Eine Frage der Geduld

1. FC Nürnberg - TSV 1860 MünchenDer 1. FC Nürnberg kann doch noch ansehnlichen Fußball spielen. Das ist eine positive Erkenntnis, die man der 1:2-Niederlage gegen den TSV 1860 München am Montagabend abgewinnen kann. Endlich – am vierten Spieltag der nicht mehr ganz so jungen Zweitligasaison – zeigte die Mannschaft von Trainer Alois Schwartz über 90 Minuten eine ansprechende Leistung. Sowohl kämpferisch als auch läuferisch. Ein weiterer Lichtblick: Ersatzkeeper Thorsten Kirschbaum überzeugte und gehörte mit Neuzugang Tim Matavz zu den Besten im Club-Dress.

Matavz fackelte in der 16. Minute auf Zuspiel von Miso Brecko nicht lange und zog aus rund 20 Metern Torentfernung ab. Sein satter Flachschuss schlug im langen Eck ein – es stand 1:1. Bereits in der elften Spielminute waren die Löwen durch Sascha Mölders in Führung gegangen. Auch wenn Schwartz‘ ernste Miene, die er an der Seitenlinie aufzusetzen pflegt, es nicht unbedingt ausdrückt: Die Leidenschaft ist zurück. Und wenn die zu spüren ist, wenn das Feuer brennt, dann verzeiht ein echter Clubfan (fast) alles.

Den besten, aber auch dümmsten Beweis für das wiederentflammte Temperament lieferte Guido Burgstaller in Minute 73. Der Österreicher sah nach einem unnötigen Foul im Mittelfeld die zweite Verwarnung und flog mit Gelb-Rot vom Platz. Nur wenige Minuten später fiel der 2:1-Siegtreffer für den TSV. Mölders legte mit der Hacke auf Michael Liendl ab, der den Ball völlig freistehend ins kurze Eck beförderte (79.). Das Problem ist, und damit kommen wir zu den negativen Erkenntnissen aus dem Spiel, dass dieser Platzverweis nicht zur Schlüsselszene taugt.

In Schwierigkeiten geraten war der Club nämlich schon etwa ab der 65. Minute. Und das aus völlig unerklärlichen Gründen. Denn dieser Phase waren ein insgesamt recht ordentlicher erster Durchgang und ein durchaus ansehnlicher Beginn in der zweiten Hälfte vorausgegangen. Also kein Grund zu Panik, oder? Doch urplötzlich ging beim FCN nichts mehr. So leidenschaftlich die Spieler kämpften, so erschreckend hilflos und planlos wirkten nunmehr ihre Aktionen. Nach einer minutenlangen Ballstafette der Löwen gab es sogar vereinzelte Pfiffe. Burgstallers hartes Einsteigen war demnach höchstens eine Konsequenz aus dieser seltsamen Apathie, nicht aber ihr Auslöser.

Ein möglicher Auslöser: In der 69. Minute, zu diesem Zeitpunkt stand es noch 1:1 und der 1. FC Nürnberg war noch vollzählig, wechselte Club-Coach Alois Schwartz Mittelfeldmann Kevin Möhwald für Mittelfeldmann Enis Alushi ein. Ein Wechsel, der fast so wirkt, als hätte der Trainer mit dem Unentschieden ganz gut leben können. Warum zu Hause nicht auf Sieg spielen? Möglicherweise hätte eine frische Offensivkraft hier genau den Schub gegeben, den seine Elf so dringend nötig gehabt hätte. Immerhin: Es blieben ja noch zwei Wechsel.

Aber Alois Schwartz machte – nichts. Selbst nach dem Gegentreffer reagierte der Coach nicht. Es schien fast so, als wolle er jene Geduld ausstrahlen, die er vom Club-Umfeld in Bezug auf seine Person einfordert. So dauerte es bis zur 89. Minute (!), ehe der FCN-Trainer mit Shawn Parker für Hanno Behrens und Cedric Teuchert für Laszlo Sepsi doch noch zwei Stürmer brachte. Und siehe da: Die beiden machten sofort Alarm im Löwen-Sechzehner, der Ausgleich schien auf einmal nur eine Frage der Zeit zu sein. Nur leider war das Spiel dann recht schnell vorbei und man stellte sich unweigerlich erneut diese eine Frage, die man eigentlich auf gar keinen Fall stellen darf, weil man ja Geduld braucht. Bis es zu spät ist.

