In Unterzahl ans rettende Ufer


Na also. Mit dem 2:1 gegen Erzgebirge Aue hat der Club zwar noch nicht die magische 40-Punkte-Marke erreicht (38 sind es jetzt), aber der Ligaverbleib dürfte trotzdem kaum mehr in Gefahr geraten. Das rettende Ufer scheint erreicht. Der Sieg ist umso höher zu bewerten, weil Aufsteiger Aue zuletzt sechs Spiele ungeschlagen geblieben war und der Siegtreffer auch noch in Unterzahl fiel. Kammerbauer, diesmal für den zuletzt indisponierten Kapitän Brecko als Rechtsverteidiger aufgeboten, hatte gegen Pascal Köpke (den Sohn der Nürnberger Torhüter-Legende) die Notbremse gezogen und dafür „Rot“ gesehen (49.). Den fälligen Freistoß verwandelte Kvesic direkt zum zwischenzeitlichen 1:1 (51.). Kempe war zuvor nach einer Hereingabe von Möhwald per Linksschuss der Führungstreffer geglückt (24.). Das 2:1 besorgte dann ein Spieler, um den es zuletzt eher ruhig geworden war: Der junge Teuchert, als „Joker“ für Matavz gekommen, überlief nach Vorarbeit von Behrens zwei Gegenspieler und traf ins rechte Eck. Danach retteten die Schützlinge von Trainer Michael Köllner den Vorsprung über die Zeit.

Aue (mit dem früheren Club-Stürmer Albert Bunjaku als Einwechselspieler) musste die erste Niederlage unter dem neuen Coach Domenico Tedesco (er ersetzte den zurückgetretenen Pavel Dotchev) hinnehmen, für die „Macht aus dem Schacht“ dürfte es im Abstiegskampf nun wieder sehr eng werden. Der 1.FC Nürnberg sollte nun mit Volldampf in die Planungen für die Zweitligasaison 2017/18 einsteigen. Im „kicker“ durften die Nürnberger übrigens nachlesen, dass seit Einführung der Dreipunkteregel (1995/96) noch nie ein Team mit nur 35 Punkten nach 28 Spieltagen Achter war, insofern ist der Club also der schlechteste Achte aller Dreipunktezeiten. Der Ruhmreiche ist halt immer für besondere „Titel“ gut.

2015 – das Jahr der Abschiede

19.12.2015 --- Fussball --- Saison 2015 2016 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 19. Spieltag: 1. FC Heidenheim FCH - 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa ---  Jubel nach Tor zum 0:1 - Guido Burgstaller (9, 1.FC Nürnberg / FCN ) Miso Brecko (2, 1. FC Nürnberg / FCN ) Georg Margreitter (33, 1. FC Nürnberg / FCN ) Patrick Erras (29, 1. FC Nürnberg / FCN ) Laszlo Sepsi (6, 1. FC Nürnberg / FCN ) Dave Bulthuis (4, 1.FC Nürnberg / FCN ) Alessandro Schöpf Schoepf (28, 1.FC Nürnberg / FCN ) Tim Leibold (23, 1. FC Nürnberg / FCN ) - Freude / Torjubel - Torschütze: Guido Burgstaller (9, 1.FC Nürnberg / FCN )
Das Jahr nähert sich dem Ende, die Spiele sind gespielt, und die Club-Freunde schauen zurück und ziehen Bilanz. 2015 wird dereinst wohl als das Jahr der Abschiede in die Annalen des 1.FC Nürnberg eingehen. Bereits im Februar war für Finanz-Vorstand Ralf Woy, seit 2006 in führender Funktion beim Club tätig, Schluss. Ende September endete dann auch die elfjährige Ära von Martin Bader. Die Trauer über den Weggang der beiden langjährigen Vereinsbosse hielt sich in der Fan-Gemeinde in Grenzen. Immerhin hatten sich beispielsweise die Fehlentscheidungen von Bader in der Kaderplanung gehäuft, so dass ihm der Aufsichtsrat mit Wolfgang Wolf schon nach dem Abstieg 2014 einen Abteilungsleiter mit Fußball-Sachverstand zur Seite stellte.
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Dr. Schieber und der Scheich

3582120531Man muss ja aufpassen, dass man keine Beleidigungsklage provoziert oder schuld ist, wenn sich Schiedsrichter was antun. Aber Schiedsrichter Jochen Drees gab heute allen Anlass mal wieder an der Zunft zu zweifeln. Das sah derart offensichtlich nach Schiebung aus, was da in der Münchner AllianzArena abging, dass man fast schon Bedenken äußern möchte. Wenn ich geschmiert werde und die Löwen in der 2. Liga halten will, dann mache ich das doch etwas weniger offensichtlich.

