Red Bull kann nichts dafür

RB Leipzig - 1. FC NürnbergEs ist frustrierend. Das 1:2 (1:0) bei RB Leipzig war für den 1. FC Nürnberg nunmehr die vierte Niederlage in Folge. Erneut zeigte der FCN zwei Gesichter: Auf eine starke erste Halbzeit folgte ein schlechter zweiter Durchgang. Trainer Weiler setzt weiter auf das Prinzip Hoffnung und Motivation („Der Club wird wieder bessere Zeiten erreichen“).

Das Schlimme an der aktuellen Situation: Realistisch betrachtet spricht leider nicht viel dafür, dass mittelfristig „bessere Zeiten“ erreicht werden. Im Gegenteil: Die Aussichten sind denkbar schlecht. Wie soll das denn mit einer Mannschaft, die nichts als ein zusammengewürfeltes Sammelsurium von Talenten ist, nächste Saison besser werden?

Talent alleine reicht eben nicht, um erfolgreich zu sein. Dafür braucht es Charakter, einen starken Willen und Durchhaltevermögen – all das fehlt dem jungen Team. Der im Sommer vollzogene Umbruch ist krachend gescheitert. Immerhin hat Weiler genau das erkannt und dem Kader schon vor Wochen die Qualität abgesprochen. Der Wechsel auf der Torhüterposition vom jungen Rakovsky zurück zum abgebrühten Schäfer, dem letzten Alpha-Tier am Valznerweiher, war da nur die logische Konsequenz.

Gut möglich, dass es Knatsch mit Bader gibt, weil Weiler diese Erkenntnis öffentlich artikuliert hat. In einem Millieu, in dem es sonst nur warme Worte regnet, kam das schon einer Majestätsbeleidigung gleich. Gut möglich auch, dass sich die Aufsichtsräte uneins sind in der Beurteilung der Arbeit des Sportvorstands. Doch selbst hier sind die Aussichten schlecht, dass sich etwas ändert. Als Clubfan muss man sich langsam ernsthaft Sorgen um die Zukunft seines Vereins machen. Dem Traditionsverein 1. FC Nürnberg droht der Niedergang.

Dafür können die Fans am wenigsten. Dafür kann aber auch, bei allem Verständnis für die Kritik an der Kommerzialisierung, Red Bull nichts. Nein, der Club – vor allem die Vereinsführung – ist selbst Schuld am Absturz der letzten eineinhalb Jahre. Einziger Hoffnungsschimmer: Abstürze gehören zur Club-Tradition dazu, und es ging immer irgendwie wieder aufwärts.