Schwartz kann man keinen Vorwurf machen

So hatte die Derby-Niederlage also sogar noch was Gutes: Den Umständen entsprechend (es gab keine Anzeichen) dann doch etwas überraschend beendete der 1. FC Nürnberg am Dienstag das Missverständnis Alois Schwartz. Das 0:1 in Fürth war zu viel des Schlechten. Fast ist man geneigt zu sagen: „Danke, liebes Kleeblatt“. Aber so weit kommt’s noch… Fürth bleibt Fürth.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich bei diesem Trainer von Anfang an skeptisch war. Erst war es nur ein Bauchgefühl, aber nach dem zweiten Spieltag war ich mir sicher: Das passt nicht. Mir wurde vorgeworfen, dass ich zu weit weg vom Geschehen am Valznerweiher sei, um das beurteilen zu können. Es stimmt: Ich kenne Schwartz nicht persönlich und war nie bei einem Training unter ihm dabei. Was ich aber wöchentlich bei den Pressekonferenzen vor und nach den Spielen sowie auf dem Platz gesehen habe, hat mir gereicht. Und darauf, auf die Außendarstellung und auf die Ergebnisse, kommt es letztlich auch an.

Ich hätte mich gefreut, wenn ich mit meiner Kritik am zweiten Spieltag falsch gelegen wäre. Ich hatte gehofft, dass der Trainer die Kurve kratzt und mich eines Besseren belehrt. Doch selbst die kleine Erfolgsserie im Spätherbst basierte nur auf Stückwerk und Glück, weil die Gegner allesamt nicht ihren besten Tag erwischt hatten. Also blieb ich bei meiner Meinung, dass Schwartz fehl am Platz ist und jetzt war.

Ihm selbst kann ich gar keinen Vorwurf machen. Er ist ja nicht erst beim Club so geworden, wie er ist. Es hat einfach von vorneherein nicht gepasst. Und diesen Schuh muss sich Sportvorstand Andreas Bornemann anziehen, der ihn für 400.000 Euro geholt hatte und der komischerweise gestern im Interview mit CEF-TV nicht so wirkte, als würde eine Trainerentlassung kurz bevorstehen. Dann kam glücklicherweise der Aufsichtsrat und bereitete dem Spuk ein Ende.

Erschien in 1.FCN

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Die Youngster führen den Club zum Sieg, nicht der Trainer

Ein 19-Jähriger und ein 20-Jähriger schießen den 1. FC Nürnberg ins Glück! Zweimal Abdelhamid Sabiri (20) und Patrick Kammerbauer (19) heißen die beiden Torschützen, die dem Club am Samstag beim 3:2 in Heidenheim den Sieg bescheren. Dabei sieht es lange nicht danach aus, dass der FCN mehr als einen Punkt von der Ostalb entführen kann. Nachdem das Team von Trainer Alois Schwartz bereits in der 4. Minute durch Sabiri mit 1:0 in Führung geht, gelingt Tim Kleindienst noch vor dem Pausenpfiff der Ausgleich für den FCH (41.). Der Club kehrt schwach aus der Kabine zurück, doch Kammerbauer reißt das Ruder herum und bringt mit seinem Treffer zum 2:1 in der 68. Minute den FCN auf die Siegerstraße. Sabiri setzt in Minute 79 noch einen drauf und markiert das 3:1 für die Nürnberger. Der Anschlusstreffer durch Heidenheims John Verhoek in der ersten Minute der Nachspielzeit kommt aus Sicht der Gastgeber zu spät. Es bleibt beim 3:2 für den Club.

Der Sieg für den 1. FC Nürnberg war nicht unverdient, aber glücklich. Zwar hatte der 1. FCN in der Anfangsphase deutlich mehr vom Spiel, verlor dann aber immer mehr die Oberhand. So ging auch das Unentschieden zur Halbzeit völlig in Ordnung. Falls Trainer Schwartz seine Schützlinge in der Kabine auf die zweiten 45 Minuten einschwören wollte, ist ihm das gründlich misslungen: Der Club kam – im negativen Sinne – wie ausgewechselt zurück auf den Rasen. Es folgte Rumpelfußball vom Allerfeinsten. Heidenheim ließ bis zur 68 Minute mehrere hochkarätige Möglichkeiten liegen, zu denen Nürnberg regelrecht einlud.

Dann schlug die Stunde des Patrick Kammerbauer. Ausgerechnet Kammerbauer, dessen Einsatz statt Sepsi viele Fans seit Monaten vehement fordern. Trotz dieser mitunter lauten Stimmen aus dem Umfeld baute der Coach weiter auf Laszlo Sepsi. Der dankte es ihm, indem er Woche für Woche seine offensichtliche Formschwäche durch neuerliche Slapstickeinlagen untermauerte. Offenbar traute der Trainer Kammerbauer nicht zu, es besser zu machen als Sepsi. Der 19-Jährige belehrte ihn eines Besseren.