Aber der Reihe nach: 68.500 Zuschauer waren ins Münchner Stadion gekommen. Zweitligarekord und eine Kulisse, die zwar die Wichtigkeit für die Sechziger unterstreicht, aber wenig zur Situation des FCN passen wollte. Da geht nach oben und unten nichts mehr. Da ist eigentlich nur noch geordneter Saisonabschluss angesagt. Halt nicht unangenehm auffallen oder sich gar den Vorwurf einhandeln, Wettbewerbsverzerrung betrieben zu haben.

In der ersten Halbzeit gelang das auch recht gut. Der Club spielte überlegen auf und demonstrierte fast einen Klassenunterschied zu den Löwen, die gehemmt und harmlos wirkten und kurz vor der Pause fast ohne Gegenwehr das 0:1 durch Stark hinnehmen mussten.

In der Pause scheinen dann aber schon die ersten Weichen gestellt worden zu sein. Die Sechziger kamen etwas stärker auf und schafften nach einem Freistoß den Ausgleich. Danach übernahm Dr. Drees das Kommando. Zunächst gab er einen seltsamen Elfmeter für 1860, den Adlung zur Führung versenkte. Danach gab Drees erst den einwandfreien Ausgleich durch Dave Bulthuis, um ihn – angeblich hatte der Linienrichter, freilich zu Unrecht, Abseits erkannt – dann wieder zurückzunehmen. Schließlich schickte er auch noch Javier Pinola mit Gelb-Rot vom Platz, so dass der jetzt zum Saisonabschluss fehlt.

Wahrscheinlich lesen weder Drees noch der DFB, noch viele Kollegen die Tweets zum Spiel. Deswegen vermitteln wir hier mal einen kleinen Eindruck:

Ikone Pinola: Erst Aussetzer, dann prima Vorlage

04.05.2015 --- Fussball --- Saison 2014 2015 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 31. Spieltag: FC Ingolstadt FCI - 1. FC Nürnberg FCN --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa ---  Raphael Schäfer Schaefer (1, 1.FC Nürnberg / FCN ) gibt Javier Horacio Pinola (25, 1.FC Nürnberg / FCN ) nach Spielende etwas zu Trinken - Javier Horacio Pinola (25, 1.FC Nürnberg / FCN ) liegt mit Krampf am BodenOh je. Da zeigt Club-Publikumsliebling Javier Pinola seit Wochen endlich wieder starke Form, und dann unterläuft der Vereins-Ikone prompt ein kurioses Eigentor. Immerhin konnte der Linksverteidiger seinen Lapsus umgehend wieder wettmachen, als er den Ausgleichstreffer des eingewechselten Danny Blum toll vorbereitete.

Der Club war in Ingolstadt im Vergleich zum 2:0 gegen Sandhausen mit Mössmer und Kerk für Petrak (verletzt) und Mlapa (Bank) angetreten und gut gestartet. Der Tabellenführer, Nachfolgeverein der einstigen Zweitligisten ESV und MTV und daher eigentlich kein Retortenklub, tat sich in der ersten Hälfte sehr schwer gegen den Club, im zweiten Abschnitt fand er aber besser ins Spiel. Trotzdem, die Aufstiegsparty ist nach dem 1:1-Unentschieden verschoben: Am kommenden Wochenende können die „Schanzer“ in Bochum aber alles klar machen. Der 1.FC Nürnberg holte seinen 39. Punkt. Auch wenn sich die Kellerkinde nun offenbar  entschieden haben, in den Schlusswochen der Saison rasant zu punkten, dürfte das zum Klassenverbleib reichen.

Der letzte Satz ist natürlich grotesk, bedenkt man die Ziele, die Sportvorstand Martin Bader vor Saisonbeginn ausgab. Aber immerhin können sich die Nürnberger rühmen, dem voraussichtlichen Zweitliga-Meister die bis dato einzige Auswärtsniederlage beigebracht zu haben. Das Hinspiel konnte der Club mit 2:1 für sich entscheiden, damals ein gelungenes Debüt für Trainer Rene Weiler. Insgesamt verlor Ingolstadt nur dreimal in dieser Saison, die beiden anderen Pleiten gab es vor eigenem Publikum. Gegen den Ruhmreichen verbuchte der FCI nun seinen 60. Punkt – davon kann man in Nürnberg nur träumen.

