Ungewohnt aktiv

  • Die Saison ist zwar vorbei. Vom Club gibt es – vor allem wegen der Aktivitäten des neuen Sportvorstands – jedoch mehr zu berichten als sonst. Zumal ja die Spielberichte zuletzt ohnehin eher zu Redundanz tendierten. Meinen ursprünglichen Wunsch nach einer Pause (die anderen beiden Clubfreunde pausieren ohnehin schon) habe ich also erstmal zurückgestellt.
  • Die Trainerposition wird jetzt, wie erwartet, von Damir Canadi übernommen. Der 49-jährige Wiener wurde für zwei Jahre verpflichtet. Unmissverständliches Ziel: der Wiederaufstieg. Canadi bringt übrigens mit Eric Orie seinen eigenen Co mit.
  • Die Verpflichtung Canadis sorgte für Verwerfungen bei Palikucas Ex-Verein Fortuna Düsseldorf. Dessen Trainer Friedhelm Funkel sah darin den Beweis, dass Palikuca schon länger Kontakt zu Canadi hatte und ihn eigentlich als seinen Nachfolger bei der Fortuna verpflichten wollte. Das Ganze ist wohl auch Beleg für zunehmende Mimosenhaftigkeit bei den Bundesligatrainern.
  • Lange war unklar, ob er bleibt: Jetzt hat der FCN mit Christian Mathenia sogar einen Fünfjahresvertrag abgeschlossen. Auf der Torhüterposition herrscht also schon mal Klarheit, zumal auch Patrick Klandt und Jonas Weidlinger weiter an den Verein gebunden wurden. Angesichts dessen ist allerdings fraglich, was aus Fabian Bredlow wird. Er hat noch ein Jahr Vertrag.
  • Was den anderen Lichtblick in der Abstiegstruppe angeht, haben sich die Hoffnungen leider zerschlagen. Der von Sporting Lissabon ausgeliehene Matheus Pereira verlässt den Club. Mach´s gut!
  • Auch der teuerste Neuzugang der vergangenen Saison dürfte bald weg sein: Virgil Misidjan hat – und da trug wohl auch Ex-Trainer Boris Schommers mit dazu bei – keine Lust mehr auf Nürnberg
  • Als Neuzugänge stehen bereits Rechtsverteidiger Oliver Sorg vom Hannover 96 und Stürmer Felix Lohkemper vom Zweitligaabsteiger FC Magdeburg fest. Beide kommen ablösefrei. Auch der Darmstädter Marvin Mehlem könnte zum FCN wechseln. Ebenso Marvin Bakalorz. Er war sogar Kapitän beim Mitabsteiger Hannover 96. Scheint so, als würde der FCN mittlerweile besser zahlen als der Kind-Club.-
  • Erstaunlich in diesem Kontext auch, wie problemlos jetzt frühere Publikumslieblinge eingebunden werden. Neben der geplanten Rückholung von Javier Pinola wurde bekannt, dass Tomas Galasek als Jugendtrainer eingestellt werden soll. Entweder hat Palikuca da mehr Mittel zur Verfügung oder er geht anders um mit Leuten, die ihm eventuell reinreden könnten. Vielleicht stimmt auch beides.
  • Trotzdem rechnet man beim Club mit einem Zuschauerrückgang. Daher wird die Südkurve im Morlock-Stadion künftig leer bleiben. Schaut auf jeden Fall traurig und eher drittklassig aus. Kein Wunder, dass der Ruf nach einem Neubau wieder laut wird. Andererseits, wie sollte denn ein neues Stadion dimensioniert sein, damit es für eine Fahrstuhlmannschaft wie den Club längerfristig passt?

Ein Letztes:

Peinlicher Saisonabschluss

Die Woche:

  • Es hat nicht geklappt. Inzwischen gibt es anderswo (hier, hier oder hier) genügend Analysen, warum es für den Club sofort wieder runter ging. Deshalb hier erstmal nur so viel: Letztlich gilt für die gesamte Saison das, was fast nach jedem Spiel zu bemängeln war: Die Mannschaft wollte, konnte aber nicht und der erhoffte Lerneffekt stellte sich nicht (bzw. nur teilweise und zu spät) ein; was allerdings auch an fehlender Erfahung des Lehrpersonals lag. Vom einjährigen Bundesligaausflug bleibt vor allem das quälend lange Sterben der Hoffnung kleben. Zum Schluss führte das sogar zu einem abstrusen Wunderglauben, nach dem Motto: Es muss doch einen Grund geben, dass wir immer noch eine Chance haben. Der Erstliga-Ausflug trug immerhin zur weiteren finanziellen Konsolidierung des Vereins bei. Ohnehin das oberste Ziel bei den FCN-Verantwortlichen. Nun gehts also wieder gegen Aue oder Fürth. Der Hamburger SV ist überraschenderweise auch dabei, was zwar gut ist für die Finanzen, nicht aber für die Mission Wiederaufstieg.
  • Klar ist mittlerweile: Boris Schommers bleibt nicht beim Club. Ein Wunderheiler war er halt ebenfalls nicht. Alles Gute!
  • Bereits am Montag wird Peter Hermann beim Club erwartet. Er soll als Sportdirektor fungieren. Palikuca kennt ihn noch von Fortuna Düsseldorf, von wo ihn die Bayern für eine Rekordablöse als Co-Trainer für Jupp Heynckes losgeeist hatten. Die Älteren von uns erinnern sich an ihn noch als Co-Trainer von Michael Oenning. Viele halten ihn für den Vater des Düsseldorfer Höhenflugs. Sieht so aus als wolle der FCN eine Art Fortuna 2.0 werden.
  • Dazu passt dann auch die Meldung, dass der Club den Düsseldorfer Angreifer Marvin Ducksch auf dem Zettel hat.
  • Womit wir bei der beliebten Rubrik „Wer geht, wer bleibt?“ wären. Da hat sich dieser Tage der Nebel noch nicht weiter gelichtet. Den aktuellen Zwischenstand erfahrt ihr hier.

