Wo geht die Legende hin?

Im harten Profigeschäft ist für Sentimentalitäten kein Platz. Oder doch? Der Abschied von Marek Mintal am Samstag ging jedenfalls richtig ans Gemüt. Der Club, nicht gerade ein Vorbild im Umgang mit verdienten Spielern, hat dem einzigen Bundesliga-Torschützenkönig, den der Verein je hatte, einen Abschied in Würde ermöglicht. Dazu gehört nicht nur das Rahmenprogramm am Samstag (ein Beispiel: über die Leinwände flimmerten beim Song „Die Legende lebt“ ausschließlich Mintal-Bilder) , sondern auch die Tatsache, dass Trainer Dieter Hecking für das Fan-Idol in den vergangenen Wochen stets einen Platz im 18er-Kader bereithielt. Einen Mintal setzt man nicht auf die Tribüne.

Aber weil das Geschäft insgesamt eben doch reichlich unsentimental ist, muss Mintal den Verein nun verlassen. Der 33-Jährige hat keine Perspektive mehr im Profikader, der auslaufende Vertrag wird nicht verlängert. In Heckings Planungen spielt die Legende keine Rolle mehr. Mintal hätte nur als Nachwuchstrainer bleiben können. Aber der „Oldie“ würde eben gerne noch zirka zwei Jahre spielen. Wo, ist ungewiss. Angeblich würde Andre Schubert, ab kommende Saison neuer Coach von St. Pauli, ihn  gerne ans Millerntor holen, vielleicht gibt es auch andere Angebote aus der Zweiten Liga. Im Gespräch ist auch eine Rückkehr nach Zilina, wo Mintals Traumkarriere einst begann. Oder will er im Katar nochmals richtig viel Geld verdienen?

Nach wie vor ist für mich unverständlich, warum folgende Lösung nicht ernsthaft diskutiert wurde: Mintal wird Kopf des Regionalligateams. Dort hätte er seine aktive Karriere fortsetzen können und parallel an den Job als Nachwuchscoach herangeführt werden können. Und nach dem Abgang der Jungen wie Ekici und Gündogan, die ihn im offensiven Mittelfeld den Rang abgelaufen haben, steht hinter der Offensive des Clubs für die kommende Spielzeit ein großes Fragezeichen – vielleicht wäre es da doch gut gewesen, einen Mintal als „Standby-Profi“ in der Hinterhand zu haben.
  

Aber das wurde irgendwie nicht intensiv diskutiert. Oder Mintal hat es hinter den Kulissen ebenso abgelehnt wie den Job im Nachwuchsbereich. Schade jedenfalls. Die ungeliebten Bayern haben mit diesem Modell gute Erfahrungen gemacht (Pflügler, Fink).

Es ist fast ein wenig untergegangen, dass neben Mintal noch fünf weitere Spieler den obligatorischen Blumenstrauß erhielten, der unter ihre Laufbahn beim Club ein Ende setzte. Mehmet Ekici (zunächst zurück zu Bayern, vielleicht auch nach Bremen) und Stürmer Julian Schieber (VfB Stuttgart) waren lediglich für ein Jahr ausgeliehen, Ilkay Gündogan verabschiedet sich nach zweieinhalb Spielzeiten im Club-Trikot zu Borussia Dortmund. Alle drei gehörten zu den absoluten Leistungsträgern und dürften schwer zu ersetzen sein. Linksverteidiger Pascal Bieler, drei Jahre im Verein,  kam als Vertreter Javier Pinolas vor allem in der Zweiten Liga zum Zuge, da der Argentinier damals als Innenverteidiger gebraucht wurde. Auch in den Spielzeiten 2009/10 und 2010/11 durfte Bieler Stammkraft Pinola noch ab und zu ersetzen, doch der junge Marvin Plattenhardt lief ihm in dieser Funktion den Rang ab – Bieler war zuletzt nur noch dritte Wahl. Er teilte dieses Schicksal mit Timo Ochs, dem der Club im Winter für ein halbes Jahr verpflichtete, um einem potenziellen Torwart-Engpass vorzubeugen.  Nun bekamen die beiden Ersatzleute keine neuen Verträge mehr. Aber das kann ja sogar Legenden passieren.

Hier noch weitere Harald-Sippel-Bilder vom Abschied Marek Mintals:

…und noch eine wunderschöne Erinnerung:

2 Kommentare in “Wo geht die Legende hin?

  1. Die Idee mit dem Standby-Profi im Regionalligateam hatten viele, aber ich denke, das war dem Marek ein wenig zu unterklassig. 1-2 Jährchen 2. Liga hat er schon noch drauf. Mich wundert, dass man in Ingolstadt schon aufgrund der räumlichen Nähe (Marek wird ja Nürnberger resp. Vorstädter bleiben) noch nicht auf die Idee gekommen ist, mal anzufragen.

  2. @ Claus: Ist vielleicht auch die Frage, ob Mintal und Leitl nicht die selbe Position besetzen und ob es ein System für beide nebeneinander gibt….

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