Freibier für die Fanseele

24.05.2015 --- Fussball --- Saison 2014 2015 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 34. Spieltag: 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN - VfR Aalen  --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / MiWi ---  FCN Klatschpappen sind auf den Stadionstuehlen ausgelegt

Auf den Stadionstühlen waren Klatschpappen ausgelegt.

Der Spannung auf den anderen Plätzen geschuldet haben wir das Spiel gegen den bereits abgestiegenen VfR Aalen am Sonntag nur in der Zweitliga-Konferenz verfolgt. Es ging ja schließlich um nichts mehr. Das war auch den Kollegen von Sky bewusst, denn mehr als die Tore bekamen die Zuschauer von „diesem ereignisarmen Gekicke“ (Tenor des Kommentators) nicht zu sehen.

Das wichtigste Ereignis spielte sich ohnehin vor der Partie ab, als die Nordkurve Fanliebling Pinola mit einer Wahnsinnschoreographie für zehn Jahre Vereinszugehörigkeit huldigte. Der von Dr. Drees gesperrte Argentinier war zu Tränen gerührt – ein Gänsehautmoment für jeden FCN-Anhänger.

Das gefühlt zweitwichtigste Ereignis fand rund zwei Stunden später statt: Dann nämlich gab es 4500 Liter Freibier für die Fans. Das hatten die sich zuvor, und eigentlich die ganze Saison über, auch redlich verdient, denn erwähnenswerter als das zweitklassige Geschehen auf dem Rasen ist in diesem Zusammenhang der erneut erstklassige Support von den Rängen. Wieder einmal.

Zwischen Choreo und Freibier brachte Bulthuis den Ball nach einer Schöpf-Ecke per Kopf zum 1:0 in den Maschen unter, diesmal zählte der Treffer. Das war in Minute 28. Gjasula glich nach der Halbzeit aus (51.), ehe Burgstaller das Leder nach gekonnter Vorarbeit durch Kerk zum 2:1-Siegtreffer ins Gehäuse bugsierte (87.). Eine Gelb-Rote gab’s noch für Aalens Welzmüller (75.). Ansonsten war es das bereits angeklungene „ereignisarme Gekicke“. Man hatte irgendwie den Eindruck, dass Pinola, die Fans und das Bier gereicht hätten, um von einem gelungenen Nachmittag im Grundig-Stadion zu sprechen.

Am Sonntag verabschiedeten sich schließlich die Spieler in einen vierwöchigen Urlaub. Unterdessen können sich Sportvorstand Martin Bader, der Sportliche Leiter Wolfgang Wolf und Trainer René Weiler schon einmal Gedanken um die Kaderplanung für die kommende Saison machen. Hoffentlich beweisen die Verantwortlichen diesmal ein besseres Händchen als letztes Jahr…

„Ja, es ist kein Geheimnis, dass wir mit Willy Evseev vom VfL Wolfsburg und mit Mike Ott vom TSV 1860 München zwei Spieler geholt haben, die natürlich am Anfang ihrer Karriere sind, aber die natürlich auch unseren Kader von der persönlichen Klasse her bereichern können“Martin Bader im Mai 2014 gegenüber Sky nach dem Abstieg aus der Bundesliga über die Kaderplanung beim 1. FC Nürnberg

Das lassen wir mal so stehen – und brauchen jetzt selbst ein Bier. Prost!

Erfolgreicher Raketentest vor dem Parteitag

1. FC Nürnberg - 1. FC KaiserslauternVor ein paar Tagen hat Blogger-Kollege „vip“ den Namen „Kim Jong Bader“ aus der Taufe gehoben. Da war Schäfer noch Torwart und noch nicht mundtot gemacht. Der Sportvorstand des 1. FC Nürnberg hatte gerade verkündet, dass er trotz aller Turbulenzen dem Club erhalten bleiben wolle.

