Da geht er hin, der Optimismus!

  • Aus gegebenem Anlass noch ein Nachtrag zum Testspiel gegen die Bayern: Das wurde bekanntlich von „Magenta Sport“ kostenlos übertragen. Jenem Sender, der die Rechte für die 3. Liga besitzt und sich da wohl rechtzeitig bei den Fans eines potenziellen Neuzugangs vorstellen wollte.
  • Für die Abwehr gab es in der Winterpause eine weitere Verstärkung. Bis zum Saisonende kommt der 194 Zentimeter große Grieche Konstantinos Mavropanos nach Nürnberg. Beim FC Arsenal sieht man ihn eher als Perspektivspieler. Hier wie schon beim zweiten Winterneuzugang Philipp Heise konnte der Club auf die guten England-Kontakte seines Scouts Kevin Cruickshank zurückgreifen.
  • Er war vom gegenwärtigen Kader am längsten beim Club, jetzt hat dieser Ondrej Petrak abgegeben; als Leihspieler zum Abstiegskonkurrenten Dynamo Dresden. Ablöse gibt es nur, wenn Petrak einschlägt, sprich Dresden drin bleibt und jemand anderes runtergeht, hoffentlich nicht Petraks dann höchstens kurzfristig ein bisschen reicherer Ex-Verein.
  • Erinnert sich noch jemand an Fuchs-Mühl? Damals dachten wir, Michael Köllner kann zaubern und seinen Heimatort Tore schießen lassen. Vergangene Zeiten! Köllner ist weg, Lukas Mühl spielt durchwachsen und Alexander Fuchs künftig für Unterhaching.
  • Kaderverkleinerung Nr. 3: Auch Lukas Jäger, bei Canadi noch Stammspieler, verlässt den Club. Er kickt ab sofort für Sturm Graz.
  • Selbst in seiner Heimatstadt wandelt der FCN gegenwärtig zwischen Langeweile und Desinteresse. Da da geht es in einer Veranstaltung in Nürnberg dann doch lieber um die, was den Absturz angeht, zugkräftigeren Sechziger. Und wenn die Nürnberger Zeitungen am 8. März eine Leserfahrt zum „Bayerischen Derby“ anbieten, dann geht´s nichtzum Club, sondern zu Bayern gegen den FC Augsburg. Richtiges Drama, richtiger Fußball, dasind wir zurzeit nicht dabei.
  • Nicht mit Ruhm bekleckert hat sich der FCN im Hinspiel gegen den HSV )0:4). Auch danach nicht mit der eher lächerlichen Klage wegen der Spielberechtigung eines HSV-Akteurs. Inzwischen wird über die Sache – sicher auch im Sinne des Hamburger Spielers – nicht mehr geredet. Da machte ausgerechnet der HSV-Sportvorstand Jonas Boldt das Faß ohne Not wieder auf und tönte, sein Verein habe gegen den Club „noch eine Rechnung offen“. Da sind dann leider manche Fans seriöser und vernünftiger als ihre Vostände.
  • Rettung aus Argentinien naht erst einmal nicht. Javier Pinola verlängerte seinen Vertrag bei River Plate um ein Jahr.

Das Spiel:

In Hamburg hatte Trainer Keller ein paar Überraschungen in der Aufstellung parat. Dass im Tor wieder die Nummer 1 Christian Mathenia stehen würde war noch zu erwarten. In der Innenverteidigung lief Neuzugang Mavropanos auf. Lukas Mühl sollte auf rechts verteidigen. Erstmals von Beginn dabei war Gnezda Cerin.

Wenn da ein Plan dahinter steckte, dann ging der schief. Bezeichnenderweise wurde Ceri9n noch in der ersten Halbzeit wieder ausgewechselt. Lediglich in den ersten Minuten konnte der FCN den Eindruck erwecken, dass die „Aufbruchstimmung“ nicht nur eine der mittlerweile üblichen Durchhaltefloskeln ist. Leider wissen aber die Gegner, wie man den Club immer noch knacken kann. Unter Druck begann die Abwehr (wo ist eigentlich die Verstärkung im defensiven Mittelfeld?) wie gewohnt zu schwimmen und so war es dann wenig verwunderlich, dass der HSV in der 18. Minute durch Jatta in Führung ging. Wie üblich machte sich dann wieder der Frust unter den Cluberern breit. Selbst einfachste Pässe landeten beim Gegner. Geordneter Spielaufbau: Fehlanzeige! Dann war es ausgerechnet Mavropanos, der ungeschickt im Strafraum zum Ball ging. Elfmeter! Bereits nach 29 Minuten führten die Hausherren mit 2:0 und beförderten den Club unsanft auf den Boden der Tatsachen. Der konnte froh sein, zur Halbzeit nicht höher zurückzuliegen.

Aus dem nichts kam der Club zunächst doch noch ins Spiel. Ex-FCN-Spieler Tim Leibold hatte wohl ein Einsehen und bediente Tim Handwerker, der zog in der 51. Minute aus 20 Metern ab und erzielte den Anschlusstreffer. Plötzlich hatte unsere Mannschaft Oberwasser und die Hamburger wirkten verunsichert. Leider dauerte das nur ein paar Minuten an. Dann bekam Margreitter den Ball an die Hand und Schiedsrichter Markus Schmidt entschied erneut auf Elfmeter. 3:1!

Jetzt hingen wieder die Schultern. Das Ding schien durch. In der 82. Minute erhöhte Jung noch auf 4:1.

Mittlerweile steht der FCN sogar auf einem direkten Abstiegsplatz. Bereits am Sonntag geht es weiter gegen Sandhausen. Hoffnung macht weder das Spiel in Hamburg, noch das, was die sportlich Verantwortlichen in der Winterpause zusammengezimmert haben.

Ein Letztes:

Fußball ist bekanntlich nur eine Nebensache. Doch auch um die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. kümmert sich der FCN. Zum Beispiel um das Abnehmen. Für weibliche Clubfans wird dazu ein neuer Kurs angeboten. Voraussetzung: Clubmitgliedschaft und ein Bauchumfang von mindestens 88 Zentimetern.