Das Spiel:

Wenn sich beim Club auch noch das Gefühl einschleicht, dass eh nichts mehr geht, dann wird die fehlende Erstligatauglichkeit erst richtig offensichtlich. Spielerisch und mit nur 99 Prozent Einsatz geht gar nichts. Das wurde dann auch beim – letztlich nicht mehr relevanten – Saisonabschluss in Freiburg deutlich.

Nichts wars mit dem Ehrgeiz, wenigstens den ersten Auswärtssieg landen zu wollen. Bereits in der 7. Minute klapperte es. Der Freiburger Terrazzino ließ vier Clubabwehrspieler stehen und markierte das 1:0. Die Breisgauer machten das Spiel. So war es nur eine Frage der Zeit, bis das 2:0 fällt. Die Zeit war in der 34. Minute gekommen. Waldschmidt schießt, Margreitter fälscht noch ab, so dass Mathenia schlecht aussieht.

In der zweiten Hälfte ging es ähnlich weiter. Beim Club war kein Aufbäumen, kein Widerstand erkennbar. Früher hätte man gesagt, da brechen alle Dämme. Aber letztlich brach nur fehlende Qualität durch. Und so durften die Freiburger, für die es höchstens um gute Stimmung ging, locker und relativ ungehindert nachlegen. Zweimal Petersen und einmal Grifo erhöhten auf 5:0. Danach schaltete die eh schon nicht die volle Leistung abrufende Heimmannschaft noch einen Gang runter. So konnte ausgerechnet Eduard Löwen, der den Club bekanntlich verlässt, eine gewisse Bundesligatauglichkeit nachweisen und in der 70. Minute per Weitschuss den Ehrentreffer erzielen.

Letztlich passte der blamable Auftritt in Freiburg aber zur gesamten Saison. Gerade einmal drei Siege und traurige 19 Punkte: Deutlicher kann eine Mannschaft eigentlich nicht demonstriert bekommen, dass sie da oben nichts zu suchen hat.

Ein Letztes:

Was die Dauerkarte für die kommende Saison kostet, ist noch unklar. Ungeachtet dessen sollen wir dem Club schon jetzt eine Einzugsermächtigung erteilen, wenn wir eine Dauerkarte (die sich übrigens automatisch verlängert) bekommen wollen. Wenn irgendein Internethändler so ein Geschäftsgebaren an den Tag legen würde, wäre der Aufschrei groß.

Wunder dauern halt länger

Die Woche:

  • Der neue Sportvorstand Robert Palikuca hat zumindest für die Scoutingabteilung neues Personal gefunden. Chefscout soll demnach Kevin Cruickshank vom englischen Zweitligisten Stoke City werden.
  • Nicht nach Palikucas Wünschen hat sich (Noch?-)FCN-Trainer Boris Schommers positioniert. Der Sportvorstand hatte wohl geplant, Schommers wieder zurück auf die Co-Trainerposition und ihm einen neuen Cheftrainer vor die Nase zu setzen. Gehandelt wurde hier der Österreicher Damir Canadi. Da macht Schommers aber nicht mit. Er will weiter als Chef arbeiten. Beim FCN – oder halt anderswo.
  • Peter Handke hat mal über die Angst des Tormanns beim Elfmeter geschrieben. Was eigentlich Quatsch ist. Der Torwart, das ist inzwischen auch sportpsychologisch untermauert, braucht überhaupt keine Angst zu haben. Die beschleicht höchstens den Stürmer. Besonders dann, wenn er nicht stressresistent, bundeligaunerfahren und …. beim Club ist.
  • Club-Verteidiger Robert Bauer widerlegt gerade das Märchen von der Überbelastung der Fußballprofis. Angeblich sollen manche Vereine, sobald sie tabellarisch gesichert sind, die Leistung verweigern, nur um sich keine europäische Zusatzbelastung einzuhandeln. Hertha BSC ist zum Beispiel so ein Kandidat. In Berlin ist allerdings das Freizeitangebot auch ein anderes. In Nürnberg, so erfahren wir von Bauer, bleibt da nur die Playstation. Wer damit nicht allzuviel anzufangen weiß, der fühlt sich leicht „mental unterfordert“. Bauer hat deshalb ein Fernstudium angefangen.

Das Spiel:

Das sah anfangs ziemlich gut aus, was der Club in Wolfsburg auf dem Rasen zelebrierte. Da war nichts davon zu spüren, dass der VfL noch um Europa mitspielt und der Gast mit gerade mal 19 Punkten den vorletzten Rang ziert. Der Club machte Druck und erarbeitete sich eine Reihe von Torchancen. Allerdings war da nichts wirklich zwingendes dabei.

Erst nach einer halben Stunde kamen die Hausherren besser ins Spiel und machten mehr Druck, ohne allerdings selber Zählbares zu generieren. Da musste dann schon der Club in Gestalt von Sebastian Kerk mithelfen. Bei einem Rückpass zu Mathenia übersieht der den Wolfsburger Mehmedi, der kommt vor dem Club-Keeper an den Ball, so dass der Ex-Fürther (ausgerechnet!) Felix Klaus nur noch einzuschieben braucht. Bitter! Unverdient! Aber das kennen wir inzwischen schon zur Genüge.

In der zweiten Hälfte konnten die Wölfe dann abwarten und den Club kommen lassen. Der kam aber nur selten und wenn, dann war er weiterhin im Abschluss zu ungenau und zu überhastet. Wirkliche Torgefahr kam keine auf. Dann verletzten sich auch noch unsere Aktivposten Ewerton und Pereira. In der 78. Minute rutschte der für Ewerton eingewechselte Margreitter nach einem Freistoß weg, so dass Tisserand aus kurzer Distanz den Sack zumachen konnte. Beim Club hatte man jetzt nicht mehr das Gefühl, als würde irgendjemand noch an sich glauben. Wolfsburg schaukelte den Sieg nach Hause.