Nicht Schwartz führte das Team deshalb in Heidenheim zum Sieg, sondern die Jungen. Und nicht Schwartz war dafür verantwortlich, dass Kammerbauer am Samstag endlich seine Chance bekam, sondern das Schicksal. Da Sepsi kurzfristig wegen einer Verletzung ausfiel, blieb dem Coach quasi keine andere Wahl als Kammerbauer zu bringen. Es bleibt abzuwarten, was geschieht, wenn Sepsi wieder fit ist.

Kommen wir zum Mann des Tages: Abdelhamid Sabiri. Erst am vergangenen Sonntag hatte der 20-Jährige beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden sein Pflichtspieldebüt im Dress des FCN gefeiert. Am Samstag nun durfte Sabiri eine weitere Premiere feiern: Das 1:0 in der 4. Minute war sein erstes Profitor. Durch den zweiten Treffer krönte er seine Leistung, die wie schon in der vergangenen Woche mehr als ansprechend war. Wenn Sabiri so weiter macht, wird aus dem Hoffnungsträger bald ein echter Leistungsträger.

Und das macht Mut!

Einfach eine Klasse besser

28.11.2016 --- Fussball --- Saison 2016 2017 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 14. Spieltag: VfB Stuttgart - 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN Club --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa --- Tor zum 1:0 - Torschütze Simon Terodde (9, VfB Stuttgart ) gegen Laszlo Sepsi (6, 1. FC Nürnberg / FCN )

Das 1:3 (0:2) des 1. FC Nürnberg beim VfB Stuttgart am Montagabend darf getrost unter der Kategorie „erwartbar“ verbucht werden. Es hat sich über weite Strecken das gezeigt, was Experten schon vorher ausgemacht hatten: Dass zwischen den beiden Teams ein Klassenunterschied herrscht. So gesehen, war das Ganze aus Nürnberger Sicht dann doch recht ansehnlich. Denn mitgehalten haben die Rot-Schwarzen ja ganz gut. Für einen Sieg hätte die Leistung dennoch nicht gereicht. Höchstens ein Unentschieden, das wäre mit viel Dusel vielleicht drin gewesen.

Die Sturm- und Drang-Phase des 1. FC Nürnberg währte jeweils nur kurz. Lediglich zur Mitte des ersten Durchgangs, beim Stande von 0:1 aus Club-Sicht, und zum Ende der Partie hin, nach dem 1:2-Anschluss durch Möhwald (80.), sahen die mitgereisten fränkischen Fans ihren FCN zielstrebig nach vorne kombinieren. Zweimal scheiterte der 1. FCN zudem am Innenpfosten: In der 28. Minute hatte Kempe den Ball aus rund 25 Metern auf die Reise geschickt, in der 72. Minute hatte der zuvor für Salli eingewechselte Teuchert Pech, als sein Kopfball vom Elfmeterpunkt ebenfalls ans Aluminium prallte. Darüber hinaus verwehrte Schiedsrichter Drees dem Club einen Treffer, weil Burgstaller eine Sepsi-Hereingabe zwar ins Tor verlängerte, dabei aber knapp im Abseits stand (69.). Als positiv festzuhalten bleibt, dass sich der 1. FC Nürnberg nach der Halbzeitpause aktiver und wacher präsentierte. Eine Trotzreaktion war aber auch das mindeste, was man von der Truppe von Trainer Schwartz erwarten konnte.

Schließlich hatte sie vor allem die ersten Minuten der Partie komplett verpennt. Das 1:0 für den VfB resultierte aus einer mangelhaften Defensivaktion. Terodde setzte Asano mit einem starken Pass durch die Schnittstelle der Nürnberger Abwehr in Szene, der startete durch und legte quer ins Zentrum, wo erneut Terodde bereitstand und die Kugel nur noch einschieben musste (3.). Youngster Kammerbauer und Bulthuis waren dabei nur Statisten. Das 2:0 zerstäubte dann die aufkeimenden Nürnberger Hoffnungen schnell. Erneut war es Terodde, der Club-Keeper Kirschbaum überwand und das 2:0 markierte (33.). Das 3:1 durch Asano kurz vor dem Schlusspfiff war dann letztendlich nur noch Ergebniskosmetik. Denn auch an dem 1:2 wäre wenig zu rütteln gewesen: Eine Chance hatte der FCN nach dem Anschlusstreffer nicht mehr.

2:3 gegen Schalke: „Ich werd verrückt, ein Tor!“

Fuflball: DFB-Pokal, 1. FC N¸rnberg - FC Schalke 04, 2. Runde am 26.10.2016 in Grundig Stadion, N¸rnberg (Bayern). Der N¸rnberger Tobias Kempe (r) erzielt gegen Schalkes Torwart Ralf F‰hrmann (3.v.l.) das 2:3 per Elfmeter. Foto: Daniel Karmann/dpa (Wichtiger Hinweis: Der DFB untersagt die Verwendung von Sequenzbildern im Internet und in Online-Medien w‰hrend des Spiels (einschliefllich Halbzeit). Sperrfrist! Der DFB erlaubt die Publikation und Weiterverwertung der Bilder auf mobilfunkf‰higen Endger‰ten (insbesondere MMS) und ¸ber DVB-H und DMB erst nach Spielende.) +++(c) dpa - Bildfunk+++

