Füllkrug erlöst Nürnberg

Fuflball 2. Bundesliga 23. Spieltag: 1. FC N¸rnberg - SpVgg Greuther F¸rth am 26.02.2016 im Grundig Stadion in N¸rnberg (Bayern). Der N¸rnberger Niclas F¸llkrug (l) jubelt mit seinem Kollegen Guido Burgstaller ¸ber seinen Treffer zum 2:1. Foto: Daniel Karmann/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien w‰hrend des Spiels auf insgesamt f¸nfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Niclas Füllkrug (links) bejubelt mit Guido Burgstaller seinen Siegtreffer. (c) dpa – Bildfunk+++

Fürths Niko Gießelmann hatte also Recht: Der Club hatte die Hosen voll. Anders lässt sich der verhaltene Beginn in diesem 260. Frankenderby am Freitagabend nicht erklären. Denn an der Motivation wird es kaum gelegen haben. Genauso wenig dürfte eine Rolle gespielt haben, dass Schiedsrichter Günter Perl wegen eines allgemeinen Verkehrskollaps rund um das Grundig-Stadion deutlich verspätet anpfiff.

Nein, der Grund war wohl vielmehr der immense Druck von zuletzt sieben sieglosen Aufeinandertreffen mit dem Erzrivalen, der auf den Schultern der Spieler lastete. Acht Jahre lag der letzte Dreier gegen den ungeliebten Nachbarn zurück!

Um 18.45 Uhr also, eine Viertelstunde nach dem geplanten Anstoß-Zeitpunkt, hatte dann offenbar auch die Mehrzahl der staugeplagten Anhänger ihren Platz in der ausverkauften Arena eingenommen. Es konnte endlich losgehen. Aus Club-Sicht allerdings leider nach hinten, die Verunsicherung der Elf von Trainer René Weiler war fast bei jedem Ballkontakt spürbar.

Folgerichtig erhielten die Rot-Schwarzen bereits in der 6. Minute die Quittung für ihre Zögerlichkeit: Robert Zulj erzielte das 1:0 für das Kleeblatt. Sebastian Heidinger hatte sich auf dem rechten Flügel durchgesetzt und flach nach innen gepasst, wo Zulj aus kurzer Distanz nur noch einschieben musste. Clubfans rechneten da schon mit dem Schlimmsten.

Dabei ist der FCN von der Spielanlage und von der Qualität der Einzelspieler her in dieser Saison dem Kleeblatt so überlegen wie schon lange nicht mehr, was nicht nur der Blick auf die Tabelle bestätigt. Trotz der Schwächen, die der Club offenbarte, gelang es den Gästen nicht, die Führung auszubauen. Der Auftritt der Spielvereinigung wirkte, nunja, unkultiviert und mitunter unstrukturiert. Die Truppe von Coach Stefan Ruthenbeck beschränkte sich darauf, die Bemühungen der zunächst zaghaft agierenden Nürnberger möglichst zu unterbinden.

Umso ärgerlicher waren die hypernervösen ersten 30 Minuten, die der FCN darbot. Als Tabellendritter mit Aufstiegsambitionen darf man sich gegen einen derart schwachen Gegner zu Hause so nicht präsentieren – egal ob der nun Fürth oder Vestenbergsgreuth heißt. Das ist die eine Erkenntnis aus diesem Derby. Die andere ist die, dass mit dem Club in dieser Saison immer zu rechnen ist und ein schlechter Start und Rückstand nicht unbedingt eine Niederlage verheißen müssen – genauso wenig wie eine starke Anfangsphase (siehe Düsseldorf) einen guten Ausgang nach sich ziehen muss.

In den Minuten vor der Halbzeitpause kämpften sich Weilers Schützlinge mehr und mehr ins Spiel, schnürten die SpVgg regelrecht hinten ein. Dann fasste sich Sebastian Kerk ein Herz und zog aus gut 20 Metern ab. Der leicht abgefälschte Ball segelte ins linke obere Toreck – 1:1 (40.)! Das Stadion verwandelte sich in einen Hexenkessel. Auf einen Schlag schien der Druck von den Club-Spielern abzufallen, die Ruthenbeck-Elf konnte den Spielstand gerade noch so in die Kabine retten.

Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: Der 1. FC Nürnberg drückte auf den Siegtreffer, das Kleeblatt beschränkte sich aufs Stören und Kontern. So ging es eine ganze Weile hin und her, Hochspannung war angesagt. Ausgerechnet ein Ex-Fürther sorgte schließlich für die Erlösung. Auf Vorlage von Georg Margreitter legte sich Niclas Füllkrug die Kugel per Kopf selbst vor und köpfte dann wuchtig zum 2:1 in die Maschen. Ganze 84 Minuten waren da schon gespielt, der Jubel war ekstatisch.

Der Rest war Formsache. Club-Keeper Raphael Schäfer und seine Vorderleute hielten den Kasten bis zum Schlusspfiff sauber. Dann gab es kein Halten mehr. Auch wenn die Euphorie über diesen für die Fans, für Nürnberg so wichtigen Derbysieg überwiegt, hinterlässt der erschreckend schwache Beginn doch einen faden Beigeschmack. Die nächsten Spiele werden zeigen, ob es tatsächlich nur am Druck lag. Bis dahin ist erst einmal Genießen angesagt.