Zugegeben: Nordkorea-Vergleiche sind in jedem Zusammenhang grenzwertig. Doch manchmal passen sie einfach wunderbar. Und wenn wir schon dabei sind: Für Bader muss sich der 3:2-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern im achten Saisonspiel am Vorabend der Jahreshauptversammlung ungefähr so angefühlt haben wie für Kim Jong Un ein im achten Anlauf kurz vor einem Parteitag endlich geglückter Langstreckenraketentest.

Gezündet hat es beim Club am Montagabend allemal. Zumindest in der ersten Hälfte. Von einer „Schöpf-Show“ sprach der Sky-Kommentator – und bekam sich gar nicht mehr ein vor lauter Lobhudelei. Schöpf hatte schließlich das 1:0 vorbereitet, das Candeias zentral stehend machte (24.). Das 2:0 in der 41. Minute besorgte der 20-jährige Youngster höchstselbst nach einem sehenswerten Turbo-Alleingang in bester Andi-Möller-Manier.

Die kompletten ersten 45 Minuten über spielte der Club wider Erwarten erfrischend stark auf. War es tatsächlich die Degradierung Schäfers, die Wirkung zeigte? Oder packte den FCN als Tabellenvorletzter der Mut der Verzweiflung? Man kann nur mutmaßen, doch es ging ein spürbarer Ruck durch die Elf von Coach Ismael. Diesen Schub nahm die Truppe um Interims-Kapitän Mössmer mit in Durchgang zwei, wenn nun auch etwas Gegenwind von den Roten Teufeln auffrischte. In Minute 51 war es wieder Schöpf, der zum Torjubel abdrehen durfte, nachdem er die Kugel irgendwie in die Maschen gedroschen hatte. Die Lauterer kamen vor 25.130 Zuschauern im Grundig-Stadion in Person von Ring (62.) und Löwe (71.) noch einmal auf 2:3 heran. Das große Zittern begann. Zweifler beschworen Übles herauf, schließlich hatte Schiedsrichter Kinhöfer auch das 3:3 in Hannover gepfiffen, wo der Club letzte Saison tragisch eine 3:0-Führung verspielt hatte. Doch es reichte. Am Ende war der Jubel groß.

Vom Aufsichtsratsvorsitzenden Schramm („Wir haben einen Spordlichen Leider, wir haben den Fußballabdeilungsleider, wir haben den Drainer, wir haben die Mannschafd und die müssen die Woche weider arbeiden und dann gehd des weider“) bis zu Trainer Ismael („Wir haben gewonnen, jetzt gibt es keinen Grund mehr, etwas zu ändern“): Am Valznerweiher ist ohne Schäfer wieder Zug drin, das Club-Raumschiff ist auf Kurs. Und wenn am Dienstag nicht der Baiersdorfer Meerrettich-Pate zum Schubumkehrhebel greift, schwebt es einfach weiter, immer weiter. Völlig losgelöst. Bis es abstürzt.

Jetzt sind die Wunderheiler gefragt

822269039Jaja, der Club hat immer schon schlecht begonnen und kämpfte mit Anpassungsschwierigkeiten, wenn er abgestiegen ist. Diesmal ist das nicht anders. Gegen den KSC mochte man freilich nicht einmal von Anpassungsschwierigkeiten reden. Das war einfach nicht zweitligatauglich, was da abgeliefert wurde. Dabei hatte Trainer Valerien Ismael noch vor dem Spiel getönt, die Mannschaft habe vor allem mental gearbeitet, um ihr Können auch umsetzen zu können.

Leider war davon nichts zu sehen. Der Club spielte wie schon seit mehr als einem Jahr: ohne Zug nach vorne, ohne Durchschlagskraft und versuchte nur Ordnung reinzubringen und keine Fehler zu machen. Genau das passierte dann jedoch. Wer sich nämlich nur auf die Löcher im Käse (dazu später mehr) konzentriert, der wird nicht satt, sondern bekommt nur Blähungen.

