Endlich wird wieder Fußball gespielt


Zuletzt spielten sich beim Club die Ereignisse außerhalb des Platzes ab. Trainer Alois Schwartz musste nach der Derby-Pleite gehen und Interims(?)-Coach Michael Källner durfte übernehmen. Bereits im Vorfeld demonstrierte er einen neuen Stil. Während bei Schwartz das Glas meistens halbleer und die Klage über verletzte Spieler laut war, sprach Köllner von der Qual der Wahl. Mutig voran ging er auch bei der Aufstellung. Da feierte der 20-Jährige Eduard Löwen gleich mal sein Startelfdebüt. Insgesamt änderte Köllner gegenüber dem Fürth-Spiel auf sechs Positionen. Dass er dabei nicht bloß auf die Jugend setzte, war notgedrungen. Kirschbaum hatte sich im Training verletzt, also durfte Raphael Schäfer wieder einmal ran.

In der ersten Halbzeit hatte der Routinier aber praktisch keine Ballkontakte. Da sahen er und wir plötzlich einen ganz anderen Club. Der ließ hinten kaum etwas zu und erarbeitete sich nicht nur ein deutliches Übergewicht, sondern auch eine um die andere Chance. Bereits nach wenigen Minuten verzeichnete der FCN mehr Torszenen als im Derby während des gesamten Spiels. In der 15. Minute hätte es beinahe schon geklappert, aber Margreitters Kopfball traf nur den Pfosten. Nach 20 Minuten hätte sich die Überlegenheit eigentlich auch numerisch niederschlagen müssen. Behrendt, Bielefelds letzter Mann, foulte den durchgeeilten Möhwald, bekam aber von Schiri Koslowski lediglich die gelbe Karte serviert (Koslowski haben wir schon in unguter Erinnerung vom 5:4 in Bochum, so dass zumindest die Verwunderung klein blieb). Eine Viertelstunde später belohnte sich der Club dann endlich für den Druck, den er inszenierte. Der agile Salli passte schön zu Petrak, der den Ball rechts unten versenkte. Zur Pause war die Führung mehr als verdient und mancher der die zuletzt so blutleeren Vorstellungen unserer Mannschaft noch in Erinnerung hatte, rieb sich erstaunt die Augen.

Das sollte sich in der zweiten Halbzeit leider ändern. Da gab der FCN plötzlich das Heft aus der Hand. Der Tabellenletzte aus Bielefeld kam stärker auf, belegte aber auch, warum er die schlechteste Auswärtsmannschaft ist und unten im Keller festhängt. Trotzdem bekam Schäfer dann noch zwei Mal Gelegenheit, sich auszuzeichnen und den Sieg sicherzustellen.

Eine Gelegenheit erhielt auch Dominic Baumann, der in der 83. Minute den ziemlich glücklosen Winterneuzugang Mikael Ishak im Sturm ersetzen durfte. Er fiel dann aber, auch mangels entsprechender Zuspiele, vor allem durch seine Frisur auf. Immerhin bewies Köllner mit seinem Einsatz abermals Mut.

Uns Fans bescherte das zu Ende der Spielzeit doch wieder auftretende Betteln um ein Gegentor das schon bekannt Nervenflattern. Insofern ist nicht alles neu nach dem Trainerwechsel. Zudem war Bielefeld auch zu limitiert, um dem Club die Schwachstellen aufzuzeigen. Aber immerhin gab es mal wieder ein Tor und einen Heimsieg zu bejubeln. Der war auch deshalb wichtig, um wieder etwas Luft zum Tabellenende zu erhalten.

Dem Club fehlt ein Lodda


Wir könnten eigentlich zufrieden darüber sein, dass unsere Kritik an Alois Schwartz erhört wurde. Sind wir aber nicht. Die Gründe, dass ein offensichtlich nicht zum Club passender Trainer nicht nur verpflichtet, sondern auch noch teuer eingekauft wurde, bestehen leider weiter. Bei der Analyse dieser Gründe hilft das Traditionsvereins-Geschwurbel eher bedingt weiter. Nur insofern, als dahinter das Bewusstein steckt: Früher war mehr Ramba-Zamba.

Heute gibt es stattdessen „Seriosität“ und „Professionalität“.

Beim Club klopft man sich dafür gerne auf die Schulter. Auf diese Weise kehre der Club aus dem Dunkel der Bader/Woy-Jahre zurück ins Licht.