„Drei, vier, fünf, Aogo. Aaaaaaahogo streichelt den Ball. Ahhhhh ist das schön. Auf die Schwimmbadkurve, und der Club schwimmt. Flachschuss. Ahhhh. Die Kirsche ist unten. Der Kirschbaum hat die Pille.“
– Günther Koch im FCN-Fanradio zu Beginn der zweiten Hälfte 

FCN-Aufsichtsrat und Reporterlegende Günther Koch (GüKo), der das DFB-Pokalspiel zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem FC Schalke 04 am Mittwochabend im Fanradio kommentierte, war sich zu Beginn des zweiten Durchgangs sicher: Das Ding ist durch. Ein Eindruck, den man zu diesem Zeitpunkt teilen konnte. Die erste Hälfte war klar an die Knappen gegangen, Konoplyanka (20.), Huntelaar (31.) und nochmal Konoplyanka (45.) hatten die Blauen in Front gebracht. Doch dann, wie aus dem Nichts, gelang dem Club das 1:3 und es wurde nochmal spannend.

„Ich werd verrückt, ein Tor“, jubelte GüKo, nachdem sich Burgstaller auf der linken Außenbahn durchgetankt und den Ball in die Mitte gebracht hatte, wo Kempe am langen Eck draufhielt und Schalkes Baba anschoss, der die Kugel ins eigene Netz bugsierte (59.). Plötzlich war wieder Leben im Nürnberger Spiel gegen die in den zweiten 45 Minuten lethargischen Gäste. Erstmals in dieser Partie entfachte der Club Druck auf das gegnerische Tor – und das zahlte sich aus. Wieder über links war es in der 66. Minute Behrens, der Fahrt aufnahm, nach innen zog und in den Sechzehnmeterraum eindrang. Dort rauschte Junior Calcara an und grätschte ihn um – Elfmeter!

Und GüKo? Der rastete im Fanradio nun richtig aus. „Strafstoß für Nürnberg. Das ist die Hölle!“, brüllte der 74-Jährige in das Mikrofon. Tatsächlich wurde es ungemütlich für den Bundesligisten aus Gelsenkirchen, denn Kempe verwandelte den Elfer sicher mit einem strammen Flachschuss ins linke untere Eck (68.). Es folgte ein kaum mehr für möglich gehaltenes Aufbäumen beim FCN, man merkte der Truppe von Coach Alois Schwartz an, dass sie sich inzwischen gefunden hat. Doch es reichte nicht mehr für ein drittes Tor. Da half auch aller Enthusiasmus von GüKo („Merkt euch eins, der Teuchert wird noch Nationalspieler, das sage ich euch heute“) nichts.

Insgesamt betrachtet, ging der Sieg für den FC Schalke 04 in Ordnung. Zu fehleranfällig und löchrig hatte sich die wegen Bulthuis‘ Ausfall notgedrungen umformierte Abwehr um die Innenverteidiger Hovland und Mühl präsentiert. Die Gegentreffer durch Konoplyanka fielen beide nach Ecken und hätten durch klugeres Stellungsspiel trotz Klassenunterschied verhindert werden können. Günther Koch machte in seiner Analyse noch einen Schuldigen aus: „Was der Salli hier geboten hat, ist eine Unverschämtheit“, befand der Aufsichtsrat. Auch wenn er mit Salli unserer Ansicht nach hier zu hart ins Gericht ging, hatte er in einer weiteren Äußerung recht: Am Ende fehlte die Kraft.

„Salli, ein vogelwilder Fußballer. Ein Leichtgewicht, 1,70 Meter groß, 55 Kilo. Dunkelhaarig, dunkelhäutig sowieso.“
– Günther Koch im FCN-Fanradio nach der Einwechslung von Edgar Salli

 

Eine Frage der Geduld

1. FC Nürnberg - TSV 1860 MünchenDer 1. FC Nürnberg kann doch noch ansehnlichen Fußball spielen. Das ist eine positive Erkenntnis, die man der 1:2-Niederlage gegen den TSV 1860 München am Montagabend abgewinnen kann. Endlich – am vierten Spieltag der nicht mehr ganz so jungen Zweitligasaison – zeigte die Mannschaft von Trainer Alois Schwartz über 90 Minuten eine ansprechende Leistung. Sowohl kämpferisch als auch läuferisch. Ein weiterer Lichtblick: Ersatzkeeper Thorsten Kirschbaum überzeugte und gehörte mit Neuzugang Tim Matavz zu den Besten im Club-Dress.

Matavz fackelte in der 16. Minute auf Zuspiel von Miso Brecko nicht lange und zog aus rund 20 Metern Torentfernung ab. Sein satter Flachschuss schlug im langen Eck ein – es stand 1:1. Bereits in der elften Spielminute waren die Löwen durch Sascha Mölders in Führung gegangen. Auch wenn Schwartz‘ ernste Miene, die er an der Seitenlinie aufzusetzen pflegt, es nicht unbedingt ausdrückt: Die Leidenschaft ist zurück. Und wenn die zu spüren ist, wenn das Feuer brennt, dann verzeiht ein echter Clubfan (fast) alles.

