„Bauernopfer“: Musste Schäfer statt Ismael gehen?

1. FC Nürnberg - MitgliederversammlungVon wegen Frieden! Nichts ist gut beim 1. FC Nürnberg. Bevor wir uns dem Bochum-Spiel widmen, müssen wir die Ereignisse der letzten Wochen noch einmal rekapitulieren, um ein paar Missstände aufzudecken. Man stelle sich vor, Kaiserslautern hätte am Montag noch den 3:3-Ausgleich gemacht. Oder die Partie wäre gar verloren gegangen. Nicht auszudenken, was dann bei der Jahreshauptversammlung am Dienstag in der Frankenhalle losgewesen wäre. Kaum vorstellbar, dass die Demontage Raphael Schäfers auf dermaßen wenig Widerstand im Vereinsumfeld gestoßen wäre, wie es nun der Fall war. Sehr wahrscheinlich wäre Valerien Ismael im Falle einer Niederlage gegen den FCK als Trainer des 1. FC Nürnberg gefeuert worden. Vermutlich noch am selben Tag, an dem die Mitgliederversammlung stattfand. Die Frage ist auch: Hätte Sportvorstand Martin Bader dann überhaupt einen Coach in der Hinterhand gehabt?

Aus gut informierten Kreisen ist zu den Clubfreunden durchgedrungen, dass die Entlassung Ismaels bereits nach der 0:3-Blamage in Heidenheim beschlossene Sache war. Lediglich Günther Koch soll es zu verdanken gewesen sein, dass Ismael im Amt geblieben ist. Denn während sich Aufsichtsratsboss Klaus Schramm, Martin Bader und der Sportliche Leiter Wolfgang Wolf am Tag nach der Pleite berieten, bezeichnete Koch eine mögliche Demission Ismaels pressewirksam als „Bauernopfer“ und forderte stattdessen einen Rücktritt Baders. Diese Äußerung, die im 15-Minuten-Takt auf SkySportNews-HD über die Mattscheiben flimmerte, ist wohl auch zu den drei Konferierenden durchgedrungen. Sie sollen es dann nicht mehr gewagt haben, den Schritt tatsächlich zu gehen und dem Ex-Radioreporter damit möglicherweise Recht zu geben. Dem Vernehmen nach zog es Schramm offenbar deshalb vor, nach fünf Stunden Krisensitzung vor die versammelte Presse zu treten und zu verkünden: Alles bleibt beim Alten.

Klar also, dass das Kaiserslautern-Spiel im Hinblick auf die bevorstehende Mitgliederversammlung nichts als ein weiteres Endspiel war. Es ist hingegen unklar, was die Vorgabe vonseiten der Sportlichen Leitung an Valerien Ismael war. Was auch immer hier kommuniziert wurde: Ismael tat das einzig Richtige und nahm den enormen Druck von der Mannschaft, indem er, sicherlich in Absprache mit Bader und Wolf, das Saisonziel nach unten korrigierte. Der Trainer entschloss sich zu einer weiteren drastischen Maßnahme: Er demontierte den Leitwolf, Raphael Schäfer. Angesichts der geschilderten Situation ist es sehr unwahrscheinlich, dass er dies ohne Zustimmung von Bader und Wolf getan hat.

Denn an Schäfers Leistung kann es ja nicht gelegen haben. Er war in den Wochen zuvor noch der stabilste Mann in dem wackeligen Konstrukt, das sich Team nennt. War also möglicherweise Schäfer das „Bauernopfer“, das Ismael nicht hat sein sollen? Schäfer sagt, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Die Degradierung zur Nummer drei sei für ihn überraschend gekommen. Man ist geneigt, ihm zu glauben. Und egal was intern vorgefallen ist, einen solchen Abschied hat Schäfer nicht verdient. Die Demission mitten in der laufenden Hinrunde war schlichtweg stillos.

Doch Ismaels Plan ging auf: Das Lautern-Spiel wurde 3:2 gewonnen. Aus der Mitgliederversammlung am nächsten Tag ging die Sportliche Leitung sogar gestärkt hervor. Alles wird gut, war die Message, die die versammelten Mitglieder vermittelt bekamen. Dabei hätte es genügt, einmal die Spielweise genauer zu betrachten, dann hätte man festgestellt: Nichts ist gut! Die Mischung stimmt nicht, das Team ist zu jung. Und dann schmeißt man auch noch den erfahrenen Schäfer raus. Unverständlich! Die Partie gegen die Pfälzer hat lediglich gezeigt: Läuft es beim Club, also geht man beispielsweise in Führung, dann ist die junge Truppe durchaus in der Lage, zu gewinnen. Doch läuft es nicht, bricht die Elf auseinander. Das war bis jetzt immer so, kein Spiel wurde nach Rückstand gewonnen. In Bochum gelang zumindest noch der Ausgleich.

Im Rewirpower-Stadion nahm der 1. FC Nürnberg am Freitagabend den Rückenwind aus dem Sieg gegen den FCK mit, startete druckvoll. Aber es lief wie so oft in den letzten Wochen und Monaten: Der Elf um Torwart Patrick Rakovsky entglitt die Partie nach und nach. Logische Konsequenz: Kurz vor der Halbzeit erwischte Bochums Michael Gregoritsch die Club-Verteidigung nach einem Freistoß eiskalt und netzte volley zum 1:0 ein (44.). Ins Torwarteck. Dass der sowieso angeschlagene Neuzugang Dave Bulthuis aus disziplinarischen Gründen fehlte, fiel in keinem Moment auf. Immerhin bewiesen die Cluberer Charakter und kamen nur 10 Minuten nach der Pause in Form eines sehenswerten Flachschusses durch Jakub Sylvestr zurück – 1:1 (55.). Danach war aber weiterhin Bochum überlegen. Der VfL hatte drei dicke Möglichkeiten, auf 2:1 zu erhöhen. Der Club wankte und war erneut insgesamt zu harmlos. Am Ende holten die Franken einen glücklichen (!) Punkt bei den Bochumern.

Hach, aber es herrscht ja wieder Friede, Freude, Eierkuchen seit dem ebenfalls glücklichen 3:2 gegen Lautern, das gut und gerne auch 3:4 verloren gehen hätte können. Die Zahlen sind jedoch ernüchternd: 10 Punkte aus neun Spielen, Platz 13, nur drei Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Man fragt sich: Ist das der neue Anspruch des 1. FC Nürnberg und der seiner Fans? Scheint so.

3 Kommentare in “„Bauernopfer“: Musste Schäfer statt Ismael gehen?

  1. Die art und weise ist ne riesen Sauerei… Anstatt selbst den Hut zu nehmen gibt man den Spielern die Schuld…

  2. Einfach nur Plan und Kopflos.. genau wie Bader beim Einkauf. Wenn der in den Supermarkt geschickt wird um Klopapier zu holen kauft er bestimmt alles nur kein Klopapier, wie beim Spieler Einkauf .. alles nur KEINE Fussballer 🙁 GEH FREIWILLIG BADER JETZ ENDLICH !!!!!!!!!!!!!!!!

Kommentarfunktion geschlossen.