Eineinhalb Schäfer-Stündchen mit Happy End

1. FC Nürnberg - Eintracht BraunschweigKirschbaum-Holz lässt sich wunderbar zu Möbeln verarbeiten. Vielleicht hat Trainer René Weiler auch ein wenig an den Club-Sponsor „Möbel Wolf“ gedacht, als er Keeper Thorsten Kirschbaum vor dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am Montagabend derart absägte, dass dieser nicht einmal mehr im Kader des 1. FC Nürnberg zu finden war. Den durch diese radikale Maßnahme vakanten Torhüter-Posten nahm der nach seiner Wadenverletzung bereits im Vorruhestand gewähnte, überraschend schnell wiedergenesene Leitwolf Raphael Schäfer ein. Am Ende gewann der FCN mit 2:1. Auch dank Schäfer.

Vermutlich wäre die Analyse anders ausgefallen, wenn Braunschweigs Hendrick Zuck in der 36. Minute, beim Stande von 1:0 für den Club, Profit aus einem dicken Schäfer-Patzer Kapital geschlagen hätte. Der Schlussmann hatte einen strammen Schuss von Jan Hochscheidt nach vorne abprallen lassen, direkt vor die Füße des völlig freistehenden Zuck. Doch der senste in Slapstick-Manier über die Kugel – und so waren es die Nürnberger, die nach Spielende das Lachen hatten. Allen voran Raphael Schäfer.

Während die Eintracht-Profis sich fürchterlich aufregten (warum auch immer) und Guido Burgstaller auf die Pelle rückten, war es Schäfer, der den Österreicher lächelnd wegzog, ihn beruhigte. Und kurze Zeit später grinsten sie alle: Weiler, die Mannschaft, die Betreuer. Da war er, der Schäfer-Effekt. Es geht nicht um die Leistung. Man denke da nur an den Gegentreffer in der 53. Minute durch Nik Omladic. Ein Ball, den man nicht halten muss, aber eben kann. Doch die Routine und Abgeklärtheit des 36-jährigen Schäfer, alleine seine Präsenz auf dem Platz tun dem Spiel des 1. FCN in dieser Phase der Saison gut. Verdammt gut.

Jetzt ist es natürlich sehr zugespitzt, den Dreier nur an der neuen alten Nummer eins festzumachen. Schon deshalb, weil die beiden Torschützen Sebastian Kerk (33.) und Burgstaller (84.) ebenfalls ihren Anteil hatten. Auch ein Niklas Füllkrug oder der in der Halbzeitpause eingwechselte Kevin Möhwald machten eine gute Partie. Grund zur Euphorie gibt es längst nicht, mit etwas Pech hätte der Club durchaus auch verlieren können. Das wissen die Jungs aber selbst. „Mit drei Punkten kann man zufrieden sein, mit der Leistung eher nicht so“, resümierte Burgstaller nach dem Spiel im Interview. Und lachte.