Frankenderby zum Abgewöhnen

Dass der fränkische Profifussball auf den Hund gekommen ist, das kann man leider nicht bloß der Tabelle entnehmen. Was da heute in der Würzburger Flyeralarm-Arena von den beiden Mannschaften abgeliefert wurde, hatte mit besagter Sportart nur noch wenig zu tun. Ein Spielfluß war kaum erkennbar. Spielideen und ein Spielplan auch nicht. Wobei man den Würzburgern zumindest attestieren muss, dass sie wohl die Absicht hatten, nach der frühen Führung eher destruktiv ans Werk zu gehen.

Bis zur 10. Minute hatte nämlich der Club noch durchaus ansehnlich agiert, sich eine Überlegenheit erspielt und Druck aufs Würzburger Tor entwickelt. Allerdings ohne dabei richtig gefährlich zu werden. Das gelang den Kickers bei ihrer ersten Chance ungleich besser. Rama wird von Behrens und dem erneut indisponierten Kapitän Brecko nicht attackiert und markiert so das zu diesem Zeitpunkt doch ziemlich überraschende 1:0. Danach verlor der Club völlig den Faden und wurde von den Kickers zeitweise regelrecht vorgeführt. Erst gegen Ende der ersten Hälfte gelingt es, ein paar Chancen zu generieren.

Nach der Pause verlegen sich die Hausherren gänzlich aufs Zerstören. Wobei es beim konzeptlosen Club nicht allzuviel zu zerstören gab. Da lief – wieder einmal – nichts zusammen. Neben Kapitän Brecko sind vor allem der weitgehend abgetauchte, eigentlich als Mittelfeldregisseur vorgesehene, Kevin Möhwald und der wohl nur als Platzhalter aufgestellte Stürmer Ishak zu nennen. Von dem war in der ersten knappen Stunde überhaupt nichts zu sehen. Umso mehr dann von seinem Nachfolger Cedric „ist noch nicht soweit“ Teuchert. Wie schon gegen Aue machte er wieder ein wichtiges Tor (80. Minute) und kaschierte so eine ziemlich unterirdische Mannschaftsleistung. Zudem hielt er einen Mitbewerber um den Abstieg auf Distanz. Wobei der unter zwei schlechten Zweitligamannschaften noch die bessere war.

Wird Zeit, dass die Saison abgepfiffen wird, sonst verlieren auch noch die Fans die Lust am Fußball.

In Unterzahl ans rettende Ufer


Na also. Mit dem 2:1 gegen Erzgebirge Aue hat der Club zwar noch nicht die magische 40-Punkte-Marke erreicht (38 sind es jetzt), aber der Ligaverbleib dürfte trotzdem kaum mehr in Gefahr geraten. Das rettende Ufer scheint erreicht. Der Sieg ist umso höher zu bewerten, weil Aufsteiger Aue zuletzt sechs Spiele ungeschlagen geblieben war und der Siegtreffer auch noch in Unterzahl fiel. Kammerbauer, diesmal für den zuletzt indisponierten Kapitän Brecko als Rechtsverteidiger aufgeboten, hatte gegen Pascal Köpke (den Sohn der Nürnberger Torhüter-Legende) die Notbremse gezogen und dafür „Rot“ gesehen (49.). Den fälligen Freistoß verwandelte Kvesic direkt zum zwischenzeitlichen 1:1 (51.). Kempe war zuvor nach einer Hereingabe von Möhwald per Linksschuss der Führungstreffer geglückt (24.). Das 2:1 besorgte dann ein Spieler, um den es zuletzt eher ruhig geworden war: Der junge Teuchert, als „Joker“ für Matavz gekommen, überlief nach Vorarbeit von Behrens zwei Gegenspieler und traf ins rechte Eck. Danach retteten die Schützlinge von Trainer Michael Köllner den Vorsprung über die Zeit.

Aue (mit dem früheren Club-Stürmer Albert Bunjaku als Einwechselspieler) musste die erste Niederlage unter dem neuen Coach Domenico Tedesco (er ersetzte den zurückgetretenen Pavel Dotchev) hinnehmen, für die „Macht aus dem Schacht“ dürfte es im Abstiegskampf nun wieder sehr eng werden. Der 1.FC Nürnberg sollte nun mit Volldampf in die Planungen für die Zweitligasaison 2017/18 einsteigen. Im „kicker“ durften die Nürnberger übrigens nachlesen, dass seit Einführung der Dreipunkteregel (1995/96) noch nie ein Team mit nur 35 Punkten nach 28 Spieltagen Achter war, insofern ist der Club also der schlechteste Achte aller Dreipunktezeiten. Der Ruhmreiche ist halt immer für besondere „Titel“ gut.