So stand es, ehe man sich recht versah, 3:0 für die Karlsruher. Die werden sich auch gewundert haben, wie einfach es ihnen der „Ruhmreiche“ gemacht hat. Insofern hätten sie ruhig noch was für ihr Torverhältnis tun können. Aber in der zweiten Hälfte verwalteten sie das Spiel nur noch und dann hielt Raphael Schäfer sogar noch einen Elfmeter und die Drei fest. Schäfer tat also was für sich. Punkte bringt das, wie beschrieben, leider nicht.

Nichts für sich tun konnte dagegen Timo Gebhart. Bereits nach 30 Minuten holte ihn Trainer Ismael vom Feld. Das wird es für Gebhart wohl gewesen sein. Ein Missverständnis! Für Ismael könnte es das aber ebenfalls gewesen sein. Manager Martin Bader steht massiv unter Druck. Mit Spielen wie gegen den KSC wird im Verein keine Ruhe einkehren. Am 30.9. droht ihm eine Anti-Bader-Mehrheit im Aufsichtsrat. Also wird er was unternehmen. Erstmal Prinzen und Wolf auf die Bank setzen. Die kosten wenigstens nichts extra. Und dann Mirko Slomka holen. Der hat mit dem HSV in der vergangenen Saison immerhin die Klasse gehalten 😉 Oder vielleicht doch den ebenfalls arbeitslosen Felix Magath. Der hat den Club 1997 in einer ähnlichen Situation noch auf einen Aufstiegsplatz befördert. Der könnte es beim Club ja mal mit Käse versuchen. Ansonsten versuchen es die Mitglieder am 30. mit Meerrettich.

Wenn die Schulmedizin versagt, dann müssen halt die Homöopathen ran.

Wir Clubfans trauern unseren Emotionen hinterher

1. FC Nürnberg - Fortuna DüsseldorfDie Länderspielpause hat nicht gut getan. Mit 0:2 (0:1) verlor der 1.FC Nürnberg am Montagabend sein Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf. Die immerhin zwei Wochen währende Euphorie nach dem 4:0 beim 1.FC Union Berlin, Coach Ismael hatte da von der Geburt einer neuen Mannschaft geschwärmt, ist wieder einmal wie weggeblasen. Für die eher mittelmäßig in die Saison gestarteten Fortunen war der Club nichts weiter als ein angenehmer Aufbaugegner.

Dabei begann die Ismael-Truppe recht gefällig. Sylvestr tauchte bereits nach wenigen Minuten erstmals gefährlich im Düsseldorfer Sechzehner auf, konnte den Ball aber nicht unter Kontrolle bringen. Daraufhin verflachte die Partie etwas. Der FCN war zwar weiterhin optisch überlegen, agierte aber wie so oft in dieser Saison wenig zwingend und kreativ. Bis zur 20. Minute ging das so. Dann wurde es blutig. Düsseldorfs Benschop sprang Petrak in Kung-Fung-Manier mit den Stollen voran ins Gesicht, der Tscheche sackte zusammen und die Blutung am Kopf musste am Seitenrand gestoppt werden.

Es ist fraglich, ob dieses Foul den Club derart verunsicherte, dass er nur wenige Minuten später komplett aus dem Tritt geriet. Da sah Bulthuis auf der linken Abwehrseite nämlich ganz schlecht aus, ließ sich von Schauerte ohne Gegenwehr tunneln. Schauerte war durch, passte stramm nach innen, wo Erwin Hoffer lauerte und nur noch einschieben musste – 0:1 (23.). Wieder mal eine Minusleistung der Abwehr.

Zumindest kämpferisch steckten die Mannen von Trainer Ismael in der Folgezeit nicht auf. Doch spielerisch war irgendwie der Wurm drin. Wenig verwunderlich also, dass es bis zur Halbzeit bei einem knappen Rückstand blieb. Ein Ergebnis, das aus Düsseldorfer Sicht allerdings erstaunlich einfach zu halten war. Einzig Gebhart sorgte kurz vor dem Pausenpfiff noch einmal für Alarm vor dem Düsseldorfer Kasten, doch Fortuna-Keeper Rensing brauchte nicht einmal einzugreifen, weil der Bad Boy die Kugel über den Querbalken drosch.