Dabei hätte der Club heute erneut die Riesenchance gehabt, im Schneckenrennen am Tabellenkeller nochmal ans Licht zu krabbeln. Stuttgart hat nämlich in Berlin nicht punkten können. Der Relegationsplatzz ist also weiter fünf Punkte entfernt. Sechs Punkte sind noch zu vergeben. Also ist theoretisch noch was drin. Aber dazu müssten wir halt zwei Spiele gewinnen. Und wie das gehen soll, das fragt man sich nach dem heutigen Spiel dann eben doch.

Ein Letztes:

Veranstaltet der Club-Sportchef demnächst Elternabende?

Welche Eltern kennt Palikuca nicht 🙈😂#leibold #perreira #fcn— Yllib (@Markus23s) 29. April 2019

Bayern am Rand einer Niederlage

Die Woche:

  • Ex-Trainer Köllner war bekanntlich bei „Blickpunkt Sport“ zu Gast. Unter anderem erzählte er dort, dass die Übernahme der Mannschaft durch Co-Trainer Boris Schommers „so nicht besprochen“ war. Muss man nicht verstehen. Schommers tut es übrigens auch nicht. Köllner fand die Formulierung später dann auch „missverständlich“. Fazit: Sendezeit und Papier verbraucht.
  • Seine (nicht unsere) wirklich wichtigen Ziele hat der FCN erreicht: Seit 12 Jahren erhält er erstmals wieder die Lizenz ohne Auflagen
  • Wie der Vater, so der Sohn. Das raunten manche, nachdem Sven Jablonski als Videoschiedsrichter das korrekte Behrens-Tor gegen Schalke verhindert hatte. Jablonskis Vater war nämlich beim ominösen Phantomtor 1994 Linienrichter. Schiedsrichter war damals ein gewisser Herr Osmers. Diesmal gab wieder ein Herr Osmers bei einem Spiel der Bayern gegen den Club den Unparteiischen. Im Kölner Keller. Harm Osmers ist aber weder verwandt noch verschwägert mit dem Phantomtor-Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers. Dafür saß wiederum jener Schiedsrichter, der das Behrens-Tor aberkannte, im Videokeller bei der Bayern-Hilfsaktion im Pokalspiel gegen Bremen. So dient die Namensgleichheit dann eben doch als Wegweiser in Sumpfgebiete.

Das Spiel:

Nach den Ergebnissen vom Samstag war der Club in Zugzwang. Nur mit einem Sieg bestand eine realistische Chance, wenigstens noch den Relegationsplatz 16 zu erreichen. Trainer Schommers setzte bei der Aufstellung erneut auf Kontinuität. Allerdings rückte diesmal Eduard Löwen zu Mikael Ishak mit in den Sturm. Dafür standen bei FCB-Ballbesitz sechs Mann in der Abwehr.

In der ersten Hälfte kam der FCB so zu mehr Torchancen. Die beste als Mathenia einen Alaba-Freistoß gerade noch gegen die Latte lenken konnte. Auf der anderen Seite passierte nicht viel. Lediglich eine Unaufmerksamkeit des Bayern-Keepers hätte beinahe eine ungeahnte Möglichkeit für Löwen eröffnet. Aber Ulreich konnte den Ball gerade noch wegspitzeln.

So ging es torlos in die Pause.

Danach belohnte sich der Club endlich für sein couragiertes Spiel gegen den Tabellenführer. Eine Flanke von Kerk nahm Löwen auf. Seinen Schuss konnte Ulreich zwar noch abwehren, doch Pereira setzte den Nachschuss überlegt ins lange Eck. Jetzt war Stimmung im Stadion und der Club hatte Oberwasser. Drei Minuten später tauchen drei Cluberer vor dem Bayerntor auf. Aber Löwen bleibt am letzten Mann, an Süle hängen. Das hätte eigentlich das 2:0 und der dringend notwendige Dreier gegen heute schwache Bayern sein müssen.

Die schafften es auch danach nicht, das Clubtor in Gefahr zu bringen. Höchstens bei Standardsituationen. Etwa in der 69. Minute als James einen Freistoß erneut nur an die Latte zirkeln kann. Jetzt verstärkten die Münchner den Druck weiter. Den Ausgleich markierten sie allerdings nur mit viel Glück. Eine Kimmich-Flanke versuchte Bauer in der 75. Minute aus dem Strafraum zu schlagen, traf aber genau den hinter ihm stehenden Gnabry, von dem sich der Ball ins Clubtor senkte.

Der Club gab danach allerdings nicht auf. In der 89. Minute hatte er endlich einmal das Schiedsrichterglück, das sonst so oft gefehlt hatte. Der eingewechselte Davies hatte den ebenfalls eingewechselten Margreitter im Strafraum gefoult. Elfmeter! Nochmal die Riesenchance auf den Dreier. Nachdem Behrens zuletzt zwei Mal verschossen hatte, trat diesmal Leibold an. Aber er scheiterte am Innenpfosten. Das waren Millimeter! Aber das ist halt auch die aktuelle Situation beim Club:

Sie spielen mittlerweile gut, haben die Bayern am Rande einer Niederlage und scheitern dann an den eigenen Nerven. Wobei in der Schlussminute Mathenia wiederum nervenstark gegen den allein durchgebrochenen Coman rettete und so den, wenn auch wahrscheinlich wertlosen, Punkt rettete.

Wenn wir nur unsere Elfmeter verwandelt hätten, hätten wir wohl sechs Punkte mehr, und wären noch gut dabei. So schaut es – trotz einer guten Leistung und dem Nachweis, durchaus bundesligatauglich zu sein – leider schlecht aus.

Der Abstand zu Rang 16 ist an diesem Wochenende auf fünf Punkte angewachsen. Und inzwischen gibt es nur noch drei Möglichkeiten das wettzumachen.