Alte Schwachstellen, neuer Soundtrack

Nur schlecht reden möchte den neuen Club auch keiner. Deswegen fangen wir mal mit dem Positiven an. Die erste Halbzeit war durchaus ansehnlich. Der Club praktizierte teilweise Powerplay, entwickelte viel Druck und schnürte den Zweitliga-Siebzehnten aus Hamburg teilweise ein. Allerdings: Richtig gefährlich wurde es vor dem Tor von St. Pauli trotzdem nicht. Irgendein Pass kam immer nicht an und eine Idee, wie der Ball ins Netz finden soll, war letztlich auch nicht erkennbar.

Das könnte man auf das kurzfristige Fehlen von Kevin Möhwald schieben. Aber in den letzten Spielen, als er noch die Fäden im Mittelfeld ziehen sollte, war es leider auch nicht anders. Heute kam allerdings noch hinzu, dass nun Tobias Kempe allein für die Standards verantwortlich war und daraus null Kapital zu ziehen wusste.

Im Sturm lief diesmal Dominic Baumann auf. Inzwischen scheint es aber schon egal, wen Michael Köllner dorthin stellt, er mutiert immer zum Ausfall.

Aber beim vom Köllner propagierten Neuaufbau ist die Mannschaft ja auch erst bei 80 Metern angelangt. Die restlichen 20 werden erst noch durchgenommen. Insofern wollen wir nochmal Geduld walten lassen.

Leider erhöht die Flaute vorne dann aber den Druck hinten. Da ist die Clubabwehr halt immer für den einen oder anderen Aussetzer gut. Das war dann auch diesmal so. Bulthuis lascher Kopfball bringt St. Pauli in Ballbesitz. Den Schuss von Sahin kann Schäfer dann zwar abwehren, aber genau zu Bouhaddouz der nur noch abstauben muss. Jetzt war der Wurm im gesamten Clubspiel drin. Das Anrennen gestaltete sich noch planloser, die Folge: In der 70. Minute machte erneut Bouhaddouz den Deckel drauf. Und nachdem sich unsere Mannschaft nicht mal mehr selber einen Torerfolg zutraute, war der Käse gegessen.

Nicht unerwähnt bleiben soll allerdings auch ein Akteur, den Köllner unter der Woche in die Pflicht genommen hat: das Publikum. Das war diesmal zweigeteilt. Da waren zum einen die Ultras, die jedoch zum Stimmungsboykott aufgerufen hatten, was sich für Außenstehende jedoch nicht einmal negativ bemerkbar machte. Statt dem bekannten, eher eintönigen, mit Trommelklang unterlegten Singsang war diesmal sogar zu hören, ob der Club am Drücker war oder der Gegner eine Chance besaß. Die Nicht-Ultras im Stadion schienen ihre Chance zu nutzen, sich auch mal akustisch äußern zu können. Leider brachte sie der Spielverlauf dann eben auch zum Verstummen. Insofern war das, was den Neuaufbau anging, eine eher gescheiterte Doppelstunde.

Nicht schlecht, aber zu harmlos

Bis vor wenigen Wochen wäre da jede Menge Zündstoff drin gewesen. Inzwischen sind unser Ex-Manager und unser Ex-Chefscout bei ihrem neuen Verein auch abserviert worden. Dazu geht für den Club nach oben nichts mehr und nach unten nicht mehr viel. Insofern wra das eine gute Gelegenheit für den aktuellen Clubcoach Michael Köllner, beim Spiel in Hannover seine taktischen Umstellungen einzustudieren.

Wobei sich die diesmal in 4-3-2-1 auflaufende Mannschaft mittlerweile schon fast von selbst aufstellte. Zehn Ausfälle sind zu beklagen. So musste dann sogar der angeblich kranke Dave Bulthuis ran. Nicht verwunderlich also, dass einem zu Beginn des Spiels angst und bange werden musste um unseren Club. Hannover legte furios los und hatte eine Torchance nach der anderen. Doch nach gut zehn Minuten hatte sich die Notelf gefunden und der Elan der 96er verpuffte. Plötzlich versuchte es die von ihrem Hörgerätehersteller zum Aufstieg verdonnerte Mannschaft mit weiten, aus der Verzweiflung geborenen Pässen. Auf der anderen Seite schaffte es der Club aber leider auch nicht, offensiv etwas zu reißen. Folgerichtig ging es mit einem 0:0 in die Pause.