Erschien in 1.FCN, Abstieg | Kommentare deaktiviert für Ikone Pinola: Erst Aussetzer, dann prima Vorlage

Ein völlig verkorkstes Jahr

FC Schalke 04 - 1. FC Nürnberg
Der Anfang stimmte hoffnungsfroh, das Ende zumindest ein wenig versöhnlich – doch auch wenn der 1.FC Nürnberg vier der ersten fünf Pflichtspiele des Jahres gewann und die letzten vier nicht verlor, werden die Club-Fans froh sein, dass das schauderhafte 2014 nun endlich zu Ende geht.

Borussia Dortmund - 1. FC NürnbergDabei herrscht am Valznerweiher ein merkwürdiger Winterpausen-Optimismus im Januar 2014 – und das, obwohl der Club gerade mal wieder einen seiner vielen Deppenrekorde aufgestellt und eine komplette Hinserie ohne einen einzigen Sieg absolviert hat. Weil aber elf Unentschieden gelangen und die Konkurrenz sich ebenfalls schwer tat, ist das rettende Ufer nicht so weit entfernt, Nürnberg liegt drei Zähler hinter dem SC Freiburg, der den Relegationsplatz belegt, und punktgleich mit Schlusslicht Braunschweig auf Abstiegsrang 17. Zudem entfacht der im Oktober 2013 als neuer Coach installierte Gertjan Verbeek (auf dem Foto mit Sportvorstand Martin Bader) sehr viel Optimismus.

Und die Entwicklung im Januar und Februar scheint ihm recht zu geben. Im 18. Versuch, zum Rückrundenauftakt am 25. Januar, gelingt endlich der erste Saisonsieg – und das gleich mit einem famosen 4:0 gegen die TSG Hoffenheim. Der als Innenverteidiger aufgebotene Javier Pinola und Mittelfeldspieler Mike Frantz schaffen es in die „Elf des Tages“, Josip Drmic glänzt als zweifacher Torschütze. weiter lesen

Tradition schlägt Tradition

Eintracht Braunschweig - 1. FC Nürnberg„Die Tradition zählt künftig nichts mehr“. So lautete heute eine Schlagzeile in unserer Zeitung. Es ging dabei zwar um den Reitstall Tattersall. Aber auch im Profifußball scheint Ähnliches zu gelten. Heute abend besonders. Zwei von einstigem Ruhm zehrende Vereine, zwei bayerische Altmeister, trafen da aufeinander und beiden dämmert mittlerweile, dass man sich für Tradition nicht nur nichts kaufen kann, sondern dass sie sogar zur Belastung werden kann. Vor allem weil sie als dauerndes Zurückbleiben hinter den eigenen Ansprüchen empfunden wird. Historisch gesehen fühlt man sich der ersten Liga zugehörig, real langt es aber nicht einmal zu einem gesicherten Mittelfeldplatz in der zweiten.

Und was an den ruhmreichen Namen das Schlimmste ist: Sport1 hofft mit den klangvollen Namen auf Quote und der DFB lässt einen dauernd montags spielen. Montag, das muss mal gesagt werden, ist das letzte! Ich kenne inzwischen schon Leute, die sagen: Lieber 3. Liga als weiter diese Montagskacke.

Immerhin scheint der Club wenigstens keinem Montagsfluch zu unterliegen, wie nach der Niederlage in Braunschweig (wir haben uns da die Spielkommentierung wegen Ödnis geklemmt) vermutet wurde. In der Liga der abgetakelten Altmeister sind wir halt noch eine Größe. Sogar montags.

Eigentlich wäre der Größenunterschied noch deutlicher zutage bzw. zunacht getreten, wenn sich unser Club nicht in der 28. Minute (Mössmer) selbst ein Ei ins eigene Netz gelegt hätte. Davor sah nämlich alles gut aus: 2 Chancen, 2 Treffer. Das nennt man wohl Effektivität und Fastneutrainer Rene Weiler (Bild) konnte wieder strahlen.