Ein Letztes:

Elfmeter verschossen. Vielleicht lag´s nicht nur am Pfosten. Zuvor musste Tim Leibold nämlich in der Bild lesen, er werde beim FCN „die Flatter machen“. Tim Leibold veröffentlichte seine „Gegendarstellung“ dann via Instagram:

Dass wir das noch erleben dürfen

Die Woche:

  • Club-Trainer Boris Schommers hat trotz der historisch schlechten Tabellensituation die Mannschaft gelobt. Sie gehe an die Grenze und gebe ihr Optimum. Heißt im Umkehrschluss: Mehr ist mit diesem Kader nicht drin. Dann legte er nochmal in einem großen Interview nach. Der Glaube sei noch da. Auch Aufsichtsratsvorsitzender Thomas Grethlein hatte sich zuvor in der Bildzeitung (kein Link) ähnlich geäußert.
  • Ungeachtet solchen Wunderglaubens bleibt dem Club der Hauptsponsor erhalten. Die Nürnberger Versicherung hat den Vertrag verlängert. Bislang zahlte sie 1,7 Millionen Euro pro Jahr. Die Zielvorgabe ist aber klar: Wir wollen in der ersten Liga spielen.
  • In der 2.Liga hätte der Club zumindest einen kleinen Vorteil. Er kennt den bald auch dort geltenden Videobeweis schon und hat die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen.
  • Einen kurzen Aufreger lieferte die Meldung: „Köllner verklagt den Club“. Inzwischen ist aber die Luft ziemlich raus. Der ehemalige Trainer wird sich mit dem FCN außergerichtlich über noch offene Fragen nach der Entlassung einigen.
  • Was die vakante Position des Sportvorstands angeht (angeblich soll nächste Woche eine Entscheidung fallen), ist derzeit Markus Krösche vom SC Paderborn Favorit in der Gerüchteküche. Da der 38-Jährige dort noch Vertrag hat, kursieren jetzt Ablösesummen von 1,5 bis 4 Millionen. Dass ausgerechnet der finanziell klamme FCN, dem in der Winterpause jeder Euro für notwendige Verstärkungen zuviel war, hier eine solche Summe ausgibt, entbehrt nicht einer gewissen Komik.
  • Wer meint, der Aufsichtsrat würde fieberhaft nach einem Bornemann-Nachfolger suchen, der irrt. Offensichtlich bleibt noch genügend Zeit, um eine Fußball-Bibliothek einzuweihen.
  • Der Club konnte schon vorher das Gewinnen üben. Im Testspiel gegen den tschechischen Erstligisten Mlada Boleslav gab es ein 5:1. Den letzten Sieg feiern durfte der Club übrigens ebenfalls in einem Testspiel gegen ein tschechisches Team. Im November gab es ein 4:2 gegen Usti nad Labem.

Das Spiel:

Einen signifikanter Unterschied bietet der Trainerwechsel: Die Aufstellung ändert sich mittlerweile nur noch marginal. Gegen Augsburg rückte der gesperrte Leibold ins Team, Tillman musste dafür auf die Bank. Bei Köllner hatten viele mangelnde Konstanz beklagt, beim konstanten Schommers klagt mancher inzwischen über Mutlosigkeit.

Leider lieferte der Auftritt in der ersten Hälfte dafür zunächst auch entsprechend Munition. Da ging es vorwiegend um Fehlervermeidung. Nach vorne brachten höchstens Standards Gefahr. Andererseits hatten auch die Augsburger ihre Chancen. Beim FCA hatte man jedoch das Gefühl, dass denen auch ein Unentschieden reichen würde. So entwickelte sich ein Spiel, bei dem die einen offensichtlich nicht wollten und die anderen nicht konnten.

Aber wie gesagt, es gab noch die Standards. Und in der 52. Minute war es dann soweit. Kerk zirkelte einen Freistoß aufs lange Eck, wo sich Mikael Ishak hinter der Augsburger Abwehr durchgestohlen hatte und zum umjubelten 1:0 einschieben konnte.

Jetzt begann der FCA langsam aufzuwachen. und machte mehr Druck. Schommers reagierte richtig und brachte Konterspieler Matheus Pereira für Kerk. Der hatte nach seinem Platzverweis wieder was gutzumachen. Und das sind dann die Dinge, die das Fanherz erfreuen, wenn Rechnungen einfach einmal aufgehen.

In der 88. Minute kann der Club gerade noch den Ausgleich verhindern. Leibold schickt im eigenen Strafraum Pereira auf die Reise und der macht das wichtige 2:0. Danach durfte noch Edu Löwen die Auflösungserscheinungen in der FCA-Abwehr nutzen und zum 3:0 erhöhen.

Nach einem halben Jahr Flaute endlich mal wieder ein Dreier und dann auch noch mit drei Treffern und ohne Gegentor. Dass wir das nochmal erleben dürfen.

Allerdings: Wenn da jetzt keine Positivserie folgt, bringt uns dieser Sieg hinsichtlich Klassenerhalt rein gar nichts.

Ein Letztes:

Das FrankenFernsehen hat Club-Vorstand Niels Rossow interviewt. Als Fakt bleibt immerhin, dass der FCN einen Fanshop in Innenstadtlage eröffnen will und inzwischen wohl den Mietvertrag unterzeichnet hat. Als Nicht-Fakt bleibt hingegen ein Satz wie: „Ganz Nürnberg sprüht vor Optimismus“. Wobei der inzwischen wenigstens wieder glimmt.