Doch nach der Pause passierte es dann doch. Der ehemalige Nürnberger Niklas Füllkrug bediente seinen Sturmkollegen Martin Harnik, der dann in der 47. Minute die Führung markierte. Da zeigte sich leider auch, dass Hannover Spieler hat, die wenigstens einmal einen Angriff erfolgreich zu Ende spielen können ohne dabei auf Fehler der gegnerischen Abwehr bauen zu müssen. Auf der anderen Seite musste der Club erkennen, nicht immer auf die Mithilfe des Schiedsrichters bauen zu können. Der pfiff eine elfmeterverdächtige Situation gegen der Clubangreifer Eduard Löwen.Trotzdem: Wie schon in den letzten Spielen ging halt nach vorne viel zu wenig zusammen. Da war nicht nur der erneut enttäuschende Winterzugang Ishak dran schuld, sondern auch die meist verunglückten Flanken, besonders von dem zudem oft zu langsamen Mannschaftskapitän Miso Brecko. Während der Club immer stärker auf den Ausgleich drängte, jedoch nur einen Pfostentreffer durch Mühl zustande brachte, ließ Hannover auf der anderen Seite ein paar hundertprozentige Konterchancen liegen.

Verdient hätte sich der Club den Ausgleich durchaus. Doch neben der schon bekannten Schwäche vor dem gegnerischen Kasten, fehlte diesmal auch das gnädige Eingreifen des Schiris. Dann kommt halt am Ende so eine unbefriedigende 1:0-Niederlage heraus, nach der morgen keiner mehr fragt. Immerhin bleibt festzuhalten: Der Club kann selbst gegen einen potenziellen Aufsteiger mithalten. Hätten wir einen solventen Mäzen wie 96 und demzufolge noch Guido Burgstaller mit dabei, hätten wir das wahrscheinlich gewonnen.

Sogar der Schiri hatte Mitleid mit dem Club

Eigentlich war das eine klare Sache. Der KSC kam als Tabellenletzter nach Nürnberg, hatte zahlreiche Ausfälle zu beklagen, ein Spieler war in einen Wettskandal verwickelt, ein anderer (Valentini) möglicherweise mit den Gedanken schon woanders. Was sollte da schon schief gehen?

Bei normalen Mannschaften könnte man so denken. Beim Ckub nicht. Da ging – zumindest eine Stunde lang – so ziemlich alles schief, was schief gehen kann. Kaum ein Pass erreichte den eigenen Mann, Torchancen gab es praktisch überhaupt nicht, Spieler signalisierten, dass sie keine Anspielstation finden und die Fans waren letztlich dankbar für einen Gegner, der das alles nicht auszunutzen in der Lage war. Bis zur 24. Minute. Da zog der Karlsruher Sallahi aus 30 Metern eher alibimäßig in Richtung des wieder von Raphael Schäfer gehüteten Clubtors ab. Der Ball wäre weit vorbei gegangen, wenn er nicht Breckos Oberkörper getroffen hätte und von da ins rechte Toreck abgefälscht worden wäre. Ein Kacktor, das aber zu dem Kackspiel passte, das da im möglicherweise bald nach dem Club-Idol Max Morlock benannten Stadion zusammengestopselt wurde.

Es wurde sogar noch schlimmer. Der KSC konnte sich zurückziehen und der Club musste das zeigen, was er bekanntlich nicht kann: das Spiel machen. Das Ergebnis war an Armseligkeit kaum zu überbieten. Keine Ideen, keine Überraschungsmomente, miemand, der die Initiative übernahm. Ein Wunder fast, dass das Pfeifkonzert zur Halbzeit eher verhalten ausfiel.

Während die Fans sich in der Pause Gedanken machten, wie wohl der geschasste Clubtrainer Alois Schwartz gerade den Nachweis dafür abfeiert, dass es offensichtlich nicht an ihm lag, machte der Club zu Beginn der zweiten Hälfte nicht den Eindruck, irgendwie das Ruder herumreißen zu können. Zwar hatten die Clubspieler mehr Ballbesitz. Vor dem Tor tauchten sie aber kaum auf. Man musste angesichts der FCN-Harmlosigkeit fast schon Mitgefühl haben.

