch nur annähernd gut zu finden.

      • Kann sein, dass ich wegen der Katastrophe in Japan etwas schlechter „abschalten“ konnte als andere FCN-Freunde. Aber sorry, den Zusammenhang damit habe nicht ich alleine hergestellt. Den hatte jeder der Spieler in Form eines Trauerflors am Arm. Der wiederum steckte bei einer der beiden Mannschaften in einem Areva-Trikot. Dass da Dialektik etwas überstrapaziert wird, das muss einem doch noch auffallen dürfen. Auch als Clubfan.

  16. @vip

    Aus meiner Sicht wäre es besser gewesen, beide Themen in zwei getrennten Texten/Blogbeiträgen zu bringen. Zum einen der erfreuliche Auswärtserfolg in Wolfsburg. Zum anderem die unerfreuliche Geschäftstätigkeit des Trikotsponsors vor dem Hintergrund der traurigen Aktualität. Aber wie gesagt, so halt meine Leser-Sicht.

    Dass Du aufgrund der Katastrophe in Japan schlecht „abschalten“ konntest, kann ich sehr gut nachvollziehen. Vielleicht sollte man manchmal auch als Leser toleranter sein und seinen „Club-Blutdruck“ im Zaum halten. Es ist sehr schwierig, die aktuellen Geschehnisse zu fassen bzw. in Worte zu fassen.

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