Die Mutter aller Trainerentlassungen

Bereits am 2. Spieltag hatte mein Kollege hier den Trainer in Frage gestellt und dafür einiges einstecken müssen. Könnt ihr nicht erstmal abwarten und dem immerhin für eine halbe Million Ablöse von Sandhausen geholten Trainer etwas Zeit geben? Nunja, inzwischen ist einiges an Zeit vergangen und mittlerweile reden nicht bloß die Clubfreunde über Alois Schwartz, sondern fast das ganze Fanlager (einzige Ausnahme die im Auftrag der FCN-Presseabteilung twitternden Praktikanten).

Aber nicht, dass er es nicht geschafft hat, der Mannschaft Profil zu geben und ein fussballerisches Konzept zu entwickeln, könnte Schwartz nun den Kopf kosten. Derartiges steckt der Nürnberger offenbar weg. Aber zwei Mal gegen die Nachbarn aus Fürth verlieren, das nimmt er übel. Da kennt er nichts! Bei der Mutter aller Derbys gibt es keine mildernden Umstände.

Wobei wir nach solchen Umständen diesmal vergeblich suchen müssen. Weder dürfen wir die Niederlage auf den Schiedsrichter schieben, noch auf die Platzverhältnisse. Selbst eine angebliche Spuckattacke auf den Clubspieler Bulthuis reicht da wohl nicht. Der konnte schließlich mitwirken und fiel jetzt im Umfeld des limitierten, blutleerebn Club-Gekickes nicht negativ auf.

Womit wir wieder beim Trainer wären. Der hatte die Mannschaft gegenüber der Heimniederlage gegen den VfL Bochum auf fünf Positionen verändert. „Ich möchte wieder Leben auf den Platz kriegen“, hatte Schwartz gesagt. Doch was dort am allermeisten fehlte, war Leben. Ein trostloser Kick konterkarierte im Ronhof den Medienhype, der auch diesmal wider besseren Wissens mit Promitipps, historischen Betrachtungen, Liveticker und Fanstatements gnadenlos durchgezogen wurde. Was die beiden im Zweitligamittelfeld herumdümpelnden Teams da auf den Rasen brachten, war jedoch an Ödheit kaum zu überbieten. In der ersten Hälfte war es eine Ecke, die aus Clubfansicht den Höhepunkt markierte. In der 2. Halbzeit ging es zunächst so weiter. Eine kurzzeitge Rudelbildung sorgte für einen Hauch von Unterhaltung. Danach schien irgendwer bei den Fürthern gerufen zu haben: Da geht noch was! Jedenfalls drängten die plötzlich, ohne dass der Club den Verwaltungsmodus beenden konnte. Und wenn man mehr probiert, dann geht ein Schuss auch mal rein. Wie in der 77. Minute als Margreitter einen Zulj-Schuss unhaltbar für Kirschbaum abfälschte. Bezeichnenderweise dauerte es bis zur 86. Minute ehe Neuzugang Ishak den ersten Ball in Richtung Fürther Tor schoß.

Das war es dann aber auch schon. Eindeutig zu wenig, um in der 2. Liga bestehen zu können. So wird der Club kaum noch etwas reißen. Denn Fürth spielte – genau wie letzte Woche Bochum – ebenfalls eher schwach. Gegen den Club reicht derzeit jedoch schon ein bisschen mehr Wille für einen Dreier.

Auch gegen biedere Fürther verloren

derby
Selten war es im Vorfeld eines Derbys so ruhig wie diesmal. Auch wenn einige Medien mühsam versucht hatten, etwas Stimmung zu verbreiten. Selten gab es so viele frei Plätze im Nürnberger Stadion, wenn dort die Fürther antraten. Das lag mit Sicherheit nicht nur am DFB, der mit seiner depperten Anstoßzeit den einen oder anderen am Besuch hinderte. Das lag auch daran, dass Fürth im Mittelmaß versackt und der Club nicht mal dafür gut genug ist.

Vielleicht ist es ja die Angst vor dem Mittelmaß und der Langeweile, die den FCN umtreibt. Insbesondere Sepsi bemüht sich vehement um Unterhaltungswerte. Schon in der 4. Minute säbelte er im Torraum über den Ball und bescherte den Fürthern so die erste dicke Chance. Danach war es mit den Bemühungen um Kurzweil zumindest hinten erstmal vorbei. Stattdessen drückte der Club, aber außer einem Lattentreffer von Matavz sprang dabei nichts heraus. Salli rannte und fiel viel. Die anderen zeigten sich durchaus bemüht, aber unglücklich und limitiert. Dabei machten die Fürther nie den Eindruck, mehr als eine biedere Zweitligatruppe zu sein. Chancen hatten sie praktisch keine, dennoch erzielten sie in der 40. Minute ebenfalls einen Lattentreffer. Anders als vorher auf der anderen Seite war Sepsi wieder mal indisponiert und Dursun schaffte mit einer Akrobatikeinlage das 1:0.

