Fastabsprung nach Fastabstieg

  • Kommende Woche geht es wieder los. Zunächst mit dem Pokalspiel gegen RB Leipzig und dann die Woche darauf mit dem ersten Punktspiel gegen Jahn Regensburg. Zeit also für ein kleines Update.
  • Da wären zunächst die Testspiele, aus denen besonders das 5:2 gegen Hoffenheim heraussticht. Andererseits: Mit dem gleichen Ergebnis hatte der Club auch Bayern München vor dem Rückrundenstart in einem Testspiel abgefertigt. Danach holten sich die Bayern drei Titel und der Club den Fastabstieg. Insofern war es vielleicht ganz gut, dass der FCN bei der Generalprobe gegen Union Berlin wieder ein bisschen geerdet wurde. Wobei man die 2:1-Niederlage in Berlin nicht überbewerten sollte. Zum einen kam sie durch einen zweifelhaften Elfmeter – gepfiffen von einem Berliner Schiedsrichter – zustande. Zum anderen wollte Union Jubiläum feiern und das mit 4500 handverlesenen Zuschauern. Da mochte wohl keiner die Feier und die Rückkehr zur Normalität gefährden. Clubfans waren ohnehin nicht zugelassen. Aber diese Art von Wettbewerbsverzerrung (in Leipzig und Berlin wird angefeuert, in Nürnberg oder Stuttgart hingen nicht) dürfte uns noch eine Weile begleiten. Andererseits waren in Berlin auch wieder die alten Clubschwächen erkennbar. Die Abwehr wirkt nur anfangs stabil, agierte dann aber aufgrund der anhaltenden Erfolglosigkeit der Angriffsbemühungen irgendwann unkonzentriert. Vorne häuften sich dann verzweiflungsbedingte Einzelaktionen. Und dabei waren die einschlägig Bekannten aus der letzten Saison (Frey, Hack) gar nicht im Kader. Der hat sich dennoch nicht grundlegend verändert. Lediglich mit Singh, Krauß (wurde aber zur Halbzeit durch Dovedan ersetzt) und Pascal Köpke (für ihn kam nach einer Stunde Lohkemper) standen neue Namen in der Startaufstellung. Da gab es schon mal größere Umbrüche beim FCN.
  • Reisende soll man nicht aufhalten, sagt man. Das mag für den wechselwilligen Robin Hack gelten. Gilt es aber auch für den vergrätzten Clubfan? Mit der körperlichen Anwesenheit unsererseits wird es ja erst einmal nichts. Aber auch, was das Liveerlebnis via Bildschirm angeht, wird einiges getan, um uns den Absprung in die Fußballabstinenz zu erleichtern. Bislang gab es die Clubspiele, sofern sie von Sky übertragen werden durften, für 10 Euro im Monat mit dem Sky-Ticket zu sehen. Inzwischen bekommt man dafür lediglich Konferenzen. Wer nur den Club sehen will, muss monatlich 30 Euro berappen. Also das Dreifache. Da überlegt man sich schwer, ob man in der neuen Saison noch dabei sein will.
  • Der absprungwillige Robin Hack wird wiederum wohl doch bleiben (müssen). Trainer Robert Klauß hat den Wechselambitionen einen Riegel vorgeschoben. Ob das schon das letzte Wort war, wird sich weisen. Immerhin hat der Club mit Pascal Köpke schon mal Ersatz auf der Hack-Position. Mit Manuel Schäffler gibt es noch eine weitere Verstärkung im Offensivbereich. Was die Abwehr angeht, gibt es da leider (noch) wenig zu vermelden.
  • Das Kokettieren mit dem Absprung (auch hier im Blog mehrfach zelebriert) beherrscht auch unser Aufsichtsratsvorsitzender. Thomas Grethlein will sich erst noch „Bedenkzeit“ geben und hinterfragen, ob er nochmal kandidieren und sich das Amt „antun“ soll. Mitgeteilt hat er das der Bildzeitung. Die ist ja für alles Mögliche gut/schlecht. Jedenfalls wirkt die Masche: Etliche finden Grethlein plötzlich gar nicht mehr so schlecht und wollen ihn behalten – wahrscheinlich auch angesichts fehlender oder eher beängstigender Alternativen.