Für den 0:1-Mitverursacher Bulthuis brachte Ismael in der Halbzeit Ramirez. Das änderte jedoch nichts an den Kräfteverhältnissen auf dem Grün. Wie gehabt präsentierte sich der Club in wackeliger Verfassung. Viel zu wenig zielstrebig kombinierten sich die Jungs vom Valznerweiher nach vorne. In Minute 57 kam dann Mlapa für Sylvestr. Der vermeintliche Joker durfte aber nur wenig später dabei zusehen, wie Pinto unbedrängt zum 2:0 für die Fortunen einnetzte (62.).

Heiß wurde es in der Schlussphase vor Rensings Gehäuse nicht mehr, dafür aber umso mehr vor der Düsseldorfer Bank. Wieder im Mittelpunkt des Geschehens: der nicht gerade als zimperlich verschriene Pinto. Der senste mit purer Absicht Ramirez von hinten um – eigentlich hätte es hierfür Rot geben müssen. Natürlich hatte Ramirez zuvor mit der Hand Pintos Gesicht getroffen. Das rechtfertig aber nicht eine derartige Form der Selbstjustiz. Letztendlich hätte der rote Karton dem FCN auch nichts mehr gebracht, ebensowenig wie es Füllkrug tat, der in der 83. Minute für Candeias kam.

Am Ende herrschte große Unruhe unter den 26.588 Zuschauern im Grundig-Stadion. Viele pfiffen. Manche starrten ins Leere. Kaum einer regte sich auf. Selbst die Mannschaft schlich einfach nur bedröppelt mit versteinerten Mienen von dannen. Irgendwie ein gewohntes Bild, das man nunmehr selbst als hartgesottener Clubfan fast emotionslos zur Kenntniss nimmt. Das ist das eigentlich Traurige an der momentanen Situation.

Hölderlin kam nicht bis zum Valznerweiher

Wie man es macht, ist es verkehrt. Eigentlich dachte ich: der Worte sind genug gewechselt. Deswegen hielt ich mich zurück, und vertraute darauf, beim Patienten mögen vielleicht die Selbstheilungskräfte einsetzen und eine Wende herbeiführen. Wenn jemand unter schweren psychischen Belastungen leidet, ist es manchmal gut, das Thema zu wechseln und so diesen Belastungen die Bedeutung zu nehmen.

Nun kommen aber Kommentatoren hier im Blog (Wolferl!) und in den Netzwerken daher und werfen uns Sprachlosigkeit vor. Uns! Also ob wir nicht wüssten, was wir tun. Also ob wir nicht alles schon gesagt hätten. Nur vielleicht nicht zu jedem. Verwiesen sei nur auf das reichhaltige Oeuvre zu den Bereichen Angst und Mentalcoach.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, jetzt doch die Stimme zu erheben: Eventuell dürfte dieser Tage ein gewisser Dave bei der Geschäftsstelle vorsprechen, für dessen Verpflichtung wir uns hier schon einmal vehement ins Zeug legen wollen. Der Mann weiß, wo der Hebel angesetzt werden muss. Also, Club, stell ihn ein!

Hier unsere Twitter-Konversation während des Frankfurt-Debakels. Auch als Beweis dafür, dass Hölderlin Recht hat mit seinem Satz: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Nur vielleicht nicht am Valznerweiher.

Bildschirmfoto 2014-08-25 um 10.32.24

Am Valznerweiher grassiert nämlich Morbus glubb. Eigentlich eine Banalangst, die Ähnlichkeiten mit Morbus brasil aufweist und die wir einmal populärwissenschaftlich als „Angst in das Loch zu fallen, in dem man schon steckt“ beschreiben wollen oder auch als Self-fullfilling Prophecy für das Worst-Case Scenario. Banalangst heißt allerdings nicht, dass die Folgen banal wären, das haben wir schließlich in der vergangenen Saison schon gemerkt. Wir beziehen uns dabei auf den oben erwähnten, deutschen Psychoanalytiker Fritz Riemann, der von vier Grundformen der Angst spricht, auf die sich die Banalängste beziehen. weiter lesen