Aber dann war der Wurm drin. Zumindest vorne. Statt Toren gab eine Stunde lang nur noch Karten und das übliche Zittern. Dabei mussten die Sechziger die letzten 35 Minuten in Unterzahl bestreiten. Der Ex-Cluberer Martin Angha flog in der 58. Minute mit Geld-Rot vom Platz. Doch dieses „Geschenk“ von Schiri Kampka wollte beim FCN keiner so richtig annehmen. Ehrt ihn ja. Aber diesmal hätte er mal was fürs Torverhältnis tun können und für die Nervenberuhigung der Fans.

Aber so ist es wahrscheinlich besser. Sonst wären die ersten wohl wieder abgehoben. Dafür besteht jedoch kein Grund. Das war nämlich nur ein Sieg gegen einen Traditionsverein.

Erfolgreicher Raketentest vor dem Parteitag

1. FC Nürnberg - 1. FC KaiserslauternVor ein paar Tagen hat Blogger-Kollege „vip“ den Namen „Kim Jong Bader“ aus der Taufe gehoben. Da war Schäfer noch Torwart und noch nicht mundtot gemacht. Der Sportvorstand des 1. FC Nürnberg hatte gerade verkündet, dass er trotz aller Turbulenzen dem Club erhalten bleiben wolle.

Zugegeben: Nordkorea-Vergleiche sind in jedem Zusammenhang grenzwertig. Doch manchmal passen sie einfach wunderbar. Und wenn wir schon dabei sind: Für Bader muss sich der 3:2-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern im achten Saisonspiel am Vorabend der Jahreshauptversammlung ungefähr so angefühlt haben wie für Kim Jong Un ein im achten Anlauf kurz vor einem Parteitag endlich geglückter Langstreckenraketentest.

Gezündet hat es beim Club am Montagabend allemal. Zumindest in der ersten Hälfte. Von einer „Schöpf-Show“ sprach der Sky-Kommentator – und bekam sich gar nicht mehr ein vor lauter Lobhudelei. Schöpf hatte schließlich das 1:0 vorbereitet, das Candeias zentral stehend machte (24.). Das 2:0 in der 41. Minute besorgte der 20-jährige Youngster höchstselbst nach einem sehenswerten Turbo-Alleingang in bester Andi-Möller-Manier.

Die kompletten ersten 45 Minuten über spielte der Club wider Erwarten erfrischend stark auf. War es tatsächlich die Degradierung Schäfers, die Wirkung zeigte? Oder packte den FCN als Tabellenvorletzter der Mut der Verzweiflung? Man kann nur mutmaßen, doch es ging ein spürbarer Ruck durch die Elf von Coach Ismael. Diesen Schub nahm die Truppe um Interims-Kapitän Mössmer mit in Durchgang zwei, wenn nun auch etwas Gegenwind von den Roten Teufeln auffrischte. In Minute 51 war es wieder Schöpf, der zum Torjubel abdrehen durfte, nachdem er die Kugel irgendwie in die Maschen gedroschen hatte. Die Lauterer kamen vor 25.130 Zuschauern im Grundig-Stadion in Person von Ring (62.) und Löwe (71.) noch einmal auf 2:3 heran. Das große Zittern begann. Zweifler beschworen Übles herauf, schließlich hatte Schiedsrichter Kinhöfer auch das 3:3 in Hannover gepfiffen, wo der Club letzte Saison tragisch eine 3:0-Führung verspielt hatte. Doch es reichte. Am Ende war der Jubel groß.

Vom Aufsichtsratsvorsitzenden Schramm („Wir haben einen Spordlichen Leider, wir haben den Fußballabdeilungsleider, wir haben den Drainer, wir haben die Mannschafd und die müssen die Woche weider arbeiden und dann gehd des weider“) bis zu Trainer Ismael („Wir haben gewonnen, jetzt gibt es keinen Grund mehr, etwas zu ändern“): Am Valznerweiher ist ohne Schäfer wieder Zug drin, das Club-Raumschiff ist auf Kurs. Und wenn am Dienstag nicht der Baiersdorfer Meerrettich-Pate zum Schubumkehrhebel greift, schwebt es einfach weiter, immer weiter. Völlig losgelöst. Bis es abstürzt.

Jetzt sind die Wunderheiler gefragt

822269039Jaja, der Club hat immer schon schlecht begonnen und kämpfte mit Anpassungsschwierigkeiten, wenn er abgestiegen ist. Diesmal ist das nicht anders. Gegen den KSC mochte man freilich nicht einmal von Anpassungsschwierigkeiten reden. Das war einfach nicht zweitligatauglich, was da abgeliefert wurde. Dabei hatte Trainer Valerien Ismael noch vor dem Spiel getönt, die Mannschaft habe vor allem mental gearbeitet, um ihr Können auch umsetzen zu können.

