Der FCN ist noch nicht so weit

Gegen Eintracht Braunschweig hatte der Club etwas gutzumachen. Mit 6:1 ging er im Hinspiel unter. Den Treffer für den FCN schoß der mittlerweile zu Schalke 04 abgewanderte Guido Burgstaller. Wenig Hoffnung für das Rückspiel machte zum einen das Fehlen des früheren Goalgetters. Zum anderen die Tatsache, dass der Club zuhause antreten musste. Da tut er sich nämlich in dieser Saison – wieder einmal – schwer. Das Spiel machen, das ist nicht so unser Ding.

Das mussten wir anfangs allerdings auch nicht. Da übernahm gleich mal die Eintracht die Initiative. Ganz offensichtlich hatten die den Plan (sowas kennen wir eher weniger), erstmal richtig Druck zu machen und den Club ins Hintertreffen zu bringen. Das gelang auch in der 23. Minute. Da spielte Hernandez die halbe FCN-Abwehr aus, passte zu Nyman, der nur noch ins Tor zu schieben brauchte. Eine Minute zuvor hatte Nyman schon den Pfosten getroffen.

Die Braunschweiger zogen sich daraufhin zurück und ließen den Club kommen. Wohl wissend, dass der da Schwierigkeiten hat. Zwar ergab sich die eine oder andere Chance. Zwingend war das aber fast alles nicht.

Nach der Pause stellten sich die Braunschweiger weiter hinten rein und warteten auf Konter. Ein Burgstaller wäre jetzt gut, dachten wir. Aber wir haben ja jetzt Abdelhamid Sabiri. Der wird eine halbe Stunde nach dem Führungstreffer von Matavz bedient, lässt den Eintracht-Verteidiger alt aussehen und markiert den inzwischen vollauf verdienten Ausgleich.

Danach spielte fast nur noch der Club, bei dem vor allem die angeblich noch nicht so weiten Youngsters die Akzente setzten. Patrick Kammerbauer zum Beispiel. Oder Dennis Lippert, der als sich der Tabellendritte dann doch wieder aufgerappelt hatte, in der 81. Minute für seinen bereits geschlagenen Keeper Kirschbaum auf der Linie rettete.

Doch obwohl der Club am Ende mehr zu bieten hatte als die kräftemäßig schon verausgabten Braunschweiger, reichte es dann nicht mehr zum Siegtreffer. Mancher hätte da wahrscheinlich früher frische Kräfte eingewechselt. Aber Trainer Alois Schwartz ist da bekanntlich zurückhaltend. Auch was die angeblich nicht so weiten jungen Spieler angeht, tritt er auf die Bremse und wünscht sich gleiches von den Clubberichterstattern. Sagen wir mal so: Es sind eher ein paar andere nicht so weit, um ganz oben anzugreifen.

Wer 1:0 führt…

620572203Deutlicher Aufwärtstrend, bestes Spiel bislang, das versuchten uns die Clubverantwortlichen nach dem mühsamen Weiterkommen im Pokal – gegen den Regionalligisten Viktoria Köln (!) – einzureden. Soweit sind wir schon. Nach den Unentschieden gegen die Zweitligograumäuse Dresden und Heidenheim ging es nun gegen einen etwas härteren Brocken, gegen Eintracht Braunschweig. In Braunschweig hat der Club seit 50 Jahren nicht mehr gewonnen. Andererseits: Wenn man in der zweiten Liga vorne mitspielen will und angesichts der fast schon gesetzten Aufsteiger Hannover und Stuttgart etwas reiß0en will, dann muss man Mannschaften wie Braunschweig schlagen.

So weit die Ausgangslage. Die Realität hat den Club dann alerdings ziemlich knallhart eingeholt. Während es bei den Graumäusen gerade noch zu Unentschieden gelangt hat, zeigte Braunschweig dem Club schonungslos die Grenzen auf. Nach dem Motto: Orientiert euch nach unten, ihr Flaschen!

