Der WM-Effekt

Man sollte nicht übermütig werden. Gerade als erfahrener Clubfan. Dennoch: Da war heute mehr drin. Gegen die schon im Vorfeld wegen Überbelastung durch englische Wochen jammernden Ingolstädter hätte eigentlich ein beruhigenderer Vorsprung eingefahren werden müssen als nur ein 2:0.

Andererseits: Nach den letzten Zweitligaauftritten war die Hoffnung völlig im (vom gleichnamigen Trainer symbolisierten) Keller. Da hätte keiner darauf gewettet, dass der Club derart souverän den Gegner dominiert. Dass da mit einer ganz anderen Körpersprache kein Ball verloren gegeben wurde. Schon früh wurden die Ingolstädter angelaufen und zu Fehlpässen oder Rückgaben gezwungen und kamen kaum einmal gefährlich in die Nähe von Mathenias Kiste.

Sicher, Ingolstadt machte nicht den frischesten Eindruck. Zudem fehlte der Ex-Clubberer Kutschke vorne als Anspielstation. Trotzdem war die Handschrift des neuen Trainerduos Wiesinger/Mintal und ein damit verbundener Motivationsschub deutlich erkennbar. Wobei dann in der zweiten Hälfte dann doch etwas der Faden verloren ging. Immerhin gelang es, die Null zu halten und ein Auswärtstor der Schanzer zu verhindern. Auch das war früher anders.

Bezeichnend schließlich, dass der zweifache Torschütze Nürnberger hieß und somit ein zusätzliches Signal für heimische Lösungen gesetzt wurde. Dass Fabian Nürnberger in Hamburg geboren wurde, lassen wir mal leger beiseite, ebenso wie den, dann doch verdammt an alte Zeiten erinnernden Auftritt des eingewechselten Michael Frey.

Für den Samstag und den Zweitligaverbleib sieht es jedenfalls schon mal gut aus. Wobei der Club halt immer noch der Club ist. Also: Trotz des positiven WM-Effekts sollten wir am Boden bleiben.

Wohlwollensvorschuss

Manchmal ist es nicht verkehrt, erst mal einen Tag vergehen zu lassen, ehe man sich was von der Seele schreibt. Da kann man sich weitere Abgesänge und Schmähtiraden sparen, hat sich schon wieder so weit gesammelt, dass der Frust nicht mehr so übermächtig ist. Außerdem klingen einem auch noch die Worte das neuen Chefcoachs im Ohr, alle, die es mit dem Club gut meinen, müssten jetzt zusammenhelfen. Auch die Journalisten.

Also: Blicken wir nicht zurück, sondern nach vorne auf die beiden Relegationsspiele am 7. und 11. Juli. Gehen wir mal davon aus, dass die beiden „Notnägel“ Michael Wiesinger und Marek Mintal wissen, wo es hängt, schließlich war das ja kein neuer Stiefel, den die Mannschaft in Kiel zusammengespielt hat.

Dass die beiden bei ihrem früheren Wirken auf der FCN-Trainerbank eher semierfolgreich waren, geschenkt! Jens Keller, der viel zu lange das Vertrauen der Clubverantwortlichen genossen hat, hatte auch keine viel bessere Visitenkarte und schon mit dem FC Ingolstadt bewiesen, dass er eine von Namen und Kosten her zu ganz anderem prädestinierte Mannschaft locker in die dritte Liga führen kann. Anders als Keller und sein Co-Trainer Stickroth gehören Wiesinger und Mintal zu jenen, die beim Club nicht nur einen Job machen, sondern mit Herzblut beim Verein sind. Insofern besteht zumindest die Chance, dass da ein bisschen was auf die davon bislang eher unbeleckte Mannschaft abfärbt. Andererseits dürften es ihnen die Fans aber auch nicht allzu übel nehmen, wenn es dann in der Relegation doch nicht klappen sollte und der FCN in die dritte Liga muss. Was immer die beiden zusammencoachen, die entscheidenden Fehler wurden von anderen schon viel früher gemacht und diese Fehler dürften sich auch nicht abstellen lassen, indem man nur wieder mal „neue Impulse“ auf die Trainerbank setzt, ansonsten aber alles beim Alten belässt.