In der 58. Minute gab es dann wenigstens etwas zu berichten. Club-Coach Michael Köllner wechselte den diesmal zunächst auf die Bank verbannten Tobias Kempe ein. Vielleicht wusste er schon, was kommen würde. Denn der aus Stuttgart stammende Schiedsrichter Martin Petersen sollte nun ins Spiel eingreifen. Zunächst tat er das in der 65. Minute. Da erwischte der KSC-Spieler Krebs den dann doch einmal in den Strafraum vorgedrungenen Kevin Möhwald leicht am Knöchel. Elfmeter! Der eingewechselte Kempe haute ihn unten links rein. Gerade einmal fünf Minuten später pfiff Petersen erneut. Diesmal hatte der KSC-Spieler Mehlem den Ball an die Hand bekommen. Wieder tritt Kempe an und haut ihn abermals unten links rein. Der Club hatte das Spiel gedreht

Ohne Hilfe des Schiris musste er dann allerdings noch etliche Ausgleichsbemühungen der Karlsruher überstehen. Wobei Schäfer mehrfach zeigen konnte, dass er es immer noch drauf hat. Am Ende drückt Petersen dann allerdings noch einmal ein Auge gnädig zu, als ein Clubverteidiger elfmeterverdächtig den Ball im 16er mit der Hand erwischte.

Dass sich der KSC verschaukelt fühlte, ist verständlich. Wir können andererseits aber immerhin einwenden, auch schon oft genug benachteiligt worden zu sein.

Nach diesem fast schon peinlichen Dreier zu jubeln oder irgendwas an der heutigen Leistung schön reden zu wollen, ist freilich nicht angebracht und wäre auch ein Fehler. Für diesen Sieg konnte die Mannschaft nichts, den hat man ihr aufgezwungen.

Sallahi 24. Minute

Club verliert beim neuen Tabellenführer


Eine Phrase vorab: Jede Serie hat einmal ein Ende. Bisher verlor der 1.FC Nürnberg noch nie in der Zweiten Bundesliga gegen Union Berlin, doch nach sechs Siegen und einem Remis ist der Nimbus des Angstgegners perdu. Mit 1:0 setzte sich das Team von Jens Keller an der Alten Försterei durch und übernahm die Tabellenführung vom zuletzt leicht kriselnden VfB Stuttgart.  Dabei sah es lange Zeit so aus, als würde die Partie auf ein 0:0 zusteuern.

Der nach wie vor von vielen Ausfällen gebeutelte Club – diesmal musste er neben den Langzeitverletzten auch die bereits zu ihren Nationalmannschaften einbestellten Hovland und Gislason entbehren – startete mit einer Änderung: Abräumer Behrens kehrte nach abgesessener Sperre wieder zurück, dafür blieb Stürmer Ishak draußen. Insofern ging Trainer Michael Köllner mit einer etwas defensiveren Formation in sein zweites Spiel als Zweitliga-Cheftrainer.

Die wohl beste Chance der Gäste im ersten Abschnitt hatte Salli, dessen Bogenlampe beinahe im linken oberen Toreck gelandet wäre. Unions Keeper Mesenhöhler lenkte den tückischen Ball gerade noch über die Latte (29.). Direkt danach kam dann aber Union Berlin in die Gänge. Polter, in der Saison 2012/13 als Leihspieler für den Club in der Bundesliga aktiv (26 Einsätze/5 Tore), verzog zweimal knapp (30./33.). Dann musste Nürnbergs Torwart-Oldie Schäfer, der wieder den verletzten Kirschbaum vertrat, gegen Skrzybski klären (36.). Damit endete die Drangphase der Berliner wieder.

