Reform der Aufsichtsratswahlen?

Kollege vip hat schon darauf hingewiesen: An diesem Sonntag ist mal wieder Jahreshauptversammlung. Spannend ist in der Tat die Frage, ob es Ex-AZ-Chefredakteur und Buchautor Andreas Hock in den Aufsichtsrat schafft. Aber noch ein anderer Tagesordnungspunkt birgt Brisanz – nämlich ein Antrag, der auf eine Reform eben jener Aufsichtsratswahl abzielt. Der Satzungsänderungsantrag, der auf fcn.de nachgelesen werden kann, stammt unter anderem von Christian Mössner, einem der Macher des Fanmagazins „Ya Basta!“.

Wenn er und seine Mitstreiter Erfolg haben, dürften die Vereinsmitglieder einerseits nicht mehr so oft wählen (die Legislaturperiode der Aufsichtsräte soll von drei auf vier Jahre ausgedehnt werden) und andererseits – und das ist der eigentlich interessante Punkt – könnten sie auch nur noch sechs der neun Mitglieder des Kontrollgremiums direkt bestimmen. Drei weitere würden als kooptierte Aufsichtsräte per Beschluss von den sechs gewählten Herrschaften ernannt.

Auf den ersten Blick klingt das nach weniger Demokratie. Und gerade deswegen – könnte man frech einwerfen – müsste der Vorschlag eigentlich auch für die hohen Herren des Vereins einen gewissen Charme besitzen. Wenn seltener gewählt wird, ist eine kontinuierlichere Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat gewährleistet. Und wenn drei Mitglieder per Beschluss und nicht mehr per Wahl ins Gremium kommen, könnte man vielleicht hochrangige Persönlichkeiten aus Wirtschaft oder Sport für ein Engagement im Aufsichtsrat begeistern, die eigentlich Interesse hätten, es aber scheuen, sich den Unwägbarkeiten eines Mitgliedervotums zu stellen. Immerhin hat so mancher Kandidat auch schon recht üble Niederlagen bei solchen Wahlen erlitten.

Aber: Der Antrag kommt von der Basis. Und die hat natürlich ein Interesse daran, dass Fanbelange im Aufsichtsrat ausreichend zur Geltung kommen. Deswegen werden durch den Vorschlag von Mössner und Co. auch andere Vereinsgremien gestärkt. Kooptierte Aufsichtsräte müssen vor ihrer Ernennung zunächst durch den Wahlausschuss vorgeschlagen werden. Und der Wahlausschuss wiederum muss in seine Vorschlagsliste zumindest eine Person aufnehmen, die der Fanbeirat vorschlägt. Insofern wären Faninteressen gewahrt. Wobei die Anhängerschaft es früher auch auf dem herkömmlichen Weg geschafft hat, einen Vertreter ins Gremium zu entsenden: Man denke an die triumphalen Wahlerfolge des Rechtsanwalts Ralf Peisl, der von 2010 bis 2016 dem Aufsichtsrat angehörte.  Die Abstimmung über den Antrag könnte  jedenfalls zu den spannenderen Tagesordnungspunkten am Sonntag gehören.

Zum Glück ist jetzt Sommerpause

Mit einem 0:1 beim 1. FC Kaiserslautern hat sich am Sonntag auch der Club in die Sommerpause verabschiedet. Und soll ich euch was sagen? Zeit wurde es! Dass ich bei all meiner Fußballverrücktheit mal so etwas von mir geben würde, hätte ich vor ein paar Jahren noch nicht zu träumen gewagt. Dass es so weit kommen konnte, liegt vor allem daran, dass ich momentan diesen Affenzirkus Profifußball einfach leid bin. In München, wo gestern die langweiligste aller Bayern-Meisterschaften dermaßen durchexerziert wurde, dass einem als Fußballfreund vor lauter Fremdschämen die Haare zu Berge standen, haben sie für die perfekte Inszenierung der Bierdusche tatsächlich wasserdichte Action-Kameras an den Weizengläsern befestigt. Das alleine sagt eigentlich schon alles. Hinzu kommt eine vom Verein in Auftrag gegebene Choreografie, die das Spektakel einläutete. Ganz zu schweigen davon, dass die zweite Halbzeit acht Minuten verspätet begann, weil die Pausenshow von „Popstar“ Anastacia länger als geplant gedauert hat. weiter lesen