Trotzdem: Gestern noch war ich drauf und dran, diese Liebe dann endlich doch zu bereuen und die schriftliche Begleitung des „Ruhmreichen“ einzustellen. Am deutschen Fußball hält mich mittlerweile ohnehin kaum noch etwas, am Club waren es immerhin noch die Tradition und die anderen Fans. Verein und Mannschaft haben allerdings viel dazu beigetragen, unsereinem das Gefühl zu geben, dass ihnen Tradition und Fans ziemlich egal sind. Die Lösumg mit Wiesinger und Mintal ist somit immerhin ein Schritt in eine andere, richtige Richtung. Aber halt nur einer. Da müssen weitere folgen. Egal in welcher Liga.

Hilferuf nach Fürth

Blogbeiträge nach Cluberfolgen werden immer besser geklickt, als nach Niederlagen oder drögen Unentschieden. Da will man dann möglichst nicht daran erinnert werden und sucht woanders Ablenkung. Insofern hätten wir hier die Chance nutzen sollen und das 6:0 in Wiesbaden gebührend abfeiern müssen. Doch interessieren uns Zugriffszahlen? Mitichten!

Deshalb ließen wir die Klicks liegen, feierten verhalten und hakten das Ganze erst einmal unter „unerklärlicher Ausrutscher“ ab. Bei den Mitkonkurrenten aus Osnabrück oder Karlsruhe kursierten ja schon Verschwörungstheorien, die verdammt an das 5:1 der Frankfurter gegen Kaiserslautern erinnerten, weswegen der fast schon gesicherte FCN dann 1999 doch noch abgestiegen ist. Gab es da Absprachen, waren gar Drogen oder Schmiergelder im Spiel?

Nun ja! Auch in der Hinrunde gab es mit dem 4:0 in Hannover schon so einen „Ausrutscher“, der dann aber nur den Blick auf die Realitäten verstellte und allenfalls den Beweis erbrachte, dass die Mannschaft zwar gewinnen kann, aber halt nur wenn Ostern und Weihnachten zusammenfallen, also wenn alles passt und der Gegner vorwiegend mit sich selber zu tun hat.

Insofern wollten wir erst einmal das Heimspiel gegen den VfB Stuttgart abwarten. Da war der Club dann prompt wieder der Alte. Nichts zu sehen vom gewonnenen Selbstvertrauen, von umgestoßenen Bock oder von den – schon wieder nach oben geschriebenen – Unterschiedsspielern. Der Club fing – wie gewöhnlich – ganz nett an. leistete sich dann aber bereits in der 11. Minute den ersten Fehler (diesmal war es Margreitter, der pennte) und lag prompt 0:1 hinten. Danach lief es so, wie wir das noch aus Erstligazeiten bei frühen Rückständen gegen überlegene Teams kennen: Die „Mannschaft“ fiel in sich zusammen. Beim VfB wunderter man sich ein ums andere Mal, wie einfach gegen den Club Torchancen generiert werden konnten. Am Ende kassierte der FCN genau jene sechs Tore, die er gegen Wiesbaden noch geschossen hatte. Und damiti war er sogar noch gut bedient. Der jetzt als Aufsteiger feststehende VfB hätte nämlich locker noch mehr Treffer erzielen können gegen eine völlig desolate Clubabwehr. Wobei die Kritik an der Abwehr nur das eine ist. Nach vorne ging nämlich auch nichts. Da bestand 90 Minuten lang eigentlich nie Gefahr für den Stuttgarter Keeper Kobel. Das Ergebnis war also auch in der Höhe mehr als verdient.

Verdient hätte diese Truppe nach diesem Auftritt auch den Abstieg in die dritte Liga. Dass der mittlerweile – zumindest auf direktem Weg – nicht mehr möglich ist, haben wir den Darmstädtern zu verdanken, die gegen Wehen-Wiesbaden gewonnen haben. Am nächsten Sonntag geht es also nurmehr darum, wer in die Relegation muss, der KSC oder der FCN.