Dass die Finanzen seriös verwaltet und Eskapaden auf dem Transfermarkt vermieden würden, dagegen hat keiner etwas einzuwenden. Das ist eigentlich selbstverständlich. Beim Finanziellen erwarten wir keine Unterhaltungswerte. Auf dem Platz hingegen schon. Und von einem Trainer eventuell auch. Das jedoch haben die Bornemanns und Meeskes im FCN offenbar nicht so auf dem Schirm. Vielleicht ist auch die Club-Familie zu derartigen Differenzierungen nicht in der Lage. Paradigmenwechsel funktionieren eben oft nur, wenn sie nicht allzu komplex daher kommen. Gediegene Finanzverwaltung geht dann aber mit gediegener Spielverwaltung einher. Das Resultat ist Langeweile und Ödnis.

Das Folgen sieht der Clubfan seit Monaten. Einerseits auf dem Platz, andererseits auf den Rängen. Die werden immer leerer und das liegt beileibe nicht bloß an der mediokren Tabellensituation.

Dass hinter dem Wunsch nach derartiger „Seriosität“ auch handfeste Eigeninteressen stecken, wird übrigens auch an der von den Vereinen betriebenen eigenen medialen Vermarktung deutlich. Da werden Printreporter gerade noch akzeptiert, weil man noch keine eigene Tageszeitung produzieren kann. Die anderen versucht man gefügig zu machen oder auszugrenzen und anzuschwärzen. Der Club bildet da keine Ausnahme.

Abwaschbare Berichterstattung, lobhudelnde Tweets, blutleere Mannschaftsauftritte, streberhafte Trainerplattitüden: all das passt nicht zum FCN. Dass wir vor diesem Hintergrund einmal (wobei wir Michael Köllner derzeit die Befähigung zum Traineramt nicht absprechen wollen) Lothar Matthäus näher treten würden, hätten wir nie gedacht. Jetzt tun wirs! Lodda üernimm! Bring endlich Pep in den Laden, bevor wir vollends abschlaffen!

Wenn ihr der gleichen Meinung seid, dann unterzeichnet doch bitte diese Petition.

Die Mutter aller Trainerentlassungen

Bereits am 2. Spieltag hatte mein Kollege hier den Trainer in Frage gestellt und dafür einiges einstecken müssen. Könnt ihr nicht erstmal abwarten und dem immerhin für eine halbe Million Ablöse von Sandhausen geholten Trainer etwas Zeit geben? Nunja, inzwischen ist einiges an Zeit vergangen und mittlerweile reden nicht bloß die Clubfreunde über Alois Schwartz, sondern fast das ganze Fanlager (einzige Ausnahme die im Auftrag der FCN-Presseabteilung twitternden Praktikanten).

Aber nicht, dass er es nicht geschafft hat, der Mannschaft Profil zu geben und ein fussballerisches Konzept zu entwickeln, könnte Schwartz nun den Kopf kosten. Derartiges steckt der Nürnberger offenbar weg. Aber zwei Mal gegen die Nachbarn aus Fürth verlieren, das nimmt er übel. Da kennt er nichts! Bei der Mutter aller Derbys gibt es keine mildernden Umstände.

Wobei wir nach solchen Umständen diesmal vergeblich suchen müssen. Weder dürfen wir die Niederlage auf den Schiedsrichter schieben, noch auf die Platzverhältnisse. Selbst eine angebliche Spuckattacke auf den Clubspieler Bulthuis reicht da wohl nicht. Der konnte schließlich mitwirken und fiel jetzt im Umfeld des limitierten, blutleerebn Club-Gekickes nicht negativ auf.

