Ein völlig verkorkstes Jahr

FC Schalke 04 - 1. FC Nürnberg
Der Anfang stimmte hoffnungsfroh, das Ende zumindest ein wenig versöhnlich – doch auch wenn der 1.FC Nürnberg vier der ersten fünf Pflichtspiele des Jahres gewann und die letzten vier nicht verlor, werden die Club-Fans froh sein, dass das schauderhafte 2014 nun endlich zu Ende geht.

Borussia Dortmund - 1. FC NürnbergDabei herrscht am Valznerweiher ein merkwürdiger Winterpausen-Optimismus im Januar 2014 – und das, obwohl der Club gerade mal wieder einen seiner vielen Deppenrekorde aufgestellt und eine komplette Hinserie ohne einen einzigen Sieg absolviert hat. Weil aber elf Unentschieden gelangen und die Konkurrenz sich ebenfalls schwer tat, ist das rettende Ufer nicht so weit entfernt, Nürnberg liegt drei Zähler hinter dem SC Freiburg, der den Relegationsplatz belegt, und punktgleich mit Schlusslicht Braunschweig auf Abstiegsrang 17. Zudem entfacht der im Oktober 2013 als neuer Coach installierte Gertjan Verbeek (auf dem Foto mit Sportvorstand Martin Bader) sehr viel Optimismus.

Und die Entwicklung im Januar und Februar scheint ihm recht zu geben. Im 18. Versuch, zum Rückrundenauftakt am 25. Januar, gelingt endlich der erste Saisonsieg – und das gleich mit einem famosen 4:0 gegen die TSG Hoffenheim. Der als Innenverteidiger aufgebotene Javier Pinola und Mittelfeldspieler Mike Frantz schaffen es in die „Elf des Tages“, Josip Drmic glänzt als zweifacher Torschütze. weiter lesen

„Bauernopfer“: Musste Schäfer statt Ismael gehen?

1. FC Nürnberg - MitgliederversammlungVon wegen Frieden! Nichts ist gut beim 1. FC Nürnberg. Bevor wir uns dem Bochum-Spiel widmen, müssen wir die Ereignisse der letzten Wochen noch einmal rekapitulieren, um ein paar Missstände aufzudecken. Man stelle sich vor, Kaiserslautern hätte am Montag noch den 3:3-Ausgleich gemacht. Oder die Partie wäre gar verloren gegangen. Nicht auszudenken, was dann bei der Jahreshauptversammlung am Dienstag in der Frankenhalle losgewesen wäre. Kaum vorstellbar, dass die Demontage Raphael Schäfers auf dermaßen wenig Widerstand im Vereinsumfeld gestoßen wäre, wie es nun der Fall war. Sehr wahrscheinlich wäre Valerien Ismael im Falle einer Niederlage gegen den FCK als Trainer des 1. FC Nürnberg gefeuert worden. Vermutlich noch am selben Tag, an dem die Mitgliederversammlung stattfand. Die Frage ist auch: Hätte Sportvorstand Martin Bader dann überhaupt einen Coach in der Hinterhand gehabt?

Aus gut informierten Kreisen ist zu den Clubfreunden durchgedrungen, dass die Entlassung Ismaels bereits nach der 0:3-Blamage in Heidenheim beschlossene Sache war. Lediglich Günther Koch soll es zu verdanken gewesen sein, dass Ismael im Amt geblieben ist. Denn während sich Aufsichtsratsboss Klaus Schramm, Martin Bader und der Sportliche Leiter Wolfgang Wolf am Tag nach der Pleite berieten, bezeichnete Koch eine mögliche Demission Ismaels pressewirksam als „Bauernopfer“ und forderte stattdessen einen Rücktritt Baders. Diese Äußerung, die im 15-Minuten-Takt auf SkySportNews-HD über die Mattscheiben flimmerte, ist wohl auch zu den drei Konferierenden durchgedrungen. Sie sollen es dann nicht mehr gewagt haben, den Schritt tatsächlich zu gehen und dem Ex-Radioreporter damit möglicherweise Recht zu geben. Dem Vernehmen nach zog es Schramm offenbar deshalb vor, nach fünf Stunden Krisensitzung vor die versammelte Presse zu treten und zu verkünden: Alles bleibt beim Alten.

