Sensationell ist was anderes

21.08.2016 --- Fussball --- Saison 2016 2017 --- DFB Pokal Vereinspokal --- 01. Runde: FC Viktoria Köln Koeln - 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa --- Choreografie der Clubfan / Clubfans / FCN-Fans / Fans vor Spielbeginn

Die Clubfans erinnerten vor Spielbeginn an glorreiche Zeiten. Foto: Sportfoto Zink

Während in Nürnberg dunkle Wolken aufzogen, herrschte im Kölner Sportpark Höhenberg am Samstag eitel Sonnenschein. Wettertechnisch gesehen zumindest, denn der Club tat sich in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Viktoria Köln extrem schwer und musste gegen den Viertligisten sogar ins Elfmeterschießen. Auch im dritten Pflichtspiel unter Coach Alois Schwartz stand es am Ende der regulären Spielzeit nur 1:1-Unentschieden, ein Aufwärtstrend war nicht zu erkennen. Wie schon in den beiden Ligaspielen gegen Dresden und Heidenheim, brachte der FCN eine 1:0-Führung nicht über die Zeit. Insgesamt agierte der 1. FC Nürnberg zwar erwartungsgemäß überlegen, aber in der Offensive wenig zwingend. Die Doppelspitze Jakub Sylvestr und Guido Burgstaller hing über weite Strecken in der Luft. Bezeichnenderweise war es mit Georg Margreitter ein Verteidiger, der nach einer Standardsituation das 1:0 für den fränkischen Altmeister erzielte.

Ein Rumpel-Start und eine kritische Frage hatten im Vorfeld ausgereicht, um beim 1. FC Nürnberg schon fast so etwas wie Krisenstimmung aufkommen zu lassen. Sportvorstand Andreas Bornemann schraubte Mitte der Woche die Ansprüche der Fans zurück. „Wir haben immer gebetsmühlenartig gesagt, dass diese Liga extrem ausgeglichen und deswegen sehr kompliziert ist. Deswegen sind wir jetzt zwar nicht zufrieden, aber auch nicht völlig enttäuscht“, sagte Bornemann dem kicker. Auch Trainer Alois Schwartz bat am Donnerstag bei der Pressekonferenz um Geduld, gab sich aber gleichzeitig selbstkritisch und räumte ein Mentalitätsproblem innerhalb seiner Mannschaft ein. Die nächsten Spiele werden zeigen, ob es gelingt, den Offensivgeist der Truppe zu wecken. Dass mit Guido Burgstaller und Tim Leibold zwei Schlüsselspieler eigentlich gerne weg wollten, aber nicht durften, dürfte diese Aufgabe nicht leichter machen.

Gegen den hochmotivierten Viertligisten Viktoria Köln wechselte Schwartz vom 4-5-1- zurück zum Weiler’schen 4-4-2-System, mit dem sich die Spieler wohler fühlen. Zudem rückte Neuzugang Edgar Salli für Youngster Lukas Mühl in die Startformation. Der Club begann engagiert und ging, wie von Trainer Schwartz gefordert, zunächst aktiv in die Zweikämpfe. Die erste Großchance gehörte dennoch dem FC Viktoria Köln. In der 14. Spielminute dann gleich die nächste dicke Möglichkeit: Fatih Candan kam im Sechzehner frei zum Schuss, scheiterte aber am glänzend parierenden Club-Keeper Raphael Schäfer. Spielerisch dominierte der FCN in Durchgang eins, doch die zündende Idee fehlte. Beim Stande von 0:0 ging es schließlich in die Kabinen.

Abgesehen von einer Salli-Schwalbe (47.) und einer guten Kopfballgelegenheit durch Hanno Behrens (59.) war zu Beginn der zweiten 45 Minuten nicht viel vom 1. FCN zu sehen. In Minute 70 währte der Jubel der rund 2000 mitgereisten Clubfans nicht lange. Hanno Behrens brachte die Kugel nach einer Hereingabe von Sylvestr zum 1:0 in den Maschen unter, doch Schiedsrichter Daniel Schlager und sein Gespann hatten zuvor eine Abseitsposition von Sylvestr gesehen und die Situation unterbunden. Georg Margreitter machte es wenig später nach einem Eckball von Enis Alushi besser. Margreitter stieg in zentraler Position am höchsten und nickte das Leder per Kopf zum 1:0 ein (76.). Der Regionalligist schüttelte sich kurz, ehe Kölns Kapitän Mike Wunderlich im Halbfeld zentral an das Spielgerät kam. Von den Rot-Schwarzen fühlte sich keiner bemüßigt, den Viktoria-Spielmacher unter Druck zu setzen und so fasste sich der 30-Jährige ein Herz, zog aus gut und gerne 30 Metern ab und versenkte den Ball im Tor – 1:1 (80.). Dabei blieb es und die Partie ging in die Verlängerung.

In der Verlängerung bekam der Club dann doch noch die Riesenchance auf den Siegtreffer. Burgstaller tankte sich in der 99. Minute auf links durch und bugsierte die Kugel zu dem in der Zwischenzeit für Sylvestr gekommenenen Cedric Teuchert, der in der Mitte, etwa sieben Meter vor dem Tor, mutterseelenallein vor Viktoria-Torwart Phillipp Kühn auftauchte. Teuchert schoss und Kühn riss den Arm hoch – Glanzparade! Es kam, wie es kommen musste: Der FCN drückte vergeblich und es gab Elfmeterschießen. Vor den Augen von Ex-Nationaltrainer „Sir Erich“ Ribbeck, der auf der Tribüne saß, fiel die Entscheidung letztendlich zugunsten 1. FCN, der sich mit einer blitzsauberen Weste (kein Elfer verschossen) durchsetzte, weil Kölns Kevin Holzweiler vergab.

Die Ultras hatten vor dem Spiel ein Transparent entrollt, auf dem sie an den Pokalsieg 2007 erinnerten. „Es war ein sensationeller Abend. Die Fans haben einen Riesenlärm gemacht und wir haben auch noch gewonnen“, stand darauf. Einen Riesenlärm haben sie auch am Samstagnachmittag gemacht. Sensationell ist was anderes.