Womit wir bei den Flaschen waren, die angesichts der Hitze bei einer Trinkpause in der 23. Minute kredenzt wurden. Bis dahin lief es für den Club nämlich noch richtig gut in Braunschweig. Da lag er seit der 8. Minute durch eine Gemeinschaftsproduktion von Guido Burgstaller und dem Braunschweiger Reichel mit 1:0 vorne. Inzwischen wissen wir, dass sowas beim FCN 2016 nicht viel heißt. Der liegt gerne einmal 1:0 vorne und macht dann bloß nach vorne nichts mehr, aber hinten auch nicht richtig dicht. Ein alter Verwalter ist der Altmeister nicht. Deswegen musste der ernüchterte Clubfan ein neuerliches Unentschieden im Blick haben. Doch Braunschweig beließ es dann blöderweise nicht damit, dem Fastaufsteiger nur einen Ausgleichstreffer einzuschenken. Mit einem Doppelschlag kurz vor der Pause drehte die Eintracht das Spiel.

Beim Club hatte man – wie schon gegen Dresden, Heidenheim und Köln – nach dem Vorsprung auf die Bremse gedrückt. Offensichtlich wird da im Unterbewusstsein signalisiert: Kräfte sparen, sonst fehlen sie uns wieder in den Relegationsspielen.

In Braunschweig war es, wie gesagt ziemlich heiß. Da ist Kräfteschonen auch aus anderen Gründen angesagt. Wobei das schwarze Auswärtsdress da als Alibi nicht unbedingt herhalten darf. Während die Clubmannschaft sich weiter zurückhielt, drehte Braunschweig erst so richtig auf. Die Chance, einen scheinbar großen Gegner zu demütigen, verlieh da zusätzlich Flügel. Allerdings machte es der der Eintracht auch erstaunlich leicht. Wenn sich die Abwehr regelmäßig auf den Torwart verlässt und der auf seine Vorderleute, dann hast du schnell mal sechs Dinger im Kasten.

Das einzig Positive an diesem Ergebnis ist, dass die Schönredner jetzt wenigstens den Mund halten. Wahrscheinlich wird aber gleichzeitig vor Panik gewarnt. Andererseits sehe ich wenig Gründe, warum man nach einem solchen Saisonstart ruhig bleiben soll. Außer dem, dass man bei der Hitze mit seinen Kräften haushalten sollte. Auch als Nichtspieler.

Ärgerliche Pleite in Braunschweig

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Man hat schon Pferde vor der Apotheke kotzen sehen. In Nürnberg machen sie das sogar besonders gerne. Deswegen konnte dem Club-Freund etwas unwohl werden, als es nach dem 6:2 gegen Berlin allerorten hieß, der 1.FC Nürnberg habe die Relegation sicher. Wenigstens Kollege vip baute noch eine kleine löbliche Einschränkung ein: „So gut wie“, schrieb er. Da erkennt man den treuen Fan, der spätestens seit dem Abstiegsinferno anno 1999 weiß, dass gerade beim Ruhmreichen Theorie nicht immer grau sein muss. St. Pauli hätte ja in den letzten drei Spielen nur dreimal 6:0 gewinnen und der 1.FC Nürnberg drei Pleiten kassieren müssen (zweimal 0:1, einmal 0:2) – und schon wären die Hamburger vorbeigezogen. Wer die Club-Historie nur lange genug verfolgt, dem kommen solche Szenarien alles andere als unwahrscheinlich vor… Doch seit diesem Wochenende sind die bösen Deppen-Gespenster verjagt. St. Pauli hat durch das 0:2 gegen energisch um den Klassenverbleib kämpfende Münchner „Löwen“ die letzte theoretische Restchance auf Rang drei verspielt, Trainer Rene Weiler und seine Schützlinge werden am Ende mindestens „Bronze“ holen. Das ist die gute Nachricht. Die schlechte: In Braunschweig gab es eine bittere 1:3-Niederlage.