Pokal ist für den Club nur einmal im Jahr

MSV Duisburg - 1. FC NürnbergEs war die 22. Minute, als alle Blicke auf Mlapa gerichtet waren. Die Gladbach-Leihe glänzte aber nicht mit einer Szene im Sturm, sondern kniete am Boden und wurstelte nervös an ihrem Schuh herum. Es dauerte. Doch die Schnürsenkel wollten einfach nicht so, wie Mlapa es gerne gehabt hätte. Da der Ball ruhte, wurde es in der Schauinsland-Reisen-Arena in Duisburg langsam unruhig. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es dann weiter. Eine Szene, die symptomatisch für den Auftritt des 1. FC Nürnberg am Freitagabend war.

Ok, mit dem Pokal hat es der Club nicht so, das hat sich spätestens seit dem Sandhausen-Gate herumgesprochen – und das nicht nur in der dritten Liga. Natürlich war das peinliche Erstrunden-Aus bei den Fans vor der Partie Thema, man ging die Angelegenheit eben fränkisch-pessimistisch an. Allerdings: Ein Großteil der Spieler, die in der Startformation standen, wussten davon höchstens vom Hörensagen, sie waren ja letztes Jahr nicht dabei. Mit Sandhausen konnte das Spiel in der ersten Halbzeit also allenfalls marginal etwas zu tun haben. Einigen wir uns darauf: Wie an allem ist Fürth schuld, in dem Fall die krachende 5:1-Derbyniederlage von Montag. Der Stachel saß offensichtlich noch tief. So verunsichert wie Mlapa beim Schuhebinden agierte, so indisponiert und fehleranfällig präsentierte sich der 1. FC Nürnberg in Durchgang eins.

Bereits nach zehn Minuten geriet die Ismael-Truppe in Rückstand. Fast wie beim 0:2 in Fürth, durch einen Elfmeter. Angha stocherte herum, bekam keinen Zugriff auf Jancic, Stark rauschte heran und fällte Jancic, Schiedsrichter Dingert zeigte auf den Punkt. Der Gefoulte schoss selbst – und es stand 1:0. Da war er wieder, der Geist von Sandhausen. Nur wenige Minuten später rettete Schäfer, der ordentlich spielte, in letzter Sekunde auf der Linie, sonst wäre es da schon zappenduster gewesen. Auch wenn der Club mehr Spielanteile hatte, auf dem Feld passierte sonst nicht viel vor der Pause. Als nennenswerte Chance könnte man vielleicht noch eine Aktion von Petrak bezeichnen, der den Ball zumindest einmal überhaupt in Richtung MSV-Gehäuse gebracht hatte.

Nach der Halbzeitpause lief es dann aus FCN-Sicht etwas besser, Duisburg besann sich aufs Verteidigen und lauerte auf Konter. Nürnberg kämpfte jetzt, doch sah das Spiel weiterhin ideenlos aus. Es mangelte an Kreativität, ein klares Konzept war nicht erkennbar. Der Ausgleich wäre zumindest vom Spielverlauf her verdient gewesen, doch hätte der Zweitligist sich dafür erst einmal eine klare Chance erarbeiten müssen. Aber das gelang nicht. Insofern muss man leider auch festhalten: Schlecht gespielt, verdient verloren. Havelse, Sandhausen, Duisburg: Pokal ist für den Club eben nur einmal im Jahr.

Letztes Jahr brannte es nach dem Pokal-Aus bereits lichterloh am Valznerweiher, Trainer Wiesinger stand unter Druck. Und auch Ismael wird sich jetzt der Kritik stellen müssen. Wir Fans sind immerhin einiges gewöhnt.