Die Youngster führen den Club zum Sieg, nicht der Trainer

Ein 19-Jähriger und ein 20-Jähriger schießen den 1. FC Nürnberg ins Glück! Zweimal Abdelhamid Sabiri (20) und Patrick Kammerbauer (19) heißen die beiden Torschützen, die dem Club am Samstag beim 3:2 in Heidenheim den Sieg bescheren. Dabei sieht es lange nicht danach aus, dass der FCN mehr als einen Punkt von der Ostalb entführen kann. Nachdem das Team von Trainer Alois Schwartz bereits in der 4. Minute durch Sabiri mit 1:0 in Führung geht, gelingt Tim Kleindienst noch vor dem Pausenpfiff der Ausgleich für den FCH (41.). Der Club kehrt schwach aus der Kabine zurück, doch Kammerbauer reißt das Ruder herum und bringt mit seinem Treffer zum 2:1 in der 68. Minute den FCN auf die Siegerstraße. Sabiri setzt in Minute 79 noch einen drauf und markiert das 3:1 für die Nürnberger. Der Anschlusstreffer durch Heidenheims John Verhoek in der ersten Minute der Nachspielzeit kommt aus Sicht der Gastgeber zu spät. Es bleibt beim 3:2 für den Club.

Der Sieg für den 1. FC Nürnberg war nicht unverdient, aber glücklich. Zwar hatte der 1. FCN in der Anfangsphase deutlich mehr vom Spiel, verlor dann aber immer mehr die Oberhand. So ging auch das Unentschieden zur Halbzeit völlig in Ordnung. Falls Trainer Schwartz seine Schützlinge in der Kabine auf die zweiten 45 Minuten einschwören wollte, ist ihm das gründlich misslungen: Der Club kam – im negativen Sinne – wie ausgewechselt zurück auf den Rasen. Es folgte Rumpelfußball vom Allerfeinsten. Heidenheim ließ bis zur 68 Minute mehrere hochkarätige Möglichkeiten liegen, zu denen Nürnberg regelrecht einlud.

Dann schlug die Stunde des Patrick Kammerbauer. Ausgerechnet Kammerbauer, dessen Einsatz statt Sepsi viele Fans seit Monaten vehement fordern. Trotz dieser mitunter lauten Stimmen aus dem Umfeld baute der Coach weiter auf Laszlo Sepsi. Der dankte es ihm, indem er Woche für Woche seine offensichtliche Formschwäche durch neuerliche Slapstickeinlagen untermauerte. Offenbar traute der Trainer Kammerbauer nicht zu, es besser zu machen als Sepsi. Der 19-Jährige belehrte ihn eines Besseren.

Nicht Schwartz führte das Team deshalb in Heidenheim zum Sieg, sondern die Jungen. Und nicht Schwartz war dafür verantwortlich, dass Kammerbauer am Samstag endlich seine Chance bekam, sondern das Schicksal. Da Sepsi kurzfristig wegen einer Verletzung ausfiel, blieb dem Coach quasi keine andere Wahl als Kammerbauer zu bringen. Es bleibt abzuwarten, was geschieht, wenn Sepsi wieder fit ist.

Kommen wir zum Mann des Tages: Abdelhamid Sabiri. Erst am vergangenen Sonntag hatte der 20-Jährige beim Heimspiel gegen Dynamo Dresden sein Pflichtspieldebüt im Dress des FCN gefeiert. Am Samstag nun durfte Sabiri eine weitere Premiere feiern: Das 1:0 in der 4. Minute war sein erstes Profitor. Durch den zweiten Treffer krönte er seine Leistung, die wie schon in der vergangenen Woche mehr als ansprechend war. Wenn Sabiri so weiter macht, wird aus dem Hoffnungsträger bald ein echter Leistungsträger.

Und das macht Mut!