Womit wir wieder beim Trainer wären. Der hatte die Mannschaft gegenüber der Heimniederlage gegen den VfL Bochum auf fünf Positionen verändert. „Ich möchte wieder Leben auf den Platz kriegen“, hatte Schwartz gesagt. Doch was dort am allermeisten fehlte, war Leben. Ein trostloser Kick konterkarierte im Ronhof den Medienhype, der auch diesmal wider besseren Wissens mit Promitipps, historischen Betrachtungen, Liveticker und Fanstatements gnadenlos durchgezogen wurde. Was die beiden im Zweitligamittelfeld herumdümpelnden Teams da auf den Rasen brachten, war jedoch an Ödheit kaum zu überbieten. In der ersten Hälfte war es eine Ecke, die aus Clubfansicht den Höhepunkt markierte. In der 2. Halbzeit ging es zunächst so weiter. Eine kurzzeitge Rudelbildung sorgte für einen Hauch von Unterhaltung. Danach schien irgendwer bei den Fürthern gerufen zu haben: Da geht noch was! Jedenfalls drängten die plötzlich, ohne dass der Club den Verwaltungsmodus beenden konnte. Und wenn man mehr probiert, dann geht ein Schuss auch mal rein. Wie in der 77. Minute als Margreitter einen Zulj-Schuss unhaltbar für Kirschbaum abfälschte. Bezeichnenderweise dauerte es bis zur 86. Minute ehe Neuzugang Ishak den ersten Ball in Richtung Fürther Tor schoß.

Das war es dann aber auch schon. Eindeutig zu wenig, um in der 2. Liga bestehen zu können. So wird der Club kaum noch etwas reißen. Denn Fürth spielte – genau wie letzte Woche Bochum – ebenfalls eher schwach. Gegen den Club reicht derzeit jedoch schon ein bisschen mehr Wille für einen Dreier.

Das Stadion ist schuld

Lasst uns über das Stadion reden. Da ist mehr los. Da bröckelt der Beton. Schon werden wieder Baupläne gewälzt. Große Pläne. Für die EM 2024, aber nicht nur.

Die Realtät auf dem nur wenige Zentimetre über dem Grundwasserspiegel liegenden Rasen sieht leider anders aus. Da bemüht sich die Mannschaft gerade, eher kleine Stadionlösungen zu forcieren. ODer Zuschauerzuspruch wird von Spiel zu Spiel bescheidener. Das liegt allerdings nur bedingt an den manchmal ungünstigen Anstosszeiten. Das liegt bedingt an der mediokren Tabellensituation, wo nicht einmal mehr die Volloptimisten an den Wiederaufstieg glauben. Das liegt aber vor allem an dem uninspirierten Bemühen, wie die Clubmannschaft unter Alois Schwartz ihre Heimspiele gestaltet. Braves Handwerk, sinnbefreites Kilometerfressen, aber kein Plan, wie man eine Abwehr knackt. Selbst an der Bochumer scheitert unser FCN und die kamen mit dem Ruf eines der schlechtesten Auswärtsteams und immer für ein Gegentor gut zu sein nach Nürnberg. Trotzdem: Selbst gegen diesen VfL hätten wir heute noch stundenlang anrennen können. Da wäre nichts passiert. Dafür ist der Club hinten immer für einen Treffer anfällig. So – leider – auch heute.

Die Spielweise des Clubs erinnert inzwischen frappant an die Ausstrahlung ihres Trainers: bieder und blaß. Insofern erkennt man zwar die Handschrift von Alois Schwartz, aber nichts, was irgendwie Hoffnung macht. Selbst da, wo diese bislang aufkeimte, herrscht inzwischen Ödnis. Sabiri zum Beispiel hat sich längst angepasst. Teuchert oder Ishak kommen zu spät, um noch etwas zu reißen und hängen zudem vorne in der Luft, weil aus dem Mittelfeld nichts kommt. Gislason, in München noch der einzige Aktivposten, wirbelte heute nur noch alibimäßig. Torgefahr ging von ihm auch nicht aus.

Eine seltsame Bräsigkeit scheint auf der gesamten Mannschaft zu lasten und die liegt nicht nur am Weggang von Guido Burgstaller oder daran, dass die Mannschaft zu wenig Qualität hat. Jakub Sylvestr, vom Club als untauglich ausgemustert, hat zeitgleich für seinen neuen Verein drei Tore gemacht.

So scheint selbst auf dem anderen Schauplatz, über Spielerverkäufe die Finanzen wieder ins Lot zu bringen, der Wurm drin zu sein. Womit wir wieder bei Stadion wären. Wenn da der Beton bröckelt, dann strahlt das eben auch auf die Mentalität der dort agierenden Beteiligten ab. Einen anderen Grund kann es schließlich nicht geben… Oder fällt euch einer ein?