Wenigstens keine Klatsche

  • Die Augsburger haben versucht, sich mit der Verpflichtung von Jens Lehmann Sachverstand und Bundesligaerfahrung ins Leitungsteam zu holen. Dem Club war Ähnliches hingegen wohl zu teuer, zu plötzlich, zu ungewöhnlich… Immerhin könnte der FCN jetzt Nutznießer Augsburger Sachverstandsüberkapazitäten werden. Der bisherige Technische Direktor Stephan Schwarz ist beim FCA ins Abseits geraten und nun ein Kandidat für die Bornemann-Nachfolge.
  • So schlecht war seit Einführung der Drei-Punkte-Regel noch keiner in der Bundesliga. Diesen neuen Negativrekord kann sich der Club zwar an die Deppenwand hängen. Er hat allerdings auch etwas Positives, als relativ frühzeitig Planungssicherheit besteht. Ein Vorteil, den man nutzen könnte, um der Konkurrenz zuvorzukommen und jetzt schon Spieler zu kontaktieren, mit denen der Wiederaufstieg ins Visier genommen werden kann. Doch leider ist keiner da, der gegenwärtig Spieler verpflichten kann und darf. Man möchte ein bisschen verzweifeln.
  • Als Oberbürgermeister tritt Ulrich Maly nicht mehr an. Nach Ende seiner Amtszeit will er erstmal nichts tun. Ob das auch bedeutet, dass er sich als Aufsichstrat des FCN zurückzieht, ist unklar. Dessen Chef würde diesen Schritt allerdings bedauern.
  • Immerhin wäre das ein Statement gegen das Legionärswesen im Profifußball: Ein Eigengewächs mit dem Namen Nürnberger kickt beim Nürnberger Fußballverein. Für Fabian Nürnberger reichte es diesmal noch nicht zu einem Platz im Aufgebot. Aber der 19-Jährige U21-Spieler ist ganz nah dran.

Das Spiel:

Eine neue Folge aus der Serie „Auf Augenhöhe, aber leider hat es nicht gelangt“. Diesmal war Frankfurt der Schauplatz. Die dortige Eintracht ist immerhin der letzte Hoffnungsträger Deutschlands im internationalen Fußball. Genau daraus konnten wir insgeheim etwas Hoffnung schöpfen. Vielleicht sind sie ein bisschen ausgepowert, nachdem sie unter der Woche in Mailand ran mussten. Andererseits hatte der Club etliche Stammspieler zu ersetzen. Boris Schommers musste nicht nur Timothy Tillman von Beginn an bringen, sondern sogar Sebastian Kerk als Verteidiger auf Links einsetzen. Ausgerechnet Kerk war ein echter Aktivposten in der Abwehr. Leider liefen fast alle Angriffsaktionen der Frankfurter über unsere rechte Abwehrseite, die vor allem Kostic nie in den Griff bekam. Ein ums andere Mal durfte der gefährliche Flanken in den FCN-Strafraum schlagen. Immerhin eine halbe Stunde konnte sich unsere Hintermannschaft schadlos halten. Dann spielte Jovic mit einem sehenswerten Pass Kostic frei, dessen Hereingabe Hinteregger nur noch über die Linie drücken musste.

Verdient war die Führung ängst, zumal der Club außer einer Superchance von Behrens gleich nach Spielbeginn nach vorne wieder nur wenig zustande brachte und im Mittelfeld (Kubo) einfach zu langsam und gedankenträge agierte, um die Eintracht in Gefahr zu bringen.

In der zweiten Hälfte entwickelte sich teilweise ein offener Schlagabtausch. Die Eintracht hatte zwar weiterhin ein Chancenplus, aber auch der Club kam zu Gelegenheiten. Doch letztlich war das dann meistens viel zu unsauber und drucklos zuende gespielt. Bezeichnend wie der eingewechselte Salli einen vielversprechenden Konter mit einem dankbaren Schuss auf Eintrachtkeeper Trapp abschloss.

Auf der anderen Seite wurden allerdings ebenfalls beste Chancen entweder von der Clubabwehr abgeblockt oder vergeben. Eigentlich ein klassischer Fall für die alte Fußballweisheit: Wenn du vorne deine Chancen nicht reinmachst, rächt sich das.

Aber mei, es ist halt der 2019er Club. Und der rächt nichts.

Der Sieg der Eintracht, daran gibt es nichts zu deuteln, war verdient. Ein Unentschieden hätte uns eh nichts geholfen. Insofern war das alles höchstens ein Beleg dafür, dass wir als praktisch feststehender Absteiger unseren Gegnern zumindest nichts schenken.

Ein Letztes (muss nochmal sein):

Herr Grindel, HERR GRINDEL! Jemand zuhause?

.@DFB_Praesident Reinhard #Grindel spricht im @DeutscheWelle-Interview über die Zukunft des Weltfußballs und mögliche neue Wettbewerbe. Doch plötzlich findet das Gespräch ein jähes Ende…

👉 https://t.co/XJoIV89F8E@FloBauerAuthor @sportschau @dw_deutsch pic.twitter.com/MvazcEgPi2— DW Sport (@dw_sport) 13. März 2019

Rückkehr zum Bewährten

Die Woche:

  • Vordringlich muss – offiziell zumindest – ein neuer Sportvorstand gefunden werden; und zwar ziemlich schnell, sollen die aufgrund der Unfähigkeit der Abstiegskonkurrenz noch existierenden Chancen auf den Klassenerhalt genutzt werden. In der Gerüchteküche wird neben Bader-Spezi Christian Möckel, Olaf Rebbe, dem Holländer Stan Valckx und Ex-Clubspieler Per Nilsson auch der Name Felix Magath gehandelt. Der ist zumindest schon mal gut vernetzt.
  • Vernetzung wird – wie es aussieht – im Bundesligafußball aber wohl überbewertet. Auch ohne Sportvorstand und eigenes Zutun stehen beim Club die Trainer auf der Matte. Da ist Bundesligaerfahrung genauso dabei, wie regionaler Bezug , die in einem Fall sogar noch mit einer gewissen Weltläufigkeit gepaart ist. Und das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Wenn sich die Trainerfindung als genauso easy erweist wie das Einkaufen im Baumarkt, dann könnte sich Klein-Grethe eventuell überlegen, das Geld für einen Sportvorstand ganz einzusparen.
  • Via Facebook hat sich jetzt auch Michael Köllner zur Wort gemeldet. Er werde sich erst einmal der „Erholung und Aufarbeitung“ widmen. Trotzdem wurde er zusammen mit dem gleichfalls entlassenen Sportvorstand Andreas Bornemann beim Spiel unserer U19-Mannschaft gesichtet.