Schlusslaterne leuchtet am Valznerweiher

24988568654:5! Das hört sich lustig an, aber den Club-Freunden ist nicht zum Lachen zumute: Nach der Niederlage beim VfL Bochum leuchtet in Nürnberg zunächst einmal die Schlusslaterne. Wegen der besseren Tordifferenz ist Kaiserslautern, das am Samstag Stuttgart empfängt,  am Club vorbeigezogen. Trainer Gertjan Verbeek, 2013/14 in 22 Bundesligaspielen für den 1.FCN verantwortlich, darf sich dagegen über drei wichtige Punkte für seine Bochumer freuen. Und ein anderer Ex-Nürnberger avancierte gar zum Matchwinner.

Doch der Reihe nach: Zunächst sieht es nämlich gar nicht nach einer knappen Niederlage für die Nürnberger aus, sondern nach einer neuerlichen Packung: Schon nach sieben Minuten zieht der VfL mit 2:0 davon. Erst verwertet Stöger eine Flanke von Weilandt zum 1:0 (4.), dann erhöht Bastians per Foulelfmeter auf 2:0 (7.). Torsteher Kirschbaum soll Eisfeld gelegt haben – eine sehr glückliche Entscheidung für die Bochumer, die aber schon frühzeitig auf die Siegesstraße einzubiegen scheinen. Der 1.FC Nürnberg lässt sich aber nicht hängen. Der junge Mühl, der in der Innenverteidigung wieder den Vorzug vor Hovland bekam, trifft  per Kopf die Latte (11.), und wenig später gelingt Salli der Anschlusstreffer. Nach einer Alushi-Flanke zieht Leibold ab und Salli drückt den Ball per Kopf über die Linie (18.). Doch lange währt die Freude nicht. Weilandt setzt sich auf der rechten Seite gegen Sepsi durch und bedient mit seiner Flanke den sträflich freistehenden VfL-Mittelstürmer Mlapa – der erzielt per Kopf das  3:1 (27.).

Hin und Her und Her und Hin – in einer verrückten ersten Halbzeit bringt der aufgerückte Innenverteidiger Bulthuis ebenfalls per Kopf den Club mit dem 2:3 zurück ins Spiel (34.). Standardspezialist Möhwald, der anstelle des gesperrten Burgstaller beginnen durfte (zugleich die einzige Änderung bei den Nürnbergern gegenüber dem Spiel gegen die Münchner Löwen), hatte den Niederländer zielgenau per Freistoß bedient. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte bekommen dann auch die Nürnberger einen Elfmeter. Nach einer ungestümen Attacke von Losilla gegen Teuchert, der den verletzten Alushi ersetzt hatte, verwandelt Salli den Strafstoß zum 3:3-Pausenstand (45.).

 

Doch nach dem Wiederanpfiff dürfen wieder die Bochumer jubeln. Bastians trifft den Pfosten, und wieder ist es ausgerechnet der Ex-Nürnberger Mlapa, der richtig steht und den VfL mit seinem zweiten Treffer zum 4:3 nach vorne bringt (55.). In der Saison 2014/15 als Leihspieler am Valznerweiher engagiert und bei den Fans nicht sonderlich beliebt, zeigt er nun seine Torjägerqualitäten. Für Mlapa ist dann verletzungsbedingt bald Schluss (70.), Mühl muss nach einem Zusammenstoß mit Bastians mit Brummschädel runter (75.), für ihn kommt Hovland. Zuvor hatte schon Parker Möhwald ersetzt (63.).

Der Club hat die Chance zum 4:4, aber Matavz scheitert am starken Keeper Riemann (82.). Auf der Gegenseite verbucht dann der Ex-Fürther Weilandt seinen dritten Scorerpunkt, als er den für Mlapa eingewechselten Quaschner bedient, der mit dem 5:3 scheinbar alles klar macht. In der Nachspielzeit gelingt Parker mit einem abgefälschten Schuss aber noch das 4:5. So bleibt es bis zum Schluss spannend. Doch am Ende geht der Club wieder leer aus. Und muss womöglich als Tabellenletzter Greuther Fürth zum Derby empfangen.

Eine Frage der Geduld

1. FC Nürnberg - TSV 1860 MünchenDer 1. FC Nürnberg kann doch noch ansehnlichen Fußball spielen. Das ist eine positive Erkenntnis, die man der 1:2-Niederlage gegen den TSV 1860 München am Montagabend abgewinnen kann. Endlich – am vierten Spieltag der nicht mehr ganz so jungen Zweitligasaison – zeigte die Mannschaft von Trainer Alois Schwartz über 90 Minuten eine ansprechende Leistung. Sowohl kämpferisch als auch läuferisch. Ein weiterer Lichtblick: Ersatzkeeper Thorsten Kirschbaum überzeugte und gehörte mit Neuzugang Tim Matavz zu den Besten im Club-Dress.