Club schlägt die Bayern

  • Dort, wo die Bayern unterwegs sind, tummeln sich auch die Werbetreibenden. Einen kleinen Eindruck bekommen wir in der Diaspora Lebenden aktuell gerade. Da mottet Magenta Sport Alt-Moderator Fritz von Thurn und Taxis für das Freundschaftsspiel des FCN in Nürnberg aus und bekommt prompt allerorten kostenlose Werbung.
  • Er war fast schon beim FC Barcelona. Doch Uli Hoeneß wollte das Talent nicht ziehen lassen. Dann versuchte sich der FCB-Nachwuchsspieler relativ erfolglos beim Club. Jetzt ist Timothy Tillman bei den Greuthern gelandet. Anders als für uns Fans liegt für die Akteure im bezahlten Fußball Fürth eben nahe bei Nürnberg.
  • Der ehemalige Bild-Reporter Daniel Westgate ist nicht mehr Pressesprecher beim FCN. Man wolle mehr und transparenter mit den Fans kommunizieren, ließ der kaufmännische Vorstand Niels Rossow verlauten. Für Westgate wird jetzt im Verein eine andere Verwendung gesucht, seinen als „Leiter Sportkommunikation“ aufgewerteten Posten übernimmt der 42-jährige Christian Bönig. Zumindest in der Pressestelle ist jedenfalls nichts von einer „Verkleinerung des Kaders“ zu bemerken.
  • Wir Fans fragen uns schon länger, warum beim Club die Leistungskurve vieler Spieler nach unten zeigt. Bei der Ursachenforschung ist mancher bei Instagram fündig geworden. Da hat sich erst eine Spielerfrau beklagt, dass selbst ihr Hund nicht wieder nach Nürnberg will. Am 6. Januar postete dann Mikael Ishak einen Hilferuf, er sitze ohne Klopapier daheim und könne auch keines kaufen, weil alle Läden geschlossen hätten. Vielleicht ist die Stadt schuld; und das bayerische Ladenschlussgesetz.
  • Reizvoller als in Norwich auf der Bank zu sitzen, scheint Nürnberg aber allemal zu sein. Zumal, wenn der Aufenthalt zeitlich befristet ist. Linksverteidiger Philipp Heise, an dem der Club schon länger dran ist, kommt zumindest auf Leihbasis bis zum Saisonende. In den nächsten Tagen will Sportvorstand Palikuca noch eine weitere Abwehrverstärkung präsentieren.

Das Spiel:

Mit „Das Spiel“ haben wir die Begegnung gegen die Bayern wahrscheinlich höher gehängt als alle Beteiligten. Club-Trainer Jens Keller hatte schon vorab beklagt, das Testspiel komme zur Unzeit, weil die Mannschaft müde und platt sei. Das dürfte den Kaufleuten beim FCN nicht allzusehr gefallen haben, zumal der Kartenverkauf ohnehin nicht den Erwartungen entsprach. Andererseits schien genau das Druck von der Mannschaft zu nehmen. Die zeigte, dass sie durchaus mit den Bayern mithalten kann, dass sie sich offenbar sogar leichter tut mit einem Gegner, der selbst das Spiel machen und immer Ballbesitz haben will.

So ging der Club in der 22. Minute sogar durch Frey in Führung (Assist: Behrens) und hatte weitere Möglichkeiten, die Führung auszubauen. Allerdings sah man zwölf Minuten später, dass die Münchner, wenn sie sich gezwungen sehen, immer noch einen Gang hochschalten können und dann gegen eine nicht gerade sattelfeste Abwehr auch zum Erfolg kommen. Diesmal war es Davies, der den Ausgleich machte.

In der Pause wurde komplett durchgewechselt. Lediglich Clubkeeper Dornebusch blieb mangels Alternativen im Spiel. Bei den Bayern standen praktisch nur noch Jugend- und Drittliga-Spieler auf dem Platz. Beim Club wirkte sich die zuletzt beklagte Größe des Kaders hingegen positiv aus. Wohl auch, dass einige ein bisschen Werbung für sich machen wollten. So war es dann der wechselwillige Mikael Ishak der bereits nach wenigen Sekunden den Club erneut in Führung brachte. Beim 3:1 legte Ishak für seinen ebenfalls aufs Abstellgleis geratenen Sturmkollegen Adam Zrelak auf. Das 4:1 hatte Torschütze Schleusener ebenfalls einer Vorlage von Ishak zu verdanken. Danach hatte der Club immer noch nicht genug: Hack erhöhte sogar auf 5:1. Die Bayern konnten hingegen zunächst einen Elfmeter nicht verwerten (Dornebusch hielt) und danach lediglich noch ein bisschen Ergebniskosmetik betreiben.

5:2 gegen die Bayern: Das hört sich super an. Allerdings waren die Voraussetzungen im Nachhinein eher als Aufbauhilfe zu verstehen. Und die älteren unter den Clubfans wissen, FCB-Aufbauhilfe muss nicht immer zum Erfolg führen (Hoeneß!).

Positiv mitnehmen kann der Club immerhin, dass man gegen nicht ganz so motivierte Bayernstars mithalten und dass man gegen Drittliga-Bayern sogar gewinnen kann. Vielleicht passt der Kader also doch, bloß die Liga nicht.

Ein Letztes:

Seltene Glücksgefühle

Die Woche:

  • Club-Kapitän Hanno Behrens wurde inzwischen nicht mehr bloß von den „ewigen Netz-Nörglern“, sondern auch von der „seriösen Presse“ zum „Gesicht der Krise“ erklärt. Als „Gesicht des Aufstiegs“ galt er eigentlich als sakrosankt. Und deswegen wurde die Kritik an ihm auch nur refereiert und gleich wieder widerlegt (andere haben noch schlechtere Zweikampfquoten u.ä.). Immerhin kaum widerlegbar ist, dass Hanno Behrens zuletzt nie an frühere Leistungen anknüpfen konnte, wahrscheinlich auch deswegen, weil er mit der Rolle als Kapitän überfordert ist. Das dürfte aber möglicherweise daran liegen, dass an diese Rolle inzwischen andere Ansprüche geknüpft werden. Bezeichnend wie ihn Palikuca nach der Niederlage in Bochum vor den versammelten TV-Kameras zur Seite genommen hatte, um ganz offensichtlich mit ihm die Entlassung Canadis zu besprechen. Da wurde der brave Hanno in eine Art Brutus-Rolle gedrängt. Schon mit der Verpflichtung von Palikuca und Canadi hatte der FCN jedoch den von Behrens präferierten Weg des netten, freundlichen Umgangs miteinander verlassen. Die – manchmal vielleicht wirklich nicht leistungsfördernde – Harmonie in der Mannschaft war einigen wohl ein Dorn im Auge. Insofern ist Hanno schlicht der Falsche für die ihm zugedachte Rolle. Den Vorwurf der Undankbarkeit sollte man also, wenn schon, an die richtige Stelle adressieren.
  • Apropos Dankbarkeit. Ein anderer Aufstiegsheld sollte in der Winterpause an den FC Paderborn abgegeben werden: Mikael Ishak. Der hat dem Tabellenletzten der 1. Liga mittlerweile aber abgesagt. Beim Club aufgestellt wird er derzeit dennoch nicht. Keller vermutet, er sei aufgrund seiner Wechselbemühungen nicht voll bei der Sache.
  • „Das Ende ist nah“ lautete die NN-Überschrift vor dem Keller-Duell gegen Dynamo Dresden. Man kann das vielfältig interpretieren. Bestenfalls, dass ein für den „Ruhmreichen“ wenig ruhmreiches Jahr sein Ende findet. So bestünde wenigstens die Hoffnung, es könnte nächstes Jahr wieder besser werden. In diesem Sinne: frohe Weihnachten! Genießt die spielfreie Zeit! Wir haben es uns verdient.

