Ärgerliche Pleite in Braunschweig

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Man hat schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen. In Nürnberg machen sie das sogar besonders gerne. Deswegen konnte dem Club-Freund etwas unwohl werden, als es nach dem 6:2 gegen Berlin allerorten hieß, der 1.FC Nürnberg habe die Relegation sicher. Wenigstens Kollege vip baute noch eine kleine löbliche Einschränkung ein: „So gut wie“, schrieb er. Da erkennt man den treuen Fan, der spätestens seit dem Abstiegsinferno anno 1999 weiß, dass gerade beim Ruhmreichen Theorie nicht immer grau sein muss. St. Pauli hätte ja in den letzten drei Spielen nur dreimal 6:0 gewinnen und der 1.FC Nürnberg drei Pleiten kassieren müssen (zweimal 0:1, einmal 0:2) – und schon wären die Hamburger vorbeigezogen. Wer die Club-Historie nur lange genug verfolgt, dem kommen solche Szenarien alles andere als unwahrscheinlich vor… Doch seit diesem Wochenende sind die bösen Deppen-Gespenster verjagt. St. Pauli hat durch das 0:2 gegen energisch um den Klassenverbleib kämpfende Münchner „Löwen“ die letzte theoretische Restchance auf Rang drei verspielt, Trainer Rene Weiler und seine Schützlinge werden am Ende mindestens „Bronze“ holen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: In Braunschweig gab es eine bittere 1:3-Niederlage.

Dabei schien die Ausgangslage so günstig: Weil die Bielefelder Arminia, für die es eigentlich um nichts mehr geht, den Nürnbergern vielleicht aus einer gewissen Rekordabsteiger-Solidarität heraus Schützenhilfe leistete und RB Leipzig ein 1:1 abtrotzte, erschien vor dem Spiel in Niedersachsen sogar Rang zwei und der direkte Aufstieg wieder in Reichweite. Mit einem „Dreier“ gegen die ebenfalls nur noch um die goldene Ananas kickende Eintracht hätte der Club den Abstand auf den Brauseklub auf zwei Punkte verkürzt. Leider nahm Braunschweig das Duell der beiden Absteiger von 2014 sehr ernst und machte diese Planspiele der Nürnberger zunichte. Kurz vor der Pause brachte Khelifi die Braunschweiger in Führung (43.), nachdem zuvor die Gäste die Mehrzahl an Tormöglichkeiten verzeichnet hatten. Aber Rurik Gislason verfehlte bei seinen beiden Kopfballchancen (15./24.) ebenso das gegnerische Gehäuse wie später Niclas Füllkrug per Freistoß (33.). Von einem Rückstand haben sich die Nürnberger in dieser Spielzeit zwar selten verunsichern lassen, aber diesmal lief es auch in der zweiten Hälfte nicht besser für die gegenüber dem Berlin-Spiel mit unveränderter Formation aufgelaufenen Weiler-Schützlinge. Reichel per Abstauber (60.) und der sträflich freistehende Sauer (67.) erhöhten auf 3:0 für den Deutschen Meister von 1967. Guido Burgstaller traf zwar aus der Drehung ins kurze Eck (78.), aber dieser Anschlusstreffer kam zu spät. Nun dürfte es schwierig werden, Leipzig noch abzufangen.

Während der Tabellenführer SC Freiburg (69 Punkte, mit dem Ex-Cluberer Frantz) die sofortige Rückkehr ins Oberhaus durch ein 2:1 in Paderborn perfekt machte, brauchen die derzeit ins Trudeln geratenen Leipziger (64) noch zwei Punkte, um Platz zwei sicherzustellen. Sie spielen nächste Woche gegen Karlsruhe und zum Schluss in Duisburg. Der 1.FCN (59) hat zwar die bessere Tordifferenz, aber bei fünf Punkten Rückstand sind die Aussichten trübe. Der Club braucht für den direkten Aufstieg zwei Siege gegen St. Pauli sowie Paderborn – und noch ein paar Pferde, die vor die Apotheke kotzen.