Schreie aus dem FCN-Dungeon

Es tropft im SM-Keller unter dem Valznerweiher. Das Wasser steht dem 1. FC Nürnberg bis zum Hals, die Luft wird knapp. Die Schreie der Fans werden ängstlicher. „Ich bereue diese Liebe nicht“, hallt es von den schlüpfrigen Wänden. „Diese Liebe“, das ist in Wahrheit eine SM-Beziehung zwischen den Anhängern und dem Verein. Wie der Guardian am Montag philosophierte, sei diese Beziehung sogar richtig brutal („abusive relationship“). Der Slogan „Ich bereue diese Liebe nicht“ sei demnach sinnbildlich für die lebenslange Abhängigkeit, in die sich Clubfans begeben würden. „Diese Liebe“ habe laut Guardian auch nicht viel mit Lust oder Leidenschaft zu tun, sondern eher mit „torture“, also Folter, Qual und Leid.

In den letzten Wochen spielten sich im SM-Keller, dem FCN-Dungeon, interessante Dinge ab. Nach der unpopulären Demission von Gertjan Verbeek drei Spieltage vor Saisonende tauchte dort plötzlich Martin Bader, der Meister, auf. Rollen wurden getauscht. Verbale Demütigungen vonseiten der Sklaven, den Fans, waren zu hören (und zu lesen). Mehr Details drangen nicht nach außen. Allerdings schläft Bader seitdem schlecht, wie er kürzlich in einem Fernsehinterview zugab.

Eine Niederlage gegen Hannover am kommenden Samstag würde die Situation im Keller noch einmal dramatisch verschlimmern. „Wir müssen die Punkte einfach holen, sonst geht alles den Bach runter“, formulierte es Josip Drmic nach der neuerlichen Pleite in Mainz gegenüber dem Bezahlsender Sky. Bader flehte im Interview mit dem Bayerischen Fernsehen geradezu devot um einen Sieg: „Es klappt, weil es klappen muss.“ Besonders erniedrigend: Der Torture-Club ist ausgerechnet auf Schützenhilfe vom FC Bayern München angewiesen. Der gastiert beim Abstiegskandidaten HSV, der auf Platz 16 vor dem FCN steht. Die Bayern praktizieren in der Bundesliga derzeit bekanntlich lieber gepflegten Blümchensex-Fußball als einen Sadomaso-Sturmlauf. Für die Hamburger könnte das ein Vorteil sein.

Die Clubfans hoffen dennoch auf ein Wunder. Und im schlimmsten Fall, an den noch keiner denken mag, gibt ihnen „ihre Liebe“ die Kraft, selbst einen richtig schmerzhaften Rekordabstieg demütig zu ertragen. Ohne Reue. Doch noch besteht die Chance auf ein Wunder. Vielleicht reißt Interimscoach Roger Prinzen das Ruder doch noch herum. Hoffen wir es! Man darf gespannt sein auf die nächste Wasserstandsmeldung aus dem SM-Keller.

2 Kommentare in “Schreie aus dem FCN-Dungeon

  1. Ich erinnere an 1999.

    Da stiegen wir am letzten Spieltag noch ab (hat keiner gedacht sowas).

    Relegationplatz ist somit auch noch möglich am letzten Spieltag.

    Plädiere somit den Hashtag #ichbereuenicht in #hoffnungbiszuletzt zu ändern.

    Verbleibe zuversichtlich mit freundlichem Gruß
    Der Bear.

  2. Na dann: Viel Erfolg beim erfolgreichen Auftsieg aus dem finsteren Dungeon. Es kann ja nur besser werden. Und zum Thema Liebe nicht bereuen: Liebe bedeutet, sich niemals entschuldigen zu müssen.

Kommentarfunktion geschlossen.