Klar also, dass das Kaiserslautern-Spiel im Hinblick auf die bevorstehende Mitgliederversammlung nichts als ein weiteres Endspiel war. Es ist hingegen unklar, was die Vorgabe vonseiten der Sportlichen Leitung an Valerien Ismael war. Was auch immer hier kommuniziert wurde: Ismael tat das einzig Richtige und nahm den enormen Druck von der Mannschaft, indem er, sicherlich in Absprache mit Bader und Wolf, das Saisonziel nach unten korrigierte. Der Trainer entschloss sich zu einer weiteren drastischen Maßnahme: Er demontierte den Leitwolf, Raphael Schäfer. Angesichts der geschilderten Situation ist es sehr unwahrscheinlich, dass er dies ohne Zustimmung von Bader und Wolf getan hat.

Denn an Schäfers Leistung kann es ja nicht gelegen haben. Er war in den Wochen zuvor noch der stabilste Mann in dem wackeligen Konstrukt, das sich Team nennt. War also möglicherweise Schäfer das „Bauernopfer“, das Ismael nicht hat sein sollen? Schäfer sagt, er habe sich nichts zuschulden kommen lassen. Die Degradierung zur Nummer drei sei für ihn überraschend gekommen. Man ist geneigt, ihm zu glauben. Und egal was intern vorgefallen ist, einen solchen Abschied hat Schäfer nicht verdient. Die Demission mitten in der laufenden Hinrunde war schlichtweg stillos.

Doch Ismaels Plan ging auf: Das Lautern-Spiel wurde 3:2 gewonnen. Aus der Mitgliederversammlung am nächsten Tag ging die Sportliche Leitung sogar gestärkt hervor. Alles wird gut, war die Message, die die versammelten Mitglieder vermittelt bekamen. Dabei hätte es genügt, einmal die Spielweise genauer zu betrachten, dann hätte man festgestellt: Nichts ist gut! Die Mischung stimmt nicht, das Team ist zu jung. Und dann schmeißt man auch noch den erfahrenen Schäfer raus. Unverständlich! Die Partie gegen die Pfälzer hat lediglich gezeigt: Läuft es beim Club, also geht man beispielsweise in Führung, dann ist die junge Truppe durchaus in der Lage, zu gewinnen. Doch läuft es nicht, bricht die Elf auseinander. Das war bis jetzt immer so, kein Spiel wurde nach Rückstand gewonnen. In Bochum gelang zumindest noch der Ausgleich.

Im Rewirpower-Stadion nahm der 1. FC Nürnberg am Freitagabend den Rückenwind aus dem Sieg gegen den FCK mit, startete druckvoll. Aber es lief wie so oft in den letzten Wochen und Monaten: Der Elf um Torwart Patrick Rakovsky entglitt die Partie nach und nach. Logische Konsequenz: Kurz vor der Halbzeit erwischte Bochums Michael Gregoritsch die Club-Verteidigung nach einem Freistoß eiskalt und netzte volley zum 1:0 ein (44.). Ins Torwarteck. Dass der sowieso angeschlagene Neuzugang Dave Bulthuis aus disziplinarischen Gründen fehlte, fiel in keinem Moment auf. Immerhin bewiesen die Cluberer Charakter und kamen nur 10 Minuten nach der Pause in Form eines sehenswerten Flachschusses durch Jakub Sylvestr zurück – 1:1 (55.). Danach war aber weiterhin Bochum überlegen. Der VfL hatte drei dicke Möglichkeiten, auf 2:1 zu erhöhen. Der Club wankte und war erneut insgesamt zu harmlos. Am Ende holten die Franken einen glücklichen (!) Punkt bei den Bochumern.