Das Spiel:

Nürnberg gegen Dresden, das ging nicht bloß zum Hinrundenauftakt zu unseren Gunsten aus. Auch bei der Bewerbung um den Kulturhauptstadttitel hieß es letzte Woche: Vorteil Nürnberg. Dresden gehörte dagegen zu den drei Oststädten, die aussortiert wurden.

Auch sonst verbreiteten die Sachsen nicht unbedingt Angst und Schrecken. Vier Stammspieler mussten beim Kellerduell ersetzt werden. Dazu lief Torwart Broll in einem Behelfstrikot mit abgeklebter Rückennummer auf (Schuld daran war allerdings Schiedsrichter Jöllenbeck, der Bedenken hatte, das mitgebrachte grüne Hemd könnte bei Nässe nachgrauen und dann nicht mehr von den grauen Nürnberger Trikots unterscheidbar sein).

Demgegenüber hatte sich Clubstürmer Michael Frey die langen Haare abrasiert. Offenbar sollte ihm die Glatze im Strafraum mehr Respekt verleihen.

Ihr merkt schon: Auf dem Platz passierte erst einmal nicht viel Berichtenswertes. Der Club hatte zwar ein Übergewicht und mehr Ballbesitz. Allerdings ohne daraus irgendwelches Kapital schlagen zu können. Dem Spiel war deutlich anzumerken, dass da zwei der augenblicklich schwächsten Mannschaften der 2. Liga aufeinander trafen.

Trotzdem ging der Club in der 33. Minute in Führung. Der zuletzt arg kritisierte Kapitän Hanno Behrens hatte in den Strafraum geflankt. Dovedan, für den diese bestimmt war, rutschte zusammen mit seinem Gegenspieler weg. Dahinter stand Robin Hack völlig frei, erwischte den Ball aber nicht richtig. Der trudelte dann aber neben dem linken Pfosten ins Tor.

Mit der knappen Führung ging es in die Pause.

Aber was heißt das schon? Schließlich pflegte der Club in der Schlussphase regelmäßig die Punkte zu verspielen. Da half es dem durch solche Erfahrungen pessimistisch gewordenen FCN-Fan auch nicht, dass in der 53. Minute erneut Hack – wieder auf Vorlage von Behrens – auf 2:0 erhöhte.

Allerdings brannte diesmal hinten nichts mehr an. Das lag zum einen daran, dass die Dresdner nach vorne nicht viel zustande brachten, Zum anderen aber auch daran, dass mit Georg Margreitter (für ihn musste Mühl draußen bleiben) mehr Stabilität in die Clubabwehr einkehrte.

So brachte der Club dias 2:0 unfallfrei über die Zeit und kann ein bisschen hoffnungsvoller in die Winterpause gehen. Allerdings wurde uns der Sieg diesmal auch ziemlich leicht gemacht. Anlass, von einer Trendwende zu sprechen, betsht also noch nicht.

Ein Letztes:

Nicht dumm, die Eistiger. Denn wer den Club nicht mehr packt, der wechselt nicht den Verein, der wechselt gleich die Sportart.

Langsam fehlen die Worte

Die Woche:

  • Ein bisschen verwundert hörten wir, was Spieler und Trainer nach dem Auftritt in Stuttgart von sich gaben. Demnach war es offensichtlich eher Pech, dass das Spiel verloren wurde. Ist das schleichender Realitätsverlust oder soll auf die Zartbesaitung der Spieler Rücksicht genommen werden? Wenn letzteres stimmt, fragt man sich allerdings wie das zum brandredenden Palikuca passt. Kein Wunder, dass auch wir Fans manchmal schwankend sind, ob wir pfeifen oder Aufbauarbeit leisten sollen.
  • Ein Aussage nach dem Stuttgart-Spiel gab dann aber doch zu denken. Michael Frey erklärte, der Mannschaft habe am Ende die Kraft gefehlt. Kurz danach kamen übrigens Rufe nach Felix Magath und seinen Medizinbällen.
  • Geschichte scheint sich manchmal zu wiederholen. Vom Ingolstadt-Itermezzo unseres derzeitigen Trainers reden wir dabei (noch!) nicht. Vielmehr sind nach einer Club-Niederlage erneut Zweifel an der Identität eines Gegenspielers aufgetaucht. Diesmal geht es um den Schützen zum 1:1, mit dessen Einwechslung übrigens die Wende zugunsten des VfB kam. Wobei auch wir nicht genau wussten, heißt der nun Silas oder Wamangituka. Inzwischen kursiert auch der Name Mvumpa Katompa. Wie schon bei Bakery Jatta vom HSV soll der Spieler zudem ein Jahr älter sein. Der Club zeigte sich immerhin lernfähig und legte dieses Mal keinen Protest ein.
  • Der Begriff Trendwende trendet derzeit am Valznerweiher. Gerade so, als sei es nur eine Art Modererscheinung, dass der Club auch in der zweiten Liga nicht zurecht kommt.
  • Vergangene Woche hatten wir hier gefragt, wo sich denn der Aufsichtsrat versteckt. Prompt ist dessen Chef Thomas Grethlein aus der Versenkung aufgetaucht. Allerdings hat er sich nicht dazu gesäußert, wie der Club aus der Krise kommen will. Auch das eigene Vorgehen und dessen Auswirkungen auf die aktuelle Krise (Zweijahresplan) hat er nicht hinterfragt. Nein, er hat seiner Freude darüber Ausdruck verliehen, dass Nürnberg nicht zu den drei Absteigern im Rennen um den Kulturhauptstadttitel gehört. Ist wohl auch nur einer dieser Erfolgsfans, der Herr Grethlein.