Der Deppentitel winkt

Schon an diversen ChampionsLeague-Abenden schwante mir, der FanTalk auf Sport1 könnte ein Konzept mit Zukunft sein. Andere das Spiel schauen lassen und sich dabei deren Fachgesimpel anhören. Oft ist da mehr Esprit dabei, als beim Gekicke auf dem Rasen.

Was den Club angeht, sowieso. Trotzdem tigerten wir bislang entweder ins Stadion, in die Sky-Kneipe oder vor den eigenen, mit Sky-Ticket aufgebrezelten Fernseher. Die beiden ersten Aktivitäten sind leider nicht mehr möglich. Letzteres wiederum hieße, den Bock zum Gärtner zu machen. Also ließen wir diesmal gucken und organisierten unseren eigenen FanTalk anhand der Berichte in den Zeitungen und den Kommentaren in diversen Webkanälen. Fazit: Wir haben anscheinend nichts versäumt. Same Procedure as vor Corona. Vorne braves Gekicke, das dem Trainer gefällt, aber nichts bringt. Hinten wieder der eine oder andere Lapsus und der einzige, der kämpft und mal ins Risiko geht, ist blöderweise der Torwart.

Ansteckend, was die Wiederaufnahme eines Sky-Vertrages angeht, ist das nicht. Stattdessen ertappt man sich bei dem Gedanken, ob sich nicht lieber beim FCN jemand anstecken sollte, um auf diese Weise die Saison noch versöhnlich zuende zu bringen. Doch selbstverständlich wünschen wir allen Spielern und Betreuern Gesundheit und ein langes Leben. Andererseits gilt natürlich auch der Satz des großen Vordenkers Christian Lindner: Manchmal ist es besser, nicht zu spielen als falsch zu spielen. Freilich ist das keine Option für den nicht nur auf dem Platz viel zu braven Club. Der schreit lieber wieder als erstes Hier, wenn ein neuer Deppentitel (Coronaabsteiger) zur Vergabe ansteht.

Ein weiterer Grund, nicht hinsehen zu wollen.

Sollen wir die jetzt auch noch belohnen?

In schweren Zeiten braucht man Tröstliches. Deswegen das Positive vorweg: Unser Club hat 120. Geburtstag feiern und in schönen Erinnerungen schwelgen dürfen. Außerdem haben wir den DFB-Pokal gewonnen. Zwar nur im Bayerischen Fernsehen und als Wiederholung. Aber immerhin.

Leider hat das Umfeld, in dem unser Ruhmreicher zugange ist, das mit der Maskenpflicht offenbar missverstanden und stattdessen alle Masken fallen lassen. Jetzt regiert nur noch der Reibach, dem Fan wird seine Überflüssigkeit vor Augen geführt und von Vereinen, die beste Drähte in Politik und Wirtschaft haben, werden berechtigte Skrupel der Konkurrenz schamlos ausgenutzt. Zudem wird wieder deutlich, dass es sich beim Profifußball um gut bezahlte Sklavenhaltung handelt. Nirgendwo wurden Spieler gefragt, ob sie das Kasperletheater mitmachen und ihre Gesundheit aufs Spiel setzen wollen. Wenn das alles irgendeine Vorbildfunktion haben sollte, dann gute Nacht!

Und wer jetzt einwendet, die hätten doch alle Demut und Bescheidenheit bekundet. Ja, der Seifert vielleicht. Der hat das noch bei Karstadt gelernt. Schon wenn Palikuca was von Demut erzählt, kämen einem Zweifel, wenn man nicht als Clubfan schon vor der Pandemie im Demutsmodus gewesen wäre.

Demut ist ohnehin nicht überall angebracht. Haben wir unseren Sportvorstand für seine juristischen Aktivitäten im Fall Bakery Jatta noch kritisiert, hoffen wir jetzt, dass er seine Anwaltskontakte spielen lässt, um im Abstiegsfall DFL und DFB bis vor die Bundesgerichte zu zerren.

Wobei, wahrscheinlich wird hier die Drohung reichen. Das dürfte dann schon so hingemauschelt werden, dass nur juristisch weniger beschlagene Vereine absteigen. Wenn überhaupt einer absteigt, schließlich ist die Zukunft der 3.Liga noch völlig unklar.

