Tod eines Sympathieträgers

Bei einem Gesprächsabend der Deutschen Akademie für Fußball-Kultur plauderte Club-Idol Dieter Eckstein vor einiger Zeit launig darüber, wie ihn sein damaliger Trainer Willi Entenmann eines Nachts auf dem Hotelzimmer davon überzeugen wollte, doch endlich das Rauchen aufzugeben.  Entenmann, erinnerte sich Eckstein, sei ein „absoluter Gesundheitsfanatiker“ gewesen. Das macht es fast noch etwas trauriger, dass Willi Entenmann nur 68 Jahre alt wurde. Dass der Tod ausgerechnet beim Langlaufen anklopfte, passt dagegen ins Bild.

Willi Entenmann war zweifelsohne einer der wichtigsten Trainer in der jüngeren Vereinsgeschichte des 1.FC Nürnberg. In der Spätphase der Bundesliga-Saison 1990/91 holte ihn das damalige Präsidium um Sven Oberhof als zusätzlichen Assistenten für Chefcoach Arie Haan an Bord, dem Entenmann bereits zuvor beim VfB Stuttgart assistiert hatte. Selten hatte ein Co-Trainer eine solche Bedeutung. Entenmann galt als Schlüsselfigur für die Rettung des 1.FC Nürnberg, die der Club erst am  letzten Spieltag in Wattenscheid durch einen 1:0-Sieg perfekt machte.

Doch das ist beileibe nicht die einzige positive Erinnerung, die die Fans mit Entenmann verbinden. Zwei tolle und vor allem sorgenfreie Spielzeiten mit dem Schwaben als Übungsleiter haben sich fest ins Gedächtnis gebrannt. Da ist zum einen die Saison 1991/92, als Entenmann, der nach der Trennung von Haan vor Saisonbeginn in den Chefsessel aufgerückt war, ein Team formte, das zum Beispiel im August 1991 den 1.FC Köln mal locker mit 4:0 aus dem Stadion fegte. Die Torschützen hießen Martin Wagner, Kay Friedmann, Sergio Zarate und Dieter Eckstein. Im selben Spieljahr gelang durch Treffer von Zarate (2) und Youngster Christian Wück auch ein denkwürdiger 3:1-Erfolg beim FC Bayern München. Zwischenzeitlich konnte der FCN von der Uefa-Cup-Teilnahme träumen, unter dem Strich stand ein sehr solider siebter Platz im damaligen 20er-Feld.

Klare Siege waren auch in der Spielzeit 1996/97 an der Tagesordnung, als der Club unter Entenmanns Regie souverän durch die Regionalliga marschierte und das Intermezzo in der Drittklassigkeit rasch beendete. Sicher, die Gegner hießen damals Ditzingen oder Egelsbach – aber Entenmann hat dem Verein nach drei sportlichen Abstiegen in Serie (1995 blieb der Club nur wegen Lizenzentzügen für Saarbrücken und Dresden  in der Zweiten Liga) neues Leben eingehaucht.

Anders als andere Erfolgstrainer des Clubs – man denke etwa an Hans Meyer oder Klaus Augenthaler – hatte sich Entenmann am jeweiligen Ende seiner Amtszeiten auch nicht verschlissen. Ganz im Gegenteil: Im November 1993 musste er nach einem 2:0-Triumph über Bayern München seinen Stuhl räumen. Der damalige Präsident Gerhard Voack sorgte für eine der bizarrsten Trainer-Entlassungen in der Bundesliga-Geschichte.   Zuvor hatte der Coach den Club in ganz schwieriger Lage in der Bundesliga gehalten. In der Saison 1992/93 gelang der Klassenverbleib, obwohl vor der Saison aus finanziellen Gründen Stars wie Zarate, Wagner oder Andre Golke verkauft werden mussten. Vor der Spielzeit 1993/94 durfte Entenmann wieder einkaufen, unter anderem kamen Golke und Zarate zurück. Ein schweres Startprogramm ließ den Club aber rasch in den Keller geraten. Doch im November, nach dem Sieg über die Bayern, schien Entenmanns Team die Kurve bekommen zu haben. Dann folgte die Entlassung des Übungsleiters, am Ende stieg der Club ab.

Unspektakulärer endete Entenmanns zweites Engagement am Valznerweiher. Der FCN kam in der Zweitligasaison 1997/98 nicht recht in Tritt, schon nach fünf Spieltagen riss bei Präsident Michael A. Roth der Geduldsfaden. Unter Nachfolger Felix Magath gelang am Ende der Aufstieg. Es bleibt Spekulation, ob mit Entenmann ein ähnlicher Erfolg möglich gewesen wäre.

Der einstige Abwehrspieler war vorher Co-, Interims- und Chefcoach des VfB Stuttgart, später betreute er zum Beispiel ein knappe Saison lang die SpVgg Unterhaching in der Zweiten Liga. Doch seine größte Zeit als Trainer hatte er beim Club.  Für die Fans ist der sachlich-seriöse Übungsleiter ein Sympathieträger geblieben.

1 Kommentar in “Tod eines Sympathieträgers

  1. Ja, so ist es. Willi Entenmann hatte teilweise ganz schlechtes Spielermaterial zur Verfügung. Was er aus denen herausholte, war schon bemerkenswert.

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