Dabei schien die Ausgangslage so günstig: Weil die Bielefelder Arminia, für die es eigentlich um nichts mehr geht, den Nürnbergern vielleicht aus einer gewissen Rekordabsteiger-Solidarität heraus Schützenhilfe leistete und RB Leipzig ein 1:1 abtrotzte, erschien vor dem Spiel in Niedersachsen sogar Rang zwei und der direkte Aufstieg wieder in Reichweite. Mit einem „Dreier“ gegen die ebenfalls nur noch um die goldene Ananas kickende Eintracht hätte der Club den Abstand auf den Brauseklub auf zwei Punkte verkürzt. Leider nahm Braunschweig das Duell der beiden Absteiger von 2014 sehr ernst und machte diese Planspiele der Nürnberger zunichte. Kurz vor der Pause brachte Khelifi die Braunschweiger in Führung (43.), nachdem zuvor die Gäste die Mehrzahl an Tormöglichkeiten verzeichnet hatten. Aber Rurik Gislason verfehlte bei seinen beiden Kopfballchancen (15./24.) ebenso das gegnerische Gehäuse wie später Niclas Füllkrug per Freistoß (33.). Von einem Rückstand haben sich die Nürnberger in dieser Spielzeit zwar selten verunsichern lassen, aber diesmal lief es auch in der zweiten Hälfte nicht besser für die gegenüber dem Berlin-Spiel mit unveränderter Formation aufgelaufenen Weiler-Schützlinge. Reichel per Abstauber (60.) und der sträflich freistehende Sauer (67.) erhöhten auf 3:0 für den Deutschen Meister von 1967. Guido Burgstaller traf zwar aus der Drehung ins kurze Eck (78.), aber dieser Anschlusstreffer kam zu spät. Nun dürfte es schwierig werden, Leipzig noch abzufangen.

Während der Tabellenführer SC Freiburg (69 Punkte, mit dem Ex-Cluberer Frantz) die sofortige Rückkehr ins Oberhaus durch ein 2:1 in Paderborn perfekt machte, brauchen die derzeit ins Trudeln geratenen Leipziger (64) noch zwei Punkte, um Platz zwei sicherzustellen. Sie spielen nächste Woche gegen Karlsruhe und zum Schluss in Duisburg. Der 1.FCN (59) hat zwar die bessere Tordifferenz, aber bei fünf Punkten Rückstand sind die Aussichten trübe. Der Club braucht für den direkten Aufstieg zwei Siege gegen St. Pauli sowie Paderborn – und noch ein paar Pferde, die vor die Apotheke kotzen.

Klassenerhalt geschafft!

2861543090Klassenerhalt geschafft, gewonnen, gut gespielt. Heute gibt es nicht viel zu mäkeln. Dabei war mit Mitabsteiger Braunschweig nicht irgendwer zu Gast im Grundigstadion. Für Braunschweig ging es immerhin darum, doch noch im Aufstiegsrennen mitzumischen. Die Eintracht war also durchaus motiviert. Beim Club hatten zumindest einzelne noch ihre spezielle Motivation. Pinola zum, Beispiel. Für den geht es um einen neuen Vertrag. Entsprechend hängte er sich rein. Das Führungstor geht fast auf seine Kappe. Der Braunschweiger Reichel konnte kaum anders, als Pinos Schuss ins eigene Tpr zu lenken. Wobei es Pinola diesmal scharf und flach versuchte und prompt zum Erfolg kam. Den Ball flach halten! Unser Reden seit Jahrzehnten. Gilt übrigens auch für hochfliegende Stadionträume etc.

Aber nicht nur Pino war ein Aktivposten. Mit Blum und Kerk im Sturm kam plötzlich Leben in die Bude. Da war gleich viel mehr Tempo und Action im sonst von Sylvestr und Mlapa bestenfalls verwalteten Sturmspiel. So war es auch Blum, der mit einem Superschuss das 2:0 machte und eine Viertelsrunde späte konnte Burgstaller, schon seit Wochen immer einer der besten, sogar auf 3:0 erhöhen. Dass dann ob des ungeahnten und ungewohnten Torsegens offenbar die Konzentration nachließ und Braunschweig noch einmal mit dem Anschlusstreffer nachlegte: geschenkt!

Ein bisschen Motivation sollte der Club allerdings auch aus der Tatsache ziehen, dass ihm langsam das Faninteresse abhanden kommt. Gerade einmal 27.000 Zuschauer waren – trotz bestem Wetters – ins Stadion gekommen. Das lag bestimmt nicht an der Aschenbahn oder veralteter Infrastruktur. Was die Situation noch prekärer macht ist, dass viele Zuschauer lediglich mit Freikarrten oder aufgrund der Verlosungsaktion eines Getränkeherstellers gekommen waren. Andere wollten vor allem das Sondertrikot zum 90. Geburtstag von Max Morlock erwerben und fanden deshalb den Weg ins Grundigstadion. Imnsofern konnte die Mannschaft wenigstens ein bisschen Werbung machen. Tore sind da allemal besser als Trikots und Gewinnspiele.