Hach, aber es herrscht ja wieder Friede, Freude, Eierkuchen seit dem ebenfalls glücklichen 3:2 gegen Lautern, das gut und gerne auch 3:4 verloren gehen hätte können. Die Zahlen sind jedoch ernüchternd: 10 Punkte aus neun Spielen, Platz 13, nur drei Punkte Vorsprung auf einen Abstiegsplatz. Man fragt sich: Ist das der neue Anspruch des 1. FC Nürnberg und der seiner Fans? Scheint so.

Es ist nicht lustig, aber ziemlich hoffnungslos

1943908274Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man ja lachen und seine Witze reißen. Aber leider ist es ernst und da müsste man in Trauer verfallen. Freilich, das hilft und ändert ebenfalls nichts. Insofern ist Humor vielleicht ein besseres Rezept um der Lage beim Club zu begegnen. Zumal dann, wenn man eh nichts ändern kann.

Doch wie ändert man was? Mal unterstellt, die Clubspieler sind keine Volldeppen und haben ein bisschen Grips in der Birne (wer zum Beispiel Mike Frantz am Dienstag bei seinen neuen Verein Freiburg beobachtet hat, könnte auf die Idee kommen), dann muss man das wohl genau so machen, wie sie das in Heidenheim gemacht haben. Wie willst du einen Manager, der derart wider alles besseren Wissens von einer einflußreichen Fangruppe unterstützt wird, sonst los werden? Da muss der Karren so weit in die Scheiße manövriert werden, dass wirklich dem letzten, verblendeten Deppen klar wird, dass da Handlungsbedarf besteht.

Ob Platz 16 in Liga 2 reicht, das ist freilich noch die Frage. Zumal ja wieder die Option besteht, den Trainer zu entlassen und so die Schuld erstmal anderweitig loszuwerden. Gut, Ismael ist mit der Situation in Nürnberg überfordert. Der kann einen Schäfer nicht einfach auf die Bank setzen. Der kann sich auch nicht gegen die anderen Mächtigen im Verein wehren. Auch mit seinen Analysen lag er meistens daneben. Zum Beispiel, wenn er uns mit der völlig überraschenden Erkenntnis kam, das sei alles eine Kopfsache und bei der Mannschaft fehlten nur ein paar Prozent. Dass es wesentlich mehr Prozente sind, sah jeder – in Karlsruhe und jetzt in Heidenheim. Im übrigen scheint Ismael auch den Unterschied zwischen Intellekt und Psyche nicht zu kennen. Deshalb ist für ihn der FCN mit Sicherheit ein zu dickes Brett. Nur: Wer will denn inzwischen noch zum Club? Welcher Trainer soll es denn da – bitteschön – richten? Da hast du dann den Bader und seine Ultras, den Marek, den Wolf, ein paar stadtbekannte Profilneurotiker und vielleicht noch ein paar besserwisserische Blogger ;-). Und jeder will dir reinquatschen.

Andererseits bekommst du so auch den Manager nie weg. Insofern hat es jetzt keinen Sinn, Bader einen Nachfolger für Ismael suchen zu lassen. Doch dazu müsste es im Aufsichtsrat erst einmal eine Mehrbheit gegen Bader geben. Da zweifle ich leider dran.

See U in Liga 3! Und das meine ich leider ernst.

Hölderlin kam nicht bis zum Valznerweiher

Wie man es macht, ist es verkehrt. Eigentlich dachte ich: der Worte sind genug gewechselt. Deswegen hielt ich mich zurück, und vertraute darauf, beim Patienten mögen vielleicht die Selbstheilungskräfte einsetzen und eine Wende herbeiführen. Wenn jemand unter schweren psychischen Belastungen leidet, ist es manchmal gut, das Thema zu wechseln und so diesen Belastungen die Bedeutung zu nehmen.

Nun kommen aber Kommentatoren hier im Blog (Wolferl!) und in den Netzwerken daher und werfen uns Sprachlosigkeit vor. Uns! Also ob wir nicht wüssten, was wir tun. Also ob wir nicht alles schon gesagt hätten. Nur vielleicht nicht zu jedem. Verwiesen sei nur auf das reichhaltige Oeuvre zu den Bereichen Angst und Mentalcoach.