Schreie aus dem FCN-Dungeon

Es tropft im SM-Keller unter dem Valznerweiher. Das Wasser steht dem 1. FC Nürnberg bis zum Hals, die Luft wird knapp. Die Schreie der Fans werden ängstlicher. „Ich bereue diese Liebe nicht“, hallt es von den schlüpfrigen Wänden. „Diese Liebe“, das ist in Wahrheit eine SM-Beziehung zwischen den Anhängern und dem Verein. Wie der Guardian am Montag philosophierte, sei diese Beziehung sogar richtig brutal („abusive relationship“). Der Slogan „Ich bereue diese Liebe nicht“ sei demnach sinnbildlich für die lebenslange Abhängigkeit, in die sich Clubfans begeben würden. „Diese Liebe“ habe laut Guardian auch nicht viel mit Lust oder Leidenschaft zu tun, sondern eher mit „torture“, also Folter, Qual und Leid.

In den letzten Wochen spielten sich im SM-Keller, dem FCN-Dungeon, interessante Dinge ab. Nach der unpopulären Demission von Gertjan Verbeek drei Spieltage vor Saisonende tauchte dort plötzlich Martin Bader, der Meister, auf. Rollen wurden getauscht. Verbale Demütigungen vonseiten der Sklaven, den Fans, waren zu hören (und zu lesen). Mehr Details drangen nicht nach außen. Allerdings schläft Bader seitdem schlecht, wie er kürzlich in einem Fernsehinterview zugab.

Eine Niederlage gegen Hannover am kommenden Samstag würde die Situation im Keller noch einmal dramatisch verschlimmern. „Wir müssen die Punkte einfach holen, sonst geht alles den Bach runter“, formulierte es Josip Drmic nach der neuerlichen Pleite in Mainz gegenüber dem Bezahlsender Sky. Bader flehte im Interview mit dem Bayerischen Fernsehen geradezu devot um einen Sieg: „Es klappt, weil es klappen muss.“ Besonders erniedrigend: Der Torture-Club ist ausgerechnet auf Schützenhilfe vom FC Bayern München angewiesen. Der gastiert beim Abstiegskandidaten HSV, der auf Platz 16 vor dem FCN steht. Die Bayern praktizieren in der Bundesliga derzeit bekanntlich lieber gepflegten Blümchensex-Fußball als einen Sadomaso-Sturmlauf. Für die Hamburger könnte das ein Vorteil sein.

Die Clubfans hoffen dennoch auf ein Wunder. Und im schlimmsten Fall, an den noch keiner denken mag, gibt ihnen „ihre Liebe“ die Kraft, selbst einen richtig schmerzhaften Rekordabstieg demütig zu ertragen. Ohne Reue. Doch noch besteht die Chance auf ein Wunder. Vielleicht reißt Interimscoach Roger Prinzen das Ruder doch noch herum. Hoffen wir es! Man darf gespannt sein auf die nächste Wasserstandsmeldung aus dem SM-Keller.

Unaufgeregt in den Abgrund

Vor dem Spiel in Wolfsburg hatte Clubmanager Martin Bader noch die Parole ausgegeben, wir müssten eben auch gegen Mannschaften, die oben stehen, Punkte machen. Allerdings: Wolfsburg war halt eine Klasse besser und eine Mannschaft, die mitspielen, auf fiese Tricks verzichten und offensiv brillieren will, die kann da gleich gar nicht gewinnen. zumindest, wenn sie so bestückt ist wie der FCN.

Bei Wolfsburg saß da etwa ein Timm Kose auf der Bank. Einer, der letzte Saison unserer Abwehr die in dieser Saison schmerzlich vermisste Stabilität verlieh. Dafür stand bei uns Emanuel Pogatetz im Zentrum. Er kam damals von der Wolfsburger Bank und hat sich beim Club jetzt auch nicht unbedingt weiterentwickelt. Aber Plattenhardt, Stark oder Angha machten es freilich auch nicht besser. Schon daran sieht man: Der VfL Wolfsburg hat andere Ansprüche und ein anderes Personal. Dass der Club da nicht mit Mitspielen mithalten kann, müsste eigentlich auch einem Martin Bader klar sein.