Der FCN ist noch nicht so weit

Gegen Eintracht Braunschweig hatte der Club etwas gutzumachen. Mit 6:1 ging er im Hinspiel unter. Den Treffer für den FCN schoß der mittlerweile zu Schalke 04 abgewanderte Guido Burgstaller. Wenig Hoffnung für das Rückspiel machte zum einen das Fehlen des früheren Goalgetters. Zum anderen die Tatsache, dass der Club zuhause antreten musste. Da tut er sich nämlich in dieser Saison – wieder einmal – schwer. Das Spiel machen, das ist nicht so unser Ding.

Das mussten wir anfangs allerdings auch nicht. Da übernahm gleich mal die Eintracht die Initiative. Ganz offensichtlich hatten die den Plan (sowas kennen wir eher weniger), erstmal richtig Druck zu machen und den Club ins Hintertreffen zu bringen. Das gelang auch in der 23. Minute. Da spielte Hernandez die halbe FCN-Abwehr aus, passte zu Nyman, der nur noch ins Tor zu schieben brauchte. Eine Minute zuvor hatte Nyman schon den Pfosten getroffen.

Die Braunschweiger zogen sich daraufhin zurück und ließen den Club kommen. Wohl wissend, dass der da Schwierigkeiten hat. Zwar ergab sich die eine oder andere Chance. Zwingend war das aber fast alles nicht.

Nach der Pause stellten sich die Braunschweiger weiter hinten rein und warteten auf Konter. Ein Burgstaller wäre jetzt gut, dachten wir. Aber wir haben ja jetzt Abdelhamid Sabiri. Der wird eine halbe Stunde nach dem Führungstreffer von Matavz bedient, lässt den Eintracht-Verteidiger alt aussehen und markiert den inzwischen vollauf verdienten Ausgleich.

Danach spielte fast nur noch der Club, bei dem vor allem die angeblich noch nicht so weiten Youngsters die Akzente setzten. Patrick Kammerbauer zum Beispiel. Oder Dennis Lippert, der als sich der Tabellendritte dann doch wieder aufgerappelt hatte, in der 81. Minute für seinen bereits geschlagenen Keeper Kirschbaum auf der Linie rettete.

Doch obwohl der Club am Ende mehr zu bieten hatte als die kräftemäßig schon verausgabten Braunschweiger, reichte es dann nicht mehr zum Siegtreffer. Mancher hätte da wahrscheinlich früher frische Kräfte eingewechselt. Aber Trainer Alois Schwartz ist da bekanntlich zurückhaltend. Auch was die angeblich nicht so weiten jungen Spieler angeht, tritt er auf die Bremse und wünscht sich gleiches von den Clubberichterstattern. Sagen wir mal so: Es sind eher ein paar andere nicht so weit, um ganz oben anzugreifen.

Der Klassenerhalt ist noch drin

Die Hinrunde begann schon extrem bescheiden. Gegen Aufsteiger Dresden war da aber immerhin noch in 1:1 drin. Damals schoß Burgstaller den Treffer und der Schiri ließ so lange nachspielen, bis Dynamo dann doch noch traf.

Zum Rückrundenauftakt musste der Club ohne solche Hilfen auskommen. Wesentlich schwerer wog dabei aber das Fehlen des Hinspieltorschützen Burgstaller. Der wurde auf der linken Seite durch den Youngster Adelhamid Sabiri ersetzt. Und das nicht einmal schlecht. Zumindest nach vorne lief fast alles über die Seite des Debütanten. Allerdings kamen nach einer Anfangsphase, in der der Club eigentlich alles im Griff hatte, auch die Dresdner zunehmend über diese Seite vors FCN-Tor. Da offenbarten sich dann die Schwächen in der Defensive. Sabiri fehlte da noch die Abstimmung mit Linksverteidiger Sepsi und dem fehlten wieder einmal Übersicht und Durchsetzungsvermögen. Nach einer guten halben Stunde ließ er den Dresdner Berko vorbeiziehen, der dann unbehindert in den Strafraum flanken konnte, wo Heise nur noch einschieben brauchte.

Jetzt wurde auch ergebnismäßig deutlich, was sich schon auf den Rängen und akustisch manifestierte: die Dynamo-Übermacht. Von einem Heimvorteil konnte nicht die Rede sein. Im Gegenteil: Der Club sah sich zwar irgendwie in der Rolle, das Spiel machen zu müssen, fand aber nicht die adäquaten Mittel. Vor allem fehlte jegliches Überraschungsmoment. So konnte man höchstens das stete Bemühen loben und hoffen, der Trainer würde in der Pause die richtigen Worte und die entsprechenden Stellschrauben finden.

