Befallen vom FCB-Syndrom

Wir haben uns hier bereits früher in der medizinischen Diagnostik Fußball-affiner Krankheiten versucht. Zum Beispiel haben wir im Clubfreunde-Blog erstmals das Waldi-Syndrom definiert und so einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Diesmal geht es um das FCB-Syndrom oder FC-Bayern-Syndrom. Das ist zwar schon seit Jahren bekannt, allerdings wurde mit dem Begriff seinerzeit Erfolg bei gleichzeitiger Unbeliebtheit erklärt. Inzwischen hat sich das Krankheitsbild gewandelt. Durch noch mehr Erfolg (Triple) verblasst der Faktor Unbeliebtheit fast völlig. Wenn einer alles gewinnt, sind die anderen generell die Loser, also auch all jene, bei denen man unbeliebt sein könnte. Man muss diese also nicht mehr ernst nehmen.

Die Gründe,die zu einer Infektion führen, liegen vorwiegend im persönlichen Bereich. Den am FCB-Syndrom Leidenden geht es wie den meisten Menschen: Sie gewinnen selten und haben meist nicht den Erfolg, der ihnen zustünde. Anstatt sich damit abzufinden, versuchen sie als Fan des FCB zu demonstrieren, dass sie in Wirklichkeit Siegertypen und zu Höherem geboren sind. Gleichzeitig bietet ihnen dies die Chance, Andersfanige (also zum Beispiel Clubfans) mit herablassendem Blick in die Verliererecke zu stellen und sie so als lästige Konkurrenz im beruflichen Alltag auszuschalten.

Die Ansteckungsgefahr ist gerade in einer erfolgsorientierten Ellenbogengesellschaft groß. Leider trifft das auch auf unsere Multiplikatoren zu. Zum Beispiel unsere Journalistenkollegen. Dort kippten sie in den letzten Monaten reihenweise um. Jeder, der nicht von Berufs wegen einen Verliererverein zugeteilt bekommen hat, schwenkt zu den Siegern um. Leute, die von Fußball nur wissen, dass er Leser und Klicks bringt, sind auf einmal FCB-Fans. Die kommen dann nach Bayern-Siegen aufgeregt ins Büro gerannt, um eintrainierte Sätze, wie „Schee hammer gschpielt!“ von sich zu geben. Früher konnte unsereiner da immer antworten: „Ach was, Dusel habt ihr gehabt!“ Aber die Zeiten sind vorbei. Inzwischen solidarisiert sich nämlich das Restbüro und kippt eimerweise Mitleid über den provinziellen Loser, den unverbesserlichen Clubfan, aus.

Das führt schließlich dazu, dass die lokale Presse einhellig (Bild) den Auftritt der neuen Bayern-Trainers als Topereignis auf Seite 1 hievt. Wenn der Club hingegen zwei seiner beständigsten Spieler abgeben muss, ist das nur etwas für den Sportteil. Loserinfo halt. Und selbst wenn der Club eine Rekordsumme für FCN-Verhältnisse erzielt, hält man sich zurück.

Diesen Kranken die Regentschaft zu überlassen, bedeutet jedoch, dass sich die Gesunden anderweitig orientieren. Ein Gesunder hasst nämlich Langeweile und die entsteht, wenn einer immer der Gewinner und der andere immer der Verlierer ist. Insofern schadet das FCB-Syndrom letztlich dem Fußball.

Das FCB-Syndrom gilt jedoch auch in einem übertragenen Sinne. Auch in anderen Bereichen tendieren die dafür Anfälligen dazu, mit den Siegern zu heulen, abweichende Meinungen zu unterdrücken und Andersdenkende zu brandmarken. Es führt also zu Totalitarismus. Deswegen habe ich an anderer Stelle meinen befallenen Kollegen bereits alsbaldige Besserung gewünscht.

Doch zurück zum Fußball: Vielleicht nutzt da der Hinweis, dass solch krankhaftes Gruppenverhalten noch nicht einmal den Bayern hilft. Selbst die wissen mit diesen merkwürdigen Fans nichts anzufangen.

Vielleicht sollte man alle zusammen in Quarantäne schicken. Die könnte für den FCB lauten: Welt- statt Bundesliga. Dann müssten wir zwar auf die Bundesliga-Derbys mit den Münchnern verichten. Aber das könnten wir verschmerzen. Schließlich geht es um die gute Sache.

3 Kommentare in “Befallen vom FCB-Syndrom

  1. Strengt euch lieber selber an und jammert hier nicht herum. Ihr könnt es einfach euren Freunden aus Fürth nachmachen. Dann habt ihr in der 2.Liga wieder eine Perspektive.

  2. In der kommenden Saison werden wir da sicher noch viel Spaß haben mit „den Medien“. Die werden ihren Seitenumfang oder ihre Sendezeiten nämlich nicht vergrößeren. Trotzdem werden sie uns alles aus der Pep-Show liefern wollen. Dass da „Underdogs“ wie der Club herausfallen, ist doch klar.
    Dass die damit dem Fußball einen Bärendienst erweisen, ist diesen Leuten leider egal.

  3. Pingback: Frankenschnellweg, war da was? : Vip-Raum

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