Sie liebt den DJ. Aber wer liebt Bader, den Sportvorstand der guten Laune?

Mitgliederversammlung 1. FC NürnbergRecht befremdlich mutet der 1. FC Nürnberg dieser Tage an. Schuld daran ist unter anderem Trainer René Weiler, dessen allzu sonniges Gemüt unlängst ratlos machte. Es war die PK vor dem Bochum-Spiel, als Weiler eigentlich „nur“ eine Krisen-Sitzung weglächeln wollte – aber dann einfach nicht mehr aufhörte zu lächeln und plötzlich Hinz und Kunz über den grünen Klee lobte. Mit so viel Überschwänglichkeit konfrontiert, dürfte sich manch Journalist gefühlt haben wie ein katholischer Pfarrer, der versehentlich in einen Techno-Klub voller ekstatisch tanzender Menschen gerät und gegen seinen Willen gefeiert wird.

Aber auch der Sportvorstand der guten Laune, Martin Bader, sorgt derzeit für Stimmung. Natürlich. Schließlich hat er, im sportlichen Bereich entmachtet, gerade besonders viel Zeit für die Öffentlichkeitsarbeit bei einem Verein, der nach außen hin so auf Harmonie bedacht ist, dass es beinahe schon eklig wirkt. Eklig, weil den Fans nach dem 1:2 gegen den VfL so gar nicht zum Lachen zumute war. Solch Gebaren mag angebracht sein bei einem kriselnden Großkonzern, der seine Anleger nicht verschrecken und alles noch schlimmer machen will. Aber nicht bei einem Traditionsverein wie dem FCN, sorry.

Da muss man sich dann schon fragen: Wollen die uns eigentlich verarschen? Immerhin haben am Montag erneut rund 25.000 treudoofe Anhänger den Weg ins kalte Grundig-Stadion auf sich genommen (so wenige waren’s schon lange nicht mehr) und, beispielsweise, für eine Karte im Oberrang auf der Gegengeraden saftige 35 Euro geblecht. Zwar bekamen sie dafür ein ansehnliches Spiel mit vielen Chancen für den Club geboten, doch danach gingen sie abermals enttäuscht und wütend heim.

Und dann kommen die zwei oben genannten Herren mit ihrem Wohlfühl-Geschwätz daher und wollen der Öffentlichkeit was von guter Stimmung und Glück predigen. Ja, geht’s noch?

Doch die Fassade bröckelt. Hinter den Kulissen kracht es gewaltig, wie man hört. Ein Machtkampf soll toben zwischen Bader und Chefscout Christian Möckel auf der einen, und dem Sportlichen Leiter Wolfgang Wolf und Weiler auf der anderen Seite. Am brenzligsten ist die Lage demnach für Bader, dessen Felle immer mehr davonschwimmen und der von den Rängen nach der jüngsten Pleite erneut mit „Bader raus!“-Rufen bedacht wurde. Tenor einer Online-Petition, die seine Abwahl fordert: „Bader ist unser Untergang.“ Über 1834 Unterstützer vertreten diese Meinung mittlerweile (Stand: Mittwochabend, 23 Uhr).

Wer lange genug im Mediengeschäft dabei ist, spürt, dass Martin Baders Ära in Nürnberg bald zu Ende geht. Der Druck steigt erbarmungslos. Die Stimmung ist längst gekippt, Baders Kredit verspielt. Weiler fährt derweil schwere Geschütze auf. Seine neueste Waffe ist Raphael Schäfer, der im Sommer auf Wunsch Baders hin demontiert worden sein soll und der ausgerechnet jetzt ohne dessen Wissen erstmals wieder zum Einsatz kam. Schäfer sinngemäß: Wer vor Saisonbeginn den Wiederaufstieg zum Saisonziel erkläre und dann nicht liefere, müsse eben mit Schmähungen leben. Er hätte auch sagen können: G’schieht ihm g’scheit recht!

1 Kommentar in “Sie liebt den DJ. Aber wer liebt Bader, den Sportvorstand der guten Laune?

  1. Meine Sicht der Dinge ist, dass Martin Bader in den letzten zwei Jahren sehr viel falsch gemacht hat. Aber vermutlich drehen im Hintergrund auch Einige an Schaltern, die ihnen nutzen sollen. Plötzlich war Wolf als sportl. Leiter ohne wirkliche Aufgabe da. Was befähigt Möckel, mit einer Regionalliga-Saison und ca zwei gefühlten Zweitliga-Spielzeiten für den Glubb zum Chef-Scout mit Stimme in der sportlichen Führung der Profi-Mannschaft? Baders Verdienste sollten ned vergessen werden. Allerdings sollten bis zum Sommer die Kompetenzen und die Personalien eindeutig geklärt sein. Mit dieser Außendarstellung gibt sich der Glubb der Lächerlichkeit und nach und nach dem Verfall preis.

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