Das Stadion ist schuld

Lasst uns über das Stadion reden. Da ist mehr los. Da bröckelt der Beton. Schon werden wieder Baupläne gewälzt. Große Pläne. Für die EM 2024, aber nicht nur.

Die Realtät auf dem nur wenige Zentimetre über dem Grundwasserspiegel liegenden Rasen sieht leider anders aus. Da bemüht sich die Mannschaft gerade, eher kleine Stadionlösungen zu forcieren. ODer Zuschauerzuspruch wird von Spiel zu Spiel bescheidener. Das liegt allerdings nur bedingt an den manchmal ungünstigen Anstosszeiten. Das liegt bedingt an der mediokren Tabellensituation, wo nicht einmal mehr die Volloptimisten an den Wiederaufstieg glauben. Das liegt aber vor allem an dem uninspirierten Bemühen, wie die Clubmannschaft unter Alois Schwartz ihre Heimspiele gestaltet. Braves Handwerk, sinnbefreites Kilometerfressen, aber kein Plan, wie man eine Abwehr knackt. Selbst an der Bochumer scheitert unser FCN und die kamen mit dem Ruf eines der schlechtesten Auswärtsteams und immer für ein Gegentor gut zu sein nach Nürnberg. Trotzdem: Selbst gegen diesen VfL hätten wir heute noch stundenlang anrennen können. Da wäre nichts passiert. Dafür ist der Club hinten immer für einen Treffer anfällig. So – leider – auch heute.

Die Spielweise des Clubs erinnert inzwischen frappant an die Ausstrahlung ihres Trainers: bieder und blaß. Insofern erkennt man zwar die Handschrift von Alois Schwartz, aber nichts, was irgendwie Hoffnung macht. Selbst da, wo diese bislang aufkeimte, herrscht inzwischen Ödnis. Sabiri zum Beispiel hat sich längst angepasst. Teuchert oder Ishak kommen zu spät, um noch etwas zu reißen und hängen zudem vorne in der Luft, weil aus dem Mittelfeld nichts kommt. Gislason, in München noch der einzige Aktivposten, wirbelte heute nur noch alibimäßig. Torgefahr ging von ihm auch nicht aus.

Eine seltsame Bräsigkeit scheint auf der gesamten Mannschaft zu lasten und die liegt nicht nur am Weggang von Guido Burgstaller oder daran, dass die Mannschaft zu wenig Qualität hat. Jakub Sylvestr, vom Club als untauglich ausgemustert, hat zeitgleich für seinen neuen Verein drei Tore gemacht.

So scheint selbst auf dem anderen Schauplatz, über Spielerverkäufe die Finanzen wieder ins Lot zu bringen, der Wurm drin zu sein. Womit wir wieder bei Stadion wären. Wenn da der Beton bröckelt, dann strahlt das eben auch auf die Mentalität der dort agierenden Beteiligten ab. Einen anderen Grund kann es schließlich nicht geben… Oder fällt euch einer ein?

Schlusslaterne leuchtet am Valznerweiher

24988568654:5! Das hört sich lustig an, aber den Club-Freunden ist nicht zum Lachen zumute: Nach der Niederlage beim VfL Bochum leuchtet in Nürnberg zunächst einmal die Schlusslaterne. Wegen der besseren Tordifferenz ist Kaiserslautern, das am Samstag Stuttgart empfängt,  am Club vorbeigezogen. Trainer Gertjan Verbeek, 2013/14 in 22 Bundesligaspielen für den 1.FCN verantwortlich, darf sich dagegen über drei wichtige Punkte für seine Bochumer freuen. Und ein anderer Ex-Nürnberger avancierte gar zum Matchwinner.

Doch der Reihe nach: Zunächst sieht es nämlich gar nicht nach einer knappen Niederlage für die Nürnberger aus, sondern nach einer neuerlichen Packung: Schon nach sieben Minuten zieht der VfL mit 2:0 davon. Erst verwertet Stöger eine Flanke von Weilandt zum 1:0 (4.), dann erhöht Bastians per Foulelfmeter auf 2:0 (7.). Torsteher Kirschbaum soll Eisfeld gelegt haben – eine sehr glückliche Entscheidung für die Bochumer, die aber schon frühzeitig auf die Siegesstraße einzubiegen scheinen. Der 1.FC Nürnberg lässt sich aber nicht hängen. Der junge Mühl, der in der Innenverteidigung wieder den Vorzug vor Hovland bekam, trifft  per Kopf die Latte (11.), und wenig später gelingt Salli der Anschlusstreffer. Nach einer Alushi-Flanke zieht Leibold ab und Salli drückt den Ball per Kopf über die Linie (18.). Doch lange währt die Freude nicht. Weilandt setzt sich auf der rechten Seite gegen Sepsi durch und bedient mit seiner Flanke den sträflich freistehenden VfL-Mittelstürmer Mlapa – der erzielt per Kopf das  3:1 (27.).