Ein Trugschluss! Nicht nur, dass Schwartz den abermals indisponierte Sepsi wieder auf den Rasen schickte und den vorne vielleicht zu etwas mehr Wirbel fähigen Teuchert auf der Bank ließ: Es dauerte nicht einmal eine Minute bis Kirschbaum erneut hinter sich greifen durfte. Berko hatte sich in der geistig noch nicht voll präsenten Clubabwehr durchgesetzt und zum 2:0 erhöht. Dynamo spielte jetzt mit seinen 10.000 Fans im Rücken noch selbstbewusster auf und beim Club wurde die eh schon vorhandenen Defizite noch deutlicher: Keiner da, der die Mannschaft mal mitreißt, fehlendes taktisches Verständnis und die schon erwähnte Einfallslosigkeit. Erst nach einer Stunde sah sich der Trainer dann bemüßigt, doch zwei neue Spieler zu bringen. Auslöser war allerdings eine Verletzung von Kapitän Brecko. Kammerbauer und Teuchert kamen. Prompt wirkte Dynamo verunsichert. Der Club kam plötzlich zu Chancen und in der 72. Minute auch zum Tor. Lukas Mühl konnte nach einer Ecke den Ball ins Tor bugsieren. Ein Tor, das dem Club jetzt immerhin den Titel beschert, die längste Zeit wenigstens einen Treffer erzielt zu haben. Bislang lagen wir da gleichauf mit Wattenscheid.

Kaufen können wir uns dafür nichts. Zumal es dann bei diesem einen Treffer blieb. Das ganze Winterpausengeschwätz, die ewigen Durchhalteparolen und das Gefasel von der optimalen Vorbereitung: alles obsolet. Die Chance, doch noch nach oben schielen zu können, wurde nicht vertan, sie besteht – das muss man leider konstatieren – mit diesem Team leider nicht. Ob sie mit Burgstaller bestanden hätte, ist jetzt auch eine müßige Überlegung. Als einziges Ziel kann derzeit nur gelten, die Klasse zu erhalten, die Kasse zu konsolidieren und noch ein paar Youngsters an die 2. Liga ranzuführen. Der FCN-Winter wird wohl noch etwas länger andauern.

Eingeknastet in der Zweiten Liga

Der Club ist schon  als Meister aus der Bundesliga abgestiegen (im Jahr 1969), als Pokalsieger (2008), mit 17 Auswärtsniederlagen (1984), mit einer Hinrunde ohne Sieg (2014) und mit einem Sturz von 12 auf 16 am letzten Spieltag (1999): Für negative Superlative ist der Ruhmreiche also bekannt. Nun aber mal ein positiver Rekord im Jahr 2016: 38 Zweitliga-Spiele in Serie hat der 1.FC Nürnberg stets ein Tor erzielt, das glückte außer der SG Wattenscheid 09 (September 1987 bis Dezember 1988) keinem Verein.
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Mühsamer Jahresabschlusserfolg

Daheim machen sie dich ein. Das gilt beim Club in letzter Zeit leider öfter. Wobei diesmal der FC Kaiserslautern zu Gast war. Bei dem schien die Offensive kein Problem zu sein. Dafür stand die Frage im Raum, ob es gelingt, den Zu-Null-Königen einen reinzuballern. Entsprechend unansehnlich gestaltete sich dann auch die erste Halbzeit. Fehlpässe am laufenden Band, uninspiriertes Angerenne, planloses Rumgekicke bei gefühlter Überlegenheit des 1.FCN. Wobei dem zugute gehalten werden muss, dass ihm Schiedsrichter Markus Schmidt in der 20. Minute ein korrektes Tor wegen angeblicher Abseitsstellung aberkannte. Das war dann aber schon das Highlight der ersten Hälfte im stark unterfüllten Frankenstadion.

In der zweiten Hälfte egalisierte der Club dann doch den bisherigen Rekord der SG Wattenscheid und traf im 38. Zweitligaspiel in Folge ins Tor (Behrens nach Ecke in der 51. Minute). Jetzt aber, dachten wir! Der Bann war schließlich gebrochen und der FCK hatte ja wochenlang kein Tor mehr erzielt. Doch nicht mit dem Club. Der ist bekanntlich ein Samariter. Der hilft jedem aus der Patsche und baut auch hoffnungslose Fälle auf.