Matavz fackelte in der 16. Minute auf Zuspiel von Miso Brecko nicht lange und zog aus rund 20 Metern Torentfernung ab. Sein satter Flachschuss schlug im langen Eck ein – es stand 1:1. Bereits in der elften Spielminute waren die Löwen durch Sascha Mölders in Führung gegangen. Auch wenn Schwartz‘ ernste Miene, die er an der Seitenlinie aufzusetzen pflegt, es nicht unbedingt ausdrückt: Die Leidenschaft ist zurück. Und wenn die zu spüren ist, wenn das Feuer brennt, dann verzeiht ein echter Clubfan (fast) alles.

Den besten, aber auch dümmsten Beweis für das wiederentflammte Temperament lieferte Guido Burgstaller in Minute 73. Der Österreicher sah nach einem unnötigen Foul im Mittelfeld die zweite Verwarnung und flog mit Gelb-Rot vom Platz. Nur wenige Minuten später fiel der 2:1-Siegtreffer für den TSV. Mölders legte mit der Hacke auf Michael Liendl ab, der den Ball völlig freistehend ins kurze Eck beförderte (79.). Das Problem ist, und damit kommen wir zu den negativen Erkenntnissen aus dem Spiel, dass dieser Platzverweis nicht zur Schlüsselszene taugt.

In Schwierigkeiten geraten war der Club nämlich schon etwa ab der 65. Minute. Und das aus völlig unerklärlichen Gründen. Denn dieser Phase waren ein insgesamt recht ordentlicher erster Durchgang und ein durchaus ansehnlicher Beginn in der zweiten Hälfte vorausgegangen. Also kein Grund zu Panik, oder? Doch urplötzlich ging beim FCN nichts mehr. So leidenschaftlich die Spieler kämpften, so erschreckend hilflos und planlos wirkten nunmehr ihre Aktionen. Nach einer minutenlangen Ballstafette der Löwen gab es sogar vereinzelte Pfiffe. Burgstallers hartes Einsteigen war demnach höchstens eine Konsequenz aus dieser seltsamen Apathie, nicht aber ihr Auslöser.

Ein möglicher Auslöser: In der 69. Minute, zu diesem Zeitpunkt stand es noch 1:1 und der 1. FC Nürnberg war noch vollzählig, wechselte Club-Coach Alois Schwartz Mittelfeldmann Kevin Möhwald für Mittelfeldmann Enis Alushi ein. Ein Wechsel, der fast so wirkt, als hätte der Trainer mit dem Unentschieden ganz gut leben können. Warum zu Hause nicht auf Sieg spielen? Möglicherweise hätte eine frische Offensivkraft hier genau den Schub gegeben, den seine Elf so dringend nötig gehabt hätte. Immerhin: Es blieben ja noch zwei Wechsel.

Aber Alois Schwartz machte – nichts. Selbst nach dem Gegentreffer reagierte der Coach nicht. Es schien fast so, als wolle er jene Geduld ausstrahlen, die er vom Club-Umfeld in Bezug auf seine Person einfordert. So dauerte es bis zur 89. Minute (!), ehe der FCN-Trainer mit Shawn Parker für Hanno Behrens und Cedric Teuchert für Laszlo Sepsi doch noch zwei Stürmer brachte. Und siehe da: Die beiden machten sofort Alarm im Löwen-Sechzehner, der Ausgleich schien auf einmal nur eine Frage der Zeit zu sein. Nur leider war das Spiel dann recht schnell vorbei und man stellte sich unweigerlich erneut diese eine Frage, die man eigentlich auf gar keinen Fall stellen darf, weil man ja Geduld braucht. Bis es zu spät ist.