Hin und Her und Her und Hin – in einer verrückten ersten Halbzeit bringt der aufgerückte Innenverteidiger Bulthuis ebenfalls per Kopf den Club mit dem 2:3 zurück ins Spiel (34.). Standardspezialist Möhwald, der anstelle des gesperrten Burgstaller beginnen durfte (zugleich die einzige Änderung bei den Nürnbergern gegenüber dem Spiel gegen die Münchner Löwen), hatte den Niederländer zielgenau per Freistoß bedient. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte bekommen dann auch die Nürnberger einen Elfmeter. Nach einer ungestümen Attacke von Losilla gegen Teuchert, der den verletzten Alushi ersetzt hatte, verwandelt Salli den Strafstoß zum 3:3-Pausenstand (45.).

 

Doch nach dem Wiederanpfiff dürfen wieder die Bochumer jubeln. Bastians trifft den Pfosten, und wieder ist es ausgerechnet der Ex-Nürnberger Mlapa, der richtig steht und den VfL mit seinem zweiten Treffer zum 4:3 nach vorne bringt (55.). In der Saison 2014/15 als Leihspieler am Valznerweiher engagiert und bei den Fans nicht sonderlich beliebt, zeigt er nun seine Torjägerqualitäten. Für Mlapa ist dann verletzungsbedingt bald Schluss (70.), Mühl muss nach einem Zusammenstoß mit Bastians mit Brummschädel runter (75.), für ihn kommt Hovland. Zuvor hatte schon Parker Möhwald ersetzt (63.).

Der Club hat die Chance zum 4:4, aber Matavz scheitert am starken Keeper Riemann (82.). Auf der Gegenseite verbucht dann der Ex-Fürther Weilandt seinen dritten Scorerpunkt, als er den für Mlapa eingewechselten Quaschner bedient, der mit dem 5:3 scheinbar alles klar macht. In der Nachspielzeit gelingt Parker mit einem abgefälschten Schuss aber noch das 4:5. So bleibt es bis zum Schluss spannend. Doch am Ende geht der Club wieder leer aus. Und muss womöglich als Tabellenletzter Greuther Fürth zum Derby empfangen.

Verbeek vermasselt Sprung auf Platz zwei

15.02.2016 --- Fussball --- Saison 2015 2016 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 21. Spieltag: 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN Club - VfL Bochum --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / WoZi ---  von links : Luana Valentini ( Pressesprecherin FCN) Rene Weiler (Trainer 1.FC Nürnberg / FCN ) Gertjan Verbeek (Trainer VfL Bochum ) vor Spielbeginn
Als Gertjan Verbeek (Bild rechts, beim Wiedersehen mit Club-Pressesprecherin Luana Valentini und Rene Weiler) den 1.FC Nürnberg in der Spielzeit 2013/14 betreute, wirkte er wie ein Gegenentwurf zu seinem Landsmann Huub Stevens: Die Null muss eben nicht stehen. Mit seiner offensiven Philosophie kam er bei Teilen der Fans extrem gut an, sägte aber auch an seinem eigenen Stuhl – zu oft stürmte der Club ins Verderben. Nach 22 Spielen war Schluss, Verbeek bekam seine Papiere. Mit seinem neuen Verein, dem VfL Bochum, zeigt der Niederländer dagegen, dass seine Mannschaften durchaus auch hinten sicher stehen können. Dreimal in Folge spielte Bochum zuletzt Zu-Null, und auch der so treffsichere Club tat sich verdammt schwer gegen die sattelfeste Hintermannschaft der Bochumer. So wurde es letztlich nichts mit dem Sprung auf Tabellenplatz zwei – mit einem Sieg hätten die Nürnberger Freiburg überholt. Am Ende konnte der 1.FCN zufrieden sein, noch einen Punkt gerettet zu haben.

