Auf dem Zahnfleisch zum Dreier

548320621Vom Club ist man viel gewöhnt. Aber wenn selbst die scheinbar sicheren Nummern derart an den Nerven zerren, dann weiß unsereins: Als Fan des FCN spielst du in einer anderen Liga. In der Flatter- und Stress-Division und zwar ganz oben.

Dabei schien doch alles so schön angerichtet. Bis zur 22. Minute. Der Club drängte auf eine frühe Führung. Das schien auch angebracht, nachdem schon das Spiel gegen Sandhausen gewisse Verschleiß- und Ermüdungserscheinungen aufzeigte und diesmal noch Brecko und Leibold wegen Gelbsperren fehlten. Nach 19 Minuten war es dann soweit. Wieder einmal war Erras zur Stelle und bugsierte den Ball zur – leider nur scheinbar- beruhigenden Clubführung ins Tornetz. Was sollte da noch schief gehen. Schließlich spielte der Dritte zuhause gegen den Zehnten. Doch die Lauterer schlugen nicht einmal drei Minuten später zurück (die Vorlage kam auch noch vom Ex-Clubberer Antonio Colak). Da kehrte beim Club plötzlich Verunsicherung ein. Es ging kaum noch was zusammen. Der FCK hatte plötzlich Oberwasser und das 1:1 war zur Pause noch nicht einmal unglücklich.

Danach mühte sich der FCN weiter ab, die meistens gefährlicheren Lauterer in Schach zu halten. Im Mittelfeld hatten die zumindest ein Übergewicht. Da ging beim Club wenig zusammen. In der 66. Minute kam es dann ganz dick. Raphael Schäfer verletzte sich und musste durch Patrick Rakovsky ersetzt werden. Trainer Rene Weiler stellte deshalb die bereits geplante Einwechslung von Zoltan Stieber zurück. Zuvor hatte er schließlich schon Blum für Möhwald eingewechselt. Wenig später brachte er Stieber dann trotzdem. Kurz danach prallte Rakovsky mit Vucur zusammen und musste ebenfalls verletzt behandelt werden. Kurz danach holte sich der gerade eingewechselte Stieber wegen eines Ellenbogenchecks die gelbe Karte ab. Das alles schien in der 88. Minute vergessen: FCK-Keeper Müller unterlief eine Flanke und Stieber machte seinen ersten Treffer für den Club. Leider nicht nur das. Aus lauter Freude stülpte er sein Trikot über den Kopf und – wir wissen: es ist Schwachsinn, aber halt die Regel – flog postwendend mit Geld-Rot vom Platz. Platzverweis wegen Torjubels. Erlebt man auch nicht alle Tage.

Dass es dann auch noch sechs Minuten Nachspielzeit gab, dass die Lauterer währenddessen gleich mehrere hochkarätige Chancen hatten und der angeschlagene Rakovsky den Ball einmal bravourös aus dem Winkel holen musste… Ich muss es euch nicht sagen: Da werden acht Minuten zu Lebensjahren. Dass am Ende drei Punkte standen, war es das wert. War schließlich nicht immer so. Die Serie hielt außerdem. Also: platt, aber glücklich.