Füllkrug erlöst Nürnberg

Fuflball 2. Bundesliga 23. Spieltag: 1. FC N¸rnberg - SpVgg Greuther F¸rth am 26.02.2016 im Grundig Stadion in N¸rnberg (Bayern). Der N¸rnberger Niclas F¸llkrug (l) jubelt mit seinem Kollegen Guido Burgstaller ¸ber seinen Treffer zum 2:1. Foto: Daniel Karmann/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien w‰hrend des Spiels auf insgesamt f¸nfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Niclas Füllkrug (links) bejubelt mit Guido Burgstaller seinen Siegtreffer. (c) dpa – Bildfunk+++

Fürths Niko Gießelmann hatte also Recht: Der Club hatte die Hosen voll. Anders lässt sich der verhaltene Beginn in diesem 260. Frankenderby am Freitagabend nicht erklären. Denn an der Motivation wird es kaum gelegen haben. Genauso wenig dürfte eine Rolle gespielt haben, dass Schiedsrichter Günter Perl wegen eines allgemeinen Verkehrskollaps rund um das Grundig-Stadion deutlich verspätet anpfiff.

Nein, der Grund war wohl vielmehr der immense Druck von zuletzt sieben sieglosen Aufeinandertreffen mit dem Erzrivalen, der auf den Schultern der Spieler lastete. Acht Jahre lag der letzte Dreier gegen den ungeliebten Nachbarn zurück!

Um 18.45 Uhr also, eine Viertelstunde nach dem geplanten Anstoß-Zeitpunkt, hatte dann offenbar auch die Mehrzahl der staugeplagten Anhänger ihren Platz in der ausverkauften Arena eingenommen. Es konnte endlich losgehen. Aus Club-Sicht allerdings leider nach hinten, die Verunsicherung der Elf von Trainer René Weiler war fast bei jedem Ballkontakt spürbar.

Folgerichtig erhielten die Rot-Schwarzen bereits in der 6. Minute die Quittung für ihre Zögerlichkeit: Robert Zulj erzielte das 1:0 für das Kleeblatt. Sebastian Heidinger hatte sich auf dem rechten Flügel durchgesetzt und flach nach innen gepasst, wo Zulj aus kurzer Distanz nur noch einschieben musste. Clubfans rechneten da schon mit dem Schlimmsten.

Dabei ist der FCN von der Spielanlage und von der Qualität der Einzelspieler her in dieser Saison dem Kleeblatt so überlegen wie schon lange nicht mehr, was nicht nur der Blick auf die Tabelle bestätigt. Trotz der Schwächen, die der Club offenbarte, gelang es den Gästen nicht, die Führung auszubauen. Der Auftritt der Spielvereinigung wirkte, nunja, unkultiviert und mitunter unstrukturiert. Die Truppe von Coach Stefan Ruthenbeck beschränkte sich darauf, die Bemühungen der zunächst zaghaft agierenden Nürnberger möglichst zu unterbinden.

Umso ärgerlicher waren die hypernervösen ersten 30 Minuten, die der FCN darbot. Als Tabellendritter mit Aufstiegsambitionen darf man sich gegen einen derart schwachen Gegner zu Hause so nicht präsentieren – egal ob der nun Fürth oder Vestenbergsgreuth heißt. Das ist die eine Erkenntnis aus diesem Derby. Die andere ist die, dass mit dem Club in dieser Saison immer zu rechnen ist und ein schlechter Start und Rückstand nicht unbedingt eine Niederlage verheißen müssen – genauso wenig wie eine starke Anfangsphase (siehe Düsseldorf) einen guten Ausgang nach sich ziehen muss.

In den Minuten vor der Halbzeitpause kämpften sich Weilers Schützlinge mehr und mehr ins Spiel, schnürten die SpVgg regelrecht hinten ein. Dann fasste sich Sebastian Kerk ein Herz und zog aus gut 20 Metern ab. Der leicht abgefälschte Ball segelte ins linke obere Toreck – 1:1 (40.)! Das Stadion verwandelte sich in einen Hexenkessel. Auf einen Schlag schien der Druck von den Club-Spielern abzufallen, die Ruthenbeck-Elf konnte den Spielstand gerade noch so in die Kabine retten.

Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: Der 1. FC Nürnberg drückte auf den Siegtreffer, das Kleeblatt beschränkte sich aufs Stören und Kontern. So ging es eine ganze Weile hin und her, Hochspannung war angesagt. Ausgerechnet ein Ex-Fürther sorgte schließlich für die Erlösung. Auf Vorlage von Georg Margreitter legte sich Niclas Füllkrug die Kugel per Kopf selbst vor und köpfte dann wuchtig zum 2:1 in die Maschen. Ganze 84 Minuten waren da schon gespielt, der Jubel war ekstatisch.

Der Rest war Formsache. Club-Keeper Raphael Schäfer und seine Vorderleute hielten den Kasten bis zum Schlusspfiff sauber. Dann gab es kein Halten mehr. Auch wenn die Euphorie über diesen für die Fans, für Nürnberg so wichtigen Derbysieg überwiegt, hinterlässt der erschreckend schwache Beginn doch einen faden Beigeschmack. Die nächsten Spiele werden zeigen, ob es tatsächlich nur am Druck lag. Bis dahin ist erst einmal Genießen angesagt.

Der beste Schäfer aller Zeiten

Fuflball 2. Bundesliga 20. Spieltag: TSV 1860 M¸nchen - 1. FC N¸rnberg am 06.02.2016 in der Allianz Arena, M¸nchen (Bayern). Fanbetreuer J¸rgen Bergmann geht nach Spielende vor Torwart Raphael Sch‰fer von N¸rnberg auf die Knie. N¸rnberg siegte mit 1:0. Foto: Andreas Gebert/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien w‰hrend des Spiels auf insgesamt f¸nfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Raphael Schäfer ist in Topform. Und das tut dem 1. FC Nürnberg gut. (c) dpa

Fußball ist ein Mannschaftssport. Was eigentlich ein Satz fürs Phrasenschwein ist, hat der 1. FC Nürnberg am Samstagnachmittag beim 1:0-Erfolg gegen den TSV 1860 München eindrucksvoll untermauert. Schon die komplette Vorbereitung über hatte sich gezeigt: Der FCN kann auch ohne Alessandro Schöpf gewinnen.

Keine Frage: Mit Schöpf hat der Club seinen Dreh- und Angelpunkt verloren. Doch die besten Einzelspieler bringen nichts, wenn die Mannschaft nicht funktioniert. Man denke da nur an die Abstiegssaison nach dem Pokalsieg 2007 zurück. Misimovic, Charisteas, Koller – was nützen diese namhaften Namen, wenn am Ende nur Murks rauskommt?

Nicht dabei war 2007/2008 Keeper Raphael Schäfer. Der spielte damals (erfolglos) in Stuttgart und kam erst nach einem einjährigen Intermezzo wieder zurück an den Valznerweiher. Knapp acht Jahre später sehen wir in Nürnberg den besten Schäfer aller Zeiten. Vergangene Woche erst 37 geworden, avancierte er gegen die Löwen zum Matchwinner. Abermals.

Schäfer wehrte gleich mehrere Großchancen der Weiß-Blauen ab, präsentierte sich in einer herausragenden Form. Vor rund 50.000 Zuschauern rettete der Club dank Schäfers Paraden das sehenswerte 1:0 durch Patrick Erras (23.) über die Zeit – es war der erste Dreier in der Allianz-Arena überhaupt.

Mit Schäfers Rückkehr zwischen die Pfosten schaffte der 1. FC Nürnberg im November die Wende. Und wir legen uns fest: Wenn der 37-Jährige so weitermacht, dann schafft der Club mit Schäfer auch den Aufstieg. Der Abgang von Schöpf ließ sich durch die Mannschaft locker kompensieren. Bei Schäfer sieht das etwas anders aus.

Mit ihm würde der FCN nicht nur einen wichtigen Spieler, sondern auch seine wichtigste Persönlichkeit verlieren. So hat der Club aktuell gar keine andere Wahl: The Schäfer must go on!

Aus der Traum

Clu

Nebel und Spielunterbrechung im Grundig-Stadion beim Stande von 1:0 für die Hertha

„Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann“, schrieb der Schriftsteller Hans Kruppa einst. „Mehr Träume, als die Realität zerstören kann“,  schrieben sich die Ultras Nürnberg am Mittwochabend beim DFB-Pokalspiel des FCN gegen Hertha BSC auf die Fahne. Als hätten sie es geahnt. Denn die Realität holte den Club, der sich nach vier Siegen in Folge im Höhenflug befand, in Form einer 0:2(0:1)-Niederlage an diesem Abend schmerzlich ein.