Bochum hat nämlich nicht nur eine starke Defensive, sondern kann sich vorne auf den starken Simon Terodde verlassen, mit zehn Treffern nach Freiburgs Petersen (15) der zweitbeste Zweitliga-Torjäger. Jeweils zu Beginn der beiden Halbzeiten hatte Terodde gute Möglichkeiten, sein Trefferkonto auszubauen – einmal scheiterte er an Torwart-Oldie Raphael Schäfer, einmal am Pfosten. Das waren lange die Höhepunkte in einem Spiel, das zwar intensiv geführt wurde, den Zuschauern aber kaum Strafraumszenen bot. Saisontreffer Nummer elf blieb Terodde zwar versagt, aber immerhin sammelte er einen Scorerpunkt, als er mit einem feinen Doppelpass das 1:0 von Marco Terrazzino vorbereitete (66.).

In der Folgezeit ging es hoch her, und so kamen die Zuschauer doch noch auf ihre Kosten – und der Club durch Patrick Erras zum Ausgleich. Der Senkrechtstarter durfte nach einem Kerk-Eckstoß überraschend unbedrängt einköpfen (75.) und beendete so die Bochumer Zu-Null-Serie nach knapp sieben Stunden – zuletzt hatte Heidenheims Ikone Schnatterer am 17. Spieltag in der 32. Minute beim 1:1 gegen Bochum getroffen. Nach sechs Siegen musste sich das Team von Trainer Rene Weiler mal wieder mit einem Punkt bescheiden – zwei andere Serien haben dagegen weiter Bestand. Nürnberg hat vor den sechs „Dreiern“ viermal unentschieden gespielt, kommt damit nun insgesamt auf elf Partien ohne Niederlage am Stück. Für Bochum, das hinter Leipzig (44 Punkte), Freiburg (38), Nürnberg (37) und St. Pauli (36) als Fünfter (32) in Lauerstellung bleibt,  war es immerhin das fünfte Spiel ohne Pleite in Serie. Und das, obwohl diesmal die Null nicht stand.

Verbeek holt sich ein paar Jährchen zurück

1808910315Gut, beim Tabellenführer darf man auch mal verlieren. Andererseits: Das war Bochum, nicht irgendein gesattelter Aufstiegsfavorit. Und dann hatte der FCN auch durchaus Glück für zwei Spiele. Schon der Auftakt lief optimal. Der VfL war noch gar nicht richtig auf dem Platz, da hatten Blum und Burgstaller einen Fehler des Bochumers Fabian ausgenutzt und die schnelle Führung erzielt.

Bei einer eingespielten und sicheren Abwehr wöre so etwas schon die halbe Miete. Da stellst du dich hinten rein. Lässt die anderen sich abrackern und setzt bei Gelegenheit die Konter.

Bloß hat der Club keine eingespielte und sichere Abwehr. Zwar gab diesmal Tim Leibold als Linksverteidiger ein gar nicht einmal misslungenes Debut. Auch der dafür vor der Abwehr agierende Niklas Stark spielte besser als zuletzt. Insgesamt brachte das aber nicht die nötige Stabilität um einen Gegner der fast 90 Minuten Druck macht, am Torerfolg zu hindern. Zumal Thorsten Kirschbaum offensichtlich die Führungsqualitäten fehlen um sich zum Herrscher im Strafraum aufzuschwingen. Beim Ausgleich lief er nur halbherzig heraus. Beim Führungstreffer war er einer von Vieren, die geglaubt hatten, der jeweils andere würde den Ball weghauen.

Wobei man zur Ehrenrettung der Abwehr sagen muss, dass der ganze VfL-Druck jedesmal an sie durchgereicht wurde. Im Mittelfeld wurde kaum was abgefangen. Schöpf ist ohnehin nur noch ein Schatten seiner selbst und wurde dann auch vorzeitig ausgewechselt.

Apropos Auswechslung. Bei Bochum kam in der Schlussphase der Ex-Clubspieler Peniel Mlapa zum Zuge. Mehr gerissen als bei uns hat er dabei zwar auch nicht. Aber für ihn gilt das Gleiche wie für den Bochumer Trainer Gertjan Verbeek. Sie haben sich, nachdem sie beim Club nicht mehr gebraucht wurden, jedenfalls nicht verschlechtert. Im Gegensatz zu ihrem Ex-Verein.

