Fallsucht und Fehlerkette: Die Derbyanalyse

SpVgg Greuther Fürth - FCNFürth sieht sich gerne in der Opferrolle. Das hat die erste Halbzeit des Frankenderbys am Montagabend mal wieder eindrücklich gezeigt. Fairerweise muss man sagen, dass der Elfmeter, der zum zwischenzeitlichen 2:0 für das Kleeblatt geführt hat, berechtigt war.  Dann war da noch das überharte Einsteigen von Sylvestr, der Schröck umsenste und dafür zu Recht Gelb kassierte. Aber der Rest dieser Aktionen? Reine Showeinlage, mehr nicht. Fallsucht. Die Squadra Azurra hätte es zu Inzaghi-Zeiten nicht besser zelebrieren können. Wer sich am Boden wälzt, dem ist die Zuneigung der eigenen Fans sicher. Beim Gegner macht man sich hingegen keine Freunde. Wenn man dann noch einen Schiedsrichter hat, der darauf hereinfällt, muss man sich auch einfach mal Zeilen wie diese gefallen lassen. Denn ein solches Verhalten ist unfair, liebe Sportsfreunde.

Die Fürther Fallsucht ist aber nicht der Grund für die neueste Derby-Schmach. Nein, daran sind die Herren vom Valznerweiher schon selbst schuld. Individuelle Aussetzer, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, brachten den Club auf die Verliererstraße. Selbst Ex-Kapitän und Torwart-Haudegen Schäfer war davor nicht gefeit. Das 1:0 durch Baba in Minute 8 durch einen mittelmäßigen Schuss von der Strafraumgrenze geht klar auf seine Kappe. Dann folgte Schöpfs besagtes Foul, das zum Elfmeter führte, den Sukalo clever verwandelte (15.). Ein dummer und unnötiger Beinsteller.

Drei Dinge flammten indes auf Nürnberger Seite gewohnt leidenschaftlich auf: Pinolas argentinisches Kämpferherz, die Hoffnung – und unzählige bengalische Feuer im Ultras-Block. „Ich frag mich, wie viel Pyrotechnik haben die Nürnberger überhaupt mit hier her nehmen können, das hört gar nicht mehr auf“, staunte da sogar der Sky-Kommentator zur Mitte der zweiten Hälfte. Und Pinola, der bugsierte in der 35. Minute nach einer Ecke das Leder mit unglaublicher Willenskraft immerhin zum Anschluss ins Netz. Die Hoffnung war dann kurz vor dem Pausenpfiff da, als Mlapa alleine auf Keeper Hesl zu lief, aber kläglich versagte.

Nach der Halbzeit schien der Rasen etwas an Anziehungskraft für die Kleeblatt-Akteure einzubüßen. Jedenfalls rieben sie sich nicht mehr ganz so oft mit verzerrtem Gesicht und schwitzigen Körpern auf den Halmspitzen am Laubenweg. Was natürlich auch daran liegen kann, dass Schiedsrichter Stark einfach nicht mehr pfiff, wenn ein Fürther fiel. Naja, aber dem Spiel des Clubs war das auch nicht zuträglich. Die Abwehrkette hatte eher den Namen Fehlerkette verdient. Und so kam es, wie es kommen musste: Baba machte nach einem Bock von Pinola das 3:1 (57.), und zu allem Überfluss legte Weilandt nach erneutem Kollektivversagen der Fehlerkette einen drauf und schenkte den Nürnbergern auch noch das 4:1 ein (76.). Das 5:1 durch Zulj fiel da schon fast nicht mehr ins Gewicht. Wie auch: Erneut war ein Abwehrschnitzer ausschlaggebend. Da hilft kein Schönreden mehr: Es ist eine Schande. Von Aufbruchstimmung ist schon an Spieltag zwei nichts mehr zu spüren. Zumindest jetzt, direkt nach Abpfiff.