Der Club lebt noch

  • Floskeln statt Fußball, das war beim Club zuletzt angesagt. Trainer Keller sah in Hamburg in der 2. Halbzeit sogar eine gute Leistung seiner Mannschaft. Dabei bestand die im Wesentlichen aus einer Einzelaktion, einem Sonntagsschuss von Tim Handwerker. Und wenn Trainer und Sportvorstand dann der Mannschaft doch „Mutlosigkeit“ vorwerfen, dann fragt man sich verwundert, wo die so plötzlich hergekommen ist, bislang hat die doch immer mutig dagegen gehalten. Oder etwa nicht?
  • Nichts unternommen hat Sportvorstand Robert Palikuca auf der Sechser-Position. Eigentlich wurden dort die größten Defizite ausgemacht und deswegen eine entsprechende Verstärkung in der Winterpause gefordert. Stattdessen lieh der FCN zwei auf englischen Ersatzbänken schmorende Verteidiger aus. Zwei Innenverteidiger seien genauso gut wie ein Sechser, behauptet Palikuca nun.
  • Johannes Geis spielte zuletzt für den 1. FC Köln. Deswegen war ihm die Begrifflichkeit wohl geläufig als er forderte, gegen Sandhausen müsse „der Scheißbock endlich umgestoßen werden“. Scheißbock nennen Düsseldorfer Fortuna-Fans gern mal das Maskottchen des 1.FC Köln. Sportvorstand Palikuca wiederum kommt aus Düsseldorf und dürfte sich bei dieser Wortwahl wohl zu Hause gefühlt haben.
  • Vielleicht war das ein Schritt in Richtung Geschwätzreduktion. Jedenfalls gab es vom Club erstmals keine Spieltags-Pressekonferenz im Netz. Könnten aber auch erste Auflösungserscheinungen im PR-Bereich sein.

Das Spiel:

Zum Siegen verdammt, unter solchen Voraussetzungen wird einem angesichts des dünnen Nervenkostüms unserer Spieler angst und bange. Aber zunächst war dazu kein Anlass. Das lag wohl auch an den beiden in der Winterpause verpflichteten Neuzugängen. Neben Konstantinos Mavropanos, der in Hamburg noch Spielpraxisdefizite offenbarte, lief auch Philipp Heise auf der linken Verteidigerposition auf. Dort bewies er, dass er noch nicht vom lähmenden Clubvirus infiziert ist, setzte sich häufug selbstbewusst durch, was bereits in der 13. Minute zum Erfolg führte. Eine Flanke von Heise verwertete Michael Frey akrobatisch per Kopf zur 1:0-Führung.

Wer jedoch dacht, jetzt sei der Knoten geplatzt und der Club würde locker aufspielen, sah sich getäuscht. Wieder ließ man sich hintenrein drücken, um so die Instabilität der Abwehr zu demonstrieren. Allerdings lieferte dort zumindest Mavropanos einen souveränen Auftritt ab. Trotzdem kamen die jetzt überlegenen Gäste mehrfach zu Ausgleichschancen. Die nutzen sie glücklicherweise nicht. Gleiches galt allerdings auch für die wenigen Konterchancen, die sich dem FCN eröffneten. So durften wir zur Pause immerhin das ungewohnte Gefühl einer Führung genießen.

In der zweiten Hälfte klappte dann endlich mal ein Konter. In der 52. Minute verlor Sandhausen den Ball in der Vorwärtsbewegung, Geis spielte ihn zu Hack, der dann noch einen Verteidiger aussteigen ließ und zum 2:0 einschob.

Beruhigend ist aber auch ein Zwei-Tore-Vorsprung nicht. Nicht beim Club! In Minute 63 wird Engels steil geschickt, Mathenia fährt das Bein aus und der Gegner fällt dankbar drüber. Elfmeter! Der war schwach geschossen. Mathenia konnte halten. Mavropanos verhinderte zudem gedankenschnell den Nachschuss.

Als dann wenig später beim SVS Marlon Frey eingewechselt wurde, witzelten manche schon über kommentatorenunfreundliche Mannschaftsaufstellungen, schließlich waren schon zwei Behrense (Hanno beim Club, Kevin beim Gast) auf dem Platz. Der Nürnberger 1:0-Torschütze verabschiedet sich dann jedoch prompt mit einem überharten Einsteigen und der folgenden zweiten gelben Karte vom Feld. Jetzt mussten zehzn Nürnberger den Vorsprung verteidigen. Das gelang überraschend gut, wobei allerdings auch Sandhausen mit teilweise kläglicher Chancenverwertung mitspielte.

Insofern: Wichtige drei Punkte, aber zu Entwarnung oder zu Wendegefasel besteht kein Anlass.

Ein Letztes: