Endlich wird wieder Fußball gespielt


Zuletzt spielten sich beim Club die Ereignisse außerhalb des Platzes ab. Trainer Alois Schwartz musste nach der Derby-Pleite gehen und Interims(?)-Coach Michael Källner durfte übernehmen. Bereits im Vorfeld demonstrierte er einen neuen Stil. Während bei Schwartz das Glas meistens halbleer und die Klage über verletzte Spieler laut war, sprach Köllner von der Qual der Wahl. Mutig voran ging er auch bei der Aufstellung. Da feierte der 20-Jährige Eduard Löwen gleich mal sein Startelfdebüt. Insgesamt änderte Köllner gegenüber dem Fürth-Spiel auf sechs Positionen. Dass er dabei nicht bloß auf die Jugend setzte, war notgedrungen. Kirschbaum hatte sich im Training verletzt, also durfte Raphael Schäfer wieder einmal ran.

In der ersten Halbzeit hatte der Routinier aber praktisch keine Ballkontakte. Da sahen er und wir plötzlich einen ganz anderen Club. Der ließ hinten kaum etwas zu und erarbeitete sich nicht nur ein deutliches Übergewicht, sondern auch eine um die andere Chance. Bereits nach wenigen Minuten verzeichnete der FCN mehr Torszenen als im Derby während des gesamten Spiels. In der 15. Minute hätte es beinahe schon geklappert, aber Margreitters Kopfball traf nur den Pfosten. Nach 20 Minuten hätte sich die Überlegenheit eigentlich auch numerisch niederschlagen müssen. Behrendt, Bielefelds letzter Mann, foulte den durchgeeilten Möhwald, bekam aber von Schiri Koslowski lediglich die gelbe Karte serviert (Koslowski haben wir schon in unguter Erinnerung vom 5:4 in Bochum, so dass zumindest die Verwunderung klein blieb). Eine Viertelstunde später belohnte sich der Club dann endlich für den Druck, den er inszenierte. Der agile Salli passte schön zu Petrak, der den Ball rechts unten versenkte. Zur Pause war die Führung mehr als verdient und mancher der die zuletzt so blutleeren Vorstellungen unserer Mannschaft noch in Erinnerung hatte, rieb sich erstaunt die Augen.

Das sollte sich in der zweiten Halbzeit leider ändern. Da gab der FCN plötzlich das Heft aus der Hand. Der Tabellenletzte aus Bielefeld kam stärker auf, belegte aber auch, warum er die schlechteste Auswärtsmannschaft ist und unten im Keller festhängt. Trotzdem bekam Schäfer dann noch zwei Mal Gelegenheit, sich auszuzeichnen und den Sieg sicherzustellen.

Eine Gelegenheit erhielt auch Dominic Baumann, der in der 83. Minute den ziemlich glücklosen Winterneuzugang Mikael Ishak im Sturm ersetzen durfte. Er fiel dann aber, auch mangels entsprechender Zuspiele, vor allem durch seine Frisur auf. Immerhin bewies Köllner mit seinem Einsatz abermals Mut.

Uns Fans bescherte das zu Ende der Spielzeit doch wieder auftretende Betteln um ein Gegentor das schon bekannt Nervenflattern. Insofern ist nicht alles neu nach dem Trainerwechsel. Zudem war Bielefeld auch zu limitiert, um dem Club die Schwachstellen aufzuzeigen. Aber immerhin gab es mal wieder ein Tor und einen Heimsieg zu bejubeln. Der war auch deshalb wichtig, um wieder etwas Luft zum Tabellenende zu erhalten.

War das die Wende?

3175481375Eigentlich drehte sich alles um Clubtrainer Alois Schwartz. Übersteht er die Partie gegen den Kellernachbarn in Bielefeld? Zu halten wäre er bei einer Niederlage kaum noch gewesen. Gegen wenn sollte der Club noch seinen ersten Sieg einfahren, wenn nicht gegen die Arminia?

Und zur Halbzeit sah es auch so aus, als müssten wir die Ära Schwartz abhaken oder zumindest den Sparfüchsen an der Clubspitze noch mehr Druck machen. Doch nach dem Spiel dürfen wir nun (erst einmal) nicht mehr über den Trainer reden, sondern über Guido Burgstaller.

Der war nach seiner Sperre und seiner Nichtberücksichtigung in der Startelf beim Derby wieder von Anfang an dabei. In der vom Club überlegen geführten Anfangsphase beteiligte er sich erfolgreich am Vergeben von Chancen. Die größte vergeigte er in der 40. Minute als er einen nach einem Foul an Behrens verhängten Strafstoß so harmlos schoss, dass ihn wahrscheinlich auch die Oma von Arminia-Keeper Hesl gehalten hätte. Im Gegenzug, und das war der Club wieder ganz der Alte, erzielte der Bielefelder Schuppan, der bislang nur als doppelter Eigentorschütze aufgefallen war, den Führungstreffer für die Hausherren. Für die war das erst die zweite Torchance. Während der Club bereits mehr als ein Dutzend zu verzeichnen hatte.

In der Kabine muss dann wohl irgendwer dem Guido gesagt haben, dass er auf diese Tour seinen Marktwert kaum steigern und seine Wechselwünsche sicher nicht realisieren kann. Jedenfalls spielte der dann wie ausgewechselt. In der 52. Minute hämmerte er den Ball volley ins linke Eck und machte so erstmal seinen Elfer-Fehler wett. Danach dezimierte sich die Arminia auch noch selber, nachdem der bereits verwarnte Torschütze Schuppan Salli von den Beine holte. Zunächst wusste der Club mit der zahlenmäßigen Überlegenheit wenig anzufangen. Erst in der 81. Minute bewies dann Burgstaller (wer sonst?), dass er das Spiel verstanden hat und haute den Ball erneut ins Tor. Vier Minuten später zeigte auch Neueinkauf Matavz Lernbereitschaft und erhöhte auf 3:1. Danach ging es erst einmal auf den Gegenseite hoch her. So richtig ruhig wird man beim Club nie. Selbst wenn er mit zwei Toren gegen einen dezimierten Gegner führt. Aber am Ende war er da, der erste Dreier.

Endlich können wir mal jubeln und vielleicht weiß jetzt auch die Mannschaft, wie es geht.

Club rutscht in der wahren Tabelle ab

409864349Kennt ihr die Wahre Tabelle? Da stand der Club bislang auf Platz eins. In der wahren Tabelle werden nämlich Schiedsrichterfehlleistungen rausgerechnet – und was die Unparteiischen angeht, da waren wir bislang eben selten die Nutznießer. Jetzt hat sich da einiges ausgeglichen. Dafür haben wir in der realen Tabelle einen Riesenschritt in Richtung Relegation gemacht, denn der FC St.Pauli (Heimniederlage gegen Paderborn) liegt mittlerweile acht Punkte hinter uns.

Doch der Reihe nach! Auf der Bielefelder Alm sah es lange nicht nach einem Clubsieg aus. Im Gegenteil. Die Arminia drängte mit Macht gegen das Clubtor. Entlastung gab es selten und die verpuffte meistens, weil die Clubelf seltsam schlampig im Aufbau agierte. Spätestens der letzte Pass landete immer beim Gegner. Das ging praktisch eine Stunde lang so. Doch dann fiel dank einer fgeinen Einzelleistung von Sebastian Kerk (Bild) das 1:0. Den Bielefeldern gab das einen Knacks. Das können wir aus leidvollen Eigenerfahrungen nachvollziehen. Wenn du unten stehst, dann sitzt sowas einfach schmerzhafter. Und dann kommt auch noch der Schiedsrichter dazu. Diesmal Martin Petersen aus Stuttgart. Der pfiff drei Minuten später nicht nur Elfmeter, er stellte auch gleich noch den Bielefelder Hornig vom Platz. Beides, sagen wir mal, zweifelhaft. Aber so ist das, wenn du unten drin steckst und der andere in der (wahren!?) Tabelle vorne steht. Danach waren die Bielefelder nur noch zu zehnt und lagen mit zwei Toren hinten. Dass der Club dann noch zwei Mal durch Burgstaller (im Hinspiel hatte er allerdings noch zwei Mal getroffen) und Behrens traf, war die fast logische Folge.

Am Ende also 4:0. Das hilft auch unserem Torverhältnis. Ganz verdient war es vielleicht nicht. Aber, wie gesagt, wir haben immer noch was gut. Und weil wir bei gut sind: Patrick Rakovsky bot diesmal eine astreine Partie. Das ist das zweite Ausrufezeichen, neben dem klaren Ergebnis.

Mit Glück und Burgi

1826413618Als ob wir es nicht geahnt hätten. Da nehmen die ersten (allen voran eine hiesige Tageszeitung) schon wieder das Wort Aufstieg in den Mund. Da gewinnt der FCN dann auch noch am berüchtigten Betzenberg und das sogar mit 3:0 und dann kommt Bielefeld… „Däi budsmer wech!“ sagt da der Franke. Aber nur der, der den Club nicht kennt. Nicht umnsonst ist der FCN – übrigens genau mit jener Arminia aus Bielefeld zusammen – ganz vorne bei den Abstiegen und Aufstiegen, weil es normales Ernstnehmen auch vermeintlich schwacher Gegner nicht gibt, weil immer gleich abgehoben wird, wenn man gerade mal ein bisschen Land gesehen hat.

Wobei abgehoben wohl der falsche Begriff ist für das, was Brecko, Hovland und Kirschbaum in der 4. Minute veranstaltet haben. Die Drei standen da im Torraum brav Spalier und dachten wohl, haha der kleine Bielefelder, mal gucken, was der so treibt? Tja, ins Tor schießen, was sonst! Danach war die Mannschaft erst einmal perplex. Nichts ging mehr. Kaum ein Pass erreichte noch den eigenen Mann. Gedanklich waren die Roten immer eine Idee langsamer als die Weißen und der ernüchterte Fan sehnte nur noch die Pause herbei, in der Hoffnung, dass während er sich ein Bier holt ein Hallowach durch die Kabine dröhnen würde.

Mitnichten! Erneut war es der Bielefelder Klos, der diesmal schon in der 3. Minute der zweiten Hälfte dem Club den Zahn zog. Diesmal pennte Kirschbaum solo und konnte einen Weitschuss nur noch zum dankbaren Gegner abklatschen. Danach stand Bielefeld mit allen elf Mann hintendrin und der Club hatte, wie schon in der ersten Halbzeit, keinen Plan und auch keine überraschende Idee um das Bollwerk zu knacken. Die besseren Chancen hatte sogar Bielefeld, ließ sie aber fahrlässig liegen. In der 83. Minute durfte dann endlich Kevin Möhwald mal eine Ecke treten (warum nicht schon früher?) und prompt war Guido Burgstaller zur Stelle und markierte den Anschlusstreffer. In der 89. Minute schaffte Burgstaller sogar den kaum noch für möglich gehaltenen Ausgleich, während die Bielefelder danach noch einmal den Pfosten trafen.

Über mangelndes Glück dürfen wir uns zurzeit also nicht beklagen. Verdient war der Punkt nämlich eigentlich nicht. Hoffnung macht eher, dass ein Unentschieden gegen einen Aufsteiger aus der dritten Liga in einem Heimspiel nicht unbedingt Aufstiegsträume nährt. Insofern besteht die Aussicht, dass die nächsten Begegnungen vielleicht etwas aufgeweckter angegangen werden.

Nürnberg, Bielefeld und die Allianz der Deppen

Nun, der Club ist als Oberknalldepp wieder alleiniger Rekordhalter in Sachen Abstieg aus der Bundesliga. Zum achten Mal geht es hinunter, Arminia Bielefeld (sieben Abstiege), kann da nicht mithalten, wie Kollege vip zu Recht anmerkte.

Dennoch, so ganz wollen die Ostwestfalen die Konkurrenz aus Franken in Sachen Deppentum nicht alleine lassen. Und so haben sie prompt einen satten 3:1-Vorsprung gegen Darmstadt im Relegations-Rückspiel noch vergeigt, und das vor heimischem Publikum und auch noch in der allerletzten Minute der Verlängerung. 2:4 hieß es am Ende, Bielefeld steigt wieder in den Fahrstuhl. Für die Arminia ist es der dritte Abstieg aus der Zweiten Bundesliga nach 1988 und 2011. Zählt man Erst- und Zweitliga-Abstiege zusammen, liegt Bielefeld also mit Nürnberg weiter gleichauf, denn dann steht es 10:10. Und das auch nur, wenn man beim Club den sportlichen Abstieg aus der Zweiten Liga von 1995 dazuzählt, damals durfte der Club ja drinbleiben, weil Dresden aus finanziellen Gründen und Saarbrücken wegen fehlender Unterlagen zwangsabsteigen mussten. Sonst würde Bielefeld 10:9 führen.
Ergo: Die Arminia ist sehr solidarisch mit dem Club.

Deppen-Zusatzpunkte gibt es auch dafür, dass den Bielefeldern ähnlich wie dem 1.FCN dieselben Peinlichkeiten immer wieder unterlaufen. Heuer reichte ein 3:1-Auswärtssieg nicht, die Klasse in der Relegation zu halten, anno 1977 geschah Vergleichbares. Damals war die Zweite Liga noch zweigeteilt, die beiden Meister der Staffeln Süd und Nord stiegen direkt auf, die Zweitplatzierten spielten in Hin- und Rückspiel einen drittem Aufsteiger aus. Bielefeld, im Norden Zweiter hinter dem FC St. Pauli, traf auf 1860 München – und gewann das Hinspiel 4:0. Damit sollte eigentlich alles klar sein. Doch die Schützlinge von Trainer Karl-Heinz Feldkamp schafften es tatsächlich, bei den Löwen mit 0:4 unter die Räder zu geraten und verloren dann auch noch das Entscheidungsspiel mit 0:2. Das ist eigentlich fast noch trotteliger als der Abstieg heuer.
Bielefeld ist mir jedenfalls angesichts einer solchen Historie hochgradig sympathisch. Eigentlich sollten der Club und die Arminia eine Allianz der Deppen gründen. Bei diesen Vereinen ist wirklich immer was geboten.

Unaufgeregt in den Abgrund

Vor dem Spiel in Wolfsburg hatte Clubmanager Martin Bader noch die Parole ausgegeben, wir müssten eben auch gegen Mannschaften, die oben stehen, Punkte machen. Allerdings: Wolfsburg war halt eine Klasse besser und eine Mannschaft, die mitspielen, auf fiese Tricks verzichten und offensiv brillieren will, die kann da gleich gar nicht gewinnen. zumindest, wenn sie so bestückt ist wie der FCN.

Bei Wolfsburg saß da etwa ein Timm Kose auf der Bank. Einer, der letzte Saison unserer Abwehr die in dieser Saison schmerzlich vermisste Stabilität verlieh. Dafür stand bei uns Emanuel Pogatetz im Zentrum. Er kam damals von der Wolfsburger Bank und hat sich beim Club jetzt auch nicht unbedingt weiterentwickelt. Aber Plattenhardt, Stark oder Angha machten es freilich auch nicht besser. Schon daran sieht man: Der VfL Wolfsburg hat andere Ansprüche und ein anderes Personal. Dass der Club da nicht mit Mitspielen mithalten kann, müsste eigentlich auch einem Martin Bader klar sein.

Dabei sah es in Wolfsburg anfangs gar nicht mal schlecht aus. Da machte Markus Feulner, der diesmal neben Schäfer als einziger so etwas wie parzielle Erstligatauglichkeit ausstrahlte, aus der ersten richtigen Chance gleich den Nürnberger Führungstreffer. Sicherheit gab der aber nicht. Vor allem deckte er das Problem des FCN auf: Hinten reinstellen geht nicht. Deswegen fiel der Ausgleich dann auch nach einem Konter der Wolfsburger. Konter im eigenen Stadion gegen einen Abstiegskandidaten? Das muss man sich auch erst einmal geben. Prompt war der Rhythmus ganz raus. Die Muffe sauste und wie das so ist, kam dann auch noch Pech dazu. Frantz verletzt sich, verliert den Ball und Wolfsburg dreht noch vor der Pause das Spiel. Danach war die Sache eigentlich schon gegessen. Anders als der Club können die Wolfsburger Vorsprünge verwalten und dazu kam noch, dass Drmic fast völlig unterging. Ob es am Gegenspieler Knoche lag oder ob er mit den Gedanken schon beim BVB weilte? Vielleicht beides. Auch von Kiyotake sah man nicht viel (hat wohl auch schon Angebote).

Von einem Ruck, einem Aufbäumen war wenig zu spüren. Einzig Verbeek gab wieder alles und wechselte zwei frische Stürmer (Pekhart und Mak) ein. Wobei das leider eher Zeichen der Verzweiflung als Joker, die ein Spiel entscheiden, sind. Torungefährlicher geht es kaum. Da zudem die Konkurrenz um den Abstieg (bis auf den HSV) – anders als der Club – offenbar die Zeichen der Zeit begriffen hat und aufgewacht ist, war es das wohl. Auch wenn das auf dem PLatz, wie gesagt, nicht so sichtbar wurde. Manchmal hatte ich beim Zuschauen sogar das Gefühl, vielleicht wissen die mehr. Vielleicht bekommen da zwei Mannschaften ihre Lizenz für die nächste Saison nicht. Vielleicht droht dem FCB wegen der Hoeneß-Affaire doch mnoch der Zwangsabstieg.

Andernfalls wäre das einer der unaufgeregtesten Abstiege in der mit Abstiegen reich gesegneten Clubgeschichte. Ich versuche also, mich anzupassen und mir einzureden: ich reg mich nicht auf, ich reg mich nicht auf, ICH REG MICH NICHT AUF!

Bielefeld und Nürnberg: Die Fahrstuhlkönige

 „Und sehen wir uns nicht in dieser Welt
  dann sehen wir uns in Bielefeld!“, trällerte einst Udo Lindenberg. Als das Pokal-Los auf Bielefeld fiel, stöhnte ein Kollege aus der Sportredaktion – er wäre lieber mal in eine Stadt gefahren, die er noch nicht kennt. Dafür, dass es Bielefeld laut Lindenberg und vielen anderen nämlich gar nicht gibt, kreuzen sich die Wege des 1.FC Nürnberg und des DSC Arminia Bielefeld nämlich erstaunlich oft.

Gut, bisweilen gab man sich auch die Klinke in die Hand, wenn der eine mal wieder ab- und der andere aufstieg. Beide Vereine mussten sieben Mal die Bundesliga verlassen, das ist Rekord. Und bei beiden war Abstieg Nummer eins der spektakulärste: Der 1.FCN stürzte 1969 als amtierender Meister ab, Bielefeld, seit 1970  in der Bundesliga,  musste wegen des Bestechungsskandals 1972 zwangsabsteigen.

In der Zweiten Bundesliga traf man sich nicht, denn die war damals noch in Nord und Süd zweigeteilt. Gleichwohl bewegten sich Club und Bielefeld im Gleichschritt: 1978 schafften beide Vereine die Bundesliga-Rückkehr, 1979 stürzten sie synchron in Liga zwei ab. Und 1980  gelang beiden Klubs postwendend der Wiederaufstieg. 

Anschließend hielt sich der Club vier Jahre in der Bundesliga, bis es wieder nach unten ging. Nürnberg schaffte 1985 sofort den Wiederaufstieg, traf aber die gerade abgestürzte Arminia im Oberhaus nicht mehr. Und während Bielefeld sich 1988 sogar Richtung Drittklassigkeit verabschiedete, erlebte der Club seine stabilste Bundesliga-Periode. Neun Jahre hielten sich die Rot-Schwarzen oben.     

1995/96 gab es ein Wiedersehen beider Klubs in der inzwischen längst eingleisigen Zweiten Liga. Bielefeld, gerade frisch aufgestiegen, marschierte nach oben durch, der Club landete auf Rang 17 und somit in der Regionalliga. Doch Nürnberg folgte dem Bielefelder Beispiel und war nach zwei Aufstiegen 1998 wieder erstklassig. Im Gegensatz zu Bielefeld, das 1998 wieder nach unten musste. Fortan gewann der Auf- und Abstiegswettlauf noch mehr an Dynamik: Bielefeld stieg 1999 auf, der Club 1999 ab, Bielefeld stieg 2000 ab, der Club 2001 auf. Bielefeld folgte 2002 nach. 2003 stiegen beide gemeinsam ab und 2004 wieder in die Bundesliga auf. Nun endlich stoppte der Fahrstuhl. In der Saison 2007/08 steckten beide dann ganz tief im Abstiegsstrudel, Bielefeld konnte sich retten, der Club nicht. 2009 wäre man sich beinahe in der Relegation begegnet, aber Cottbus schnappte der Arminie Rang 16 weg. Zum bislang letzten Mal gaben sich die Rekordabsteiger die Klinke in die Hand. Für Bielefeld ging es nach unten, für den Club nach oben.

Inzwischen ist Arminia Bielefeld sogar nur noch drittklassig und daher krasser Außenseiter im Duell mit dem Club. Aber die Mannschaft ist völlig neu formiert und daher unberechenbar. Vielleicht ist ja, um bei Lindenberg zu bleiben, ein Bodo Ballermann dabei, der den Club aus dem Pokal wuchtet. Wir wollen es nicht hoffen.

Spitzenreiter unter Betondecke

Der Club ist Tabellenführer! Welch komfortable Position. Nein, keine Sorge, mir hat nicht der Sieg gegen Leverkusen die Sinne vernebelt. Ich beziehe mich vielmehr auf eine Aussage von Robin Dutt, Trainer des SC Freiburg, der vor dem Kellerderby des SCF gegen Hannover  (1:2) seine Schützlinge als Tabellenführer bezeichnet hatte – und zwar mit der Begründung, dass die Freiburger in der  „Abstiegsrunde“ vorne liegen. In der Tat scheint es so, als würde das Quartett am Ende die beiden Absteiger und den Relegationsteilnehmer unter sich ausmachen.

Überhaupt kristallisiert sich jetzt fast alljährlich eine Gruppe völlig abgehängter Vereine heraus, die mit reichlich Abstand zum unteren Mittelfeld gleichsam einen eigenen Wettbewerb ausspielen. 2007/08 waren das Bielefeld, Cottbus, Nürnberg, Duisburg und Rostock; 2008/09 dann Hannover, Gladbach, Bochum, Bielefeld, Cottbus und Karlsruhe.

Weil Kollege vip sich mal über die sozialdemokratische Spielweise des Clubs ausgelassen hat, sei an dieser Stelle Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, zitiert.  Der hat  im Zusammenhang mit der Armut in Deutschland von einer Betondecke gesprochen, unter der die Benachteiligten dieser Gesellschaft leben müssten. Armut habe es immer gegeben, aber das neue Problem bestehe darin, dass sie zementiert sei, dass kein Aufstieg für die Armen möglich sei.

Auch für die Bundesliga scheint die Metapher mit der Betondecke anwendbar, auch hier gibt es die Abgehängten. Eine Entwicklung, die sich meines Erachtens verschärft hat, seit die Großklubs in den internationalen Wettbewerben alljährlich groß abkassieren und ihren Vorsprung vor den Kleinen ausbauen können. Für das Quartett am Ende besteht jedenfalls wohl kaum eine Chance, den Anschluss zu schaffen. Dass Hertha BSC Berlin zu dieser Gruppe gehört, hätte man vor Saisonbeginn freilich nicht unbedingt vermutet. Da musste sich diesmal tatsächlich einer der vermeintlich Großen unter die Betondecke begeben, und traditionelle Underdogs wie Bochum oder auch Gladbach haben es heuer etwas leichter. Am Samstag reist der Club in die Hauptstadt. Und kann dort womöglich seine Tabellenführung ausbauen.

Keine Pferde vor der Apotheke

„Man hat schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen“, meinte der damalige Trainer Friedel Rausch vor dem letzten Saisonspiel 1998/99 und wollte damit andeuten, dass der Club trotz fast perfekter Rettung noch abstürzen könnte. Was er dann ja auch tat. Diesmal standen also keine Pferde mit nervösen Mägen vor Apotheken. Der Club ist zwar fettnäpfchenerprobt, aber einen 3:0-Hinspielsieg gegen ersatzgeschwächte Cottbuser zu verplempern – das schafft selbst er nicht. 

Aber wie geht es jetzt weiter? Man will ja nicht unken, aber sich in der Liga wirklich fest zu etablieren, hat seit Hannover (Aufstieg 2002) und vielleicht noch Frankfurt (Aufstieg 2005) keiner mehr geschafft. Die Bochumer (Aufstieg 2006) haben sich diesmal gerade noch gerettet, ihre Mitaufsteiger Cottbus (Abstieg 2009) und Aachen (Abstieg 2007) befinden sich aber ebenso wieder in Liga zwei wie der komplette Aufsteiger-Jahrgang 2007. Damals schafften Karlsruhe (Abstieg 2009), Duisburg und Rostock (beide Abstieg 2008) den Sprung nach oben.

Weitere Beispiele gefällig? Vom Aufsteiger-Jahrgang 2005 konnte sich Frankfurt wie gesagt bis heute halten, Duisburg und Köln mussten aber sofort wieder runter. Der Aufsteiger-Jahrgang 2004 mit Mainz (Abstieg 2007), Nürnberg (Abstieg 2008) und Bielefeld (Abstieg 2009) erwies sich immerhin noch als begrenzt haltbar. Die Aufsteiger von 2003 hatten weniger Glück: Für Frankfurt und Köln war nach einem, für Freiburg nach zwei Jahren Schluss.

Wie die Namen der Aufzählung zeigen: Die meisten kommen irgendwann wieder. Aber die meisten müssen eben auch schnell wieder runter…

Auf dem Weg zum Rekordaufsteiger?

Dreist, diese Bielefelder. Club-Freund Vip hat darauf verwiesen, dass wir uns durch den Absturz der Arminen nun wieder den Titel des Rekordabsteigers mit ihnen teilen müssen. Aber der Club kann sich revanchieren – bezwingt er in der Relegation Energie Cottbus, zieht er nach Erstliga-Aufstiegen nämlich mit Bielefeld gleich und beide sind künftig Rekordhalter. Es wäre Aufstieg Nummer sieben.

Ein österreichischer Stadionsprecher hat den Club wegen dessen permanenter Pendelei zwischen Erst- und Zweitklassigkeit (einmal gings sogar noch eine Etage tiefer) mal als „Paternoster-Klub“ bezeichnet. Der treue Club-Fan Heino Hassler sieht das aber ganz anders – Ab- und Aufstiege schaffen schließlich auch Abwechslung, man lernt neue Vereine und andere Stadien kennen.  Er muss es wissen, wurde er doch Ende der 60er Jahre Club-Fan, als es für den FCN gerade zum ersten Mal nach unten ging. Mehr über seine emotionale Achterbahnfahrt mit dem Club erfahrt ihr hier