Das Mauscheln dürfte in den nächsten Wochen jedenfalls um einiges einfacher werden. Zuschauer, die sich über etwaige Fehlentscheidungen aufregen könnten, gibt es nicht mehr und die verbliebenen Journalisten – allen voran die leicht beeinflußbaren Sky-Kommentatoren – dürften letztlich eher am Erhalt ihres Arbeitsplatzes als an der Aufdeckung irgendwelcher Schummeleien interessiert sein.

Stellt sich also auch für uns die Frage: Sollen wir uns an dieser Farce beteiligen? Sollen wir unsere Sky-Tickets reaktivieren oder gar ein Abo abschließen? Gemeinsam mit anderen den Club gucken, das geht ja sowohl im Stadion als auch in der Kneipe nicht mehr.

Wir sind noch unschlüssig. Einerseits sollte man denen auf die Finger schauen. Andererseits gilt: Wer zahlt, signalisiert Zustimmung. Und das wollen wir auf gar keinen Fall.

Vorerst werden wir das Ganze also unter größtmöglicher Abstandwahrung sowohl zum Mitzuschauer als auch zum Arschlochfußball beobachten. Die gewohnten aktuellen Beiträge zu den Spielen werdet ihr hier erst einmal nicht finden. Wir melden uns, wenn es aus Clubfansicht was anzumerken gibt oder wenn uns wieder der Kragen platzt.

Kleines Lebenszeichen

War´s das? Das hatten wir vor gut fünf Wochen gefragt. Seitdem gab es hier kein Lebenszeichen mehr. Kein Spiel, kein Glubb-Weekly, keine Antwort auf die Frage.

Andererseits, was hätten wir schreiben sollen? Uns am Gestochere im Nebel beteiligen? So tun, als würde in ein paar Tagen alles weiter gehen wie gewohnt? Natürlich hätten wir die mehr oder weniger hilflosen Statements der Protagonisten aufblasen können. Aber das machen schließlich schon die – derzeit ansonsten weitgehend beschäftigungslosen – Sportkollegen.

Im Gegensatz zu diesen ist man als Blogger in der komfortablen Lage, einfach mal die Klappe halten zu können. Zumal im Augenblick das, was nicht gesagt und getan wird, dem Patienten Fußball mehr hilft, als alle aktionistischen Rettungsversuche. Der Fußball war nämlich – und da sind sich die meisten Fans einig  – schon vor Corona krank. Inzwischen fällt das auch dem Letzten auf. Zum Beispiel hier.

Unser philosophisch gebildeter Aufsichtsratsvorsitzender hat daher darauf verwiesen, dass jeder Krise auch eine Chance innewohnt. Dem kann man nur zustimmen. Hoffentlich nutzt der Fußball sie nicht so wie Medeiros in Fürth oder Baumann 1999 gegen Freiburg.

Auch für den FCN im Speziellen bietet die Krise eine Chance. Beispielsweise die, den zuletzt immer noch drohenden Abstieg zu vermeiden; egal, ob die Saison noch irgendwie zu Ende gegurkt oder ob ein Schlussstrich darunter gezogen wird. Während in letzterem Fall wohl niemand absteigen dürfte, wäre der Club für Geisterspiele mental wohl besser gerüstet als die Konkurrenz. Ein Heimvorteil war bislang eh nicht auszumachen, zumindest parziell leere Ränge kannten die Spieler schon und dank der Aschenbahn drang die Fanunterstützung ohnehin moderater ans Spielerohr als anderswo.

Auch wir Clubfans tun uns mit dem Shutdown etwas leichter. Freudlosigkeit herrschte bereits,  als noch gespielt wurde. Auf einen Abstieg konnten wir uns ebenfalls schon einstellen. Wenn man da nicht alleine leidet, sondern der gesamte Profifußball mitabsteigt, ist das leichter zu ertragen. Oder anders gesagt: Wenn Bayern, Leipzig, Dortmund oder Schalke von ihren hohen Rössern runter müssen, amüsiert sich der, der ohnehin nur auf einem Pony unterwegs ist.

Also: Haltet weiter durch! Die aktuelle Durststrecke ist für einen guten Zweck. In jeder Hinsicht.