Doch es gibt noch einen weiteren Grund, jetzt doch die Stimme zu erheben: Eventuell dürfte dieser Tage ein gewisser Dave bei der Geschäftsstelle vorsprechen, für dessen Verpflichtung wir uns hier schon einmal vehement ins Zeug legen wollen. Der Mann weiß, wo der Hebel angesetzt werden muss. Also, Club, stell ihn ein!

Hier unsere Twitter-Konversation während des Frankfurt-Debakels. Auch als Beweis dafür, dass Hölderlin Recht hat mit seinem Satz: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“ Nur vielleicht nicht am Valznerweiher.

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Am Valznerweiher grassiert nämlich Morbus glubb. Eigentlich eine Banalangst, die Ähnlichkeiten mit Morbus brasil aufweist und die wir einmal populärwissenschaftlich als „Angst in das Loch zu fallen, in dem man schon steckt“ beschreiben wollen oder auch als Self-fullfilling Prophecy für das Worst-Case Scenario. Banalangst heißt allerdings nicht, dass die Folgen banal wären, das haben wir schließlich in der vergangenen Saison schon gemerkt. Wir beziehen uns dabei auf den oben erwähnten, deutschen Psychoanalytiker Fritz Riemann, der von vier Grundformen der Angst spricht, auf die sich die Banalängste beziehen. weiter lesen

Nürnberg, Bielefeld und die Allianz der Deppen

Nun, der Club ist als Oberknalldepp wieder alleiniger Rekordhalter in Sachen Abstieg aus der Bundesliga. Zum achten Mal geht es hinunter, Arminia Bielefeld (sieben Abstiege), kann da nicht mithalten, wie Kollege vip zu Recht anmerkte.

Dennoch, so ganz wollen die Ostwestfalen die Konkurrenz aus Franken in Sachen Deppentum nicht alleine lassen. Und so haben sie prompt einen satten 3:1-Vorsprung gegen Darmstadt im Relegations-Rückspiel noch vergeigt, und das vor heimischem Publikum und auch noch in der allerletzten Minute der Verlängerung. 2:4 hieß es am Ende, Bielefeld steigt wieder in den Fahrstuhl. Für die Arminia ist es der dritte Abstieg aus der Zweiten Bundesliga nach 1988 und 2011. Zählt man Erst- und Zweitliga-Abstiege zusammen, liegt Bielefeld also mit Nürnberg weiter gleichauf, denn dann steht es 10:10. Und das auch nur, wenn man beim Club den sportlichen Abstieg aus der Zweiten Liga von 1995 dazuzählt, damals durfte der Club ja drinbleiben, weil Dresden aus finanziellen Gründen und Saarbrücken wegen fehlender Unterlagen zwangsabsteigen mussten. Sonst würde Bielefeld 10:9 führen.
Ergo: Die Arminia ist sehr solidarisch mit dem Club.

Deppen-Zusatzpunkte gibt es auch dafür, dass den Bielefeldern ähnlich wie dem 1.FCN dieselben Peinlichkeiten immer wieder unterlaufen. Heuer reichte ein 3:1-Auswärtssieg nicht, die Klasse in der Relegation zu halten, anno 1977 geschah Vergleichbares. Damals war die Zweite Liga noch zweigeteilt, die beiden Meister der Staffeln Süd und Nord stiegen direkt auf, die Zweitplatzierten spielten in Hin- und Rückspiel einen drittem Aufsteiger aus. Bielefeld, im Norden Zweiter hinter dem FC St. Pauli, traf auf 1860 München – und gewann das Hinspiel 4:0. Damit sollte eigentlich alles klar sein. Doch die Schützlinge von Trainer Karl-Heinz Feldkamp schafften es tatsächlich, bei den Löwen mit 0:4 unter die Räder zu geraten und verloren dann auch noch das Entscheidungsspiel mit 0:2. Das ist eigentlich fast noch trotteliger als der Abstieg heuer.
Bielefeld ist mir jedenfalls angesichts einer solchen Historie hochgradig sympathisch. Eigentlich sollten der Club und die Arminia eine Allianz der Deppen gründen. Bei diesen Vereinen ist wirklich immer was geboten.

