Charisma und Charisteas

Bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung im Juni 2014 plötzlich wieder beim 1. FC Nürnberg im Gespräch: Angelos Charisteas (rechts).

Die außerordentliche Mitgliederversammlung beim 1.FC Nürnberg begann stürmisch und endete harmonisch. In ihrem Verlauf avancierte Martin Bader vom angezählt wirkenden Sündenbock zum wieder lieb gewonnenen Sportvorstand. Viele, vor allem diejenigen, die am Montagabend nicht in der Meistersingerhalle zugegen waren, dürften sich angesichts dieser Wandlung jetzt fragen: Wie hat der Bader das nur wieder geschafft? Nun ja, „das“ hatte mehrere Gründe. Picken wir einfach einmal eine Szene heraus, die sich inmitten von Tagesordnungspunkt fünf, „Diskussion und Aussprache“, abgespielt hat. Da trat ein Mitglied aus einer der beiden langen Schlangen, die sich vor den zwei Mikrophonen im Publikum gebildet hatten, nach vorne und kritisierte Bader für dessen Transferpolitik.

Als der Redner Bader am Ende einer längeren Argumentationskette „fachliche Fehler“ beim Transfer von Angelos Charisteas vorhielt, schüttelten viele der rund 1200 Anwesenden teils verwundert, teils belustigt mit dem Kopf. Einige lachten. Zur Erinnerung: Der Grieche war 2007 für viel Geld an den Valznerweiher gekommen und hatte den Verein, bis er 2010 wieder ging, noch mehr Geld gekostet. So richtig es sein mag, dass Charisteas ein teurer Reinfall war; seitdem ist nun wirklich viel Wasser die Pegnitz hinab geflossen. „Für was wollen sie den Bader denn jetzt noch alles verantwortlich machen“, grummelte es aus den hinteren Reihen. Unruhe machte sich breit. Das Mitglied am Mikrophon verlor durch seine durchaus richtige, aber völlig deplatzierte Aussage jedenfalls die Aufmerksamkeit der meisten Cluberer im Saal. Doch einer blieb ruhig und hörte unbeeindruckt weiter zu: Martin Bader. Und genau das ist der Punkt.

Im Gegensatz zu einem an diesem Abend mitunter aufbrausenden Aufsichtsratsmitglied Günther Koch, einem bisweilen herrisch und wortkarg agierenden Finanzvorstand Ralf Woy, und zu einem gewohnt gesprächigen, aber rhetorisch eher schwachen Aufsichtsratsvorsitzenden Klaus Schramm, antwortete Bader auf alle Fragen eloquent, sachlich – und vor allen Dingen charismatisch. Das Beispiel mit Charisteas spiegelt einen Abend wider, den Baders Charisma prägte. Selbst als ein anderes Mitglied den Pokalsieg von 2007 als „Betriebsunfall“ abkanzelte und dafür vom Publikum ausgepfiffen und niedergebuht wurde, bewahrte Bader die Contenance. Langatmige „Wirtschaftsprüfungen“ durch Mitglieder ertrug der Sportvorstand ebenso geduldig wie drollige Liebesbekundungen oder Stammtischparolen aus der versammelten Clubfamilie. Immer hatte er eine Antwort parat. Und entspannte so die Situation.

Eine Antwort blieb Bader aber doch schuldig. Es ist die Antwort auf die Frage nach einer Vision, einer roten Linie oder einer Philosophie. Bader wusste, mehrmals angesprochen, nicht so recht, was er darauf antworten sollte. Vielleicht kann er das auch gar nicht. Geht man schließlich nach dem Applaus der Cluberer, die spätestens nach der Bader-Aussage des Abends schlechthin („Der 1. FC Nürnberg hat keinen Preis, den 1. FC Nürnberg kann man nicht kaufen)“ enthusiastisch und losgelöst von den Sorgen der vergangenen Saison zu sein schienen, die mit glänzenden Augen nach vorne blickten in Richtung Podium, ja, geht man allein danach, dann ist die Antwort auf die Frage nach einer Philosophie leicht. Sie lautet schlicht und ergreifend: Martin Bader. Das dürfte der Kurzmann-Fraktion* gar nicht schmecken.

 *Kurzmann-Fraktion: Bezeichnung für eine Gruppe von Oppositionellen beim 1. FC Nürnberg, die oftmals unter dem Deckmantel der Anonymität die Kommentarspalten im Internet unsicher machen und dort vor wüsten Beleidigungen gegenüber Bader und einiger Pressevertreter nicht zurückschrecken – und Rainer Kurzmann, Initiator der außerordentlichen Mitgliederversammlung, Bader-Gegner und Buhmann des Abends. Anschauungsbeispiele finden Sie in Kürze unter diesem Blogbeitrag.

3 Kommentare in “Charisma und Charisteas

  1. Pingback: Glubb-Blog Clubfans bei FCN-Auswärtsfahrten und Groundhopping - Außerordentliche Mitgliederversammlung: Viel Vernunft statt Köpfe rollen!

  2. Lieber Bruno Schnell,
    wir kennen uns gut und wenn wir uns sehen diskutieren wir gerne kontrovers und ausgiebig. Obiges von mir zufällig entdeckte armselige Geschreibsel erschüttert mich deshalb zutiefst. Das ist mE ein Niveau weit unterhalb jeglicher journalistischer Nulllinie.
    Das Sie Leute wie SH, die sich offensichtlich keinerlei jounalistischen Qualität verpflichtet sehen, veröffentlichen lassen ist mir vollkommen unverständlich.
    Erschreckend und erschütternd.
    Wir werden darüber sprechen.
    Beste Grüße
    Arno

  3. @Arno Bist du es, Arno? Ich wähnte dich schon nicht mehr unter den Lebenden. Schön, dass du noch zur Tastatur greifen kannst. Bei der AMV habe ich dich leider nicht gesehen. Das Alter, wahrscheinlich! Offenbar deshalb dünkt dir wohl, es würde bei solchen Ereignissen das Niveau früherer, ruhmreicher Tage erreicht. Dem ist leider mitnichten so (und deswegen musst du auch nicht auf den unschuldigen Berichterstatter einhacken). Oh tempora!

    Ich kann dir sagen, lieber, alter Arno, es ist vieles anders, als es noch zu Maxls Zeiten war. Da hätten wir Leute wie den Kurzmann noch nicht einmal ins Stadion gelassen, geschweige denn zu einer Vereinssitzung. Und wenn, dann hätte der dort das Maul halten müssen, sonst hätte es gescheppert. Ja, so war das damals. Inzwischen darf jeder Depp bei diesem Verein mitwaffeln und sich sogar für den Aufsichtsrat wählen lassen. Kein Wunder, dass wir so weit gesunken sind.

    Oh Arno, es wird alles böse enden!

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