Bielefeld und Nürnberg: Die Fahrstuhlkönige

 „Und sehen wir uns nicht in dieser Welt
  dann sehen wir uns in Bielefeld!“, trällerte einst Udo Lindenberg. Als das Pokal-Los auf Bielefeld fiel, stöhnte ein Kollege aus der Sportredaktion – er wäre lieber mal in eine Stadt gefahren, die er noch nicht kennt. Dafür, dass es Bielefeld laut Lindenberg und vielen anderen nämlich gar nicht gibt, kreuzen sich die Wege des 1.FC Nürnberg und des DSC Arminia Bielefeld nämlich erstaunlich oft.

Gut, bisweilen gab man sich auch die Klinke in die Hand, wenn der eine mal wieder ab- und der andere aufstieg. Beide Vereine mussten sieben Mal die Bundesliga verlassen, das ist Rekord. Und bei beiden war Abstieg Nummer eins der spektakulärste: Der 1.FCN stürzte 1969 als amtierender Meister ab, Bielefeld, seit 1970  in der Bundesliga,  musste wegen des Bestechungsskandals 1972 zwangsabsteigen.

In der Zweiten Bundesliga traf man sich nicht, denn die war damals noch in Nord und Süd zweigeteilt. Gleichwohl bewegten sich Club und Bielefeld im Gleichschritt: 1978 schafften beide Vereine die Bundesliga-Rückkehr, 1979 stürzten sie synchron in Liga zwei ab. Und 1980  gelang beiden Klubs postwendend der Wiederaufstieg. 

Anschließend hielt sich der Club vier Jahre in der Bundesliga, bis es wieder nach unten ging. Nürnberg schaffte 1985 sofort den Wiederaufstieg, traf aber die gerade abgestürzte Arminia im Oberhaus nicht mehr. Und während Bielefeld sich 1988 sogar Richtung Drittklassigkeit verabschiedete, erlebte der Club seine stabilste Bundesliga-Periode. Neun Jahre hielten sich die Rot-Schwarzen oben.     

1995/96 gab es ein Wiedersehen beider Klubs in der inzwischen längst eingleisigen Zweiten Liga. Bielefeld, gerade frisch aufgestiegen, marschierte nach oben durch, der Club landete auf Rang 17 und somit in der Regionalliga. Doch Nürnberg folgte dem Bielefelder Beispiel und war nach zwei Aufstiegen 1998 wieder erstklassig. Im Gegensatz zu Bielefeld, das 1998 wieder nach unten musste. Fortan gewann der Auf- und Abstiegswettlauf noch mehr an Dynamik: Bielefeld stieg 1999 auf, der Club 1999 ab, Bielefeld stieg 2000 ab, der Club 2001 auf. Bielefeld folgte 2002 nach. 2003 stiegen beide gemeinsam ab und 2004 wieder in die Bundesliga auf. Nun endlich stoppte der Fahrstuhl. In der Saison 2007/08 steckten beide dann ganz tief im Abstiegsstrudel, Bielefeld konnte sich retten, der Club nicht. 2009 wäre man sich beinahe in der Relegation begegnet, aber Cottbus schnappte der Arminie Rang 16 weg. Zum bislang letzten Mal gaben sich die Rekordabsteiger die Klinke in die Hand. Für Bielefeld ging es nach unten, für den Club nach oben.

Inzwischen ist Arminia Bielefeld sogar nur noch drittklassig und daher krasser Außenseiter im Duell mit dem Club. Aber die Mannschaft ist völlig neu formiert und daher unberechenbar. Vielleicht ist ja, um bei Lindenberg zu bleiben, ein Bodo Ballermann dabei, der den Club aus dem Pokal wuchtet. Wir wollen es nicht hoffen.

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