Den besten, aber auch dümmsten Beweis für das wiederentflammte Temperament lieferte Guido Burgstaller in Minute 73. Der Österreicher sah nach einem unnötigen Foul im Mittelfeld die zweite Verwarnung und flog mit Gelb-Rot vom Platz. Nur wenige Minuten später fiel der 2:1-Siegtreffer für den TSV. Mölders legte mit der Hacke auf Michael Liendl ab, der den Ball völlig freistehend ins kurze Eck beförderte (79.). Das Problem ist, und damit kommen wir zu den negativen Erkenntnissen aus dem Spiel, dass dieser Platzverweis nicht zur Schlüsselszene taugt.

In Schwierigkeiten geraten war der Club nämlich schon etwa ab der 65. Minute. Und das aus völlig unerklärlichen Gründen. Denn dieser Phase waren ein insgesamt recht ordentlicher erster Durchgang und ein durchaus ansehnlicher Beginn in der zweiten Hälfte vorausgegangen. Also kein Grund zu Panik, oder? Doch urplötzlich ging beim FCN nichts mehr. So leidenschaftlich die Spieler kämpften, so erschreckend hilflos und planlos wirkten nunmehr ihre Aktionen. Nach einer minutenlangen Ballstafette der Löwen gab es sogar vereinzelte Pfiffe. Burgstallers hartes Einsteigen war demnach höchstens eine Konsequenz aus dieser seltsamen Apathie, nicht aber ihr Auslöser.

Ein möglicher Auslöser: In der 69. Minute, zu diesem Zeitpunkt stand es noch 1:1 und der 1. FC Nürnberg war noch vollzählig, wechselte Club-Coach Alois Schwartz Mittelfeldmann Kevin Möhwald für Mittelfeldmann Enis Alushi ein. Ein Wechsel, der fast so wirkt, als hätte der Trainer mit dem Unentschieden ganz gut leben können. Warum zu Hause nicht auf Sieg spielen? Möglicherweise hätte eine frische Offensivkraft hier genau den Schub gegeben, den seine Elf so dringend nötig gehabt hätte. Immerhin: Es blieben ja noch zwei Wechsel.

Aber Alois Schwartz machte – nichts. Selbst nach dem Gegentreffer reagierte der Coach nicht. Es schien fast so, als wolle er jene Geduld ausstrahlen, die er vom Club-Umfeld in Bezug auf seine Person einfordert. So dauerte es bis zur 89. Minute (!), ehe der FCN-Trainer mit Shawn Parker für Hanno Behrens und Cedric Teuchert für Laszlo Sepsi doch noch zwei Stürmer brachte. Und siehe da: Die beiden machten sofort Alarm im Löwen-Sechzehner, der Ausgleich schien auf einmal nur eine Frage der Zeit zu sein. Nur leider war das Spiel dann recht schnell vorbei und man stellte sich unweigerlich erneut diese eine Frage, die man eigentlich auf gar keinen Fall stellen darf, weil man ja Geduld braucht. Bis es zu spät ist.

Sensationell ist was anderes

21.08.2016 --- Fussball --- Saison 2016 2017 --- DFB Pokal Vereinspokal --- 01. Runde: FC Viktoria Köln Koeln - 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa --- Choreografie der Clubfan / Clubfans / FCN-Fans / Fans vor Spielbeginn

Die Clubfans erinnerten vor Spielbeginn an glorreiche Zeiten. Foto: Sportfoto Zink

Während in Nürnberg dunkle Wolken aufzogen, herrschte im Kölner Sportpark Höhenberg am Samstag eitel Sonnenschein. Wettertechnisch gesehen zumindest, denn der Club tat sich in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Viktoria Köln extrem schwer und musste gegen den Viertligisten sogar ins Elfmeterschießen. Auch im dritten Pflichtspiel unter Coach Alois Schwartz stand es am Ende der regulären Spielzeit nur 1:1-Unentschieden, ein Aufwärtstrend war nicht zu erkennen. Wie schon in den beiden Ligaspielen gegen Dresden und Heidenheim, brachte der FCN eine 1:0-Führung nicht über die Zeit. Insgesamt agierte der 1. FC Nürnberg zwar erwartungsgemäß überlegen, aber in der Offensive wenig zwingend. Die Doppelspitze Jakub Sylvestr und Guido Burgstaller hing über weite Strecken in der Luft. Bezeichnenderweise war es mit Georg Margreitter ein Verteidiger, der nach einer Standardsituation das 1:0 für den fränkischen Altmeister erzielte.