Dabei sah es in Wolfsburg anfangs gar nicht mal schlecht aus. Da machte Markus Feulner, der diesmal neben Schäfer als einziger so etwas wie parzielle Erstligatauglichkeit ausstrahlte, aus der ersten richtigen Chance gleich den Nürnberger Führungstreffer. Sicherheit gab der aber nicht. Vor allem deckte er das Problem des FCN auf: Hinten reinstellen geht nicht. Deswegen fiel der Ausgleich dann auch nach einem Konter der Wolfsburger. Konter im eigenen Stadion gegen einen Abstiegskandidaten? Das muss man sich auch erst einmal geben. Prompt war der Rhythmus ganz raus. Die Muffe sauste und wie das so ist, kam dann auch noch Pech dazu. Frantz verletzt sich, verliert den Ball und Wolfsburg dreht noch vor der Pause das Spiel. Danach war die Sache eigentlich schon gegessen. Anders als der Club können die Wolfsburger Vorsprünge verwalten und dazu kam noch, dass Drmic fast völlig unterging. Ob es am Gegenspieler Knoche lag oder ob er mit den Gedanken schon beim BVB weilte? Vielleicht beides. Auch von Kiyotake sah man nicht viel (hat wohl auch schon Angebote).

Von einem Ruck, einem Aufbäumen war wenig zu spüren. Einzig Verbeek gab wieder alles und wechselte zwei frische Stürmer (Pekhart und Mak) ein. Wobei das leider eher Zeichen der Verzweiflung als Joker, die ein Spiel entscheiden, sind. Torungefährlicher geht es kaum. Da zudem die Konkurrenz um den Abstieg (bis auf den HSV) – anders als der Club – offenbar die Zeichen der Zeit begriffen hat und aufgewacht ist, war es das wohl. Auch wenn das auf dem PLatz, wie gesagt, nicht so sichtbar wurde. Manchmal hatte ich beim Zuschauen sogar das Gefühl, vielleicht wissen die mehr. Vielleicht bekommen da zwei Mannschaften ihre Lizenz für die nächste Saison nicht. Vielleicht droht dem FCB wegen der Hoeneß-Affaire doch mnoch der Zwangsabstieg.

Andernfalls wäre das einer der unaufgeregtesten Abstiege in der mit Abstiegen reich gesegneten Clubgeschichte. Ich versuche also, mich anzupassen und mir einzureden: ich reg mich nicht auf, ich reg mich nicht auf, ICH REG MICH NICHT AUF!

Hoffentlich bleibt es auch langweilig

Club-Freund vip beklagt die Langeweile. Andererseits ist es doch mal ganz nervenschonend, nicht permanent am Abgrund zur Zweitklassigkeit zu stehen. Zwar bewegt sich der Club tabellarisch seit Wochen in enger Nachbarschaft zu den Abstiegsrängen, aber selten schien es so ungefährlich, zwischen  Rang 13 und 15 herumzudümpeln, wie in dieser Saison. Denn Hoffenheim verliert seit Monaten fast jedes Spiel und Augsburg sowie Fürth präsentierten sich von Anfang an heillos überfordert. Doch nun könnte es doch nochmals brenzlig werden.

 Der FC Augsburg wird immer stärker, und gewinnt er am kommenden Freitag das Derby gegen unseren Club, könnte es echt nochmals eng werden für Schäfer und Co.; erinnert sei an die vergangene Saison – da hatte die Konkurrenz aus Berlin und vor allem Köln  die Tabellennachzügler aus   Freiburg und Augsburg auch schon abgeschrieben und fand sich nach  einer enorm starken Rückserie der beiden Außenseiter plötzlich in der Zweiten Liga wieder.

   Andererseits macht die Vorrunde Mut: Immer wenn der Club mit dem Rücken zur Wand stand, hat er gewonnen. Gegen Wolfsburg am zehnten Spieltag (1:0) und gegen Hoffenheim in der 14. Runde (4:2) vermied er jeweils den Absturz auf Relegationsrang 16. Der droht zwar diesmal akut noch nicht, dafür ist das Polster dann doch zu groß, aber bei einer Niederlage wären es nur noch vier Punkte auf die immer stärker werdenden Augsburger. Ein Remis sollte der FCN daher mindestens holen. Damit es langweilig bleibt.