Das Spiel:

Schon wieder ein Montagspiel in Nürnberg. Mit Stinkefingern und der Ankündigung, die Ligabosse „in der Pfeife rauchen“ zu wollen, protestierten die organisierten Fans. Berechtigt! Später gabs dann leider auch noch Tennisbällchen und schwarzen Rauch.

Doch eigentlich interessanter war, was sich im Spiel eins nach Köllner/Bornemann geändert hatte. Da standen mit Kubo und Löwen zwei Spieler in der Startelf, die zuletzt kaum berücksichtigt wurden. Dagegen saß Mikael Ishak wieder nur auf der Bank.

Auffällig auch die Art, wie sich die Mannschaft gegen den Tabellführer reinschmiss. Hinten wurde Beton angerührt, was dazu führte, dass der Club kaum in die gegnerische Hälfte und bei den Ballbesitzwerten zunächst gerade mal auf 20 Prozent kam.

Die Dortmunder rannten sich meistens in der vielbeinigen Clubabwehr fest und wenn es doch einmal brenzlig wurde, war Mathenia auf dem Posten. Kurzzeitig gab der Club dann aber doch die Zurückhaltung auf. Nach einer knappen halben Stunde hatte Kapitän Hanno Behrens sogar zwei Großchancen und Pech. Kurz darauf hatte der Club wiederum Glück. Sancho fiel nach einem Zweikampf mit Leibold im Strafraum um. Da hätte es auch Elfmeter und einen Einspruch aus Köln geben können (aber vlt. arbeiten die montags nicht). So ging es dann torlos in die Pause. Einen Eckball für die Dortmunder ließ der aus Hannover stammende Schiedsrichter zuvor übrigens nicht mehr ausführen, wohl um sich ein weiteres Bälletheater zu ersparen.

Nicht schön, aber was das Unterbinden des Dortmunder Spielflusses anging erfolgreich, ging es in der zweiten Hälfte weiter. Über weite Strecken mit Mann und Maus hielt die Clubabwehr die Gäste vom Tor fern. Neben Mathenia verdienten sich dabei besonders Ewerton und Behrens Bestnoten.

Dem BVB fiel gegen die aufopferungsvoll abwehrende Clubelf nicht mehr viel ein. Auch Joker Alcacer stach nicht. Ishak, der – ungewohnt – bereits nach einer guten Stunde eingewechselt wurde, allerdings auch nicht.

Am Ende rettete der Club die Null ins Ziel. Mit einer bewährten Taktik. Also völlig unköllnerlike.

Ein Letztes:

Kaum hissen wir das Deppen-Fähnchen, schon ist der Club in der deutschen Fußballwelt wieder Thema. So wundert sich beispielsweise Arnd Zeigler, warum Trainer und Sportvorstand gehen mussten, obwohl die Mannschaft doch eine Galavorstellung nach der anderen abgeliefert hat.

Hurra, der Depp ist zurück

  • Die Süddeutsche hatte nach der Niederlage in Hannover den „Deppen“ -Begriff aus der Versenkung geholt. Da wollte halt wieder ein Wichtigtuer demonstrieren, wie sehr diese Zeitung Dinge gegen den Strich bürsten kann, dachten wir da noch. Denn trotz der sportlichen Misere hatten es Bornemann und Köllner immerhin geschafft, den Club aus der Deppenecke zu hieven. Das lag aber wohl auch daran, dass der Aufsichtsrat bis zum Wochenende den Mund hielt und die beiden machen ließ.
  • Jetzt wollte besagter Aufsichtsrat dann doch gerne seines Amtes walten und wieder mal einen Trainer feuern und das, obwohl AR-Vorsitzender Grethlein auf der Pressekonferenz zugab, von Trainern keine Ahnung zu haben und deswegen eine Neuverpflichtung lieber dem Sportvorstand zu überlassen.
  • Den Sportvorstand muss man sich jetzt allerdings ebenfalls erst suchen, denn Bornemann wurde mitentlassen, weil er an Köllner festhielt und nur der Sportvorstand eine Trainerentlassung vornehmen kann.
  • Hat der AR wenigstens die Kompetenz, einen geeigneten Sportvorstand zu finden? Zweifel sind erlaubt. Zunächst hat dieses Laiengremium jedenfalls keinen in der Hinterhand. Die Entlassung Bornemanns war nicht geplant. Man werde sich Zeit lassen, versuchte Grethlein wenigstens etwas Vertrauen aufzubauen, und man werde auf eine einschlägige Ausbildung achten.
  • Angesichts der Freiheit und Machtfülle, die ein Sportvorstand beim Club genießt, müsste da aber schon ein Tausendsassa gefunden werden. Und solche gibt es selten. Und wenn, dann gehen sie nicht zum Club.
  • Wahrscheinlicher ist also, dass der Club sowohl auf dieser Position als auch beim Traineramt weiter mit Defiziten zurecht kommen muss. Bei Michael Köllner war das die fehlende Bundesligaerfahrung. Das hat er in einem lichten Moment sogar selber angesprochen. In der allgemeinen Aufstiegseuphorie wurde das jedoch niedergebügelt. Auch seitens des Aufsichtsrats wurde nichts unternommen, da irgendwo ein Korrektiv zu installieren. Beim FCN scheint der AR aber halt nur zu handeln, wenn es um das Auswechseln von Führungspersonal geht.
  • Michael Köllner kann andererseits nicht bloß den Aufstieg auf der Habenseite verbuchen. Aus dem Nachwuchs hat er etliche Talente zumindest auf Zweitliganiveau gehievt. Die werden ihm dankbar sein und langfristig verbunden bleiben. Sollte er also irgendwann bei Regensburg, Ingolstadt oder sonst einem Verein, bei dem er sich verständlich machen kann, anheuern, dann dürfte ihm vielleicht der eine oder andere folgen. Blöderweise sind es jedoch genau diese Spieler, die dem Club Hoffnung machen, wenigstens in der 2. Liga erfolgreich zu sein.
  • Wir wünschen Köllner und Bornemann trotzdem alls Gute. Natürlich auch Boris Schommers und Marek Mintal, die ja nichts dafür können, wenn dieser Aufsichtsrat Hoffnungen in sie setzt.

