Der Ruhmreiche und die Saison 2010/11

Wer hätte mit diesem Ende gerechnet? Hannover trifft auf den Club, der eine Verein  ist Vierter, der andere Sechster, beide können ganz entspannt das letzte Spiel angehen. Zur Erinnerung: Im Vorjahr retteten sich beide Teams auf Kosten von Bochum und Berlin erst in letzter Sekunde. Mit so einem entspannten  Saisonabschluss war also wirklich nicht zu rechnen. 

Übrigens auch zu Beginn der Saison noch nicht, denn der FCN startete von den Ergebnissen her sehr durchwachsen. Also drehen wir zum Ende einer sehr zufriedenstellenden Spielzeit die Uhr noch einmal zurück… Der 1.FC Nürnberg startete mit einem Remis in Gladbach und verlor dann gleich mal das erste Heimspiel gegen Freiburg. Nach zwei weiteren Unentschieden glückte erst im fünften Spiel der erste Sieg – Linksverteidiger Javier Pinola gelang in letzter Minute das 2:1 im Heimspiel gegen Stuttgart.

Bis in den November hinein konnten die Fans mit dem weiteren Saisonverlauf dann sehr zufrieden sein. Die Neueinkäufe schlugen prächtig ein: Die  Routiniers Timmy Simons und Per Nilsson sorgten für eine stabile Defensive, standen aber im Vergleich zu den Youngsters etwas – zu Unrecht – im Schatten. Vorne wirbelten die jungen Leihgaben Mehmet Ekici und Julian Schieber und bildeten mit Ilkay Gündogan nicht nur beim 3:2 in Bremen (zwei Gündogan-Tore, eines von Ekici) ein famoses Dreiergespann.

Was die Fans aber wohl mindestens genauso freute wie das stabile Auftreten des Clubs: Der taumelnde FC Bayern München und stand in der Tabelle an den Spieltagen sieben und elf sogar hinter den Nürnbergern, weshalb Oberbürgermeister Ulrich Maly die jeweiligen Tabellen im Kühlschrank des Rathauses einfrieren wollte. Für schlechte Zeiten…

Und die sollten bald kommen….  denn es dräute der  14. November 2011 und die Reise nach München: Der Club kassierte an diesem zwölften Spieltag eine 0:3-Pleite und Pinola nach seiner Spuck-Attacke gegen Bastian Schweinsteiger die Rote Karte. Weil im anschließenden Heimspiel gegen Kaiserslautern neben dem gesperrten Pinola mit Nilsson und Juri Judt noch zwei weitere Glieder der Viererkette ausfielen, musste der gelernte Offensivmann Dario Vidosic  als Rechtsverteidiger aushelfen und erlebte ein Fiasko. Der FCN verlor 1:3, und für den Australier, der in der Winterpause nach Bielefeld wechselte, war es das letzte Spiel im Club-Trikot. Auch für Aufstiegsheld Isaac Boakye, der nur noch auf zwei Kurzeinsätze kam, fiel nach der Vorrunde der Vorhang.

Nach vier Niederlagen in Serie ab der Bayern-Pleite und einem Unentschieden endete diese Vorrunde mit dem 3:1 in Hannnover und Platz elf immerhin noch einigermaßen versöhnlich. Im Januar 2011 gab es wieder Rückschläge wie das 0:1 gegen Gladbach und das bittere Pokal-Aus im Viertelfinale gegen Schalke. Doch in diesem Monat startete der FCN dann auch eine grandiose Serie mit acht Partien ohne Niederlage, die den Verein von Platz zwölf auf sechs spülte und das Abstiegsgespenst aus Nürnberg vertrieb. Darunter war auch das 5:0 über den FC St. Pauli, das für viele Fans den Saison-Höhepunkt darstellte. Dieser 5. März 2011 bedeutete für die fortan durchgereichten Kiez-Kicker den Anfang vom Ende, während sich Christian Eigler mit vier Treffern an jenem Nachmittag in die Club-Annalen eintrug. Fan-Idol Marek Mintal, zwei Monate später tränenreich verabschiedet, bereitete das 5:0 Eiglers vor und kam so zu seinem letzten Scorerpunkt in Rot-Schwarz.

Eine Woche später trafen Verteidiger Philipp Wollscheid, der den zwischenzeitlich verletzten Nilsson inzwischen aus der Stammelf verdrängt hatte, und eben jener Nilsson als „Joker“ zum 2:1-Erfolg in Wolfsburg, die den Abschluss der famosen Serie bildete. Von den acht Spielen bis zum Saisonschluss gewann der FCN nur noch eines (2:0 in Kaiserslautern am 16. April 2011), die Träume von Platz fünf und der damit verbundenen Europa-League-Qualifikation platzten, weil dem Club am Schluss die Puste ausging. Viele Fans aber glauben, dass sich der Verein mit der Europa League ohnehin verhoben hätte.

Rang sechs konnte indes trotz der Durststrecke am Schluss gehalten werden. Als bester Torschütze darf sich Eigler (acht  Tore) vor Schieber (7) und Gündogan (5) feiern lassen, die meisten Einsätze hatten Torhüter Raphael Schäfer, Mittelfelfmann Jens Hegeler und Simons, die in allen 34 Spielen dabei waren. Dass zum Abschluss in Hannover (1:3) der 18-jährige Julian Wießmeier bei seinem Debüt gleich traf, passt zu einer Saison, in der viele junge Spieler wie Gündogan (20), Ekici (21), Schieber (22), Almog Cohen (22) oder Wollscheid (22) das Gesicht des Clubs prägten, die „Nachrücker“ wie Timothy Chandler (21), Robert Mak (20) oder Marvin Plattenhardt (19) nicht zu vergessen. Doch auch auf die Routiniers wie Simons (34), Schäfer (32), Wolf, Pinola, Nilsson (alle 28) oder Eigler (27) war Verlass.

Fazit: Ein tolles Jahr für den Ruhmreichen. Und vor allem so entspannend für das Nervenkostüm der Anhänger… 

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1 Kommentar in “Der Ruhmreiche und die Saison 2010/11

  1. Wollscheid hat seit er spielt die Abwehr stabilisiert. An ihm konnten sich auch „alte Hasen“ teilweise aufrichten. Ohne Wollscheid wäre der Clubb noch ins Straucheln gekommen.

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