Bei dem dürften die einen jetzt noch lauter nach Ruhe brüllen, während die anderen noch vehementer alles auf den Prüfstand stellen wollen. Ob wir da nach dem alten fränkischen Motto „wer koo, der därf“ weiter kommen, mag bezweifelt werden. Wenn zum Beispiel ein Möbelfabrikant, auch wenn er Clubsponsor ist, beim Club Sachverstand und Professionalität reinbringen will, dann hat das schon was von Verzweiflung.

Das Bochumspiel hat jedenfalls gezeigt: Es lag nicht an Verbeek, es lag auch nicht an Mlapa, wahrscheinlich noch nicht einmal allein an Bader. Immerhin: Für Verbeek freut es mich. Vielleicht gibt ihm der Sieg ein paar in Nürnberg verlorene Jahre zurück.

„Bauernopfer“: Musste Schäfer statt Ismael gehen?

1. FC Nürnberg - MitgliederversammlungVon wegen Frieden! Nichts ist gut beim 1. FC Nürnberg. Bevor wir uns dem Bochum-Spiel widmen, müssen wir die Ereignisse der letzten Wochen noch einmal rekapitulieren, um ein paar Missstände aufzudecken. Man stelle sich vor, Kaiserslautern hätte am Montag noch den 3:3-Ausgleich gemacht. Oder die Partie wäre gar verloren gegangen. Nicht auszudenken, was dann bei der Jahreshauptversammlung am Dienstag in der Frankenhalle losgewesen wäre. Kaum vorstellbar, dass die Demontage Raphael Schäfers auf dermaßen wenig Widerstand im Vereinsumfeld gestoßen wäre, wie es nun der Fall war. Sehr wahrscheinlich wäre Valerien Ismael im Falle einer Niederlage gegen den FCK als Trainer des 1. FC Nürnberg gefeuert worden. Vermutlich noch am selben Tag, an dem die Mitgliederversammlung stattfand. Die Frage ist auch: Hätte Sportvorstand Martin Bader dann überhaupt einen Coach in der Hinterhand gehabt?

Aus gut informierten Kreisen ist zu den Clubfreunden durchgedrungen, dass die Entlassung Ismaels bereits nach der 0:3-Blamage in Heidenheim beschlossene Sache war. Lediglich Günther Koch soll es zu verdanken gewesen sein, dass Ismael im Amt geblieben ist. Denn während sich Aufsichtsratsboss Klaus Schramm, Martin Bader und der Sportliche Leiter Wolfgang Wolf am Tag nach der Pleite berieten, bezeichnete Koch eine mögliche Demission Ismaels pressewirksam als „Bauernopfer“ und forderte stattdessen einen Rücktritt Baders. Diese Äußerung, die im 15-Minuten-Takt auf SkySportNews-HD über die Mattscheiben flimmerte, ist wohl auch zu den drei Konferierenden durchgedrungen. Sie sollen es dann nicht mehr gewagt haben, den Schritt tatsächlich zu gehen und dem Ex-Radioreporter damit möglicherweise Recht zu geben. Dem Vernehmen nach zog es Schramm offenbar deshalb vor, nach fünf Stunden Krisensitzung vor die versammelte Presse zu treten und zu verkünden: Alles bleibt beim Alten.

Klar also, dass das Kaiserslautern-Spiel im Hinblick auf die bevorstehende Mitgliederversammlung nichts als ein weiteres Endspiel war. Es ist hingegen unklar, was die Vorgabe vonseiten der Sportlichen Leitung an Valerien Ismael war. Was auch immer hier kommuniziert wurde: Ismael tat das einzig Richtige und nahm den enormen Druck von der Mannschaft, indem er, sicherlich in Absprache mit Bader und Wolf, das Saisonziel nach unten korrigierte. Der Trainer entschloss sich zu einer weiteren drastischen Maßnahme: Er demontierte den Leitwolf, Raphael Schäfer. Angesichts der geschilderten Situation ist es sehr unwahrscheinlich, dass er dies ohne Zustimmung von Bader und Wolf getan hat.

Denn an Schäfers Leistung kann es ja nicht gelegen haben. Er war in den Wochen zuvor noch der stabilste Mann in dem wackeligen Konstrukt, das sich Team nennt. War also möglicherweise Schäfer das „Bauernopfer“, das Ismael nicht hat sein sollen? Schäfer sagt, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Die Degradierung zur Nummer drei sei für ihn überraschend gekommen. Man ist geneigt, ihm zu glauben. Und egal was intern vorgefallen ist, einen solchen Abschied hat Schäfer nicht verdient. Die Demission mitten in der laufenden Hinrunde war schlichtweg stillos.