Die Mannschaft ließ sich hinten reindrängen, wurde seltsam apathisch. Oft wurde der Club minutenlang in der eigenen Hälfte beschäftigt. In der 62. Minute hätte sich niemand beschweren dürfen, wenn es nach einem Handspiel von Dave Bulthuis Elfer gegeben hätte. Die Warnung verpuffte freilich. Weiter bettelte der Club nach einem Kaiserslauterner Treffer. In der 78. Minute war es dann soweit. Völlig unüberraschend köpfte Zoua nach einer Ecke (das erste Tor nach einer Standardsituation für den FCK) den ziemlich haltbar aussehenden Ball ins Clubnetz.

Jetzt ließen es die Pfälzer wieder ruhiger angehen, ohne dass der Club richtig zwingend zurückkommen konnte. Aber wir haben ja Guido Burgstaller. Noch! Der hatte sich seinen großen Auftritt für die 90. Minute aufgehoben. Von Behrens freigespielt zog er im Strafraum ab und traf zum 2:1.

Am Ende ein versöhnlicher Jahresabschluss. Mit dem bereits bei den vorigen Spielen erwähnten bitteren Beigeschmack, dass der Matchwinner wohl die längste Zeit für den FCN die Kastanien aus dem Feuer geholt hat.

Mit Glück bei der Fortuna gepunktet

dpaDas Spiel in Düsseldorf war fast eine Blaupause zur peinlichen Heimniederlage gegen Sandhausen. Nur, dass diesmal der Club auf der Sonnenseite stand. Die Fortuna machte fast durchgehend das Spiel. Nur halt keine Tore. Der Club stand hinten zwar nicht ganz sicher, aber immerhin – auch dank der Rückkehr von Margreitter – stabiler als zuletzt. Und dann hatte der Club einerseits jenes Glück, das die Düsseldorfer diesmal nur im Namen hatten. Und andererseits mit Guido Burgstaller auch den abermaligen Matchwinner. Dazu kam, dass uns Schiedsrichter Rene Rohde in manchen Situationen zumindest nicht benachteiligt – oder sagen wir mal: zu unseren Gunsten genau hingesehen – hat. Zum Beispiel in der 28. Minute als der Düsseldorfer Bebou im Nürnberger Straßraum hinfällt. Dass da vor allem der Rasen dran Schuld war, wäre nicht allen DFB-Unparteiischen aufgefallen.

Da stand es allerdings bereits 1:0 für den Club. Bereits nach sechs Minuten machte Burgstaller seinen 13. Treffer in dieser Saison. Auf Vorlage von Miso Brecko übrigens, dessen Flanken sonst nicht unbedingt immer den eigenen Mann finden.

Das frühe Tor baute den Club natürlich auf. Düsseldorf rannte zwar weiter an. Aber, das kennen wir aus dem Sandhausen-Spiel: Für Überlegenheit und Ballbesitz kannst du dir nichts kaufen. Im Gegenteil: Das scheint eher zu lähmen und die Fehleranfälligkeit zu erhöhen. Folglich versiebten die Fortunen ihre durchaus vorhandenen Chancen meist kläglich.

Wenn die Heimmannschaft das Spiel macht und der Club nur reagieren muss, fällt andererseits auch jene in dieser Woche diskutierte Schwäche nicht so ins Gewicht: der fehlende Leader in der Abwehr. Wobei uns der schon seit dem Weggang von Timmy Simons fehlt. Aber das nur am Rande.

In der zweiten Hälfte bot sich das gleiche Bild. Düsseldorf fand nicht die geeigneten Mittel. Der Club wartete auf Konter. In der 66. Minute, also ziemlich genau eine Stunde nach dem 1:0, war es dann soweit. Diesmal legte Burgstaller super für Matavz auf. Der setzt sich dann gut durch und hebt den Ball ins Düsseldorfer Tor. Kurz darauf hatte der Club sogar noch die Chance, auf 3:0 zu erhöhen. Bei den Düsseldorfern kam jetzt zum nach wie vor vorhandenen Bemühen noch Verzweiflung hinzu. Aber dann endlich auch mal Glück, als der Schiedsrichter in der 87. Minute Ayhan für sein brutales Einsteigen gegen den eingewechselten Kammerbauer nicht mit Rot bestrafte. Allerdings hatte Schiri Rohde zuvor schon bei Burgstaller mal ein Auge zugedrückt. So dass wir uns auch hier nicht beschweren dürfen.