Schluss mit dem Deppentum!

Dass der Club ein Depp ist, wird als gegeben hingenommen. Deswegen kommen wir auch immer wieder in Situationen wie die augenblickliche und fühlen uns dann eher heimisch, als dass wir auf die Barrikaden gingen.

Die Feststellung der Club ist ein Depp ist aber falsch und irreführend. Selbst der Urheber Klaus Schamberger hat inzwischen nachgebessert und gesagt „Der Club ist ein Knalldepp“. Freilich ist der Club nicht per se ein Depp, sondern eher eine Ansammlung von Deppen, die den Verein regelmäßig in die Bredouille reiten.

In dieser Saison herrschte die größte Deppendichte im Kader. „Das ist die dümmste Mannschaft, die der Club je hatte“, klagte neulich ein Kollege. Auch von vielen, die Clubspieler mal privat getroffen haben oder sonstwie hinter die Kulissen schauten, kam da kein Widerspruch. Mancher wird einwenden, ein Fußballer muss es nicht in der Birne, sondern in den Beinen haben. Aber das ist nicht einmal die halbe Wahrheit. Zumindest einige sollten schon noch Verstand besitzen.

Womit wir bei Martin Bader wären. Der ist einer der wenigen, die was in der Birne haben. Deswegen hat er nach dem Weggang von Timmy Simons immerhin bemerkt, dass da eine intellektuelle Lücke im Team entstanden ist. Freilich suchte er dann nach einem „Sechser“ und nicht nach einer Intelligenzbestie. Trotzdem: Bader ist im Verein der Deppen ein Aktivposten. Deshalb ist er es. der sich jetzt einen Mitarbeiter für das Sportliche suchen darf. Bader als Verantwortlichen für die Misere in die Wüste zu schicken, kann man im Internet (wo ja auch oft das Motto gilt „hier bin ich Depp, hier darf ich´s sein“) schnell fordern und trifft da sicher keinen Unschuldigen. Aber wer, bitteschön, soll jetzt neue Verträge mit vorhandenen oder künftigen Spieler abschließen? Günther Koch? Ulrich Maly? Sollen die vielleicht auch den neuen Trainer suchen?

Es wird also kein Weg daran vorbei führen, dass einige nicht ganz Unschuldige an dem Debakel weitermachen werden. Dass dabei der Ober den Unter sticht ist leider eine Regelmäßigkeit – nicht nur im Fußballgeschäft. Wer also auf einen Umbruch gehofft hat, der kann sich ganz schnell wieder setzen. Es werden nur kleine Brötchen gebacken, weil sonst nämlich die Gefahr droht, dass der unschuldige Rest bereits beim Mehlkauf scheitert.

Ich möchte daher noch nicht einmal meine alte Forderung nach einem Rücktritt des Aufsichtsrats aufrecht erhalten. Eine Bitte an das Gremium hätte ich aber dennoch: Passt wenigstens darauf auf, dass die Mächtigen im Verein (Bader, Schäfer, Woy…) nicht wieder nur minderbemitteltes Personal einstellen bloß damit ihnen niemand ins Handwerk pfuschen und ihre Positionen streitig machen kann. Lieber ein Streit zwischen intelligenten Menschen als noch einmal so ein lemmingartiges Abgrundgetaumel.

Nehmt endlich den Kampf gegen das Deppentum auf, dann bereue ich auch diese Liebe nicht!

Jetzt sind wir wieder alleiniger Rekordhalter

Nein, das konnten wir uns nicht bieten lassen, dass Arminia Bielefeld genauso oft aus der Bundesliga abgestiegen ist wie wir. Nun ist das endlich repariert. Man kann also auch noch im tiefsten Loch was Positives finden. Das war´s aber auch schon.