Doch Ismaels Plan ging auf: Das Lautern-Spiel wurde 3:2 gewonnen. Aus der Mitgliederversammlung am nächsten Tag ging die Sportliche Leitung sogar gestärkt hervor. Alles wird gut, war die Message, die die versammelten Mitglieder vermittelt bekamen. Dabei hätte es genügt, einmal die Spielweise genauer zu betrachten, dann hätte man festgestellt: Nichts ist gut! Die Mischung stimmt nicht, das Team ist zu jung. Und dann schmeißt man auch noch den erfahrenen Schäfer raus. Unverständlich! Die Partie gegen die Pfälzer hat lediglich gezeigt: Läuft es beim Club, also geht man beispielsweise in Führung, dann ist die junge Truppe durchaus in der Lage, zu gewinnen. Doch läuft es nicht, bricht die Elf auseinander. Das war bis jetzt immer so, kein Spiel wurde nach Rückstand gewonnen. In Bochum gelang zumindest noch der Ausgleich.

Im Rewirpower-Stadion nahm der 1. FC Nürnberg am Freitagabend den Rückenwind aus dem Sieg gegen den FCK mit, startete druckvoll. Aber es lief wie so oft in den letzten Wochen und Monaten: Der Elf um Torwart Patrick Rakovsky entglitt die Partie nach und nach. Logische Konsequenz: Kurz vor der Halbzeit erwischte Bochums Michael Gregoritsch die Club-Verteidigung nach einem Freistoß eiskalt und netzte volley zum 1:0 ein (44.). Ins Torwarteck. Dass der sowieso angeschlagene Neuzugang Dave Bulthuis aus disziplinarischen Gründen fehlte, fiel in keinem Moment auf. Immerhin bewiesen die Cluberer Charakter und kamen nur 10 Minuten nach der Pause in Form eines sehenswerten Flachschusses durch Jakub Sylvestr zurück – 1:1 (55.). Danach war aber weiterhin Bochum überlegen. Der VfL hatte drei dicke Möglichkeiten, auf 2:1 zu erhöhen. Der Club wankte und war erneut insgesamt zu harmlos. Am Ende holten die Franken einen glücklichen (!) Punkt bei den Bochumern.

Hach, aber es herrscht ja wieder Friede, Freude, Eierkuchen seit dem ebenfalls glücklichen 3:2 gegen Lautern, das gut und gerne auch 3:4 verloren gehen hätte können. Die Zahlen sind jedoch ernüchternd: 10 Punkte aus neun Spielen, Platz 13, nur drei Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Man fragt sich: Ist das der neue Anspruch des 1. FC Nürnberg und der seiner Fans? Scheint so.

Spitzenreiter unter Betondecke

Der Club ist Tabellenführer! Welch komfortable Position. Nein, keine Sorge, mir hat nicht der Sieg gegen Leverkusen die Sinne vernebelt. Ich beziehe mich vielmehr auf eine Aussage von Robin Dutt, Trainer des SC Freiburg, der vor dem Kellerderby des SCF gegen Hannover  (1:2) seine Schützlinge als Tabellenführer bezeichnet hatte – und zwar mit der Begründung, dass die Freiburger in der  „Abstiegsrunde“ vorne liegen. In der Tat scheint es so, als würde das Quartett am Ende die beiden Absteiger und den Relegationsteilnehmer unter sich ausmachen.

Überhaupt kristallisiert sich jetzt fast alljährlich eine Gruppe völlig abgehängter Vereine heraus, die mit reichlich Abstand zum unteren Mittelfeld gleichsam einen eigenen Wettbewerb ausspielen. 2007/08 waren das Bielefeld, Cottbus, Nürnberg, Duisburg und Rostock; 2008/09 dann Hannover, Gladbach, Bochum, Bielefeld, Cottbus und Karlsruhe.

Weil Kollege vip sich mal über die sozialdemokratische Spielweise des Clubs ausgelassen hat, sei an dieser Stelle Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, zitiert.  Der hat  im Zusammenhang mit der Armut in Deutschland von einer Betondecke gesprochen, unter der die Benachteiligten dieser Gesellschaft leben müssten. Armut habe es immer gegeben, aber das neue Problem bestehe darin, dass sie zementiert sei, dass kein Aufstieg für die Armen möglich sei.