Ein Rumpel-Start und eine kritische Frage hatten im Vorfeld ausgereicht, um beim 1. FC Nürnberg schon fast so etwas wie Krisenstimmung aufkommen zu lassen. Sportvorstand Andreas Bornemann schraubte Mitte der Woche die Ansprüche der Fans zurück. „Wir haben immer gebetsmühlenartig gesagt, dass diese Liga extrem ausgeglichen und deswegen sehr kompliziert ist. Deswegen sind wir jetzt zwar nicht zufrieden, aber auch nicht völlig enttäuscht“, sagte Bornemann dem kicker. Auch Trainer Alois Schwartz bat am Donnerstag bei der Pressekonferenz um Geduld, gab sich aber gleichzeitig selbstkritisch und räumte ein Mentalitätsproblem innerhalb seiner Mannschaft ein. Die nächsten Spiele werden zeigen, ob es gelingt, den Offensivgeist der Truppe zu wecken. Dass mit Guido Burgstaller und Tim Leibold zwei Schlüsselspieler eigentlich gerne weg wollten, aber nicht durften, dürfte diese Aufgabe nicht leichter machen.

Gegen den hochmotivierten Viertligisten Viktoria Köln wechselte Schwartz vom 4-5-1- zurück zum Weiler’schen 4-4-2-System, mit dem sich die Spieler wohler fühlen. Zudem rückte Neuzugang Edgar Salli für Youngster Lukas Mühl in die Startformation. Der Club begann engagiert und ging, wie von Trainer Schwartz gefordert, zunächst aktiv in die Zweikämpfe. Die erste Großchance gehörte dennoch dem FC Viktoria Köln. In der 14. Spielminute dann gleich die nächste dicke Möglichkeit: Fatih Candan kam im Sechzehner frei zum Schuss, scheiterte aber am glänzend parierenden Club-Keeper Raphael Schäfer. Spielerisch dominierte der FCN in Durchgang eins, doch die zündende Idee fehlte. Beim Stande von 0:0 ging es schließlich in die Kabinen.

Abgesehen von einer Salli-Schwalbe (47.) und einer guten Kopfballgelegenheit durch Hanno Behrens (59.) war zu Beginn der zweiten 45 Minuten nicht viel vom 1. FCN zu sehen. In Minute 70 währte der Jubel der rund 2000 mitgereisten Clubfans nicht lange. Hanno Behrens brachte die Kugel nach einer Hereingabe von Sylvestr zum 1:0 in den Maschen unter, doch Schiedsrichter Daniel Schlager und sein Gespann hatten zuvor eine Abseitsposition von Sylvestr gesehen und die Situation unterbunden. Georg Margreitter machte es wenig später nach einem Eckball von Enis Alushi besser. Margreitter stieg in zentraler Position am höchsten und nickte das Leder per Kopf zum 1:0 ein (76.). Der Regionalligist schüttelte sich kurz, ehe Kölns Kapitän Mike Wunderlich im Halbfeld zentral an das Spielgerät kam. Von den Rot-Schwarzen fühlte sich keiner bemüßigt, den Viktoria-Spielmacher unter Druck zu setzen und so fasste sich der 30-Jährige ein Herz, zog aus gut und gerne 30 Metern ab und versenkte den Ball im Tor – 1:1 (80.). Dabei blieb es und die Partie ging in die Verlängerung.

In der Verlängerung bekam der Club dann doch noch die Riesenchance auf den Siegtreffer. Burgstaller tankte sich in der 99. Minute auf links durch und bugsierte die Kugel zu dem in der Zwischenzeit für Sylvestr gekommenenen Cedric Teuchert, der in der Mitte, etwa sieben Meter vor dem Tor, mutterseelenallein vor Viktoria-Torwart Phillipp Kühn auftauchte. Teuchert schoss und Kühn riss den Arm hoch – Glanzparade! Es kam, wie es kommen musste: Der FCN drückte vergeblich und es gab Elfmeterschießen. Vor den Augen von Ex-Nationaltrainer „Sir Erich“ Ribbeck, der auf der Tribüne saß, fiel die Entscheidung letztendlich zugunsten 1. FCN, der sich mit einer blitzsauberen Weste (kein Elfer verschossen) durchsetzte, weil Kölns Kevin Holzweiler vergab.

Die Ultras hatten vor dem Spiel ein Transparent entrollt, auf dem sie an den Pokalsieg 2007 erinnerten. „Es war ein sensationeller Abend. Die Fans haben einen Riesenlärm gemacht und wir haben auch noch gewonnen“, stand darauf. Einen Riesenlärm haben sie auch am Samstagnachmittag gemacht. Sensationell ist was anderes.

Ist Schwartz der Richtige?

12.08.2016 --- Fussball --- Saison 2016 2017 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 02. Spieltag: 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN Club - 1. FC Heidenheim 1846 FCH --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / WoZi --- Alois Schwartz (Trainer 1.FC Nürnberg / FCN ) enttäuscht / Enttäuschung nach Spielende

Alois Schwartz nach dem 1:1 des FCN gegen Heidenheim: Aufbruchstimmung sieht irgendwie anders aus.  //    Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink

Zwei Punkte aus zwei Spielen gegen vermeintlich schwächere Gegner – das ist für den ambitionierten Club eindeutig zu wenig. Während sich die Vereinsverantwortlichen natürlich hüten, zu einem solch frühen Zeitpunkt bereits den neuen Trainer in Frage zu stellen, muss es für enttäuschte Fans erlaubt sein zu fragen: Passt Alois Schwartz zum 1. FC Nürnberg?