Der Club hat zwar zwei Punkte Vorsprung, muss aber noch nach Kiel, während der KSC in Fürth gewinnen muss. Da die Hoffnung, die Kieler zu schlagen, nach dem heutigen Auftritt nicht allzu groß ist, sind wir wohl auf die Hilfe des Kleeblatts angewiesen. Schlimmer kann eine Demütigung kaum sein.

100 Jahre Einsamkeit

Der Club ist ein Weißt-du-noch?-Verein geworden. Nie war das so deutlich, als vor dem Frankenderby. Angesichts der gegenwärtigen Tristesse wurde da nur noch erinnert. Nicht nur an die erste Meisterschaft vor 100 Jahren , auch die „Legende“ und Heiner Stuhlfauth wurden zitiert. Und wenn das passiert, weiß der Clubfan: Jetzt ist es ernst.

Doch beim Club kann man offenbar nicht mal mehr mit der Historie umgehen. Gegen die Fürther lief die Mannschaft in Weiß auf. In Weiß!

Sportlich gesehen waren die Prämissen eigentlich optimal. Die Fürther hatten nach der Corona-Pause noch nichts gerissen und waren vor dem Derby das schwächste Geister-Team. Zudem konnte sich der Club erholen, während die Greuther unter der Woche noch zum Nachholspiel gegen Dresden ran mussten. Eine Prise Selbstvertrauen dürfte man zudem durch das Unentschieden beim Tabellenführer getankt haben. Wobei da schon wieder der realistische Blick verstellt wurde, denn spätestens das freitägliche Unentschieden von Sandhausen in Bielefeld hätte den Clubverantwortlichen die Augen öffnen müssen, dass die Arminia inzwischen in den Safety-Modus geschaltet hat und das 1:1 in Bielefeld nicht überbewertet werden sollte.

In der ansonsten ziemlich öden ersten Hälfte waren es vor allem zwei energische Balleroberungen durch Valentini und Schleusener, die kurz andeuteten, wie es gehen und der ersehnte Dreier eingefahren werden könnte. Letztlich verpufften allerdings die Angriffsbemühungen. Da auch Fürth sich dem gemütlichen Sommerfußball angepasst hat, hätte man von einem 0:0 ausgehen können, wäre da nicht jene clubeigene Fähigkeit der Selbsteinschläferung. Die führt dann immer zu Konzentrationsmängeln und dazu, dass der Gegner mit relativ bescheidenen Mitteln doch noch zum Torerfolg kommt. Wie Fürth in der 56. Minute durch Raum.

Danach offenbarte sich erst das ganze Dilemma des aktuellen Clubkaders. Da ist keiner, der sich noch aufbäumt, keiner dem mal was Originelles einfällt. Strukturen sind in dieser Mannschaft ohnehin nicht erkennbar. Zudem scheint inzwischen jedem klar zu sein, dass die Einkaufspolitik vor der Saison ein Schuss in den Ofen war. Dovedan saß noch nicht einmal auf der Bank, und Geis wartete dort vergeblich auf die Einwechslung. Sorg soll zudem Konditionsprobleme haben, kam dann aber ebenso wie der formschwache Kerk trotzdem noch als „Retter“ auf den Platz. Zu retten gab es da aber nichts mehr. Es blieb beim 0:1.

Dass ein Derby, und dann auch noch so, verloren wird, hätte uns zu früheren Zeiten noch auf die Palme gebracht. Inzwischen ist vieles anders. Man weiß noch nicht einmal, ob man den drohenden Abstieg beklagen oder herbeiwünschen soll, zumal einem dann solche Derbys erst einmal erspart blieben. Genausowenig weiß man, wen man beim Club als erstes ersetzen soll. Selbst die Trikotverantwortlichen scheinen dort nur noch falsche Entscheidungen zu treffen. Vom Erfolg ist dieser Verein wirklich 100 Jahre entfernt.

Mit dem Zweiten sieht man besser

Nach dem öden 0:0 gegen Bochum gäbe es genug Anlass, hier wieder alles Mögliche zu kritisieren. Wir lassen es bleiben. Es ist eh schon fast alles gesagt. Stattdessen offerieren wir euch einen Weg, wie ihr Zeit und Geld sparen könnt:

Schaut euch die Spiele nur auf dem Second Screen an. Bei Twitter.