Auch für die Bundesliga scheint die Metapher mit der Betondecke anwendbar, auch hier gibt es die Abgehängten. Eine Entwicklung, die sich meines Erachtens verschärft hat, seit die Großklubs in den internationalen Wettbewerben alljährlich groß abkassieren und ihren Vorsprung vor den Kleinen ausbauen können. Für das Quartett am Ende besteht jedenfalls wohl kaum eine Chance, den Anschluss zu schaffen. Dass Hertha BSC Berlin zu dieser Gruppe gehört, hätte man vor Saisonbeginn freilich nicht unbedingt vermutet. Da musste sich diesmal tatsächlich einer der vermeintlich Großen unter die Betondecke begeben, und traditionelle Underdogs wie Bochum oder auch Gladbach haben es heuer etwas leichter. Am Samstag reist der Club in die Hauptstadt. Und kann dort womöglich seine Tabellenführung ausbauen.

Der Club und die Kriminellen

„Wir geben Kriminellen keine Chance“, kündigte der Club am Mittwoch an. Einen Kollegen, selbst leidenschaftlicher Fan des FCN, hat diese Neuigkeit sichtlich überrascht: „Früher saßen die Kriminellen doch bei uns in der Vorstandschaft.“

Und flugs waren sie wieder da, die Erinnerungen an den turbulenten Start des Clubs in die 90er Jahre, als der Verein noch schwarze Kassen führte und die Gunst von Schiedsrichter gewinnen wollte, indem er ihnen Fitnessgeräte schenkte. Professor Dr. Dr. Ingo Böbel, damals Schatzmeister des Ruhmreichen, wanderte dann ja tatsächlich hinter schwedische Gardinen.  Nun aber beschreitet der Club neue Wege und gibt Kriminellen keine Chance mehr.

Doch Scherz beiseite: Die Meldung hat freilich einen ernsten Hintergrund. Nach den jüngsten Krawallen beim Spiel in Bochum, wo neun Personen durch das Abbrennen von Pyrotechnik verletzt wurden, soll es ab dem Spiel in Bremen (27. März) bei Auswärtsspielen künftig nur noch personalisierte Eintrittskarten geben,  um auffällig gewordene Unruhestifter von vornherein ausschließen zu können. Die Tickets sollen auch nicht übertragbar sein.

Nun klagen die Fans traditionell aber ohnehin schon, dass  die Vereine allzu schnell Stadionverbote aussprechen. Andererseits ist die Haltung des FCN nach den Vorfällen in Bochum verständlich.   Notfalls, kündigte der Verein an, werde er auch gar keine Karten für Auswärtsspiele mehr verkaufen.

Ein 0:0, das wenig Hoffnung macht

20100220 Bunjaku AlbertNach dem Spiel gegen die Bayern mochte man noch eine Aufwärtsbewegung erkennen. Das Spiel gegen Bochum brachte zwar ebenso einen Punkt, aber eigentlich war da 90 Minuten nichts zu erkennen, was Hoffnung macht. Hinten mussten Schäfer und das Glück mehrfach in brenzlicher Situation retten, dabei war Bochum alles andere als gefährlich. Im Mittelfeld lief offensiv herzlich wenig. Die Pässe kamen viel zu oft nicht an. Die so genannten Stürmer hingen daher voll in der Luft. Womit wir beim einzigen Stürmer wären, der die Bezeichnung noch verdient: Albert Bunjaku (Bild). Der leistet sich erst ein saudummes Handspiel, wo man noch annehmen konnte, er will sich vielleicht die 5. Gelbe abholen, um dann gegen Bayer Leverkusen, wo eh bloß Beton anrühren angesagt sein dürfte, zu fehlen und nicht in einem wichtigen 6-Punkte-Spiel gegen einen Mitkonkurrenten um den Abstieg. Aber dann schlug er auch noch den Ball weg, bekam die gelb-rote Karte und bewies: strategisches Denken ist doch nicht seins, der war einfach nur von der Rolle.

Womit wir bei jenen Schwachköpfen wären, die vor dem Spiel bengalische Feuer zünden und sich und andere Fans in Gefahr bringen. 6 Verletzte, 2 davon schwer, gab es in Bochum. Den Spruch, zumindest die FCN-Fans seien Bundesligaspitze, kann man jedenfalls getrost vergessen.