Tradition schlägt Tradition

Eintracht Braunschweig - 1. FC Nürnberg„Die Tradition zählt künftig nichts mehr“. So lautete heute eine Schlagzeile in unserer Zeitung. Es ging dabei zwar um den Reitstall Tattersall. Aber auch im Profifußball scheint Ähnliches zu gelten. Heute abend besonders. Zwei von einstigem Ruhm zehrende Vereine, zwei bayerische Altmeister, trafen da aufeinander und beiden dämmert mittlerweile, dass man sich für Tradition nicht nur nichts kaufen kann, sondern dass sie sogar zur Belastung werden kann. Vor allem weil sie als dauerndes Zurückbleiben hinter den eigenen Ansprüchen empfunden wird. Historisch gesehen fühlt man sich der ersten Liga zugehörig, real langt es aber nicht einmal zu einem gesicherten Mittelfeldplatz in der zweiten.

Und was an den ruhmreichen Namen das Schlimmste ist: Sport1 hofft mit den klangvollen Namen auf Quote und der DFB lässt einen dauernd montags spielen. Montag, das muss mal gesagt werden, ist das letzte! Ich kenne inzwischen schon Leute, die sagen: Lieber 3. Liga als weiter diese Montagskacke.

Immerhin scheint der Club wenigstens keinem Montagsfluch zu unterliegen, wie nach der Niederlage in Braunschweig (wir haben uns da die Spielkommentierung wegen Ödnis geklemmt) vermutet wurde. In der Liga der abgetakelten Altmeister sind wir halt noch eine Größe. Sogar montags.

Eigentlich wäre der Größenunterschied noch deutlicher zutage bzw. zunacht getreten, wenn sich unser Club nicht in der 28. Minute (Mössmer) selbst ein Ei ins eigene Netz gelegt hätte. Davor sah nämlich alles gut aus: 2 Chancen, 2 Treffer. Das nennt man wohl Effektivität und Fastneutrainer Rene Weiler (Bild) konnte wieder strahlen.

Aber dann war der Wurm drin. Zumindest vorne. Statt Toren gab eine Stunde lang nur noch Karten und das übliche Zittern. Dabei mussten die Sechziger die letzten 35 Minuten in Unterzahl bestreiten. Der Ex-Cluberer Martin Angha flog in der 58. Minute mit Geld-Rot vom Platz. Doch dieses „Geschenk“ von Schiri Kampka wollte beim FCN keiner so richtig annehmen. Ehrt ihn ja. Aber diesmal hätte er mal was fürs Torverhältnis tun können und für die Nervenberuhigung der Fans.

Aber so ist es wahrscheinlich besser. Sonst wären die ersten wohl wieder abgehoben. Dafür besteht jedoch kein Grund. Das war nämlich nur ein Sieg gegen einen Traditionsverein.

Rot-Schwarze brauchen Hilfe

Was ist nur mit dem Club los? Wenn schon die ansonsten selten mit Lob sparende Propagandaabteilung in der Online-Redaktion hoch über dem Valznerweiher das 1:1 bei Tabellenschlusslicht Eintracht Braunschweig als „glücklichen Punktgewinn“ verbucht, und entsprechend in den Äther hinausbläst, dann kann das, fränkisch ausgedrückt, „nix Gscheits“ gewesen sein. Und das ist noch milde ausgedrückt:

„Gar nix“ war das an diesem Sonntag! Zu pomadig im Spielaufbau, zu schwach im Abschluss. Von der kürzlich aus den Fängen des Ex-Club-Trainers Dieter Hecking befreiten, millionenschweren Kreativhoffnung Makoto Hasebe (Bild) kamen keine (oder schlechte) Impulse, und Landsmann Hiroshi Kiyotake blieb erneut ein Schatten seiner Selbst.
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