Nach zwei Spielen und den Eindrücken in der Vorbereitung lautet unsere Antwort: Jein. Aber ein Jein ist eben kein Ja. Sicherlich war Schwartz nach der plötzlichen „Flucht“ (Bild-Zeitung) von René Weiler die beste Option, die Sportvorstand Andreas Bornemann in der Kürze der Zeit und mit den begrenzten Mitteln für den Club gewinnen konnte. Die Gedanken hinter dieser Entscheidung sind logisch und gut nachvollziehbar: Schwartz, ein akribischer Trainertyp, hatte bei seinem vorherigen Klub, dem SV Sandhausen, wiederholt unter Beweis gestellt, dass er in der Lage ist, aus wenig viel herauszuholen. Deshalb ist er genau der richtige Mann für einen Verein wie den 1. FC Nürnberg, der sich in finanzieller Schieflage befindet, der aber alleine aufgrund seiner Tradition verpflichtet ist, unbedingt erfolgreichen Fußball zu spielen.

So weit, so gut.

Doch der Club ist nicht Sandhausen und schon gar nicht Rot-Weiß Erfurt, der 1. FC Kaiserslautern II oder Wormatia Worms. Alles frühere Trainerstationen von Alois Schwartz, der übrigens 2006 seine Fußball-Lehrer-Lizenz erhielt und zehn Jahre gebraucht hat, um auf der Karriereleiter bis zum Club hochzuklettern. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es geht gar nicht um fachliche Kritik an der Arbeit des gebürtigen Nürtingeners, sondern allein um eine Auseinandersetzung mit der Frage: Passt Schwartz zum FCN?

Betrachtet man die jüngere Vergangenheit des 1. FC Nürnberg, waren es vor allem charismatische Trainertypen, die erfolgreich waren: Magath, Meyer, Hecking, Weiler. Wenn man sich dagegen die Körpersprache des neuen Coaches in den Spielen gegen Dresden und Heidenheim so anschaut, fragt man sich, ob der fränkische Altmeister mit seinem hypernervösen, extrem emotionalen Umfeld und der ismaeleske, blasse Arbeiter Schwartz tatsächlich kompatibel sind. So richtig springt der Funke nämlich nicht über. Wo sind der Esprit und der unbedingte Wille eines Mannes, der etwas bewegen will, wenn nötig mit Risiko? Zu spüren ist davon jedenfalls nicht viel.

Ja, man sollte dem 49-Jährigen noch Zeit geben. Aber nicht zu viel. Denn im Gegensatz zu seinem Vorgänger René Weiler fand Schwartz eine gut eingespielte Mannschaft vor, die es nicht erst zu formen gilt. Ja, es war zuletzt auch Pech dabei. Aber das ist es nicht… Es geht ums Gefühl: Passt das mit Alois Schwartz und dem 1. FCN? Und da ist eben nur dieses unentschiedene Jein.

Zu frisch sind die Erinnerungen an das fatale Festhalten an Valerien Ismael und Michael Wiesinger… Beides hervorragende Typen, aber halt keine Charismatiker.

Gesangstalent Blum trifft nicht nur Töne

26.02.2016 --- Fussball --- Saison 2015 2016 --- 2. Fussball - Bundesliga / Derby Frankenderby --- 23. Spieltag: 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN Club - SpVgg Greuther Fürth Fuerth Kleeblatt --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa --- Jubel Freude nach Spielende - Danny Blum (7, 1.FC Nürnberg / FCN ) stimmt Lied mit Clubfan / Clubfans / FCN-Fans / Fans per Stadionmikrofon Mikrofon an

Nur wenige Tage nach seiner Gesangsdarbietung nach dem Frankenderby macht Danny Blum das 2:0 in Sandhausen. (Foto: Zink)

Wir schreiben die 32. Minute, als es zum ersten Mal spannend wird. Ein Freistoß von Sebastian Kerk aus gut und gerne 30 Metern segelt vorbei an Freund und Feind und springt direkt vor dem Sandhäuser Torwart Marco Knaller auf. Ein fieses Ding, doch Knaller wehrt die Kugel zur Seite ab. Die Szene ist so etwas wie ein Hallo-Wach-Ruf. Für die Zuschauer vor dem Fernseher, die sich daran erinnern, dass das ja Fußball und nicht Tennis ist, was da gerade läuft. Und für die Club-Spieler auf dem Rasen, denen einfällt, dass sie ja eigentlich auch nach vorne und nicht nur in die Breite spielen können.

Manchmal ist die Zweite Liga hart. Hatte der 1. FC Nürnberg am Freitag noch das Frankenderby vor über 40.000 Zuschauern im Hexenkessel Grundig-Stadion bestritten und gewonnen, folgte am Dienstag der Kulturschock in Form einer Auswärtsfahrt in die Provinz nach Sandhausen. Die ernüchternde Zuschauerzahl im zugigen Hardtwaldstadion: rund 5000. Darunter etwa 1100 mitgereiste Clubfans: die einzigen übrigens, die an diesem Abend von Beginn an Alarm machten.