Das Spiel:

Dass das kein schönes Spiel werden würde, war zu erwarten. Gegen Holstein Kiel konnte Jens Keller zwar wieder aus dem Vollen schöpfen und beispielsweise Robin Hack aufs Feld schicken. Der sollte offenbar die Konter fahren. Ansonsten überließ der Club, der bekanntlich nicht damit zurecht kommt, selber das Kommando zu übernehmen, den Gästen weitgehend das Spielgerät. Auch was Ecken, Passquote und Zweikämpfe anging, waren die Kieler im Vorteil. Echte Torchancen entwickelten sich allerdings hier wie da nicht.

Kampf und Krampf dominierten die Anfangsphase. Bis zur 37. Minute. Da bekam der Club nach einem Foul an Dovedan aus aussichtsreicher Position einen Freistoß. Den verwandelte dann ausgerechnet ein Verteidiger: Asger Sörensen hämmerte den Ball unhaltbar ins linke Eck.

Euphorie kam allerdings nur kurz auf. Keine zwei Minuten später fiel Özcan in Strafraum. Behrens, der zuvor schon durch etliche unglückliche Aktionen aufgefallen war, rutschte auf dem nassen Boden aus und zog den Kieler mit zu Boden. Eigentlich zu wenig für einen Elfmeter. Aber egal: Felix Dornebusch, die Nürnberger Nummer 5, hielt nämlich den vom „Gefoulten“ selbst geschossenen Strafstoß. So rettet der Club das 1:0 in die Pause. Wie schon in Stuttgart.

Zunächst lief es jedoch anders. In der 67. Minute war es Hack, der den Club mit 2:0 in Führung brachte. Da schien alles für den Club zu laufen. Da dachte man wieder mal: Jetzt ist sie da, die Wende, jetzt setzt sich die angebliche Qualität des Kaders durch. Allerdings war zunächst der aus der Vereinslosigkeit verpflichtete Clubkeeper Dornebusch mehrfach gefragt, um die Null zu halten. Die KStorche aus Kiel schlugen dann allerdings in der 77. Minute doch zu. Serra macht den Anschlusstreffer und schon begann erneut das Zittern. Der Club stand nur noch mit Mann und Maus hinten drin, um den lange ersehnten Sieg nach Hause zu fahren. Aber der Club, – vor allem der Club 2019 – wäre nicht der Club, wenn so etwas klappen würde. Mit der letzten Aktion erzielte Thesker noch den Ausgleich. Die Krise geht weiter. Nächstes Wochenende gibt´s Kellergipfel gegen Dresden. Es schwant einem nichts Gutes.

Ein Letztes:

Der Kader ist doch nicht so schlecht, wie viele behaupten:

Planloses Stückwerk

Die Woche:

  • Guten Fußball hat das Noch-Max-Morlock-Stadion schon länger nicht gesehen. Da ist es dann eine nette Geste vom DFB, im März dort das EM-Vorbereitungsspiel gegen Italien auszurichten. So ganz uneigennützig dürfte dies jedoch nicht sein. Bei solchen Testspielen melden sich mittlerweile nicht bloß jene Spieler, die es sich leisten konnten, wegen irgendwelcher Zipperlein krank, auch die Ränge sind meist spärlich gefüllt. Tickets sind offenbar wohl nur dort verkäuflich, wo die Not groß ist. Also in Nürnberg.
  • Irgendwie muss man den Fan ja von früh verfehlten Saisonzielen ablenken. Auf der FCN-Homepage soll dazu ein Adventskalender beitragen, der bis zu Weihnachten „attraktive“ Angebote und Preise alljenen verspricht, die die FCN-Quizfragen richtig beantworten. Blöd nur, wenn man dabei gar nicht gewinnen kann. Bei der Frage nach dem Siegtorschützen beim Pokalfinale 2007 wurde die richtige Antwort (Jan Kristiansen) gar nicht angeboten (siehe unten!). Es standen nur Banovic, Saenko, Mnari und Polak zur Wahl. Wahrscheinlich auch wieder so eine trickreiche Sparmaßnahme. Dass die FCN-Marketingabteilung das nicht weiß und nicht mal ergoogeln kann, können wir uns nämlich echt nicht vorstellen.
  • Daneben gegangen ist ein Versuch, die hiesige Jugend für den Club zu begeistern. Da lud der Club Erstklässler aus der Region ins Stadion ein, damit sie mal live die Begeisterung und Stimmung dort erleben können. Das war bei der 1:5-Klatsche gegen Bielefeld. Nachwuchswerbung war das eher nicht. Also wiederholte man die Einladung. Diesmal ging es schließlich gegen den Tabellenletzten aus Wiesbaden. Leider war die Werbewirkung da ebenfalls gering. Immerhin schön, dass wenigstens Herr Rossow noch optimistisch ist. Wobei, so ganz stimmt das auch nicht.
  • Woran liegt es, dass unsere Mannschaft auch in der 2. Liga so abkackt? Der Trainer allein kann es nicht gewesen sein. Der Sportdirektor wird von manchen inzwischen auch exkulpiert. Dann dürfte es vielleicht an der Mannschaft liegen, die eigentlich keine ist. Deren Kapitän hat offenbar schon Canadi einen Teil des Problems gesehen. Als er Hanno Behrens aber auf die Bank setzte, hatte er sofort die Mehrzahl der Fans gegen sich. Die Mannschaft wiederum scheint wenig darauf zu geben, was „unser Hannoooo“ so von sich gibt. Der hatte Journalisten gegenüber jegliche Stellungnahme verweigert, weil man sich jetzt auf den Abstiegskampf konzentrieren müsse. Prompt sprangen alle möglichen Mannschaftskameraden vor die Mikros und füllten die Lücke. Georg Margreitter brachte dabei gleich einen neuen Schuldigen in die Debatte: die „Traditionsfans“. Selbst wenn da was Wahres dran sein könnte (siehe Behrens und früher Bader), die Pfiffe von den Rängen kamen doch erst, nachdem die Mannschaft von Woche zu Woche trotz 1a-Support einen schlimmeren Stiefel zusammenkickte. Ach so, bevor jetzt noch jemand daher kommt und das Stadion für die Misere verantwortlich macht, fragen wir mal: Wo versteckt sich eigentlich der Aufsichtsrat gerade?

Das Spiel:

Auf dem Platz ist natürlich manches anders. Zumal wenn es gegen einen Gegner geht, der selbst Probleme hat – wenn auch auf anderem Niveau. Ein bisschen war die Konstellation so wie beim letzten Sieg in Hannover. Da ging es auch gegen einen angeblich erstklassig besetzten Bundesligaabsteiger, der nicht so recht in der 2. Liga angekommen ist und der vor heimischen Publikum das Spiel machen muss.