Im letzten Spiel auf Schalke lief zwar eine verjüngte und runderneuerte Mannschaft auf. Kapitän Schäfer, Pinola, Plattenhardt und Kiyotake waren nicht dabei. Stattdessen ließ Nachwuchstrainer Prinzen einige seiner Nachwuchskräfte auflaufen. Geändert hat das letztlich alles nichts. Es lief wie immer. Auch auf Schalke. Der Club spielte ein bisschen mit. Doch dann macht irgendeiner wieder einen depperten Fehler, dann liegt man hinten, bricht innerlich zusammen. Wenns gut läuft, geht noch ein Schuss an den Pfosten (diesmal traf den Martin Angha). Doch das Aluminium kann auch den Blick auf die Realitäten verstellen. Trifft das einer, kann er sein Pech bejammern, anstatt seine Unfähigkeit. Josip Drmic traf immerhin noch und bewahrte Roger Prinzen vor der Schmach als Nulltore-Trainer in die an Negetivrekorden nicht gerade arme Clubhistorie einzugehen. 26 Punkte am Ende einer Spielzeit, das müssen künftige Trainer erst einmal toppen. Und damit ist der Club immerhin noch 17. geworden. Und nicht nur der letzte Braunschweig hat mitgespielt, auch der HSV hat verloren. Der Club hätte, wie so oft, nur seine Chance nutzen sollen.

Aber verdient hat diese Mannschaft den Bundesligaverbleib nicht. Ob sie in der Relegation noch eine Chance gehabt hätte, dürfte in dieser Form auch zweifelhaft gewesen sein. Insofern behalten wir wenigstens noch unseren Titel als Relegationsweltmeister.

Doch ich bin schon wieder im Sarkasmusmodus. Dabei weiß ich genau, spätestens morgen bin ich stinksauer. Bayern Meister, Fürth steigt möglicherweise auf, der Club geht runter und ist in Bayern wahrscheinlich bestenfalls noch die Nummer 4. Katastrophaler geht es aus Clubfansicht eigentlich gar nicht mehr. Und wenn man dann daran denkt, mit welcher Laxheit und welcher Einstellung uns die Mannschaft und die Clubführung in diese Situation gebracht haben. Eigentlich ist da nichts, wo man noch Hoffnung draus ziehen kann. Ohnehin wurde diese Fähigkeit bei uns Clubfans in dieser Saison schon überstrapaziert. Jetzt ist mal Schluss! Jetzt sollte es endlich vorbei sein mit dem Sich-in-die-Tasche-lügen und dem In-Watte-packen. Mit Muschis holt man auch in der 2. Liga nichts. Mit diesem Aufsichtsrat, mit diesem Management auch nicht. Und dass wir Fans mit bedingungsloser Liebe da nichts ausgleichen können, das haben wir ja gesehen.

Andererseits: Irgendwer muss die Weichen umstellen. Insofern ist die Lage weitaus bescheidener als bei früheren Abstiegen. Dabei hätte man doch für diesen Fall vorsorgen können. Schließlich ist es nichts Ungewöhliches, dass der Club absteigt. Aber, das wissen wir. Was wissen Bader und die abgetauchten Aufsichtsräte?

Es dürfte spannend werden. Hoffnung will allerdings nicht aufkeimen.

Schreie aus dem FCN-Dungeon

Es tropft im SM-Keller unter dem Valznerweiher. Das Wasser steht dem 1. FC Nürnberg bis zum Hals, die Luft wird knapp. Die Schreie der Fans werden ängstlicher. „Ich bereue diese Liebe nicht“, hallt es von den schlüpfrigen Wänden. „Diese Liebe“, das ist in Wahrheit eine SM-Beziehung zwischen den Anhängern und dem Verein. Wie der Guardian am Montag philosophierte, sei diese Beziehung sogar richtig brutal („abusive relationship“). Der Slogan „Ich bereue diese Liebe nicht“ sei demnach sinnbildlich für die lebenslange Abhängigkeit, in die sich Clubfans begeben würden. „Diese Liebe“ habe laut Guardian auch nicht viel mit Lust oder Leidenschaft zu tun, sondern eher mit „torture“, also Folter, Qual und Leid.

