Tschüss, Andy!

 Der Club wird allmählich zum Kindergarten. Nun geht einer der letzten Routiniers: Kapitän Andreas Wolf konnte sich mit dem Verein nicht auf einen neuen Vertrag einigen. Schade, denn Wolf gehörte am Valznerweiher zum Inventar – im März 2002 absolvierte er sein erstes von insgesamt 175 Bundesligaspielen für den 1.FC Nürnberg. Bei der 0:2-Niederlage in Berlin agierte der Innenverteidiger an der Seite von Akteuren wie Paulo Rink, Anthony Sanneh, Tommy Larsen oder Jacek Krzynowk. Neun Jahre spielte Wolf für die Club-Profis, in der schnellebigen Fußball-Welt ist das eine Ewigkeit. Hätten sich Trainer Dieter Hecking und Manager Martin Bader mehr bemüht, wären wohl noch einige Spielzeiten hinzugekommen, aber Wolfs Aktien standen bei den Verantwortungsträgern offensichtlich nicht mehr allzu hoch im Kurs. Nun zählen Verdienste von gestern im harten Profigeschäft wenig, und aus dem rustikalen Abwehrrecken Wolf wird auch kein Filigrantechniker mehr – aber dennoch ist es fraglich, ob Hecking und Bader sich einen Gefallen damit tun, den Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung auf diese Weise zu entschärfen.

Philipp Wollscheid spielte eine überragende Rückserie, aber bei dem jungen Talent wären Einbrüche nicht verwunderlich. Ob es bei Maroh und Klose langfristig für die Bundesliga reicht, bleibt abzuwarten. Routinier Per Nilsson dagegen dürfte nun wieder eine feste Größe sein. Doch es wäre zweifelsohne spannender geworden, wenn es zum Konkurrenzkampf zwischen Wolf, Nilsson und Wollscheid gekommen wäre.  

Nun ist für Wolf, der neben den besagten 175 Bundesligaeinsätzen (sechs Tore) auch 38 Zweitligaspiele (ein Tor) für den FCN bestritt, also Schluss. Zwei Ab- und zwei Aufstiege hat der 28-Jährige mit dem Club durchlebt, er gehört ebenso wie Marek Mintal zu den Legenden, die das Autorentrio Kaiser/Siegler/Bausenwein in ihrem gleichnamigen Buch verewigt haben und stand auch im Pokalfinale 2007 beim 3:2 über Stuttgart auf dem Platz. Tschüss, Andy!

7 Kommentare in “Tschüss, Andy!

  1. „Doch es wäre zweifelsohne spannender geworden, wenn es zum Konkurrenzkampf zwischen Wolf, Nilsson und Wollscheid gekommen wäre.“

    Ich persönlich glaube ja eher, dass Andy sich genau dem nicht stellen wollte. Hecking wollte ihm sicher keine Stammplatzgarantie geben und das (was auch sonst?!) war wohl der Grund, warum Andy nicht bleiben wollte (nimmt man ihm ab, dass es eben nicht ums Geld ging …).

  2. Mit Wolf geht die zweite Legende. Danke, Andy, dass Du in der zweiten Liga treu warst – dafür schmeissen wir Dich jetzt raus!

  3. Ciao Andy, mir fehlen etwas die Anhänger (ala Pinola) ich finde es schade das wir einen solch verdienden Spieler einfach so ziehen lassen. Das er Angst vor Kokurenz hatte glaub ich mal gar nicht.
    Ich hoffe für uns und die Verandwortlichen das wir das nicht noch bitter böse bereuen.

    Gruss Dieter

  4. Serrrrrrvuuuus Andy,
    Menschlichkeit in der Bundesliga, alle reden davon aber die wenigsten Vereine halten sich daran. Unser Kapitän hätte einen stilvolleren und profihafteren Abschied verdient. Viel Erfolg Andy wo immer auch dein Weg hinführt

  5. Das Argument mit der fehlenden Stammplatzgarantie ist nicht von der Hand zu weisen – besonders bei einem leistungsbezogenen Vertrag.

    Fehlte Andy das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit? Ich denke ja – sonst hätte er den neuen Vertrag nicht zu fürchten brauchen.

    Dem Club fehlt leider das Geld, um teuere Bankdrücker mitzuziehen. Dieses Risiko konnte der Club beim besten Willen nicht eingehen.

  6. Servus Andi,
    ich verfolge Deine Fußballkarriere nun schon so viele Jahre, ich glaube 1995/1996 habe ich Dich in Ansbach zum Ersten Mal spielen sehen. Ich war begeistert als Du bei unserem „Club“ aufgeschlagen bist und habe seitdem eigentlich kein Spiel versäumt. Ich durfte Dich so manches Mal beim Training treffen, es gibt so einige gemeinsame Fotos, und wir wechselten auch so manche kritischen Worte. Vielen Dank für Deinen langjährigen Einsatz für unseren Club und die immer offenen und ehrlichen Worte am Trainingsplatz. Schade, dass dies nun durch kommerzielle bzw. wirtschaftliche Hintergründe beendet wird. Ich wünsche Dir für die Zukunft alles Gute und bin gespannt wohin es Dich verschlägt. Sehr gerne hätte ich mir auf mein Wolftrikot noch ein Autogramm geben lassen, aber vielleicht ergibt sich ja noch eine Gelegenheit.
    rot schwarze Grüße,

    Stefan

  7. „Nun zählen Verdienste von gestern im harten Profigeschäft wenig, und aus dem rustikalen Abwehrrecken Wolf wird auch kein Filigrantechniker mehr – aber dennoch ist es fraglich, ob Hecking und Bader sich einen Gefallen damit tun, den Konkurrenzkampf in der Innenverteidigung auf diese Weise zu entschärfen.“

    Offensichtlich hat Andy aber wohl seine Verdienste etwas zu hoch aufgehängt und die mangelnde Wertschätzung etwas zu sehr an seine Verdienste gekoppelt. Der Wert für das Mannschaftsgefüge als Führungsspieler, was gerne angeführt wird, hätte leicht auch umschlagen können in einen Konfliktherd, der dem Mannschaftsgefüge schadet. Denn den offenen Brief kann man in Teilen auch als “Nachtreten” sehen. Und gibt einem einen Vorgeschmack, was passiert wäre, hätte er tatsächlich auf der Bank oder gar der Tribüne schmoren müssen.

    Eigentlich sollten wir auf das Urteilsvermögen unserer sportlichen Leitung vertrauen, die ein Konfliktpotential entweder verringern wollten oder es eben bereinigen mussten, nachdem kein Entgegenkommen signalisiert wurde und Andy wohl auf einen Sonderstatus gehofft hatte. Offensichtlich ist für mich jedoch, dass Bader und Hecking das drohende Problem erkannt hatten und entsprechend handeln mussten, denn Andy Wolf ist sicherlich keiner, der sich klaglos auf die Bank setzen würde.

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