Ein Letztes:

Kann ich den bringen: Treffen sich ein Philosoph, ein Bürgermeister, ein Radioreporter, ein Hockeyspieler und paar Marketingmenschen und spielen Bundesligamanager. #fcn ?— Commander Francesco Padrone 😡 (@thelastsifflord) 12. Februar 2019


Endlich mal wieder ein Punkt

  • „Blickpunkt Sport“ hatte nach der Niederlage gegen Mainz Ex-Torwart Raphael Schäfer aus der Versenkung geholt. Der erzählte dort, es gäbe noch eine 10-Prozent-Chance für den Club. Dazu müsste aber ein Trainerwechsel her. Apropos Schäfer: Da erinnern wir uns an eine entscheidende Szene beim letzten Bundesligaabstieg. Damals ging es nicht nur um eine Fußspitze, die im Abseits stand. Der Abseits-Spieler trug jedoch auch nicht das Trikot des FCN.
  • Das ehemalige Club-Talent Patrick Kammerbauer konnte sich beim SC Freiburg nicht durchsetzen und wechselt nach Kiel . Was sagt uns das? Vielleicht, dass es selbst bei hoffnungsvollen Talenten mangelnde Erstligatauglichkeiten gibt.
  • In der Nürnberger Talentschmiede setzt man auf Kontinuität. Der Vertrag mit dem Phantom wurde um drei Jahre verlängert. Welche Altersgruppe Marek Mintal dort betreut, ist noch nicht ganz raus.
  • Witze über Eigennamen sind billig und deshalb abzulehnen. Beim Club und dessen (Noch-)Trainer erreichen sie jedoch neue Sphären. Erst bescherten dem aus dem oberpfälzischen Fuchsmühl Stammenden ausgerechnet die Spieler Fuchs und Mühl die letzte größere Torausbeute. Jetzt sorgte der Kölner Keller dafür, dass der im Keller steckende Köllner aus diesem nicht rauskommt. Gut, wenn man dort wenigstens noch lachen kann.
  • War der Club in Tagen wie diesen bisher immer „ein Depp“, tendiert er jetzt eher in Richtung Witzfigur. Selbst der „Postillon“ erkannte das Unterhaltungspotenzial, das die Unaufgeregtheit bietet, mit der der Club die rote Laterne trägt. Vor allem außerhalb Nürnbergs dürfte diese Meldung dann doch den einen oder anderen Lacher erzeugt haben.
  • Beim FCN muss bekanntlich gespart werden. Deswegen hat der Trainer noch einen Zweitjob. Bei Rossow, Bornemann, aber auch beim offiziellen Pressesprecher ist man ebenfalls nicht so sicher, ob die nicht noch anderweitig unterwegs sind. So muss dann sogar Georg Margreitter nicht bloß hinten die Löcher stopfen, sondern auch gegenüber Journalisten die Verpflichtung von Ivo Ilicevic verkünden.
  • Ilicevic bleibt allerdings der einzige Neue beim Club. Inzwischen wird er gar als Hoffnungsträger verkauft. Dabei hatte sich der Transfer verzögert, weil Bornemann erst abwarten wollte, ob sich nicht noch bessere Alternativen auf dem Markt ergeben. Ganz überzeugt war er da wohl selber nicht.
  • Auch wenn der Club-Vorstand gerne behauptet, sich nicht mit sozialen Medien zu beschäftigen, scheint der dort geäußerte Unmut über das aktuelle Nichthandeln angekommen zu sein. Sowohl den Fans als auch der Presse erklärten sich die FCN-Verantwortlichen dann doch noch. Fazit des Ganzen: Die Kohle fehlt, aber es gibt ein Konzept.

Das Spiel:

Vor dem Spiel witzelten manche, Michael Köllner werde beim Club gefeuert und bei den Fürthern anheuern, die sich in Paderborn eine 6:0-Klatsche eingefangen hatten. Aber mit derartigen Witzen war es dann bald vorbei. Der Club zeigte sich gegen Bremen nämlich deutlich verbessert. Zumindest was die Abwehrleistung anging. Da ließen nicht nur die nominellen Abwehrspieler kaum etwas anbrennen. Bezeichnend für die Lernfähigkeit unserer Mannschaft war eine Szene in der 26. Minute. Da startete Werder nach einer Club-Ecke zum Konter. Eine Situation, in der wir in letzter Zeit häufig Tore kassiert haben. Doch Misidjan unterband die Aktion auf Kosten einer gelben Karte.

Dass er langsam wieder zu alter Stärke zurückfindet, bewies Ewerton dann auch noch durch eine spektakuläre Rettungstat in der 39. Minute. Allerdings: Nach vorne lief eben auch nicht viel, so dass es torlos in die Pause ging.

Trotzdem: Auch eine verbesserte Abwehr macht immer noch Fehler. Beim Club war es in der 63. Minute soweit. Palacios verlor in der Vorwärtsbewegung den Ball. Dann spielt Augustinsson per Fallrückzieger auch noch den eingewechselten Johannes Eggestein spektakuär frei, der schließlich keine Probleme hat, Mathenia zu überwinden. Wieder lag der Club hinten und nachdem ihm nach vorne nicht viel gelang (Kapitän Behrens vergab dabei eine Hundertprozentige), schaute es wieder nach Business as usual aus. Doch da war ja noch der Joker. In der 82. Minute brachte Köllner endlich Mikael Ishak und der war nicht mal fünf Minuten im Spiel, da zeigte er es – nach schönem Zuspiel von Matheus Pereira – den Kollegen und versenkte die Kugel im Werdertor.