Leider war davon nichts zu sehen. Der Club spielte wie schon seit mehr als einem Jahr: ohne Zug nach vorne, ohne Durchschlagskraft und versuchte nur Ordnung reinzubringen und keine Fehler zu machen. Genau das passierte dann jedoch. Wer sich nämlich nur auf die Löcher im Käse (dazu später mehr) konzentriert, der wird nicht satt, sondern bekommt nur Blähungen.

So stand es, ehe man sich recht versah, 3:0 für die Karlsruher. Die werden sich auch gewundert haben, wie einfach es ihnen der „Ruhmreiche“ gemacht hat. Insofern hätten sie ruhig noch was für ihr Torverhältnis tun können. Aber in der zweiten Hälfte verwalteten sie das Spiel nur noch und dann hielt Raphael Schäfer sogar noch einen Elfmeter und die Drei fest. Schäfer tat also was für sich. Punkte bringt das, wie beschrieben, leider nicht.

Nichts für sich tun konnte dagegen Timo Gebhart. Bereits nach 30 Minuten holte ihn Trainer Ismael vom Feld. Das wird es für Gebhart wohl gewesen sein. Ein Missverständnis! Für Ismael könnte es das aber ebenfalls gewesen sein. Manager Martin Bader steht massiv unter Druck. Mit Spielen wie gegen den KSC wird im Verein keine Ruhe einkehren. Am 30.9. droht ihm eine Anti-Bader-Mehrheit im Aufsichtsrat. Also wird er was unternehmen. Erstmal Prinzen und Wolf auf die Bank setzen. Die kosten wenigstens nichts extra. Und dann Mirko Slomka holen. Der hat mit dem HSV in der vergangenen Saison immerhin die Klasse gehalten 😉 Oder vielleicht doch den ebenfalls arbeitslosen Felix Magath. Der hat den Club 1997 in einer ähnlichen Situation noch auf einen Aufstiegsplatz befördert. Der könnte es beim Club ja mal mit Käse versuchen. Ansonsten versuchen es die Mitglieder am 30. mit Meerrettich.

Wenn die Schulmedizin versagt, dann müssen halt die Homöopathen ran.

Wir Clubfans trauern unseren Emotionen hinterher

1. FC Nürnberg - Fortuna DüsseldorfDie Länderspielpause hat nicht gut getan. Mit 0:2 (0:1) verlor der 1.FC Nürnberg am Montagabend sein Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Die immerhin zwei Wochen währende Euphorie nach dem 4:0 beim 1.FC Union Berlin, Coach Ismael hatte da von der Geburt einer neuen Mannschaft geschwärmt, ist wieder einmal wie weggeblasen. Für die eher mittelmäßig in die Saison gestarteten Fortunen war der Club nichts weiter als ein angenehmer Aufbaugegner.

Dabei begann die Ismael-Truppe recht gefällig. Sylvestr tauchte bereits nach wenigen Minuten erstmals gefährlich im Düsseldorfer Sechzehner auf, konnte den Ball aber nicht unter Kontrolle bringen. Daraufhin verflachte die Partie etwas. Der FCN war zwar weiterhin optisch überlegen, agierte aber wie so oft in dieser Saison wenig zwingend und kreativ. Bis zur 20. Minute ging das so. Dann wurde es blutig. Düsseldorfs Benschop sprang Petrak in Kung-Fung-Manier mit den Stollen voran ins Gesicht, der Tscheche sackte zusammen und die Blutung am Kopf musste am Seitenrand gestoppt werden.

Es ist fraglich, ob dieses Foul den Club derart verunsicherte, dass er nur wenige Minuten später komplett aus dem Tritt geriet. Da sah Bulthuis auf der linken Abwehrseite nämlich ganz schlecht aus, ließ sich von Schauerte ohne Gegenwehr tunneln. Schauerte war durch, passte stramm nach innen, wo Erwin Hoffer lauerte und nur noch einschieben musste – 0:1 (23.). Wieder mal eine Minusleistung der Abwehr.