Alles in allem: Ein gelungener Ausflug nach Düsseldorf und eine Wiedergutmachung für das Sandhausenspiel.

Guido, wir werden dich vermissen!

1470805079So schnell läuft das in Liga 2. Da zählt man gerade noch die Differenz zu den Aufstiegsrängen und schon geht es in die andere Richtung. Wahrscheinlich war in den Köpfen der Clubspieler auch schon der Dreier gegen den SV Sandhausen so gut wie eingefahren. Im Laufe der Partie verfestigte sich das dann wohl noch, denn der Club spielte eine halbe Stunde lang nur auf das Tor des SVS. Der konnte sich erst in der 28. Minute befreien. Da sprang Kuhn über den vollkommen unmotiviert reingrätschenden Bulthuis, kann allein aufs Tor zusteuern, zu Wooten passen und der stellt das Spiel auf den Kopf.

Das bekam da schon der ersten Knacks. Denn beim Club schwand das Selbstvertrauen und die Ordnung. Dazu häuften sich die Fouls, mit denen die Sandhausener dem FCN schon im Mittelfeld regelmäßig den Zahn zogen. Die hofften offenbar darauf, dass Schiri Dr. Martin Thomsen ihnen die gesamten 90 Minuten wohlgesonnen ist. Das tat er dann aber doch nicht. Drei Minuten vor dem Halbzeitpfiff durchbrach Guido Burgstaller (wer sonst?) die allgemeine Clublethargie, ließ drei Gegner stehen und konnte von Kulovits nur mit einem Foul gebremst werden. Der hatte vorher schon Gelb gesehen und durfte dann vorzeitig seinen Trainingsanzug überziehen. Mehr als eine Halbzeit hatte der Club also noch, den Rückstand wettzumachen und das mit einem Mann mehr.

Die nun auch zahlenmäßige Überlegenheit mündete zwar in einer Art Powerplay, das aber spätestens am Strafraum der Weißen verpuffte. Meistens aufgrund von Fehlpässen und der Kompromisslosigkeit, mit der Sandhausen verteidigte. Der Club rannte immer planloser an, fand jedoch nicht den Schlüssel, um die dezimierte Gästemannschaft zu knacken.

Dabei hätte hier viellich der ehemalige Sandhausen-Trainer Alois Schwartz im Vorfeld den einen oder anderen Tipp geben können. Schließlich kennt er den Gegner aus dem FF. Und wenn es vorne nicht klappt, dann kommt auch noch Pech dazu. Bei einem der wenigen Entlastungsangriffe des SVS schießt Klingmann einfach mal in Richtung Kirschbaum. Abermals ist Bulthuis der Unglücksrabe und fälscht den Schuß unhaltbar ab. 0:2! Blöder kann ein Spiel nicht laufen.

Trotzdem waren immer noch 35 Minuten Zeit und der Club immer noch einen Mann mehr. Doch den elf Nürnbergern fiel gegen die zehn Gäste weiterhin nichts ein. Ein ums andere Mal flogen zwar Bälle in den Strafraum, doch jedesmal wurden sie abgefangen. Beim Club paarte sich langsam Panik mit Verzweiflung. Und dann kam es noch dicker. In der 76. Minute machte der Gegner vor, wie man auch ohne Hilfe eines Gegenspielers trifft und Lukasik erhöhte sogar auf 0:3. Da war es dann endgültig ein gebrauchter Tag.

Dass dann Guido Burgstaller mit einer schönen Einzelaktion noch den Ehrentreffer erzielte, machte es eigentlich nur noch schlimmer. Denn dass der Österreicher nicht zu halten sein wird, wurde angesichts dieses Spiels überdeutlich. Wer selbst gegen Sandhausen zuhause und in Überzahl verliert, der kann sich jedweden Aufstiegstraum abschminken und damit auch die dringend nötigen Einnahmen, die nötig wären um Burgstaller zu halten. Guido, wir werden dich vermissen! Erst recht angesichts des blutleeren und brozlosen Gekickes, das deine Nochmannschaftskamerade heute abgeliefert haben.