Ausrufezeichen im Abstiegskampf!

Luft! Durchatmen! Der 1. FC Nürnberg hat den Kopf im Abstiegskampf erst einmal wieder über die Wasseroberfläche gebracht. Aus eigener Kraft. Unsere Erleichterung war unmittelbar nach Abpfiff unbeschreiblich. Doch mittlerweile sehen wir das Ganze schon realistischer.

Denn das 2:0 (1:0) gegen den VfB Stuttgart war letztlich nur ein kleiner Schritt auf dem langen Weg weg vom Abgrund, der immer noch direkt hinter Gertjan Verbeek und seinen Mannen klafft. Aber es könnte ein entscheidender Schritt nach vorne gewesen sein. Um es drastisch auszudrücken: Der Club hat sich am Mittwochabend die Scheiße, die seit vier Spieltagen zwischen den Stollen geklebt hatte, von den Tretern gespielt, ein Ausrufezeichen gesetzt. „Abputzen und weitermachen“, muss das Motto jetzt vor der nächsten Schicksalspartie in Freiburg lauten.

Doch der Reihe nach. Hinter uns liegen 90 Minuten, in denen Raphael Schäfer und Co. gezeigt haben, dass sie endlich begriffen haben, um was es eigentlich geht. Nämlich ums nackte Überleben. Als Lebensversicherung entpuppte sich einmal mehr Josip Drmic, der gleich doppelt traf und somit den Weg für diesen Schritt überhaupt ebnete. Das Bild in diesem Blogpost zeigt den 21-jährigen Schweizer trotzig, aber auch entschlossen. Genau diese Einstellung war an diesem Abend auch der ganzen Mannschaft anzumerken.

Gewiss tat sich der 1. FC Nürnberg, der untermalt von einer „Feuershow“ der Ultras den Rasen betrat,  anfangs vor 38.188 Zuschauern im Grundig-Stadion schwer. Die zuletzt vier Niederlagen in Folge, also die Scheiße an den Fußsohlen, das alles musste erst einmal abgeschüttelt werden. Und wer schon einmal Scheiße am Fuß hatte, weiß, wie langwierig und auch eklig dieser Prozess sein kann. So ging es hin und her, man merkte förmlich, was für beide Teams auf dem Spiel stand.

Schließlich machte Frontmann Drmic den Unterschied. Seinen ersten Stich setzte er in Minute 43, als er, angespielt von Hiroshi Kiyotake, in unnachahmlicher Weise Fahrt aufnahm, sich durchsetzte und beinahe locker vom rechten Strafraumeck flach abzog und einnetzte. Saisontor Nummer 14. Ausrufezeichen! Dagegen hatte es der Schweizer später in der 54. Minute eher leicht, als er einen Konter, auf Anspiel von rechts durch den starken Markus Feulner, mustergültig abschloss. Drmic lief direkt in die Nordkurve (und auf das obige Bild), posierte selbstbewusst. Seht her: Hier bin ich! Ausrufezeichen! Punkt.

Der Rest ist schnell erzählt. Für seine Verhältnisse relativ locker brachte der Club den Vorsprung über die Zeit, ließ nicht mehr viel anbrennen. Einzig, als Lebensversicherung Drmic nach einem missglückten Tor-Abschluss für etwa fünf Minuten humpelte, hielten alle Clubfans kurz den Atem an. Drmic jetzt auch noch verletzt? Unvorstellbar. Zum Glück schien es dann wieder zu gehen. Natürlich muss an dieser Stelle noch erwähnt werden, dass sich der VfB Stuttgart die ganze Partie über schlichtweg unterirdisch präsentierte und somit ein erstklassiges Bewerbungsschreiben für Liga zwei abgab. Doch auch für die Jungs vom Valznerweiher ist die Gefahr eines Absturzes noch lange nicht gebannt. Aber Verbeek wird schon wissen, wie er diesen Etappenerfolg im Kampf um den Klassenerhalt einzuordnen hat. Als ein Ausrufezeichen. Mehr nicht.