Nicht unsere Kragenweite

Eigentlich konnte man ja ganz guter Dinge sein vor dem bayerisch-fränkischen Derby. Der FCB steht seit letzter Woche als Meister fest und seit Mittwoch auch als Halbfinalteilnehmer in der Champions League. Man konnte also davon ausgehen, dass selbst Matthias Sammer die Handbremse gelöst und den Spielern mittlerweile den ein oder anderen Schluck Bier gegönnt hat. Weil dann auch Jupp Heynckes erwartungsgemäß eine B-Elf gegen den FCN ins Rennen schickte, durfte man also tatsächlich hoffen, dass der Club in München mal wieder was reißt.

Knapp fünf Minuten lang war diese Hoffnung auch berechtigt. Dann zeigte die B-Elf des FC Bayern, dass sie eben die B-Elf des FC Bayern ist und nicht die Reserve von Wormatia Worms. Shaqiri, Pizarro, Gomez, wohl dem, der solche Leute spielen lassen kann,  wenn sich Lahm und Schweinsteiger auf der Tribüne amüsieren. Fünf Minuten Hoffnung also, dann lag Jerome Boateng quer in der Luft und nagelte die Kugel zum 1:0 ins Nürnberger Tor. 19 Minuten später hatte Rafinha bereits auf 3:0 erhöht. Für den Club ging es fortan nur noch darum, nicht zu einem zweiten HSV zu werden. Wenigstens das gelang.

Direkt nach der Pause hatte Timmy Simons vom Punkt sogar die Möglichkeit, das Resultat etwas angenehmer zu gestalten, doch statt Ergebniskosmetik geriet der Strafstoß zur Farce. Denn Tom Starke, der Ersatztorwart des FC Bayern, köpfte (!) den stramm geschossenen Ball von der Linie. Nein, es war wahrlich nicht der Tag des 1. FC Nürnberg. Dass Shaqiri später noch auf 4:0 erhöhte, war dann eigentlich auch schon egal. Der FC Bayern, und das wurde wieder einmal deutlich, ist einfach nicht unsere Kragenweite.

Es war sicher nicht der Auftritt, den sich viele Anhänger vom Club in München erhofft hatten. Sicher nicht das Ergebnis, das angesichts der guten Voraussetzungen möglich gewesen wäre. Aber alles andere als eine Niederlage wäre trotzdem unerwartetes Zubrot gewesen. Den Bonuspunkt aus dem Hinspiel hat der Club so oder so vielen anderen Teams voraus. Der kleine Traum von Europa dürfte mit der Pleite zwar langsam ausgeträumt sein (zumindest, wenn Frankfurt in Augsburg gewinnt), so besteht aber zumindest nicht die Gefahr, dass er zum Alptraum wird.

Ein riesiger Schritt zum Klassenerhalt

Das war ein ganz wichtiger Sieg, der dem Club da in Bremen gelungen ist. Ein bisschen glücklich zwar, auf keinen Fall aber unverdient. Am Ende zählt eh nur das nackte Resultat. 1:0 gewonnen, 28 Punkte, Platz zehn – und noch viel wichtiger: der Abstand zum Relegationsplatz ist auf acht, der auf die Abstiegsränge auf zehn Zähler angewachsen.

Werder begann zwar elanvoll, doch der Club trat auch zu Beginn der Partie nie wie ein Abstiegskandidat auf. Das 2:1 gegen Köln hatte Selbstvertrauen gegeben, das merkte man. Als die ersten Bremer Angriffswellen abgeebbt waren, spielte auch der FCN immer wieder frech nach vorne. Gegen Ende des ersten Durchgangs war es tatsächlich der Club, der bei den riesigen Chancen von Hegeler und Pekhart der Führung näher war.

Nach der Pause – da muss man ehrlich sein – war es allerdings schlicht Glück, dass die Schaaf-Elf nicht in Führung ging. Pizarro, der aus spitzem Winkel nur den Pfosten des leeren Tores traf, hat man solche Chancen schon verwandeln sehen. Und auch für Marin war es schwerer, die Kugel drüber statt ins Tor zu schießen.

Viel cooler blieb da auf der anderen Seite Esswein, als Hegeler von rechts nach innen gepasst hatte. Wiese flog nach links, der Ball nach rechts – 1:0 für den Club. Bremen packte die Brechstange aus, warf alles (auch Wiese) nach vorne, blieb aber planlos. Auch die Versuche, ein paar Elfer zu schinden, wirkten nicht sehr elegant. Ein bisschen Glück, ein bisschen Schäfer und eine ganz große Rettungstat von Hlosuek reichten dem über weite Strecken abgeklärten FCN zum Sieg.

Die Formkurve am Valznerweiher zeigt deutlich nach oben, während bei der Konkurrenz der Baum brennt. Lautern und Freiburg bekamen die Kiste voll, und auch der Einstand von König Otto bei der Hertha ging mächtig in die Hose. Der muss jetzt mit Berlin übrigens gegen Bremen ran. Und dass sich Werder nicht gerne zweimal überrumpeln lässt, müsste Rehhagel am besten wissen. Der Club kann dagegen gegen Gladbach ganz frei aufspielen.