Plötzlich geht da also nicht nur auf den Rängen, sondern auch auf dem Spielfeld was. Nach dieser Chance von Kerk scheint die Mannschaft von Trainer René Weiler in der Realität angekommen zu sein. Der 1. FCN besinnt sich seiner Stärken und geht prompt noch vor der Pause mit 1:0 in Führung. Torschütze ist der Derbyheld: Niclas Füllkrug (41.). Der Treffer hätte allerdings nicht zählen dürfen, denn Vorlagengeber Guido Burgstaller stand bei der Ballannahme deutlich im Abseits. Doch die Fahne des Schiedsrichterassistenten blieb unten und Referee Harm Osmers aus Hannover gab das Tor.

Im zweiten Durchgang grooven die Akteure weiter so vor sich hin, angefeuert vom monotonen, nimmermüden Singsang der Nürnberger Ultras. Der SVS müht sich nach Kräften, beißt sich am spielerisch überlegenen und gnadenlos effizienten Club jedoch die Zähne aus. Doof, dass sich beim FCN zwei Spieler selbst aus dem Kader für die bereits am Freitag wartende Heimaufgabe gegen den 1. FC Kaiserslautern streichen: Miso Brecko kassiert seine fünfte, Tim Leibold die zehnte Gelbe Karte, beide werden also gesperrt fehlen. Nebenbei bekommt auf der Gegenseite Philipp Klingmann auch noch Gelb-Rot (79.).

Dann folgt der große Auftritt von Danny Blum, der sich nach dem Derby in der Nordkurve schon seine Lorbeeren als Vorsänger verdient hat und besonders bei der Passsage „Scheiße Kleeblatt Fürth…“ sehr textsicher war. Blum bekommt das Spielgerät von Burgstaller durchgesteckt und vollendet aus halbrechter Postition an Knaller vorbei ins lange Toreck zur 2:0-Entscheidung (84.). Damit beweist er, dass er nicht nur Töne hervorragend trifft, sondern auch das Tor. Ende der Durchsage.

Füllkrug erlöst Nürnberg

Fuflball 2. Bundesliga 23. Spieltag: 1. FC N¸rnberg - SpVgg Greuther F¸rth am 26.02.2016 im Grundig Stadion in N¸rnberg (Bayern). Der N¸rnberger Niclas F¸llkrug (l) jubelt mit seinem Kollegen Guido Burgstaller ¸ber seinen Treffer zum 2:1. Foto: Daniel Karmann/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien w‰hrend des Spiels auf insgesamt f¸nfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Niclas Füllkrug (links) bejubelt mit Guido Burgstaller seinen Siegtreffer. (c) dpa – Bildfunk+++

Fürths Niko Gießelmann hatte also Recht: Der Club hatte die Hosen voll. Anders lässt sich der verhaltene Beginn in diesem 260. Frankenderby am Freitagabend nicht erklären. Denn an der Motivation wird es kaum gelegen haben. Genauso wenig dürfte eine Rolle gespielt haben, dass Schiedsrichter Günter Perl wegen eines allgemeinen Verkehrskollaps rund um das Grundig-Stadion deutlich verspätet anpfiff.

Nein, der Grund war wohl vielmehr der immense Druck von zuletzt sieben sieglosen Aufeinandertreffen mit dem Erzrivalen, der auf den Schultern der Spieler lastete. Acht Jahre lag der letzte Dreier gegen den ungeliebten Nachbarn zurück!

Um 18.45 Uhr also, eine Viertelstunde nach dem geplanten Anstoß-Zeitpunkt, hatte dann offenbar auch die Mehrzahl der staugeplagten Anhänger ihren Platz in der ausverkauften Arena eingenommen. Es konnte endlich losgehen. Aus Club-Sicht allerdings leider nach hinten, die Verunsicherung der Elf von Trainer René Weiler war fast bei jedem Ballkontakt spürbar.

Folgerichtig erhielten die Rot-Schwarzen bereits in der 6. Minute die Quittung für ihre Zögerlichkeit: Robert Zulj erzielte das 1:0 für das Kleeblatt. Sebastian Heidinger hatte sich auf dem rechten Flügel durchgesetzt und flach nach innen gepasst, wo Zulj aus kurzer Distanz nur noch einschieben musste. Clubfans rechneten da schon mit dem Schlimmsten.

Dabei ist der FCN von der Spielanlage und von der Qualität der Einzelspieler her in dieser Saison dem Kleeblatt so überlegen wie schon lange nicht mehr, was nicht nur der Blick auf die Tabelle bestätigt. Trotz der Schwächen, die der Club offenbarte, gelang es den Gästen nicht, die Führung auszubauen. Der Auftritt der Spielvereinigung wirkte, nunja, unkultiviert und mitunter unstrukturiert. Die Truppe von Coach Stefan Ruthenbeck beschränkte sich darauf, die Bemühungen der zunächst zaghaft agierenden Nürnberger möglichst zu unterbinden.

