Hölderlin kam nicht bis zum Valznerweiher

Wie man es macht, ist es verkehrt. Eigentlich dachte ich: der Worte sind genug gewechselt. Deswegen hielt ich mich zurück, und vertraute darauf, beim Patienten mögen vielleicht die Selbstheilungskräfte einsetzen und eine Wende herbeiführen. Wenn jemand unter schweren psychischen Belastungen leidet, ist es manchmal gut, das Thema zu wechseln und so diesen Belastungen die Bedeutung zu nehmen.

Nun kommen aber Kommentatoren hier im Blog (Wolferl!) und in den Netzwerken daher und werfen uns Sprachlosigkeit vor. Uns! Also ob wir nicht wüssten, was wir tun. Also ob wir nicht alles schon gesagt hätten. Nur vielleicht nicht zu jedem. Verwiesen sei nur auf das reichhaltige Oeuvre zu den Bereichen Angst und Mentalcoach.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, jetzt doch die Stimme zu erheben: Eventuell dürfte dieser Tage ein gewisser Dave bei der Geschäftsstelle vorsprechen, für dessen Verpflichtung wir uns hier schon einmal vehement ins Zeug legen wollen. Der Mann weiß, wo der Hebel angesetzt werden muss. Also, Club, stell ihn ein!

Hier unsere Twitter-Konversation während des Frankfurt-Debakels. Auch als Beweis dafür, dass Hölderlin Recht hat mit seinem Satz: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Nur vielleicht nicht am Valznerweiher.

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Am Valznerweiher grassiert nämlich Morbus glubb. Eigentlich eine Banalangst, die Ähnlichkeiten mit Morbus brasil aufweist und die wir einmal populärwissenschaftlich als „Angst in das Loch zu fallen, in dem man schon steckt“ beschreiben wollen oder auch als Self-fullfilling Prophecy für das Worst-Case Scenario. Banalangst heißt allerdings nicht, dass die Folgen banal wären, das haben wir schließlich in der vergangenen Saison schon gemerkt. Wir beziehen uns dabei auf den oben erwähnten, deutschen Psychoanalytiker Fritz Riemann, der von vier Grundformen der Angst spricht, auf die sich die Banalängste beziehen.

Da sich diese Grundängste nie gänzlich vermeiden lassen und sie auch wichtig für unsere Entwicklung sind, „bezahlen“ wir jeden Versuch, ihnen auszuweichen, mit vielen kleinen, banalen Ängsten. In der Verschiebung, Verharmlosung und karikierenden Verzerrung der Daseinsängste erscheinen diese neurotischen Ängste manchmal als unsinnig, dennoch sollten sie als Alarmzeichen und Hinweis verstanden werden, daß wir auf irgendeine Weise etwas Unvermeidliches vermeiden wollen, anstatt uns damit auseinander zu setzen.

Beim Club „bezahlt“ man auf diese Art schon seit Monaten. Und zwar nicht nur mit Niederlagen, drohenden oder faktischen Abstiegen und nie für möglich gehaltenen Peinlichkeiten. Nein, auch mit Geld. Dauernd müssen neue Spieler dazu gekauft werden, weil man sich beim Club nicht den Ängsten stellt, sondern nur einer vagen Ahnung anhängt. Diese Ahnung nährt sich aus einer an sich richtigen Erkenntnis. Spieler von außen sind nämlich nicht infiziert von Morbus glubb und können daher ihre Leistung noch einigermaßen abrufen. Aktuell ist das am letzten Neuzugang Jürgen Mössmer festzumachen, der gegen den FSV Frankfurt noch halbwegs passabel agierte.

Doch lange dürfte das, wie die Vergangenheit beweist, nicht vorhalten. Die Krankeit ist hoch infektiös. Zu ihrer raschen Ausbreitung trägt auch die Weigerung bei, sich mit den Ursachen auseinanderzusetzen. So wird dann die Niederlage gegen den FSV Frankfurt auf den verschossenen Elfmeter zurückgeführt und damit einerseits nur die psychische Belastung für jeden künftigen Elfmeterschützen erhöht und andererseits wieder jene Fallhöhe aufgebaut, von der man wieder ein bisschen in jenes Loch hinunterschauen kann, in das man am nächsten Spieltag fallen wird.

Neue Spieler können also allenfalls für die kurze Periode zwischen Normalzustand und Infektion am Valznerweiher Abhilfe schaffen.

Wirklich aus dem Loch raus käme der Club – wie gesagt – nur, wenn er sich den Ängsten stellt. Doch da wird es kompliziert. Für Alleinherrscher Martin Bader ist das offensichtlich alles Psychokram, der nur Geld kostet, das er lieber auf der Bank liegen hat. Für den Aufsichtsrat hadds des früher aa ned gehm. Daher sieht der keinen Grund seine langjährige Ruheposition zu verlassen. Und die angeblichen Säulen der Mannschaft (Pinola, Schäfer) müssten sich, da von ihnen große Ansteckungsgefahr ausgeht, selber aus dem Verkehr ziehen.

Blieben noch die Mitglieder. Die hätten bei der außerordentlichen Versammlung im Juni einen Schnitt machen und die Krankheitserreger aussortieren können. Das haben sie nicht getan und deswegen sind die Bader-raus-Rufe nur hilf- und wirkungslose Versuche, einer Krankheit zu begegnen, die tiefer liegt. Den unfähigen Doktor zu entlassen ist zwar eine naheliegende Konsequenz. Gar keinen Doktor zu haben, ist in dieser Situation freilich auch keine Lösung.

Die verbliebenen Fans sollten also wenigstens Alternativen aufzeigen und das nächste Mal rufen: „Dave statt Martin!“

2 Kommentare in “Hölderlin kam nicht bis zum Valznerweiher

  1. Schön, dass das auch einmal jemand sagt. Plötzlich hackt alles auf den Spielern herum. Auf einmal ist der gleiche Kader, den die Experten zu Saisonbeginn hochgejubelt und den Club deshalb zum Aufstiegsfavoriten gemacht haben, nicht mehr gut genug. Habt ihr euch alle so von Bader und Ismael einlullen lassen? Oder wisst ihr es nicht besser?
    Habt ihr schon vergessen, was für einen „tollen Kader“wir letzte Saison hatten? Einen, mit dem wir nie und nimmer hätten absteigen dürfen. Wer einen Blick auf die Transfererlöse wirft, wird feststellen, dass das gar nicht so ganz falsch war. Nur: Der Club schafft es nicht, die Spieler zu integrieren, das Optimum aus ihnen rauszuholen und sie mental richtig einzustellen. Kann sich noch jemand erinnern, wie Rakovsky unter Hecking hochgejubelt und als sofortiger Schäfer-Nachfolger vorgeschlagen wurde? Gegen den FSV Frankfurt war das große Talent nicht mehr als ein Fliegenfänger. Hat der sich hängen lassen? Wird beim Club nicht richtig trainiert?
    Ich habe das Gefühl, diejenigen, die im Augenblick der Mannschaft den Schwarzen Peter zuschieben, sind wieder mal die Spezis von Bader und Anhang (Wolfgang Wolf halte ich übrigens von Woche zu Woche mehr für einen schlechten Witz), die nur von deren Verantwortung ablenken wollen. Beim Club stimmt es sicherlich auch in der Mannschaft nicht. Die Betonung liegt aber auf „auch“.

  2. Dann darf ich mal das wunderbare Posting von vip und den treffenden Kommentar von Liebhaber zusammenfassen:

    Der Fisch stinkt immer vom Kopf her.

    Und deshalb: #baderraus.

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