Nachbarschaftshilfe

Die Woche:

1. Korreliert man die Zuschauerzahlen mit der Tabellensituation, dann bleibt beim FCN augenscheinlich nur der Schluss: Je schlechter die Mannschaft, desto größer der Publikumszuspruch. Oder auch umgekehrt. Beim Derby war das Stadion nämlich ausverkauft. Zuvor hatte sich Clubtrainer Michael Köllner über das meist halbleere Morlockstadion beklagt. Dem lieben Herrn Köllner möchten wir zudem entgegenhalten, dass wir Clubanhänger anders gestrickt sind. Erfolgsorientierte Fans gehen zum FC Bayern. Dort passen auch die Anstoßzeiten. Zudem sind in der Allianzarena sämtliche Tribünen uneingeschränkt nutzbar. Und nochwas: Geht es mit dem Fußball vor lauter einseitiger Erfolgs- und Gewinnorientiertheit nicht gerade generell abwärts?

2. Trotz der Niederlage könnte das viellleicht doch für einige Zeit das letzte Frankenderby gewesen sein. Manchem Sportkollegen wäre das jedenfalls nicht unrecht. Musste er sich im Vorfeld doch jedesmal etwas einfallen lassen, um die Derbystimmung anzuheizen. Da blieb kaum ein Grashalm unerwähnt und kein „Promi“ ungefragt. Auch diesmal wurden die wieder um ihre Tipps gebeten. Wobei, wenig überraschend, die FCN-affinen einen Clubsieg und die Fürther einen Erfolg des Kleeblatts tippten. Erstaunlich eigentlich eher, dass man überhaupt 51 fränkische Prominente finden konnte.

3. Dass der Club im Sturm dringend Verstärkung braucht, war nach dem Weggang von Cedric Teuchert und der Verletzung von Mikael Ishak offensichtlich. Jetzt präsentierte der FCN einen Neuzugang für die kommende Saison: Törles Knöll. Der 20-Jährige kommt ablösefrei vom möglichen Absteiger HSV zum möglichen Aufsteiger FCN. Laut Sportvorstand Andreas Bornemann passt er „perfekt in unser Profil“.

Das Spiel:

Bei den Frankenderbys spielt die fussballerische Klasse meist keine entscheidende Rolle, sondern die Frage, wer besser mit dem Druck umgehen kann. Der lastet fast immer auf dem Club. Die Schmach gegen die Vorstadt zu verlieren…

Diesmal standen aber auch die Fürther unter Druck, hatten doch gestern die die beiden Mannschaften hinter ihnen jeweils Siege eingefahren. Es mussten also dringend Punkte her.

Dass sie die einfahren können, schien angesichts der ersten Hälfte allerdings eher unwahrscheinlich. Zwar näherten sich die Grün-Weißen ein paar Mal dem von Fabian Bredlow gehüteten Clubgehäuse, aber echte Torgefahr kam nicht auf. Der FCN hatte das Spiel im eigenen Haus, wo die Fans übrigens eine Superstimmung verbreiteten, souverän im Griff, ohne nach vorne aber allzuviel zu reißen. Da merkte man, dass Adam Zrelak kein Ishak-Ersatz und Federico Palacios schon von der Physis her kein Strafraumbrecher ist. Trotzdem dachten wir noch: Irgendwann wird schon irgendwer den Ball bei den Fürthern unterbringen.

Nach der Pause knüpfte der Club an die Dosenöffner-Suche an. Doch bereits nach vier Minuten kassierte er, völlig überraschend, den Gegentreffer. Narey ließ erst Eduard Löwen alt aussehen und dann auch Bredlow mit einem schwer zu haltenden doppelten Aufsetzer keine Chance. Jetzt ging beim Club auch noch die Souveränität flöten. Hektik mischte sich mit Verzweiflung und nun wurde noch offensichtlicher, dass vorne die Zielstrebigkeit fehlt. Trotz aller Bemühungen wurde Gästekeeper Burchert eigentlich nie ernsthaft beschäftigt. Die beste Chance hatte noch der eingewechselte Tobias Werner mit einem Kopfball, der übers Tor ging. Stattdessen machten dann die Fürther in der Nachspielzeit durch Steininger den Sack zu.

Unter den gegebenen Umständen ist so eine Derbyniederlage natürlich doppelt peinlich. Erschwerend kommt hinzu, dass Verfolger Kiel (5:0 gegen den MSV Duisburg) den Schalter wieder umgelegt hat. Jetzt braucht es den Aufstieg schon fast als Wiedergutmachung. Dann könnten wir im Nachhinein wenigstens generös behaupten, dem Nachbarn eventuell zu entscheidenden Punkten verholfen zu haben.

Dennoch wir es langsam Zeit, dass es der Club einmal schafft, den Derbydruck auf den Gegner umzuleiten.

Ein Letztes:

Dass auch Fans für das Verantwortung tragen, was sie im Netz von sich geben, das belegt das Buch von Ex-Schiedsrichter Babak Rafati. Dort spielen die Vorgänge nach dem Clubspiel gegen Mönchengladbach im Januar 2011 eine wichtige Rolle (und ja, auch wir hatten damals Rafati kritisiert).