Das praktizierten die Stuttgarter auch und kamen in der ersten Hälfte auf mehr als 70 Prozent Ballbesitz. Der Club wiederum, der zwar mit Frey, Lohkemper und Schleusener drei gelernte Stürmer aufgeboten hatte, versuchte vor allem hinten Beton anzurühren.

Nach vorne lief für den FCN nicht viel. Das lag auch daran, dass kaum ein Pass den eigenen Mann erreichte. Bis auf ein Mal. Das war in der 10. Minute. Da konnte Geis einen Klärungsversuch der Stuttgarter abfangen, zum frei stehenden Frey köpfeln, der den Ball dann volley in den rechten Winkel hämmerte. Das sah dann schon sehr nach Befreiungsschlag aus.

Allerdings ließ der Club gleich wieder den VfB kommen, der nun verbissener aufs Tor drängte. Zwei Mal zappelte der Ball auch im Clubnetz. Beim vermeintlichen 1:1 hatte der Kölner Keller ein Foulspiel von Gomez an Behrens signalisiert. Schiedsrichter Schröder gab den Treffer ebenso nicht, wie sechs Minuten später einen weiteren VfB-Treffer. Da stand Torschütze Mario Gomez hauchdünn im Abseits. So rettete der Club mit viel Glück die Führung in die Pause.

Aber 90 Minuten nur Glück, das haut eben nicht hin. Ein bisschen Können und Spielkultur sollte sich schon noch hinzugesellen. Zunächst kam dem Club, der weiterhin nicht viel zustande brachte, zugute, dass Stuttgart sichtlich das Selbstvertrauen fehlte. So musste erst der Videobeweis helfen. In der 58. Minute erkannte der ein Handspiel von Schleusener. Den Elfmeter versenkte Silas. Eine Minute später klapperte es erneut im Clubkasten, Diesmal war Gomez erfolgreich. Der VAR war diesmal erneut auf Stuttgarter Seite. Zuvor hatte Endo Geis mit einem Kopfstoß außer Gefecht gesetzt. In Köln sah man das nicht als ahndungswürdig an. Wahrscheinlich wollte man auch mal den Stuttgartern was zukommen lassen,

Nichtsdestotrotz war das erschreckend schwach, was die Mannschaft ablieferte. Viel zu viele Fehler im Spielaufbau, kaum Struktur, keine Aggressivität, kein Zug zum Tor… Vorne gab Frey den Alleinunterhalter. Er hatte offenbar schon längst aufgegeben, irgendetwas Verwertbares von seinen Mannschaftskollegen serviert zu bekommen und rannte regelmäßig Torwart Bredlow an, wohl in der Hoffnung, wie in Kaiserslautern nochmal einen Glückstreffer zu landen.

In der 72. Minute machte Förster schließlich noch das 3:1. Da hatte sich der Club dann endgültig aufgegeben. Irgendjemanden, der das Ruder herumreißt und die Ärmel hochkrempelt, sucht man in dieser Mannschaft leider vergeblich. Wobei sich langsam auch die Erkenntnis durchsetzt, dass es nicht nur an der Mentalität hapert, sondern wohl auch an der fußballerischen Qualität.

Völlig verpufft ist jedenfalls der Trainerwechsel (die Auswechslungen von Keller waren diesmal übrigens auch schwer nachzuvollziehen). Genauso verpufft ist offenbar auch Palikucas Brandrede. Der darf in der Winterpause drei neue Spieler kaufen. Hoffentlich hören die besser zu.

Ansonsten bekommt das mit dem Zweijahresplan nämlich eine ganz andere Ausrichtung. Dann muss das Ziel „Wiederaufstieg in die zweite Liga“ lauten.

Ein Letztes:

Was ist der FCN? Rufen Sie an und nennen Sie das Lösungswort „Spitzenclub“!

Völlig von der Rolle

Die Woche:

  • Von einem seiner früheren Trainer wurde Lukas Mühl nicht nur „Bescheidenheit“ attestiert. Er wurde auch als „lernwillig und lernfähig“ bezeichnet. Offenbar hat er gelernt, dass einen Bescheidenheit im Profigeschäft nicht weiterbringt. Das war schon Anfang der Saison so, als er einen Stammplatz einforderte. Jetzt hat er gegen Ex-Trainer Damir Canadi nachgetreten. Wenn es bei der Suche nach Fehlern hilft, soll es uns recht sein. Trotzdem darf man die auch mal bei sich selbst suchen.
  • Immerhin ist Mühl ein sogenanntes Club-Eigengewächs. Solche identifizieren sich mitunter eher mit dem Verein und sollten deswegen möglichst gehalten werden. Das trifft eigentlich auch auf Patrick Erras zu. Dennoch steht er nach zuletzt eher dürftigen Leistungen vor einem Wechsel. Vielleicht hat er aber ebenfalls nur unter Canadis Vorgaben gelitten, und man sollte das nochmal überdenken.
  • Für die einen ist es nur ein T-Shirt mit Sternchen drauf, für die anderen „Ausdruck unserer Liebe zur Stadt“, ein an das „Gewand des Christkinds angelehntes Jersey“, verziert mit einem „dezenten, floralen Stoffmuster“… Zumindest marketingmäßig scheint der FCN in der ersten Liga mitzuspielen. Das schlägt sich dann auch im Preis für das Sondertrikot nieder: 89,95 Euro.
  • Club-Offensivspieler Virgil Misidjan muss nicht in den Knast. Zunächst war er wegen Körperverletzung zu vier Monaten Knast verurteilt worden. In der Berufung kam er glimpflicher davon: Geldstrafe und gemeinnützige Arbeit. Mancher witzelte daraufhin, auch eine erfolgreicher Einsatz für den Club wäre gemeinnützig.

Das Spiel:

Zum ersten Heimspiel unter Trainer Keller durfte die Club-Elf mit den neuen Christkindlesmarkt-Trikots auflaufen. Mit denen wollten die Spieler offenbar eine gute Figur abgeben und gleichzeitig ein bisschen Glühweinstimmung verbreiten. Nur blöd, dass sich der Tabellenletzte aus Wiesbaden da nicht eingroovte. Der erspielte sich bereits in der 2. Minute die erste gute Chance. Doch der Ex-Nürnberger Dittgen schoß am Tor vorbei. Zwei Minuten später machte es Schäffler besser. Er hob den Ball über Dornebusch hinweg und machte das 0:1 . Schiedsrichter Stegemann hatte zunächst auf Abseits entschieden. Auf den Videobildern war aber erkennbar, dass Valentini die Abseitsfalle aufgehoben hatte.