Kreativität wächst nämlich bei Langeweile. Auch bei sich selber kann man das beobachten. Wobei ein Grund dabei auch sein dürfte, dass man beim Formulieren der Tweets nicht durch das Spielgeschehen gestört wird und sich die Sachlage über 90 Minuten kaum ändert, sieht man einmal vom einzigen Höhepunkt des Spiels, dem Lattentreffer von Hack, ab.

Hier also ein kleiner Eindruck vom Second Screen unter dem Hashtag #FCNBOC:

…und von uns gab´s natürlich auch was:

Mit Glück und Grethlein

Inzwischen habe ich mir wieder ein paar Spiele angetan. Auch die vom Club. So ganz kann man es dann doch nicht lassen.

Wenn man ohne Vertrag woanders mitgucken kann und daher nichts zahlen muss, fällt einem aber leider auch auf, dass man immer noch Zeit investiert. Zeit, die man eigentlich für vieles sinnvoller nutzen und unterhaltsamer verbringen könnte. Oben steuern die Bayern ihren drölfzigsten Titel an. Unten wird der Club nur durch die Hilfe der Gegner noch einigermaßen am Leben gehalten. In der ersten Hälfte des Heimspiels gegen Aue wäre ich beinahe weggenickt. Spielerisch und kämpferisch kommt da gar nichts. Nicht einmal akustisch. Die Clubspieler haben offenbar besonders große Angst vor Tröpfcheninfektion und taumeln deshalb stumm in Richtung 3. Liga. Der ebenfalls ziemlich ruhige Trainer Jens Keller scheint mit seinem Latein ohnehin am Ende (dürfte sich eher um das kleine Latinum handeln), was sich auch in dem hilflosen Wortgeschwurbel widerspiegelt, mit dem er die Lokalpresse abspeist.

Einzig Aufsichtsratschef Thomas Grethlein ist mit verbalen Supportversuchen im fanentleerten Stadion zu hören. Außer „FCN“ und „Weiter“ hatte er aber nichts auf der Platte. Da erkennt man erst, wie originell doch die Fans sind. Wobei es auch da Ausnahmen gibt, zum Beispiel wenn fast eine Halbzeit lang bloß das hier gebrüllt wird. Die Leistungen der Fans verhalten sich da anscheinend umgekehrt proportional zu denen auf dem Platz.

Im Heimspiel gegen Aue schien zumindest Kapitän Hanno Behrens dem „Weiter“ seines AR-Vorsitzenden Gehör zu schenken. Sein energischer Vorstoß führte dann wenigstens zum Ausgleich.

In Regensburg war es mit dem von Keller geschmähten Ishak ebenfalls einer der „Alten“, der uns endlich mal ein Feldtor bescherte. Aber egal, auf welcher Seite das Tor fällt, beim FCN scheint das immer Lähmung und Zurückschalten in den Verwaltungsmodus zu bedeuten. Gegen den Jahn ging das sogar eine Zeit lang gut. Statt jedoch nach den beiden Aluminiumtreffern aufzuwachen und das eigene Glück nicht weiter zu strapazieren, bettelte der Club so lange bis er 1:2 in Rückstand lag. Dass dann in der Nachspielzeit noch der kaum erwartbare Ausgleich durch den derzeit besten Clubstürmer (Eigentor) fiel, dürfte höchstens dazu dienen, den trostlosen Auftritt wieder irgendwie schönzureden. In der Tabelle hat sich der Abstand zum Mittelfeld für den Club weiter vergrößert. Möglicherweise muss so lange gezittert werden, bis Dresden seine beiden Nachholspiele absolviert hat.

Andererseits ertappe ich mich mittlerweile bei dem Gedanken, ob nicht ein Abstieg und eine völlige Neuorientierung für den FCN besser wäre als eine irgendwie glücklich zustande gekommene Verlängerung des jetzt noch deutlicher zu Tage tretenden Trauerspiels. Ohne Fans ist der Club, noch mehr als andere Vereine, ein Nichts.