Ein Abend, der dank Javier Pinola so gut begonnen hatte. Der ehemalige Nürnberger Fanliebling war extra aus seinem Heimatland Argentinien angereist, um gemeinsam mit Sportvorstand Andreas Bornemann feierlich seinen eigenen Block einzuweihen: Block 31, den Javier-Pinola-Block.

Ironischerweise dauerte es dann auch rund 31 Spielminuten, bis es aufgrund des Geschehens auf dem Rasen etwas zu feiern gab. Allerdings leider drei Blöcke weiter, im Gäste-Block, weil Vladimir Darida das Leder im Club-Sechzehner von Vedad Ibisevic zugepasst bekam und freistehend das 1:0 für die Hauptstädter markierte.

Vor Freude zündete der Anhang der „Alten Dame“ gleich ein ganzes Pyro-Arsenal, woraufhin Schiedsrichter Tobias Stieler das Spiel kurz unterbrechen musste. Eine unnötige und dumme Aktion der Hertha-Fans, die nach Clubfreunde-Beobachtungen am Nachmittag auf dem Christkindlesmarkt – genauer gesagt vor Norma+Rodi am Hauptmarkt – schon genug geglüht haben dürften.

Wie dem auch sei: Verdient war die Führung des Bundesligisten zu dem Zeitpunkt allemal. Die erste Hälfte ging klar an die Hertha. Der 1. FC Nürnberg, bei dem Trainer René Weiler nach dem 2:1 gegen Freiburg auf gleich vier Positionen Veränderungen vorgenommen hatte, beschränkte sich zu sehr aufs Kontern und überließ den Berlinern das Spiel. Das rächte sich.

Die zaghaften Angriffsbemühungen der Weiler-Elf verpufften, ehe die einzige Spitze Danny Blum überhaupt in Schussposition gelaufen war. Ein einziges Mal entwickelten die Rot-Schwarzen in Durchgang eins so etwas wie Torgefahr, doch Alessandro Schöpf verzog nach Zuspiel von Guido Burgstaller meterweit (23.).

Zu Beginn der zweiten 45 Minuten wirkte es zunächst so, als ob der Ausgleich für den Club noch möglich wäre. Niclas Füllkrug und Tim Leibold kamen in der 54., brachten neuen Schwung in die Partie. Blum und Ondrej Petrak mussten dafür runter, Burgstaller rückte mit in den Sturm vor.

Dann die 65. Minute: Torschütze Darida tritt einen Eckball nach innen, Berlins John Anthony Brooks enteilt Dave Bulthuis, steigt hoch und köpft den Ball unhaltbar ins lange Eck. Ins Bild passte an diesem gebrauchten Abend, dass der 1. FC Nürnberg erst in der 80. Minute seine erste richtige Tormöglichkeit hatte. Doch Miso Brecko scheiterte an Hertha-Keeper Rune Jarstein.

In der Schlussphase entwickelte der Club plötzlich eine ganze Reihe von Hochkarätern – wohl aber auch, weil sich die Berliner schon auf ihren Lorbeeren ausruhten. Weil aber Füllkrug und Bulthuis ihre Chancen nicht nutzten, blieb es beim 0:2. Der Traum vom DFB-Pokalsieg ist damit geplatzt. Zum Glück gibt es da noch die Realität: die Zweitligatabelle. Und da steht der FCN auf Rang drei.

Eineinhalb Schäfer-Stündchen mit Happy End

1. FC Nürnberg - Eintracht BraunschweigKirschbaum-Holz lässt sich wunderbar zu Möbeln verarbeiten. Vielleicht hat Trainer René Weiler auch ein wenig an den Club-Sponsor „Möbel Wolf“ gedacht, als er Keeper Thorsten Kirschbaum vor dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am Montagabend derart absägte, dass dieser nicht einmal mehr im Kader des 1. FC Nürnberg zu finden war. Den durch diese radikale Maßnahme vakanten Torhüter-Posten nahm der nach seiner Wadenverletzung bereits im Vorruhestand gewähnte, überraschend schnell wiedergenesene Leitwolf Raphael Schäfer ein. Am Ende gewann der FCN mit 2:1. Auch dank Schäfer.