Jetzt wich die harmonische Weihnachtstimmung allgemeiner Verunsicherung. Einfachste Pässe kamen nicht mehr an. Wehen-Wiesbaden konnte den Club ruhig den Ball überlassen, der wusste damit eh nichts anzufangen. Eine halbe Stunde lang gab es keine einzige Torchance, aber 70 Prozent Ballbesitz. Erst gegen Ende der ersten Hälfte bekam Gästekeeper Lindner doch noch etwas zu tun. Überwinden ließ er sich aber nicht.

Anders war das bei seinem Kollegen auf FCN-Seite. Der versuchte offenbar eine Erklärung dafür zu liefern, warum ihn der heutige Gegner vor der Saison nur als Ersatztorwart verpflichten wollte. Bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff lief Dornebusch unmotiviert raus. Kyereh nutzte die Gelegenheit und markierte das 0:2 per Fernschuss ins verwaiste Clubtor.

Nun musste der abermals verunsicherte Club also zwei Tore aufholen. Und wie wir das kennen, bekommt er das geordnet nicht hin. Da versuchen es dann Geis, Frey oder Hack lediglich mit Einzelaktionen. Mannschaftssport Fußball? Nicht beim Club.

Es folgte einfalls- und sinnloses Angerenne, wie wir es zur Genüge kennen, Dann pfiff der Schiedsrichter auch noch Elfmeter für Wiesbaden. Mühl stellte sich gegen Kyereh ungeschickt an. Der hatte zuvor aber den Ball mit der Hand mitgenommen, so dass der Elfmeter zurückgenommen wurde.

An der hilflosen Spielweise des FCN änderte das jedoch nichts. Höchstens an der Erkenntnis, dass es nicht nur in der Abwehr hapert. Auch nicht an der Misere im Tor (Mathenia war auch immer für einen Klops gut). Dass da elf Einzelindividuen auf dem Platz stehen, die scheinbar keinen Plan haben, hat offensichtlich weitreichendere Ursachen.

Im Augenblick ist zudem nicht erkennbar, wie der freie Fall beim FCN gestoppt werden kann. Der branchenübliche Impuls von Außen ist ja durch den Trainerwechsel schon verpufft. Vielleicht ist es auch ein Fehler, dass der nette Herr Behrens auf den Platz steht und der unnette Herr Palikuca Personal anwerben soll.

Ein Letztes:

Vorweihnachtliches Männleinlaufen (vorausgesetzt, die trauen sich noch raus):

Hätte schlimmer kommen können

Die Woche:

  • Der Club ist erstmals mit einer eigenen Bude am Christkindlesmarkt vertreten. Dort gibt es auch ein FCN-Christkind-Trikot. Hoffen wir, dass es auch andernorts mal Buden zu feiern gibt.
  • Um den akuten Notstand auf der Torwartposition zu beheben, hat der Club Felix Dornebusch verpflichtet. Hilfe kam dabei auch über die Sozialen Medien. Vielleicht ergibt sich für den notorisch klammen FCN da noch Sparpotenzial (Twitter statt Palikuca):

Das Spiel:

Vielleicht geht es euch ähnlich, ich jedenfalls habe schon lange eine Übedosis an Derby-Vorberichterstattung. Jeder Stein oder Grashalm ist da mittlerweile umgedreht worden und wohl jeder, der in der Vergangenheit irgendwann einen Ball getroffen hat, ins gleißende Licht der Öffentlichkeit gezerrt worden. All dies transportiert aber halt leider nur die Botschaft: Das Heute kann mit dem Gestern nicht mithalten. Bezeichnend auch, dass unter dem bei Twitter trendenden Hashtag „Derby“ vor allem Beiträge zur zeitgleich ausgetragenen Begegnung des VfB Stuttgart gegen den Karlsruher SC zu finden waren.

Nichtsdestotrotz ist das unserige natürlich das deutsche Derby. Alles andere ist schnödes Epigonentum. Zudem ist es für den Clubfan auch im Heute nur schwer erträglich, nach einer Derbyniederlage in der Öffentlichkeit, im Büro oder beim Einkaufen auf dreist feixende Kleeblattfans zu treffen. Da geht es dann in die Privatsphäre und da verstehen wir keinen Spaß.

Diesmal drohte erneut Spießrutenlaufen. Beim Club gab zwar mit Jens Keller ein neuer Trainer sein Debüt. Aber bei der Klatsche gegen Bielefeld hatte die Mannschaft schon demonstriert, dass ein neuer Trainer keineswegs die Wende zum Guten garantiert.

In Fürth merkte man dem Club an: die von Keller kaum veränderte Mannschaft (nur stand diesmal Neuzugang Dornebusch im Tor und die Mintal-Experimente mit Petrak und Lohkemper ließ der Neue zurecht lieber sein) ist verunsichert. Nach vorne klappte kaum etwas. Hinten kam dem Club zugute, dass dem Gegner der letzte Zug zum Tor fehlte, zudem feierte Dornebusch eine solide Premiere. Trotzdem ging die erste Hälfte eindeutig an die Fürther. Mit dem 0:0 waren wir gut bedient.

Nach der Pause kam der Club besser in die Partie. Ohne zunächst allerdings Zwingendes zu kreieren. Immerhin musste unsereins mal nicht bei jedem gegnerischen Angriff auf Glück und Unzulänglichkeiten der Angreifer hoffen. Zumindest was die Abwehrarbeit anging, waren also Fortschritte erkennbar.

Wenn dann der eingewechslete Medeiros in der 90. Minute alleinstehend vor Burchert nicht so kläglich vergeben hätte, hätten wahrscheinlich manche schon wieder was von „Wende“ oder „Geburt einer neuen Mannschaft“ gefaselt. Insofern war es vielleicht ganz gut, dass der Schuss vorbei ging. Was den Abstiegskampf in der zweiten Liga angeht, und da steckt der Club erst einmal drin, hätten uns die drei Punkte freilich gut getan.

Ein Letztes:

Frühförderung!