Doch wie soll eine solche Neuorientierung stattfinden? Bekanntlich gibt es nichts Richtiges im Falschen. Einige Fankommentatoren schlagen da vor, das Rad der Zeit um etwa 15 Monate zurück zu drehen, Köllner und Bornemann wieder zu holen und stattdessen die, für deren Entlassung verantwortlichen „Amateure“ in die Wüste zu schicken. Die Beiträge unserer Scoutingabteilung machen Bornemanns reservierte Haltung, was Neuverpflichtungen anging, nachträglich verständlich. Aktuelles Beispiel ist der, lediglich durch seinen Fehlschuss im Derby aufgefallene, Iuri Medeiros, der jetzt an Braga abgegeben werden soll.

Kosten minimieren dürfte beim Club wieder oberstes Gebot werden. Guter Fußball für die Fans interessiert da eher weniger. Ohnehin weiß keiner genau, wie es nach der Saison weiter geht. Im August dürfte es bestimmt noch keinen Impfstoff geben. Ob wir gegen Fürth oder gegen Würzburg nicht hin dürfen, ist dann auch egal.

Immerhin scheint Grethlein – trotz stark limitierter Mittel – erkannt zu haben, dass es beim Produkt Fußball auch um Unterhaltungswerte geht. Das ist schon mal ein Hoffnungsschimmer. Vielleicht finden sich ja in der Möchtegern-Kulturhauptstadt noch ein paar – derzeit ohnehin beschäftigungslose – Künstler, die wenigstens das mit der akustischen Unterstützung ein bisschen besser hinbekommen.

Ein Letztes:

Der Deppentitel winkt

Schon an diversen ChampionsLeague-Abenden schwante mir, der FanTalk auf Sport1 könnte ein Konzept mit Zukunft sein. Andere das Spiel schauen lassen und sich dabei deren Fachgesimpel anhören. Oft ist da mehr Esprit dabei, als beim Gekicke auf dem Rasen.

Was den Club angeht, sowieso. Trotzdem tigerten wir bislang entweder ins Stadion, in die Sky-Kneipe oder vor den eigenen, mit Sky-Ticket aufgebrezelten Fernseher. Die beiden ersten Aktivitäten sind leider nicht mehr möglich. Letzteres wiederum hieße, den Bock zum Gärtner zu machen. Also ließen wir diesmal gucken und organisierten unseren eigenen FanTalk anhand der Berichte in den Zeitungen und den Kommentaren in diversen Webkanälen. Fazit: Wir haben anscheinend nichts versäumt. Same Procedure as vor Corona. Vorne braves Gekicke, das dem Trainer gefällt, aber nichts bringt. Hinten wieder der eine oder andere Lapsus und der einzige, der kämpft und mal ins Risiko geht, ist blöderweise der Torwart.

Ansteckend, was die Wiederaufnahme eines Sky-Vertrages angeht, ist das nicht. Stattdessen ertappt man sich bei dem Gedanken, ob sich nicht lieber beim FCN jemand anstecken sollte, um auf diese Weise die Saison noch versöhnlich zuende zu bringen. Doch selbstverständlich wünschen wir allen Spielern und Betreuern Gesundheit und ein langes Leben. Andererseits gilt natürlich auch der Satz des großen Vordenkers Christian Lindner: Manchmal ist es besser, nicht zu spielen als falsch zu spielen. Freilich ist das keine Option für den nicht nur auf dem Platz viel zu braven Club. Der schreit lieber wieder als erstes Hier, wenn ein neuer Deppentitel (Coronaabsteiger) zur Vergabe ansteht.

Ein weiterer Grund, nicht hinsehen zu wollen.

Sollen wir die jetzt auch noch belohnen?

In schweren Zeiten braucht man Tröstliches. Deswegen das Positive vorweg: Unser Club hat 120. Geburtstag feiern und in schönen Erinnerungen schwelgen dürfen. Außerdem haben wir den DFB-Pokal gewonnen. Zwar nur im Bayerischen Fernsehen und als Wiederholung. Aber immerhin.