Umso ärgerlicher waren die hypernervösen ersten 30 Minuten, die der FCN darbot. Als Tabellendritter mit Aufstiegsambitionen darf man sich gegen einen derart schwachen Gegner zu Hause so nicht präsentieren – egal ob der nun Fürth oder Vestenbergsgreuth heißt. Das ist die eine Erkenntnis aus diesem Derby. Die andere ist die, dass mit dem Club in dieser Saison immer zu rechnen ist und ein schlechter Start und Rückstand nicht unbedingt eine Niederlage verheißen müssen – genauso wenig wie eine starke Anfangsphase (siehe Düsseldorf) einen guten Ausgang nach sich ziehen muss.

In den Minuten vor der Halbzeitpause kämpften sich Weilers Schützlinge mehr und mehr ins Spiel, schnürten die SpVgg regelrecht hinten ein. Dann fasste sich Sebastian Kerk ein Herz und zog aus gut 20 Metern ab. Der leicht abgefälschte Ball segelte ins linke obere Toreck – 1:1 (40.)! Das Stadion verwandelte sich in einen Hexenkessel. Auf einen Schlag schien der Druck von den Club-Spielern abzufallen, die Ruthenbeck-Elf konnte den Spielstand gerade noch so in die Kabine retten.

Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: Der 1. FC Nürnberg drückte auf den Siegtreffer, das Kleeblatt beschränkte sich aufs Stören und Kontern. So ging es eine ganze Weile hin und her, Hochspannung war angesagt. Ausgerechnet ein Ex-Fürther sorgte schließlich für die Erlösung. Auf Vorlage von Georg Margreitter legte sich Niclas Füllkrug die Kugel per Kopf selbst vor und köpfte dann wuchtig zum 2:1 in die Maschen. Ganze 84 Minuten waren da schon gespielt, der Jubel war ekstatisch.

Der Rest war Formsache. Club-Keeper Raphael Schäfer und seine Vorderleute hielten den Kasten bis zum Schlusspfiff sauber. Dann gab es kein Halten mehr. Auch wenn die Euphorie über diesen für die Fans, für Nürnberg so wichtigen Derbysieg überwiegt, hinterlässt der erschreckend schwache Beginn doch einen faden Beigeschmack. Die nächsten Spiele werden zeigen, ob es tatsächlich nur am Druck lag. Bis dahin ist erst einmal Genießen angesagt.

Der beste Schäfer aller Zeiten

Fuflball 2. Bundesliga 20. Spieltag: TSV 1860 M¸nchen - 1. FC N¸rnberg am 06.02.2016 in der Allianz Arena, M¸nchen (Bayern). Fanbetreuer J¸rgen Bergmann geht nach Spielende vor Torwart Raphael Sch‰fer von N¸rnberg auf die Knie. N¸rnberg siegte mit 1:0. Foto: Andreas Gebert/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien w‰hrend des Spiels auf insgesamt f¸nfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Raphael Schäfer ist in Topform. Und das tut dem 1. FC Nürnberg gut. (c) dpa

Fußball ist ein Mannschaftssport. Was eigentlich ein Satz fürs Phrasenschwein ist, hat der 1. FC Nürnberg am Samstagnachmittag beim 1:0-Erfolg gegen den TSV 1860 München eindrucksvoll untermauert. Schon die komplette Vorbereitung über hatte sich gezeigt: Der FCN kann auch ohne Alessandro Schöpf gewinnen.

Keine Frage: Mit Schöpf hat der Club seinen Dreh- und Angelpunkt verloren. Doch die besten Einzelspieler bringen nichts, wenn die Mannschaft nicht funktioniert. Man denke da nur an die Abstiegssaison nach dem Pokalsieg 2007 zurück. Misimovic, Charisteas, Koller – was nützen diese namhaften Namen, wenn am Ende nur Murks rauskommt?

Nicht dabei war 2007/2008 Keeper Raphael Schäfer. Der spielte damals (erfolglos) in Stuttgart und kam erst nach einem einjährigen Intermezzo wieder zurück an den Valznerweiher. Knapp acht Jahre später sehen wir in Nürnberg den besten Schäfer aller Zeiten. Vergangene Woche erst 37 geworden, avancierte er gegen die Löwen zum Matchwinner. Abermals.

Schäfer wehrte gleich mehrere Großchancen der Weiß-Blauen ab, präsentierte sich in einer herausragenden Form. Vor rund 50.000 Zuschauern rettete der Club dank Schäfers Paraden das sehenswerte 1:0 durch Patrick Erras (23.) über die Zeit – es war der erste Dreier in der Allianz-Arena überhaupt.

Mit Schäfers Rückkehr zwischen die Pfosten schaffte der 1. FC Nürnberg im November die Wende. Und wir legen uns fest: Wenn der 37-Jährige so weitermacht, dann schafft der Club mit Schäfer auch den Aufstieg. Der Abgang von Schöpf ließ sich durch die Mannschaft locker kompensieren. Bei Schäfer sieht das etwas anders aus.

Mit ihm würde der FCN nicht nur einen wichtigen Spieler, sondern auch seine wichtigste Persönlichkeit verlieren. So hat der Club aktuell gar keine andere Wahl: The Schäfer must go on!