Denkwürdiger Grottenkick

Es gibt zunehmend mehr Spiele, bei denen viel Vergangenheit auf wenig Gegenwart trifft. Das heute war so eines. Auf dem einst unbezwingbaren Betzenberg durfte sich der einst Ruhmreiche um den Einzug in die nächste Pokalrunde einfinden. Früher wäre das ein absolutes Spitrzenspiel gewesen. Diesmal traf ein mittelmäßiger Zweitligaverein auf einen abstiegsbedrohten Drittligisten.

Aber auch was die nicht so weit zurückliegende Vergangenheit angeht, hatte das Spiel einiges zu bieten. Bei den Gastgebern saß nicht nur unser Ex-Trainer Boris Schommers auf der Bank. Auch unser Ex-Sportdirektor Martin Bader ist noch bis Dezember beim FCK als Sportgeschäftsführer tätig. Zudem stand mit Philipp Hercher ein früherer FCN-Spieler bei den Roten Teufeln in der Startelf.

Womit wir bei der Gegenwart wären. Die sieht beim FCK sowieso nicht rosig aus. Dass sich der höherklassige Gast aus Nürnberg da spielerisch nicht abheben konnte, ist dann leider typisch. Typisch für den Pokal, aber irgendwie auch typisch für den Club. Der scheint inzwischen von Spiel zu Spiel abzubauen. In der Abwehr noch fahriger, hüftsteifer und unkonzentrierter als zuletzt. Nach vorne kaum geordnete Aktionen. Abschlüsse eher alibimäßig als gefährlich. Im Grunde genommen aber meist aus Einzelaktionen resultierend.

Bereits in der 8. Minute durften die Pfälzer in Führung gehen. Valentini räumte mit beiden Beinen Pick ab. Den Elfer verwandelte Thiele gegen den diesmal den Clubkasten hütenden Patric Klandt. Nach einer Viertelstunde war es Thiele, der bei einer Rettungsaktion einen eigenen Spieler traf, Jäger sagte Danke und haute den Abpraller ins Lauterner Tor.

Besser wurde das Spiel danach nicht. Nur absurder. Zunächst gab es wieder Elfer für die Hausherren, bei denen man nie das Gefühl hatte, sie könnten anders zum Torerfolg kommen. Diesmal trat der eingewechselte Handwerker Schaf von hinten in die Hacken. Erneut verwandelte Thiele.

Beim Club hatte man aber auch nicht das Gefühl, als könnte da noch irgendwas Konstruktives bejubelt werden. So war es bezeichnenderweise ein Geschenk mit anschließender Einzelaktion, das dann doch noch zum Ausgleich führte. FCK-Torwat Grill legte sich den Ball zum Abstoß zurecht, von hinten kam Frey, luchste ihm die Kugel ab und schob ins leere Tor ein.

Der nicht nur für Fußballästheten quälende Kick ging also in die Verlängerung. Deren Höhepunkt fand dann in der 117. Minute statt. Clubkeeper Klandt verletzte sichnach einem unglücklichen Sprung selbst und musste raus (Achillessehnenanriß, der FCN hat nach dem langfristigen Matheniaausfall auch auf der Torwartposition ein ernstes Problem). Canadi hatte das Wechselkontingent bereits ausgeschöpft, weshalb Verteidiger Valentini in den Kasten musste. Der hatte schließlich auch das Elfmeterschießen zu bestreiten. Bei den insgesamt sechs Lauterer Strafstößen war er jedoch chancenlos. Nachdem Handwerker den letzten Elfer vergab (Grill hielt), war der Club draußen.

Dieser Club bietet zur Zeit immerhin so einiges, Drama, Komödie, Theater… aber leider keinen guten Fußball.