Zu Beginn der zweiten Hälfte tauchte Löwen gefährlich frei vor Mesenhöhler auf, produzierte aber nur ein Schüsschen, das den Union-Torwart nicht besonders forderte (49.). Anschließend gab es viel Kampf im Mittelfeld, ohne dass beide Mannschaften in der ausgeglichenen Partie besondere Durchschlagskraft erzielt hätten. Eine kuriose Spielunterbrechung – Schiedsrichter Dr. Drees meldete sich für einige Minuten ab (75.) – hatte aber offensichtlich belebende Wirkung für die Heimelf. Jedenfalls entschieden die Berliner nach dem Wiederanpfiff das Spiel für sich. Erst  traf Polter den Pfosten (81.), doch dann machte der eingewechselte Hosiner nach einer tollen Kombination über Trimmel und Skrzybski ernst und traf aus kurzer Distanz zum 1:0 (83.). Schäfer, der noch dran war, verhinderte in der Nachspielzeit gegen Schönheim und (durch zeitiges Herauslaufen) gegen Redondo weitere Gegentreffer.

Während Berlin von der Bundesliga träumen darf, steht der 1.FC Nürnberg als Zehnter im Niemandsland der Tabelle. Neun Punkte Vorsprung vor Rang 16 dürften ein ausreichendes Polster sein, um den Blick wenigstens nicht mehr nach unten richten zu müssen.

Endlich wird wieder Fußball gespielt


Zuletzt spielten sich beim Club die Ereignisse außerhalb des Platzes ab. Trainer Alois Schwartz musste nach der Derby-Pleite gehen und Interims(?)-Coach Michael Källner durfte übernehmen. Bereits im Vorfeld demonstrierte er einen neuen Stil. Während bei Schwartz das Glas meistens halbleer und die Klage über verletzte Spieler laut war, sprach Köllner von der Qual der Wahl. Mutig voran ging er auch bei der Aufstellung. Da feierte der 20-Jährige Eduard Löwen gleich mal sein Startelfdebüt. Insgesamt änderte Köllner gegenüber dem Fürth-Spiel auf sechs Positionen. Dass er dabei nicht bloß auf die Jugend setzte, war notgedrungen. Kirschbaum hatte sich im Training verletzt, also durfte Raphael Schäfer wieder einmal ran.

In der ersten Halbzeit hatte der Routinier aber praktisch keine Ballkontakte. Da sahen er und wir plötzlich einen ganz anderen Club. Der ließ hinten kaum etwas zu und erarbeitete sich nicht nur ein deutliches Übergewicht, sondern auch eine um die andere Chance. Bereits nach wenigen Minuten verzeichnete der FCN mehr Torszenen als im Derby während des gesamten Spiels. In der 15. Minute hätte es beinahe schon geklappert, aber Margreitters Kopfball traf nur den Pfosten. Nach 20 Minuten hätte sich die Überlegenheit eigentlich auch numerisch niederschlagen müssen. Behrendt, Bielefelds letzter Mann, foulte den durchgeeilten Möhwald, bekam aber von Schiri Koslowski lediglich die gelbe Karte serviert (Koslowski haben wir schon in unguter Erinnerung vom 5:4 in Bochum, so dass zumindest die Verwunderung klein blieb). Eine Viertelstunde später belohnte sich der Club dann endlich für den Druck, den er inszenierte. Der agile Salli passte schön zu Petrak, der den Ball rechts unten versenkte. Zur Pause war die Führung mehr als verdient und mancher der die zuletzt so blutleeren Vorstellungen unserer Mannschaft noch in Erinnerung hatte, rieb sich erstaunt die Augen.

Das sollte sich in der zweiten Halbzeit leider ändern. Da gab der FCN plötzlich das Heft aus der Hand. Der Tabellenletzte aus Bielefeld kam stärker auf, belegte aber auch, warum er die schlechteste Auswärtsmannschaft ist und unten im Keller festhängt. Trotzdem bekam Schäfer dann noch zwei Mal Gelegenheit, sich auszuzeichnen und den Sieg sicherzustellen.

Eine Gelegenheit erhielt auch Dominic Baumann, der in der 83. Minute den ziemlich glücklosen Winterneuzugang Mikael Ishak im Sturm ersetzen durfte. Er fiel dann aber, auch mangels entsprechender Zuspiele, vor allem durch seine Frisur auf. Immerhin bewies Köllner mit seinem Einsatz abermals Mut.

Uns Fans bescherte das zu Ende der Spielzeit doch wieder auftretende Betteln um ein Gegentor das schon bekannt Nervenflattern. Insofern ist nicht alles neu nach dem Trainerwechsel. Zudem war Bielefeld auch zu limitiert, um dem Club die Schwachstellen aufzuzeigen. Aber immerhin gab es mal wieder ein Tor und einen Heimsieg zu bejubeln. Der war auch deshalb wichtig, um wieder etwas Luft zum Tabellenende zu erhalten.