Die neuen Macher des Glubbforums im Interview

Schon seit etlichen Jahren wird über alles, was den 1. FC Nürnberg betrifft, nicht nur im Stadion oder an Stammtischen diskutiert, sondern auch im Internet. Was einst unter dem Dach der Vereinshomepage begann, ist längst fest in der Hand der Fans: ein gemeinschaftliches Forum für den internetaffinen Clubfan. Bis Mitte Februar war dieser zentrale Anlaufpunkt das Forum auf nordkurve-nuernberg.de.

Die Betonung liegt auf „war“, denn diverse Probleme brachten die Plattform an den Rand des Abgrunds. Erst ging das Forensystem in die Knie, später taten sich personelle Fragezeichen auf. Bis Klarheit herrschte, dass der Provider seine Technik nicht ganz im Griff hatte, waren bereits zwei Wochen ins Land gezogen. Der Weg für einen Relaunch war damit aber noch längst nicht frei. Weil „Docfred“, der bisherige Webmaster und Administrator der verschiedenen Nordkurven-Systeme, seinen Posten fast zeitgleich aus persönlichen und beruflichen Gründen aufgab, stand die Zukunft des Forums weiter in den Sternen.

Letztlich wurden mit den Usern „Danny“ und „Sickobilly“ aber zwei Clubfans gefunden, die in der neuen virtuellen Heimat unter www.glubbforum.de künftig ihre Freizeit opfern werden. Im Interview mit den Clubfreunden blicken „Danny“ und „Sickobilly“ auf ereignisreiche Wochen zurück und verraten, was sie dazu bewogen hat, die Aufgabe zu übernehmen.

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Maximal ein Punkt ist drin – für die Bayern!

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Ein seltenes Bild in der Saison 1967/68: Franz Brungs scheitert an Sepp Maier.

26 Mal standen sich der Rekordmeister aus München und der Ex-Rekordmeister aus Nürnberg in der Landeshauptstadt anlässlich eines Bundesliga-Duells gegenüber. 26 Mal 90 Minuten, in denen sich die Bayern eine beeindruckende Bilanz gegen den fränkischen Rivalen erarbeiteten. 19 Siege heimsten die Münchner bei vier Unentschieden und drei Club-Erfolgen ein. Grund genug für den sieben Euro zahlenden Südkurvenbesucher, sich auch am kommenden Sonntag als haushoher Favorit zu fühlen. Ein Trugschluss, dem wir nicht aufsitzen werden.

Blickt man nämlich etwas genauer hin, kommt man nicht daran vorbei, zu erkennen, dass der Club in München fast immer hielt, was er versprach. Stempelte die Tabelle den Ruhmreichen im Vorfeld des Derbys zum Punktelieferanten, gab es an der Isar fast nie etwas zu holen. 23 Mal reiste der 1. FC Nürnberg als die im Klassement schlechter platzierte Mannschaft nach München – mit der atemberaubenden Ausbeute von insgesamt unfassbaren sechs Punkten (nach der 3-Punkte-Regel). Stand der fränkische Gast allerdings zufällig mal in der Tabelle vor den Bayern, konnte die Schickeria stets den Schampus auch nach Spielende im Kühlschrank lassen. Mehr als ein Punkt war für den FCB dann nämlich nie drin.

Zuletzt gab es das seltene Szenario im August 2006. Hans Meyers Traumfabrik begann gerade erst zu produzieren und verschonte den FCB beim 0:0 zumindest halbwegs. Genug für den Club, um auch nach Spieltag drei Spitzenreiter zu bleiben.

Unvergessen der 30. Durchgang der Saison 1991/92, als der weit vor den Münchnern rangierende FCN mit 3:1 im Olympiastadion gewann. Wück und Zarate (2) wurden zu Helden, „Tiger“ Effenberg zum Deppen, weil er beim Stand von 1:2 per Strafstoß an Köpke scheiterte.

Und dann war da noch die Spielzeit 1967/68! Am vorletzten Spieltag hatte der Club die Möglichkeit, mit einem Sieg bei Beckenbauer, Müller und Co. die neunte Meisterschaft einzutüten. Brungs mit seinem sechsten Saisontor gegen Sepp Maier (nach fünf Stück beim 7:3 im Hinspiel) und Strehl sorgten für den 2:0-Erfolg und brachten die Schale mit in die Noris.

Womit wir beim nächsten Punkt, der für den Club spricht, wären. Stand der FCN vor dem Derby in München vor den Bayern, holte der 1. FC Nürnberg am Ende der Saison in mehr als 66 Prozent der Fälle einen Titel (2007 Pokal, 1968 Meisterschaft). Die Bayern dagegen gingen am Schluss immer leer aus. Was soll da noch schief gehen?