Keine gute Adresse mehr

Die Woche:

  • Es scheint so, als wäre selbst Alemannia Aachen eine bessere Adresse als der Club. Peter Hermann, der lange Zeit beim Club im Gespräch war, hat jedenfalls lieber dort als sportlicher Berater angeheuert.
  • Die peinliche Pleite gegen Bielefeld hat dem FCN-Ansehen zusätzlich geschadet. Der zunächst als Canadi-Nachfolger vorgesehene Markus Anfang soll nach dem Spiel – laut Bild – neue Forderungen gestellt haben; möglicherweise und naheliegend die nach stabilerem Personal für die Abwehr. Das hat der Aufsichtsrat angeblich abgelehnt. Nachdem zuvor schon Achim Beierlorzer dem Club abgesagt hatte, zog Palikuca Jens Keller aus dem Hut. Hatte der nicht gerade einen Auftritt beim Trainerbewerbungsportal „Blickpunkt Sport„? Billig, verzweifelt, waren so die Adjektive, die einem zu allererst einfielen. Ein Eindruck der sich schon aufdrängte, als vor einem Jahr der FC Ingolstadt in einer ähnlichen Situation Keller als Retter präsentierte. Nach nur zwölf Spielen und lediglich drei Siegen musste Keller (er machte bei der FCN-Vorstellungs-PK den damals noch fehlenden Videobeweis für die unglückliichen Ergebnisse verantwortlich) wieder gehen und die Schanzer stiegen später in die dritte Liga ab. Andererseits hat Keller durchaus auch Erfolge (bei Schalke 04 und Union Berlin) vorzuweisen. Hoffen wir also, dass sich die etwas ältere Historie wiederholt, der VAR funktioniert, Nürnberg nicht zu Ingolstadt 2.0 wird und der knausrige Aufsichtsrat nicht das Geld, das er bei den Spielern spart, für Trainerabfindungen rauspulveren muss.
  • Es gibt auch Leute, die sind zuversichtlich, dass das mit Jens Keller was wird. Toni Leistner (jetzt: Queen Park Rangers, früher: Union Berlin) hält viel von seinem Ex-Trainer. Warum er in Berlin gehen musste, darüber vermitteln die Kommentare auf der Liga-zwei.de-Seite einen kleinen Einblick. Mancher Clubfan fühlt sich an Michael Oenning erinnert.
  • Bedenklich stimmt auch ein Blick auf den nächsten Clubgegner. Der verkündete gerade, sein Trainingslager wieder im türkischen Belek abhalten zu wollen, Was nicht erwähnt wird: Das ist nicht nur preiswert, sondern hat auch den Nebeneffekt, dass keine nervigen Journalisten mitfahren dürften, weil die fürchten müssen, nicht mehr rausgelassen zu werden.

Ein Letztes:

„Es gibt so viele wirkliche Probleme auf der Welt, da sind die selbst geschaffenen beim Club und 1860 doch ein Scheiß dagegen.“

Hannes Ringlstetter (FCN- und Löwen-Fan)

Club untertrifft sich selbst

Die Woche:

  • Nach dem peinlichen Auftritt in Bochum hat der Club wieder mal einen Trainer entlassen. Ziemlich schnell ging es diesmal. Bereits nach zwölf Pflichtspielen mit lediglich drei Siegen war für Damir Canadi in Nürnberg Schluss. Dabei war mit ihm im Sommer ein Zweijahresplan vereinbart worden, an dessem Ende – spätestens – der Wiederaufstieg stehen sollte. Stattdessen hieß es jetzt: „Ende eines Missverständnisses“. Kann man so stehen lassen, denn abgesehen von der Neuauflage des „El Kackico“ konnte die von Canadi mit zusammengestellte Mannschaft nie überzeugen. Ein Plan, eine Handschrift oder irgendeine eine Steigerung waren nicht erkennbar. Auch sonst…. Aber gut, er ist jetzt weg und dass kaum einer die Entlassung in Zweifel zieht, sagt eigentlich schon alles. Andererseits ist Clubvorstand Robert Palikuca, dessen Wunschtrainer Canadi aus welchen Gründen immer war, noch da und sucht jetzt einen Nachfolger. Hoffen wir mal, dass seine Wünsche diesmal besser mit der Situation in Nürnberg kongruieren. Bis Mittwoch will Palikuca übrigens einen neuen Trainer präsentieren.
  • Club-Ex-Trainer Michael Köllner hat inzwischen wieder einen Job. Natürlich in Bayern (woanders versteht ihn wohl auch keiner). Er coacht ab sofort die Sechziger. Viel Glück! Daniel Bierofka hat dort vor wenigen Tagen hingeschmissen. Gerüchte, er könne beim FCN anheuern, hat er dementiert..
  • Einer der wenigen Ex-Trainer, an die wir uns gerne erinnern, ist leider von uns gegangen: Heinz Höher ist am Donnerstag im Alter von 81 Jahren gestorben.
  • Nur ungläubig den Kopf schütteln konnten die Clubfans, als nun die Meldung rausging, Ersatzkeeper Andreas Lukse verletzt hat sich im Training verletzt (Muskelfaserriss). Damit musste heute erneut Torwart Nummer 5 ran, der 18-jährige Benedikt Willert.

Das Spiel:

Nach dem Bayern-Sieg meinte Uli Hoeneß, einige Spieler hätten zuvor gegen den Trainer gespielt. Ähnliches erhofften sich viele auch beim Club. Endlich ist „der Canadi“ weg, da können sie ja zeigen, was sie drauf haben. Zudem stand mit Legende Mintal ein Motivator am Spielfeldrand. Der Interimstrainer brachte dann auch den von Canadi verschmähten Ondrej Petrak und ließ dafür Jäger draußen.

Zehn Minuten lang sah das auch ganz gut aus. Der FCN machte das Spiel und trat durchaus selbstbewusst gegen den Tabellenzweiten aus Bielefeld auf. Aber die Probleme beim Club liegen halt doch tiefer. Auch ein Phantom kann dieser Abwehr auf die Schnelle keine Stabilität einimpfen. So konnte die Arminia innerhalb von fünf Minuten aus drei Chancen drei Tore machen und sich gleichzeitig wundern, wie leicht so etwas gegen den FCN geht.

Nach einer Viertelstunde war das Spiel praktisch gelaufen. Im Stadion wurde es genauso still wie anfangs bei den Gedenkminuten für die verstorbenen Heinz Höher und Norbert Eder. Vereinzelt wurde auch „Palli raus!“ gerufen. Immerhin ließen die Gäste Raum für derartige Reaktionen. Sie schalteten zwei Gänge herunter. Selbst der Schiedsrichter hatte Mitleid und ging nicht mit voller Härte gegen die frustrierten Nürnberger vor (Valentini hätte sich über eine rote Karte nicht beschweren können). Andererseits ging nach vorne beim Club auch nicht viel. So blieb es beim 0:3 zur Pause.