In den letzten Wochen spielten sich im SM-Keller, dem FCN-Dungeon, interessante Dinge ab. Nach der unpopulären Demission von Gertjan Verbeek drei Spieltage vor Saisonende tauchte dort plötzlich Martin Bader, der Meister, auf. Rollen wurden getauscht. Verbale Demütigungen vonseiten der Sklaven, den Fans, waren zu hören (und zu lesen). Mehr Details drangen nicht nach außen. Allerdings schläft Bader seitdem schlecht, wie er kürzlich in einem Fernsehinterview zugab.

Eine Niederlage gegen Hannover am kommenden Samstag würde die Situation im Keller noch einmal dramatisch verschlimmern. „Wir müssen die Punkte einfach holen, sonst geht alles den Bach runter“, formulierte es Josip Drmic nach der neuerlichen Pleite in Mainz gegenüber dem Bezahlsender Sky. Bader flehte im Interview mit dem Bayerischen Fernsehen geradezu devot um einen Sieg: „Es klappt, weil es klappen muss.“ Besonders erniedrigend: Der Torture-Club ist ausgerechnet auf Schützenhilfe vom FC Bayern München angewiesen. Der gastiert beim Abstiegskandidaten HSV, der auf Platz 16 vor dem FCN steht. Die Bayern praktizieren in der Bundesliga derzeit bekanntlich lieber gepflegten Blümchensex-Fußball als einen Sadomaso-Sturmlauf. Für die Hamburger könnte das ein Vorteil sein.

Die Clubfans hoffen dennoch auf ein Wunder. Und im schlimmsten Fall, an den noch keiner denken mag, gibt ihnen „ihre Liebe“ die Kraft, selbst einen richtig schmerzhaften Rekordabstieg demütig zu ertragen. Ohne Reue. Doch noch besteht die Chance auf ein Wunder. Vielleicht reißt Interimscoach Roger Prinzen das Ruder doch noch herum. Hoffen wir es! Man darf gespannt sein auf die nächste Wasserstandsmeldung aus dem SM-Keller.

Unaufgeregt in den Abgrund

Vor dem Spiel in Wolfsburg hatte Clubmanager Martin Bader noch die Parole ausgegeben, wir müssten eben auch gegen Mannschaften, die oben stehen, Punkte machen. Allerdings: Wolfsburg war halt eine Klasse besser und eine Mannschaft, die mitspielen, auf fiese Tricks verzichten und offensiv brillieren will, die kann da gleich gar nicht gewinnen. zumindest, wenn sie so bestückt ist wie der FCN.

Bei Wolfsburg saß da etwa ein Timm Kose auf der Bank. Einer, der letzte Saison unserer Abwehr die in dieser Saison schmerzlich vermisste Stabilität verlieh. Dafür stand bei uns Emanuel Pogatetz im Zentrum. Er kam damals von der Wolfsburger Bank und hat sich beim Club jetzt auch nicht unbedingt weiterentwickelt. Aber Plattenhardt, Stark oder Angha machten es freilich auch nicht besser. Schon daran sieht man: Der VfL Wolfsburg hat andere Ansprüche und ein anderes Personal. Dass der Club da nicht mit Mitspielen mithalten kann, müsste eigentlich auch einem Martin Bader klar sein.

Dabei sah es in Wolfsburg anfangs gar nicht mal schlecht aus. Da machte Markus Feulner, der diesmal neben Schäfer als einziger so etwas wie parzielle Erstligatauglichkeit ausstrahlte, aus der ersten richtigen Chance gleich den Nürnberger Führungstreffer. Sicherheit gab der aber nicht. Vor allem deckte er das Problem des FCN auf: Hinten reinstellen geht nicht. Deswegen fiel der Ausgleich dann auch nach einem Konter der Wolfsburger. Konter im eigenen Stadion gegen einen Abstiegskandidaten? Das muss man sich auch erst einmal geben. Prompt war der Rhythmus ganz raus. Die Muffe sauste und wie das so ist, kam dann auch noch Pech dazu. Frantz verletzt sich, verliert den Ball und Wolfsburg dreht noch vor der Pause das Spiel. Danach war die Sache eigentlich schon gegessen. Anders als der Club können die Wolfsburger Vorsprünge verwalten und dazu kam noch, dass Drmic fast völlig unterging. Ob es am Gegenspieler Knoche lag oder ob er mit den Gedanken schon beim BVB weilte? Vielleicht beides. Auch von Kiyotake sah man nicht viel (hat wohl auch schon Angebote).