Dem Club fehlt ein Lodda


Wir könnten eigentlich zufrieden darüber sein, dass unsere Kritik an Alois Schwartz erhört wurde. Sind wir aber nicht. Die Gründe, dass ein offensichtlich nicht zum Club passender Trainer nicht nur verpflichtet, sondern auch noch teuer eingekauft wurde, bestehen leider weiter. Bei der Analyse dieser Gründe hilft das Traditionsvereins-Geschwurbel eher bedingt weiter. Nur insofern, als dahinter das Bewusstein steckt: Früher war mehr Ramba-Zamba.

Heute gibt es stattdessen „Seriosität“ und „Professionalität“.

Beim Club klopft man sich dafür gerne auf die Schulter. Auf diese Weise kehre der Club aus dem Dunkel der Bader/Woy-Jahre zurück ins Licht.

Dass die Finanzen seriös verwaltet und Eskapaden auf dem Transfermarkt vermieden würden, dagegen hat keiner etwas einzuwenden. Das ist eigentlich selbstverständlich. Beim Finanziellen erwarten wir keine Unterhaltungswerte. Auf dem Platz hingegen schon. Und von einem Trainer eventuell auch. Das jedoch haben die Bornemanns und Meeskes im FCN offenbar nicht so auf dem Schirm. Vielleicht ist auch die Club-Familie zu derartigen Differenzierungen nicht in der Lage. Paradigmenwechsel funktionieren eben oft nur, wenn sie nicht allzu komplex daher kommen. Gediegene Finanzverwaltung geht dann aber mit gediegener Spielverwaltung einher. Das Resultat ist Langeweile und Ödnis.

Das Folgen sieht der Clubfan seit Monaten. Einerseits auf dem Platz, andererseits auf den Rängen. Die werden immer leerer und das liegt beileibe nicht bloß an der mediokren Tabellensituation.

Dass hinter dem Wunsch nach derartiger „Seriosität“ auch handfeste Eigeninteressen stecken, wird übrigens auch an der von den Vereinen betriebenen eigenen medialen Vermarktung deutlich. Da werden Printreporter gerade noch akzeptiert, weil man noch keine eigene Tageszeitung produzieren kann. Die anderen versucht man gefügig zu machen oder auszugrenzen und anzuschwärzen. Der Club bildet da keine Ausnahme.

Abwaschbare Berichterstattung, lobhudelnde Tweets, blutleere Mannschaftsauftritte, streberhafte Trainerplattitüden: all das passt nicht zum FCN. Dass wir vor diesem Hintergrund einmal (wobei wir Michael Köllner derzeit die Befähigung zum Traineramt nicht absprechen wollen) Lothar Matthäus näher treten würden, hätten wir nie gedacht. Jetzt tun wirs! Lodda üernimm! Bring endlich Pep in den Laden, bevor wir vollends abschlaffen!

Wenn ihr der gleichen Meinung seid, dann unterzeichnet doch bitte diese Petition.

Schwartz kann man keinen Vorwurf machen

So hatte die Derby-Niederlage also sogar noch was Gutes: Den Umständen entsprechend (es gab keine Anzeichen) dann doch etwas überraschend beendete der 1. FC Nürnberg am Dienstag das Missverständnis Alois Schwartz. Das 0:1 in Fürth war zu viel des Schlechten. Fast ist man geneigt zu sagen: „Danke, liebes Kleeblatt“. Aber so weit kommt’s noch… Fürth bleibt Fürth.

Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich bei diesem Trainer von Anfang an skeptisch war. Erst war es nur ein Bauchgefühl, aber nach dem zweiten Spieltag war ich mir sicher: Das passt nicht. Mir wurde vorgeworfen, dass ich zu weit weg vom Geschehen am Valznerweiher sei, um das beurteilen zu können. Es stimmt: Ich kenne Schwartz nicht persönlich und war nie bei einem Training unter ihm dabei. Was ich aber wöchentlich bei den Pressekonferenzen vor und nach den Spielen sowie auf dem Platz gesehen habe, hat mir gereicht. Und darauf, auf die Außendarstellung und auf die Ergebnisse, kommt es letztlich auch an.