Vermutlich wäre die Analyse anders ausgefallen, wenn Braunschweigs Hendrick Zuck in der 36. Minute, beim Stande von 1:0 für den Club, Profit aus einem dicken Schäfer-Patzer Kapital geschlagen hätte. Der Schlussmann hatte einen strammen Schuss von Jan Hochscheidt nach vorne abprallen lassen, direkt vor die Füße des völlig freistehenden Zuck. Doch der senste in Slapstick-Manier über die Kugel – und so waren es die Nürnberger, die nach Spielende das Lachen hatten. Allen voran Raphael Schäfer.

Während die Eintracht-Profis sich fürchterlich aufregten (warum auch immer) und Guido Burgstaller auf die Pelle rückten, war es Schäfer, der den Österreicher lächelnd wegzog, ihn beruhigte. Und kurze Zeit später grinsten sie alle: Weiler, die Mannschaft, die Betreuer. Da war er, der Schäfer-Effekt. Es geht nicht um die Leistung. Man denke da nur an den Gegentreffer in der 53. Minute durch Nik Omladic. Ein Ball, den man nicht halten muss, aber eben kann. Doch die Routine und Abgeklärtheit des 36-jährigen Schäfer, alleine seine Präsenz auf dem Platz tun dem Spiel des 1. FCN in dieser Phase der Saison gut. Verdammt gut.

Jetzt ist es natürlich sehr zugespitzt, den Dreier nur an der neuen alten Nummer eins festzumachen. Schon deshalb, weil die beiden Torschützen Sebastian Kerk (33.) und Burgstaller (84.) ebenfalls ihren Anteil hatten. Auch ein Niklas Füllkrug oder der in der Halbzeitpause eingwechselte Kevin Möhwald machten eine gute Partie. Grund zur Euphorie gibt es längst nicht, mit etwas Pech hätte der Club durchaus auch verlieren können. Das wissen die Jungs aber selbst. „Mit drei Punkten kann man zufrieden sein, mit der Leistung eher nicht so“, resümierte Burgstaller nach dem Spiel im Interview. Und lachte.

Was nützt der Sieg im Pokal, wenn…

1. FC Nürnberg - Karlsruher SC… der Club in der Liga nicht mehr gewinnen kann? Nichts, wahrscheinlich war er sogar noch schädlich. Denn von der erhofften Aufbruchstimmung – einige Fans träumten ja gar schon vom Europacup-Sieg – war am Montagabend erschreckend wenig zu sehen. Die Heimpartie gegen den Tabellennachbarn Karlsruher SC war über weite Strecken „ganz schwere Kost“.

Freilich gab es Momente, in denen der 1. FC Nürnberg am Torerfolg schnupperte. Da waren zum Beispiel die zwei Pfostenkracher durch Ösis im Trikot des FCN: Guido Burgstaller in der Anfangsphase im Nachschuss und Georg Margreitter in Minute 61 per Kopf. Oder ein Abseitstor von Niklas Füllkrug (30.), eine ganz knappe Nummer. Und natürlich die zwei Großchancen in der Schlussphase, die Danny Blum (80.) und Tim Leibold (82.) ohne Not, aber mit viel Unvermögen versiebten.

Doch auf der anderen Seite hatten auch die Badener ihre verdienten Möglichkeiten. Ob der Ball nun von der Querlatte zurück ins Feld prallte (65.) oder eben von Clubkeeper Thorsten Kirschbaum, der mitunter wie ein verschiebbarer dritter Pfosten wirkte, war da auch schon fast egal. Aber wir wollen mal nicht so sein, Kirschbaum hatte auch gute Momente, an ihm lag’s nicht.

Fakt ist jedenfalls, dass der Club erneut nur Mittelmaß war. Und dass von dem Rückenwind aus dem Düsseldorf-Sieg höchstens ein lauwarmer Furz übrig geblieben war: Das stinkt einem nunmal als Fan. Am Ende roch es dann im Grundig-Stadion sogar noch nach einem Dreier, der 1. FCN drückte mit aller Macht auf das 1:0. Nützte aber alles nix, es blieb beim 0:0. Die Sch… will einfach nicht raus.

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