Von einem Ruck, einem Aufbäumen war wenig zu spüren. Einzig Verbeek gab wieder alles und wechselte zwei frische Stürmer (Pekhart und Mak) ein. Wobei das leider eher Zeichen der Verzweiflung als Joker, die ein Spiel entscheiden, sind. Torungefährlicher geht es kaum. Da zudem die Konkurrenz um den Abstieg (bis auf den HSV) – anders als der Club – offenbar die Zeichen der Zeit begriffen hat und aufgewacht ist, war es das wohl. Auch wenn das auf dem PLatz, wie gesagt, nicht so sichtbar wurde. Manchmal hatte ich beim Zuschauen sogar das Gefühl, vielleicht wissen die mehr. Vielleicht bekommen da zwei Mannschaften ihre Lizenz für die nächste Saison nicht. Vielleicht droht dem FCB wegen der Hoeneß-Affaire doch mnoch der Zwangsabstieg.

Andernfalls wäre das einer der unaufgeregtesten Abstiege in der mit Abstiegen reich gesegneten Clubgeschichte. Ich versuche also, mich anzupassen und mir einzureden: ich reg mich nicht auf, ich reg mich nicht auf, ICH REG MICH NICHT AUF!

Wie ein Absteiger!

Schon die Aufstellung ließ nichts Gutes ahnen. Das war schon ziemlich das letzte Aufgebot. Dazu dann noch ein Schiedsrichtergespann, das aus Hamburg und Stuttgart stammte. Andererseits kam mit Gladbach jetzt keine Mannschaft, die gerade einen Lauf hat und unschlagbar ist. Zumal wir auch insgeheim hofften, ein Gegner, der mehr spielerisch unterwegs ist und weniger Abstiegs-Gift versprüht, liege uns besser.

Dass Gladbach keine Übermannschaft ist, bestätigte sich dann in den 90 Minuten im Frankenstadion. Sie taten sich schwer. Das erste Tor war ein unglücklich von Josip Drmic abgefälschter Freistoß. Das zweite Tor ein Elfer nach einer Schwalbe von Max Kruse. Insofern hatte dann auch der HSV-Schiri seinem Verein noch einen Gefallen getan.

Also: alles wie immer! Auch die zwei Aluminiumtreffer möchten wir schon gar nicht mehr erwähnen. Dass wir das Gebälk gerne treffen, ist eh bekannt.

Trotzdem: Langsam schält sich heraus, dass zum Pech und zur mangelnden Zuneigung seitens des Deutschen Fußballbundes auch ein gehöriges Maß Unvermögen hinzu kommt. Es ist nämlich nicht so, dass Absteiger immer wesentlich schlechter als die anderen spielen, sondern dass sie entscheidende Qualitäten vermissen lassen. Beim Club standen in wechselnden Besetzungen regelmäßig acht bis neun durchaus solide, bundestaugliche Handwerker auf dem Rasen. Josip Drmic und Raphael Schäfer nehme ich mal aus. Von denen braven Handwerkern ist keiner mal in der Lage, was Ungewöhnliches zu wagen, mal über sich hinauszuwachsen. So gibt es dann höchstens Ausreißer nach Unten. Heute war das so bei Martin Angha, der einen Grottentag erwischte. Beim Rest blieb alles braver Durchschnitt. Auch Drmic schien durch die Verletzung gehandikapt. Erfolg kann sich unter solchen Umständen aber nur einstellen, wenn Glück, Schiri und eine möglichst geringe Fehlerdichte zusammenkommen.

Insofern kann eine Mannschaft auch dann wie ein Absteiger spielen, wenn sie knapp 60 Prozent Ballbesitz hat und meistens das Spiel macht. Hoffnung macht diese Erkenntnis leider nicht. Dass die anderen Kellerkinder heute gewonnen haben erst recht nicht. Jetzt müssen wir froh sein, wenn wir noch den Relegationsplatz schaffen.