Ich hätte mich gefreut, wenn ich mit meiner Kritik am zweiten Spieltag falsch gelegen wäre. Ich hatte gehofft, dass der Trainer die Kurve kratzt und mich eines Besseren belehrt. Doch selbst die kleine Erfolgsserie im Spätherbst basierte nur auf Stückwerk und Glück, weil die Gegner allesamt nicht ihren besten Tag erwischt hatten. Also blieb ich bei meiner Meinung, dass Schwartz fehl am Platz ist und jetzt war.

Ihm selbst kann ich gar keinen Vorwurf machen. Er ist ja nicht erst beim Club so geworden, wie er ist. Es hat einfach von vorneherein nicht gepasst. Und diesen Schuh muss sich Sportvorstand Andreas Bornemann anziehen, der ihn für 400.000 Euro geholt hatte und der komischerweise gestern im Interview mit CEF-TV nicht so wirkte, als würde eine Trainerentlassung kurz bevorstehen. Dann kam glücklicherweise der Aufsichtsrat und bereitete dem Spuk ein Ende.

Erschien in 1.FCN

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Die Mutter aller Trainerentlassungen

Bereits am 2. Spieltag hatte mein Kollege hier den Trainer in Frage gestellt und dafür einiges einstecken müssen. Könnt ihr nicht erstmal abwarten und dem immerhin für eine halbe Million Ablöse von Sandhausen geholten Trainer etwas Zeit geben? Nunja, inzwischen ist einiges an Zeit vergangen und mittlerweile reden nicht bloß die Clubfreunde über Alois Schwartz, sondern fast das ganze Fanlager (einzige Ausnahme die im Auftrag der FCN-Presseabteilung twitternden Praktikanten).

Aber nicht, dass er es nicht geschafft hat, der Mannschaft Profil zu geben und ein fussballerisches Konzept zu entwickeln, könnte Schwartz nun den Kopf kosten. Derartiges steckt der Nürnberger offenbar weg. Aber zwei Mal gegen die Nachbarn aus Fürth verlieren, das nimmt er übel. Da kennt er nichts! Bei der Mutter aller Derbys gibt es keine mildernden Umstände.

Wobei wir nach solchen Umständen diesmal vergeblich suchen müssen. Weder dürfen wir die Niederlage auf den Schiedsrichter schieben, noch auf die Platzverhältnisse. Selbst eine angebliche Spuckattacke auf den Clubspieler Bulthuis reicht da wohl nicht. Der konnte schließlich mitwirken und fiel jetzt im Umfeld des limitierten, blutleerebn Club-Gekickes nicht negativ auf.

Womit wir wieder beim Trainer wären. Der hatte die Mannschaft gegenüber der Heimniederlage gegen den VfL Bochum auf fünf Positionen verändert. „Ich möchte wieder Leben auf den Platz kriegen“, hatte Schwartz gesagt. Doch was dort am allermeisten fehlte, war Leben. Ein trostloser Kick konterkarierte im Ronhof den Medienhype, der auch diesmal wider besseren Wissens mit Promitipps, historischen Betrachtungen, Liveticker und Fanstatements gnadenlos durchgezogen wurde. Was die beiden im Zweitligamittelfeld herumdümpelnden Teams da auf den Rasen brachten, war jedoch an Ödheit kaum zu überbieten. In der ersten Hälfte war es eine Ecke, die aus Clubfansicht den Höhepunkt markierte. In der 2. Halbzeit ging es zunächst so weiter. Eine kurzzeitge Rudelbildung sorgte für einen Hauch von Unterhaltung. Danach schien irgendwer bei den Fürthern gerufen zu haben: Da geht noch was! Jedenfalls drängten die plötzlich, ohne dass der Club den Verwaltungsmodus beenden konnte. Und wenn man mehr probiert, dann geht ein Schuss auch mal rein. Wie in der 77. Minute als Margreitter einen Zulj-Schuss unhaltbar für Kirschbaum abfälschte. Bezeichnenderweise dauerte es bis zur 86. Minute ehe Neuzugang Ishak den ersten Ball in Richtung Fürther Tor schoß.

Das war es dann aber auch schon. Eindeutig zu wenig, um in der 2. Liga bestehen zu können. So wird der Club kaum noch etwas reißen. Denn Fürth spielte – genau wie letzte Woche Bochum – ebenfalls eher schwach. Gegen den Club reicht derzeit jedoch schon ein bisschen mehr Wille für einen Dreier.