In der zweiten Halbzeit kam sogar Hoffnung auf. Nach einer Ecke von Geis köpfte Sörensen zum 1:3 ein. Das war aber für die Bielefelder lediglich ein Weckruf. Postwendend stellte Klos den alten Drei-Tore-Abstand wieder her.

In der 73. Minuten erhöhte dann Yabo sogar noch auf 1:5. Die Clubabwehr hatte da schon geistig abgeschaltet. Am Ende verhinderte ausgerechnet der 18-jährige Willert, dass die Niederlage noch höher ausfiel. „Außer Willert könnt ihr alle gehen“, schallte es da von den Rängen.

Die Clubverantwortlichen dürften wegen der anstehenden Personalentscheidungen froh sein, dass jetzt die Länderspielpause kommt. Wir sind froh, dass uns da wenigstens kein Clubspiel droht.

Ein Letztes:

Das Thema „der Club in der Musik“ müssen wir wohl noch mal gesondert behandeln. Aus gegebenem Anlass und zur Aufheiterung haben wir aber mal was ausgegraben. Hört rein, aber ohne Gewähr!

Für Canadi wird es eng

Die Woche:

  • Wer schon ein paar Jährchen Clubfan ist, der kennt das: Erst werden die Ziele hochgeschraubt (Wiederaufstieg), dann wird Geld in die Hand genommen (meistens zu wenig), dann brauchen die Spieler noch Zeit, um „die Abläufe“ zu verinnerlichen, wenn die Zeit um ist, setzt die Mannschaft nicht um, was der Trainer will, aktuell wird dann noch „die Berichterstattung“ (welche eigentlich?) kritisiert, Respekt eingefordert. Am Ende ist der Trainer dann halt doch weg. Diesmal fehlen uns zudem die Emotionen. Das mag an den oben geschilderten Erfahrungen liegen. Wahrscheinlich aber auch daran, dass Damir Canadi ziemlich emotionsdämpfend wirkt. Bei Hans Meyer oder bei Gertjan Verbeek war jedenfalls weniger Gleichmut.
  • Vielleicht wächst die Mannschaft ja in der Winterpause unter anderer Leitung noch zusammen. Robert Palikuca hat inzwischen das Trainingslager im spanischen Marbella gebucht. Dass das letzte Wintertrainingslager nur wenige Kilometer entfernt eher negative Effekte zeitigte, stört den Sportvorstand offenbar nicht.
  • Beim Club kommt inzwischen einiges zusammen. Nach Christian Mathenia (er fällt, wenn es blöd läuft, den Rest der Saison aus) hat sich bekanntlich auch Patric Klandt beim Pokal-Aus in Kaiserslautern schwer verletzt. Auch U21-Torwart Jonas Wendlinger ist verletzt. Vor dem Bochum-Spiel meldete sich schließlich auch Andreas Lukse krank (saß dann aber trotzdem auf der Bank). Zuvor musste Enrico Valentini, der beim FCK als Torwart eingesprungen war, ebenfalls wegen Fieber passen. Blieb also nur U19-Keeper Benedikt Willert (18) übrig. Auf der Torwartposition gibt es also dringenden Handlungsbedarf. Da zur Zeit nur vereinslose Spieler verpflichtet werden dürfen, ist die Zahl potenzieller Nothelfer überschaubar.
  • Der Blick auf die Tabelle macht nicht nur wegen des Abstands zu den Aufstiegsrängen wenig Freude. Selbst unser Spitzenplatz als alleiniger Rekordaufsteiger ist in Gefahr. Sollte Arminia Bielefeld da oben bleiben, sind die genauso oft aufgestiegen wie wir. Mittelmaß droht allerorten.

Das Spiel:

In Bochum begann der Club wie immer. Er schien zunächst alles im Griff zu haben. Allerdings ohne zwingende Torchancen zu entwickeln. Doch nur ganze neun Minuten durfte sich die Mannschaft überlegen fühlen. Dann eroberte Hanno Behrens am Strafraum zunächst den Ball, verlor dann aber zunächst die Übersicht und dann das Spielgerät. Tesche schnappte sich dieses, passte zu Danilo, der überraschend unbedrängt den hier noch machtlosen Ersatzersatzersatzersatz-Keeper Willert überwinden konnte.

Wieder mal lag der Club hinten. Wieder mal präsentierte sich, die verletzungsbedingt erneut umformerte Abwehr anfällig, wenn schneller gespielt wird. Dass die FCN-Abwehrspieler nicht die schnellsten sind, hat sich in der Liga längst herumgesprochen. Dass sie diese Defizite durch Antizipation wett machen, ist wohl ein frommer Wunsch. Ein solcher war es wohl auch, dass sich die Mitspieler bemühen, dem 18-jährigen Willert deas Debüt zu erleichtern und den durch Ausfälle geschwächten Bochumer Angriff bereits im Vorfeld zu stoppen.

Aber nichts da. In der 40. Minute baute der Club bei einem Freistoß seine Mauer derart löchrig, dass Ex-FCN-Spieler Danny Blum den Ball scharf vors Tor bringen konnte. Willert konnte den Ball nicht festhalten, Lorenz staubte zum 2:0 ab. Und es kam noch schlimmer. Fünf Minuten später ließ die pomadige Clubabwehr Wintzheimer frei stehen, der den inzwischen auch durch höhnische Fangesänge verunsicherten Willert zum 3:0 überwinden konnte.

Aber es hapert halt beim Club nicht blo0 hinten. Für die völlig abgetauchten Kerk und Dovedan brachte Trainer Canadi nach der Pause Lohkemper und Medeiros. Die beiden machten dann auch prompt mehr Druck. Nach einer Stunde konnte Geis von rechts flanken und Sörensen zum 3:1 einköpfen. In der 75. Minute gelingt Lohkemper nach Vorlage von Medeiros sogar der Anschlusstreffer. Allerdings stand Frey im Abseits. Nach Videobeweis stand fest: kein Tor. Nach und nach schwand beim Club der Glaube, noch die Wende einleiten zu können. So kommt Bochum zum ersten Heimsieg. Trotzdem steht der VfL noch auf dem Abstiegsrelegationsplatz. Der Club ist allerdings nur zwei Punkte besser. Vielleicht sollten wir uns langsam mit diesen Tabellenregionen beschäftigen. Den Aufstieg dürfte sich inzwischen selbst der letzte abgeschminkt haben.

Ein Letztes:

….oder halt danach.