Leider hat das Umfeld, in dem unser Ruhmreicher zugange ist, das mit der Maskenpflicht offenbar missverstanden und stattdessen alle Masken fallen lassen. Jetzt regiert nur noch der Reibach, dem Fan wird seine Überflüssigkeit vor Augen geführt und von Vereinen, die beste Drähte in Politik und Wirtschaft haben, werden berechtigte Skrupel der Konkurrenz schamlos ausgenutzt. Zudem wird wieder deutlich, dass es sich beim Profifußball um gut bezahlte Sklavenhaltung handelt. Nirgendwo wurden Spieler gefragt, ob sie das Kasperletheater mitmachen und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen wollen. Wenn das alles irgendeine Vorbildfunktion haben sollte, dann gute Nacht!

Und wer jetzt einwendet, die hätten doch alle Demut und Bescheidenheit bekundet. Ja, der Seifert vielleicht. Der hat das noch bei Karstadt gelernt. Schon wenn Palikuca was von Demut erzählt, kämen einem Zweifel, wenn man nicht als Clubfan schon vor der Pandemie im Demutsmodus gewesen wäre.

Demut ist ohnehin nicht überall angebracht. Haben wir unseren Sportvorstand für seine juristischen Aktivitäten im Fall Bakery Jatta noch kritisiert, hoffen wir jetzt, dass er seine Anwaltskontakte spielen lässt, um im Abstiegsfall DFL und DFB bis vor die Bundesgerichte zu zerren.

Wobei, wahrscheinlich wird hier die Drohung reichen. Das dürfte dann schon so hingemauschelt werden, dass nur juristisch weniger beschlagene Vereine absteigen. Wenn überhaupt einer absteigt, schließlich ist die Zukunft der 3.Liga noch völlig unklar.

Das Mauscheln dürfte in den nächsten Wochen jedenfalls um einiges einfacher werden. Zuschauer, die sich über etwaige Fehlentscheidungen aufregen könnten, gibt es nicht mehr und die verbliebenen Journalisten – allen voran die leicht beeinflußbaren Sky-Kommentatoren – dürften letztlich eher am Erhalt ihres Arbeitsplatzes als an der Aufdeckung irgendwelcher Schummeleien interessiert sein.

Stellt sich also auch für uns die Frage: Sollen wir uns an dieser Farce beteiligen? Sollen wir unsere Sky-Tickets reaktivieren oder gar ein Abo abschließen? Gemeinsam mit anderen den Club gucken, das geht ja sowohl im Stadion als auch in der Kneipe nicht mehr.

Wir sind noch unschlüssig. Einerseits sollte man denen auf die Finger schauen. Andererseits gilt: Wer zahlt, signalisiert Zustimmung. Und das wollen wir auf gar keinen Fall.

Vorerst werden wir das Ganze also unter größtmöglicher Abstandwahrung sowohl zum Mitzuschauer als auch zum Arschlochfußball beobachten. Die gewohnten aktuellen Beiträge zu den Spielen werdet ihr hier erst einmal nicht finden. Wir melden uns, wenn es aus Clubfansicht was anzumerken gibt oder wenn uns wieder der Kragen platzt.

Kleines Lebenszeichen

War´s das? Das hatten wir vor gut fünf Wochen gefragt. Seitdem gab es hier kein Lebenszeichen mehr. Kein Spiel, kein Glubb-Weekly, keine Antwort auf die Frage.

Andererseits, was hätten wir schreiben sollen? Uns am Gestochere im Nebel beteiligen? So tun, als würde in ein paar Tagen alles weiter gehen wie gewohnt? Natürlich hätten wir die mehr oder weniger hilflosen Statements der Protagonisten aufblasen können. Aber das machen schließlich schon die – derzeit ansonsten weitgehend beschäftigungslosen – Sportkollegen.

Im Gegensatz zu diesen ist man als Blogger in der komfortablen Lage, einfach mal die Klappe halten zu können. Zumal im Augenblick das, was nicht gesagt und getan wird, dem Patienten Fußball mehr hilft, als alle aktionistischen Rettungsversuche. Der Fußball war nämlich – und da sind sich die meisten Fans einig  – schon vor Corona krank. Inzwischen fällt das auch dem Letzten auf. Zum Beispiel hier.

Unser philosophisch gebildeter Aufsichtsratsvorsitzender hat daher darauf verwiesen, dass jeder Krise auch eine Chance innewohnt. Dem kann man nur zustimmen. Hoffentlich nutzt der Fußball sie nicht so wie Medeiros in Fürth oder Baumann 1999 gegen Freiburg.