Zumindest kämpferisch steckten die Mannen von Trainer Ismael in der Folgezeit nicht auf. Doch spielerisch war irgendwie der Wurm drin. Wenig verwunderlich also, dass es bis zur Halbzeit bei einem knappen Rückstand blieb. Ein Ergebnis, das aus Düsseldorfer Sicht allerdings erstaunlich einfach zu halten war. Einzig Gebhart sorgte kurz vor dem Pausenpfiff noch einmal für Alarm vor dem Düsseldorfer Kasten, doch Fortuna-Keeper Rensing brauchte nicht einmal einzugreifen, weil der Bad Boy die Kugel über den Querbalken drosch.

Für den 0:1-Mitverursacher Bulthuis brachte Ismael in der Halbzeit Ramirez. Das änderte jedoch nichts an den Kräfteverhältnissen auf dem Grün. Wie gehabt präsentierte sich der Club in wackeliger Verfassung. Viel zu wenig zielstrebig kombinierten sich die Jungs vom Valznerweiher nach vorne. In Minute 57 kam dann Mlapa für Sylvestr. Der vermeintliche Joker durfte aber nur wenig später dabei zusehen, wie Pinto unbedrängt zum 2:0 für die Fortunen einnetzte (62.).

Heiß wurde es in der Schlussphase vor Rensings Gehäuse nicht mehr, dafür aber umso mehr vor der Düsseldorfer Bank. Wieder im Mittelpunkt des Geschehens: der nicht gerade als zimperlich verschriene Pinto. Der senste mit purer Absicht Ramirez von hinten um – eigentlich hätte es hierfür Rot geben müssen. Natürlich hatte Ramirez zuvor mit der Hand Pintos Gesicht getroffen. Das rechtfertig aber nicht eine derartige Form der Selbstjustiz. Letztendlich hätte der rote Karton dem FCN auch nichts mehr gebracht, ebensowenig wie es Füllkrug tat, der in der 83. Minute für Candeias kam.

Am Ende herrschte große Unruhe unter den 26.588 Zuschauern im Grundig-Stadion. Viele pfiffen. Manche starrten ins Leere. Kaum einer regte sich auf. Selbst die Mannschaft schlich einfach nur bedröppelt mit versteinerten Mienen von dannen. Irgendwie ein gewohntes Bild, das man nunmehr selbst als hartgesottener Clubfan fast emotionslos zur Kenntniss nimmt. Das ist das eigentlich Traurige an der momentanen Situation.

Hölderlin kam nicht bis zum Valznerweiher

Wie man es macht, ist es verkehrt. Eigentlich dachte ich: der Worte sind genug gewechselt. Deswegen hielt ich mich zurück, und vertraute darauf, beim Patienten mögen vielleicht die Selbstheilungskräfte einsetzen und eine Wende herbeiführen. Wenn jemand unter schweren psychischen Belastungen leidet, ist es manchmal gut, das Thema zu wechseln und so diesen Belastungen die Bedeutung zu nehmen.

Nun kommen aber Kommentatoren hier im Blog (Wolferl!) und in den Netzwerken daher und werfen uns Sprachlosigkeit vor. Uns! Also ob wir nicht wüssten, was wir tun. Also ob wir nicht alles schon gesagt hätten. Nur vielleicht nicht zu jedem. Verwiesen sei nur auf das reichhaltige Oeuvre zu den Bereichen Angst und Mentalcoach.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, jetzt doch die Stimme zu erheben: Eventuell dürfte dieser Tage ein gewisser Dave bei der Geschäftsstelle vorsprechen, für dessen Verpflichtung wir uns hier schon einmal vehement ins Zeug legen wollen. Der Mann weiß, wo der Hebel angesetzt werden muss. Also, Club, stell ihn ein!

Hier unsere Twitter-Konversation während des Frankfurt-Debakels. Auch als Beweis dafür, dass Hölderlin Recht hat mit seinem Satz: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Nur vielleicht nicht am Valznerweiher.

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Am Valznerweiher grassiert nämlich Morbus glubb. Eigentlich eine Banalangst, die Ähnlichkeiten mit Morbus brasil aufweist und die wir einmal populärwissenschaftlich als „Angst in das Loch zu fallen, in dem man schon steckt“ beschreiben wollen oder auch als Self-fullfilling Prophecy für das Worst-Case Scenario. Banalangst heißt allerdings nicht, dass die Folgen banal wären, das haben wir schließlich in der vergangenen Saison schon gemerkt. Wir beziehen uns dabei auf den oben erwähnten, deutschen Psychoanalytiker Fritz Riemann, der von vier Grundformen der Angst spricht, auf die sich die Banalängste beziehen. weiter lesen