Immerhin gabs auch auf dem Platz wieder ein Lebenszeichen. Das Unentschieden geht zudem, was die Leistungten angeht, in Ordnung. Wobei heute sicher mehr drin gewesen wäre. Wenn Köllner zum Beispiel Ishak gleich gebracht hätte… Aber dann hätte er vielleicht nicht die nötige Angefressenheit besessen, um da Tor zu machen. Nun, vielleicht geht ja nächstes Mal jemand gleich von Beginn an angefressen ins Spiel, zum Beispiel weil man bislang so viel liegen gelassen hat.

Ein Letztes:

Bild will ab sofort nur noch Fakten twittern:

Kritik ist völlig berechtigt – wir dürfen einfach unsere Infos, die wir tatsächlich hatten – online nicht mehr weiter geben – sondern nur noch Fakten weiter geben …— BILD 1. FC Nuernberg (@BILD_FCN) 31. Januar 2019

Wenn höhere Mächte mitspielen

  • Der Kicker hatte anhand diverser Vergleichszahlen (angekommene Flanken, Weitschussgegentore, Konteranfälligkeit…) dargelegt, dass der Club zurecht mit der roten Laterne herumläuft. Unser Noch-Trainer hatte diese Statistiken angezweifelt. Für ihn zähle nur eine Statistik, das sei die Tabelle. Die sagt aber eben auch nichts anderes aus.
  • Auch anderweitig erzählt Michael Köllner derzeit viel. Hier beruhigt er uns zum Beispiel mit der alten oberpfälzer Bauernregel: „Am Ende wird alles gut, und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende.“
  • Trotzdem wollte man beim Club das öffentliche Begleitkonzert möglichst leise drehen. Deswegen wurde ein Geheimtrainig angekündigt. Bild war trotzdem dabei (und begegnete dabei auch noch zufällig der angekündigten Verstärkung) . Wenn du unten stehst, klappt halt vieles nicht. Vielleicht war der Schiedsrichter schuld.
  • Günstig Erfahrung einkaufen, das war die Vorgabe für etwaige Wintertransfers. Jetzt gilt es Vollzug zu melden. Der früher für die Fürther Kräuter und dann für den HSV spielende Ivo Ilicevic soll es richten. Die Familie des 32-Jährigen, der derzeit vereinslos ist, wohnt ohnehin schon hier. Sieht so aus, als wären sich da zwei Billigheimer in die Arme gestolpert.
  • Auch auf anderen Ebenen sind Highlights offenbar rar gesät: „Spannender Tag für Niels #Rossow. Der Club-Vorstand war heute auf dem Unternehmerkongress, referierte und führte viele interessante Gespräche. #fcn pic.twitter.com/lMXvXzkhj3 “ — 1. FC Nürnberg (@1_fc_nuernberg) 21. Januar 2019

Das Spiel:

Für das Spiel in Mainz holte Trainer Köllner mal wieder zwei Rettungskräfte von der Tribüne: Palacios und Zrelak. Dazu wechselte er vom 4-1-4-1 auf 4-4-2. Aber egal, welches System der Club praktiziert: In der Abwehr ist er immer für irgendwelche Klöpse gut. Diesmal stellten sich Valentini und Behrens naiv an. Eigentlich war die Chance schon vorbei, da versuchte Aaron noch in den Strafraum zu kommen, düpierte erst Valentini und fiel dann über das Bein unseres Kapitäns. Den Elfer versenkte Brosinski. Wieder mal lag der Club hinten und brauchte eine Weile, sich zu sortieren.

Erest gegen Ende der ersten Hälfte erhöhte der Club, der diesmal auf lange Pässe in die Spitze setzte, den Druck. In der 43. Minute wurde er dann – wie auch sonst – nach einer Ecke belohnt. Georg Margreitter stieg am höchsten und köpfte zum Ausgleich ein.

Nun ja, 1:1 hieß es auch gegen die Hertha zur Pause. Gegen die Mainzer ließ der Club aber erst einmal nichts anbrennen. Allerdings kam auch nach vorne wenig. Aufregung gab es lediglich am Spielfeldrand. Wegen eines nicht gegebenen Einwurfs bekam sogar Ersatzkeeper Fabian Bredlow die gelbe Karte.

Danach waren wieder die Hausherren am Drücker und erspielten sich durch Mateta mehrfach Chancen. Mathenia und viel Glück verhinderten die erneute Mainzer Führung. Die erzielte dann in der 62. Minute der Club. Zrelak verwertete eine Flanke von Leibold. Riesenjubel! Sollte das die Wende sein und der Club endlich mal wieder Punkte einfahren?

Nein! Diesmal hatte der Videoassistent etwas dagegen. Angeblich war Zrelaks Fußspitze im Abseits. Keine Führung! Aber ein Moment, in dem es wohl nicht nur um die Anerkennung eines Tores, sondern um weit mehr ging.: Um Trainerschicksale, um Abstiege, aber auch um das ungute Gefühl, das dann offenbar auch die Spieler beschlichen hat: Der DFB hat offensichtlich entschieden, dass wir absteigen sollen.

Der Club agierte wieder verunsichert. Zehn Minuten später verlor Leibold bei einem Vorstoß den Ball. Die Mainzer konnten kontern und unbeanstandet von Videoschiedsrichtern das 2:1 markieren. Der Club erholte sich von dem erneuten Nackenschlag nicht mehr. So blieb es bei der Niederlage und der Erkenntnis, dass es nicht langt, aber offenbar auch nicht langen soll.

Ob ein Trainerwechsel daran etwas ändert? Nun: Zum Anforderungsprofil dürfte für einen Köllnernachfolger jetzt neben Erstligaerfahrung auch ein gutes Standing beim DFB kommen.

Ein Letztes:

Erst der lachende Köllner, jetzt der fröhliche Edgar Salli: Beim Club scheint trotz allem gute Laune zu herrschen. Kann aber auch sein, dass unser Fußballfachblattt dieses Bild nur deshalb für seine Transfergalerie ausgewählt hat, um die beim FCN ausgemachte Realitätsverweigerung zu symbolisieren.