Auch für den FCN im Speziellen bietet die Krise eine Chance. Beispielsweise die, den zuletzt immer noch drohenden Abstieg zu vermeiden; egal, ob die Saison noch irgendwie zu Ende gegurkt oder ob ein Schlussstrich darunter gezogen wird. Während in letzterem Fall wohl niemand absteigen dürfte, wäre der Club für Geisterspiele mental wohl besser gerüstet als die Konkurrenz. Ein Heimvorteil war bislang eh nicht auszumachen, zumindest parziell leere Ränge kannten die Spieler schon und dank der Aschenbahn drang die Fanunterstützung ohnehin moderater ans Spielerohr als anderswo.

Auch wir Clubfans tun uns mit dem Shutdown etwas leichter. Freudlosigkeit herrschte bereits,  als noch gespielt wurde. Auf einen Abstieg konnten wir uns ebenfalls schon einstellen. Wenn man da nicht alleine leidet, sondern der gesamte Profifußball mitabsteigt, ist das leichter zu ertragen. Oder anders gesagt: Wenn Bayern, Leipzig, Dortmund oder Schalke von ihren hohen Rössern runter müssen, amüsiert sich der, der ohnehin nur auf einem Pony unterwegs ist.

Also: Haltet weiter durch! Die aktuelle Durststrecke ist für einen guten Zweck. In jeder Hinsicht.

War´s das?

Eigentlich wollten wir uns erst am Sonntag nach dem St.Pauli-Spiel melden. Eigentlich wollten wir da einen Dreier feiern (oder auch nicht). Eigentlich wollten wir da nochmal auf wirre, aber auch auf originelle Fans eingehen. Doch daraus wird jetzt nichts.

Es gibt Wichtigeres als Fußball. Alle Bundesligabegegnungen wurden abgesagt. Dass bei der DFL da doch noch die Vernunft über die Geldgier gesiegt hat, dazu hat auch der Club beigetragen. Indirekt. Nachdem beim letzten Gegner Hannover 96 gestern bereits zwei Coronainfektionen zu vermelden waren, meldete heute auch der FCN eine. Fabian Nürnberger war positiv getestet worden (gute Besserung!). Der Club bat daraufhin alle Spieler zuhause zu bleiben und die DFL das Spiel in Hamburg abzusagen. Da hatte die DFL noch die Durchführung des Spieltages geplant, um zu verhindern, dass die dritte Tranche der Fernsehgelder einbehalten wird.

Kann leicht sein, dass auch der Plan, die Saison mit Verzögerung zum Abschluss zu bringen, kassiert werden muss. Dann würde Plan B greifen. Der sieht nach jetzigem Stand vor, dass die Saison für beendet erklärt wird. Absteiger wird es dann keine geben. Nur Aufsteiger. Die Bundesliga wird dann um vier Aufsteiger aufgestockt. Für die zweite Liga hieße das, Bielefeld, Stuttgart, HSV und Heidenheim gehen rauf und aus Liga 3 rücken die vier ersten vier nach. Der Club bliebe also drin.

Insofern hat das Ganze für uns nach dieser grottig verlaufenen Saison sogar noch eine positive Seite. Die negativen Folgen sind hingegen noch nicht absehbar und werden wohl erst in den nächsten Tagen und Wochen deutlich. Was bedeutet das Ausfall der TV-Gelder und der Zuschauereinnahmen? Wer kommt für den Schaden auf? Wie sieht das mit den vertraglichen Verpflichtungen aus (Spielergehälter, Stadionmiete)? Wo gibt es finanzielle Hilfen?

Für uns stellt sich zudem die Frage, wie gehen wir mit der Langeweile um? Vielleicht ist das der Durchbruch für die eSportler. Da ist Daniel Butenko vom FCN immerhin bei den Play Offs Ende März dabei. Zuschauer wird es dabei zwar nur per Twitch geben. Aber immerhin. Für Publikumssound ist softwareseitig gesorgt. Also gibt es da schon mal keine trostlosen Geisterspiele.

Wir melden uns hier wieder, wenn es Neues gibt. Haltet durch und bleibt gesund!