Von den Spielanteilen her war das zwar nicht verdient. Aber beim Fußball zählen nun mal die Tore, auch wenn die, wie das 2:0, mit viel Glück erzielt werden. Wieder war Sepsi beteiligt. Einen Schuss von Steininger fälschte er so unglücklich ab, dass der Ball hinter dem etwas zu weit vor seinem Tor stehenden Kirschbaum in die Maschen plumpste. Sicher ist das Pech. Sicher spielt da auch das mangelnde Selbstvertrauen eine Rolle. Andererseits war das alles eben auch nur Dienst nach Vorschrift, was der Club da anbot. Jeder, Sepsi vielleicht ausgenommen, schaute nur, dass man ihm nachher nichts vorwerfen kann. Eventuell gar, er habe gegen den Trainer gespielt. Der hatte allerdings zuvor schon vom Manager den Freibrief erhalten, er dürfe auch das Derby verlieren und müsse trotzdem nicht um seinen Job fürchten. Dass er den einzigen, den man als Aktivposten beim Club bezeichnen konnte, Cedric Teuchert, erst nach gut einer Stunde brachte und dass er Sepsi erst in der 77. Minute erlöste lieferte jetzt nicht unbedingt die geeigneten Argumente, weiter an ihm festzuhalten. Der Anschlusstreffer in der letzten Minute auch nicht.

Am Ende reagierte die Nordkurve nur noch mit Schweigen. Viel mehr fällt einem zum Club im Augenblick auch nicht mehr ein. Vielleicht ist das Sparen an Worten die richtige Antwort auf die Sparpolitik des FCN. Die Fürther Fans skandierten derweil, der Club sei nächste Saison in der 3. Liga dabei. Viel Intelligenz braucht es nicht zu dieser Aussage. Aber wer die Langeweile scheut, hinten erstmal zu Null zu spielen und dann vorne zu schauen, ob vielleicht was klappt, der braucht wohl die Kurzweil des Abstiegskampfes und die Chance erneut eine Relegation spielen zu können. Dann aber gegen den Drittletzten der 2. Liga.

Hat der FCN die Stimmung aufgeheizt?

Motiv:   Eröffnung Pizza Pasta Bar " Vapiano " in der Poppenreuther Str. 50 , Fürth Foto: Mark Johnston
Es gibt auch Clubfans, die sind nicht nur friedlich, die wohnen sogar in Fürth. Sebastian N. zum Beispiel. Doch auch solche Fans haben manchmal Hunger. Auf eine Pizza zum Beispiel. Am Tag vor dem Derby wollte N. sich eine in der Nachbarschaft besorgen, doch was musste er lesen? Pizza gibts nicht, es besteht Betretungsverbot für Fans des FCN.

Der Fan ist zunächst sauer auf die Vapiano-Filiale, für die das angebliche „Betretungsverbot für Nürnberg-Anhänger“ ausgesprochen wurde und beschwert sich bei dieser via Facebook. Das grenze an Gesinnungsterror, meint er. Doch dann stellte sich heraus, die Vapiano-Filiale (Bild: Mark Johnston) wusste gar nicht, dass sie mit einem Bann belegt worden war:

Auf die Frage warum Clubfans bei uns nicht rein dürfen können wir leider nur antworten, dass wir es nicht wissen. Wir als Vapiano haben uns im Gegenteil extra vorbereitet auf einen Ansturm des Hungers vor oder nach dem Spiel. Wir haben uns auch gewundert warum denn niemand kommt.

Wir haben lediglich der Polizei gestattet auf unserem Parkplatz Station zu beziehen jedoch nicht, niemanden rein bzw. raus zu lassen. Davon hören selbst wir zum Ersten Mal. Wir möchten uns auf jeden Fall für diesen unschönen Vorfall entschuldigen. Ihr alle könnt sogar sicher sein, dass bei Vapiano jeder Fan zu jeder Zeit willkommen ist egal von welchem Verein.

Haben also Polizei oder Stadt Fürth dem Vapiano das Geschäft vermiest?

Polizeisprecherin Elke Schönwald weist das energisch zurück. Selbstverständlich habe jeder Fan, ganz gleich von welchem Verein, die Möglichkeit gehabt, das Vapiano (sowie das ebenfalls in der „Faninfo“ genannte Hotel Mercure) zu betreten. Verbote gab es nur für jene 33 Clubfans, die aufgrund früherer Vorkommnisse mit einem Bereichsbetretungsverbot belegt worden waren.

Ging also der „Gesinnungsterror“ von der Stadt Fürth aus? Offenbar ebenfalls nicht! Der dortige Ordnungsamtsleiter Hans Peter Kürzdörfer beteuerte, derartiges habe nicht in den Auflagen gestanden, die an die Vereine und Fanorganisationen herausgingen. „So etwas steht uns gar nicht zu“, sagte Kürzdörfer.

Es scheint also so zu sein, dass da jemand beim 1.FC Nürnberg von sich aus ein bisschen gezündelt hat.

Die sollten lieber auf dem Platz ein Feuerwerk abbrennen, möchte man als frustrierter FCN-Anhänger dem hinzufügen.

Nachtrag 16. September 2015: Inzwischen hat sich auch der Club zu dem Vorgang geäußert. Laut FCN-Sprecherin Katharina Wildermuth ist die Fan-Info auf Bitten der Polizei Fürth so formuliert worden. Dabei habe auch der Wunsch der Betreiber (also Mercure-Hotel und Vapiano) eine wichtige Rolle gespielt. Dies, so Wildermuth, sei auch im Protokoll der Sicherheitsbesprechung vermerkt. „Wir können uns nicht erklären, wie die Polizei Nürnberg jetzt zu einer anderen Aussage kommt“, sagt Wildermuth. Auch die Äußerung von Vapiano, davon nichts gewusst zu haben, kann sie nicht nachvollziehen. Im übrigen stelle sich die Frage, welches Interesse der FCN haben soll, so etwas von sich aus in die Fan-Info zu schreiben.

Der Derbydepp verliert zway zu dray

COyLA73WgAEKBWM.jpg_largeSeien wir ehrlich, einen Sieg hätte diese Clubmannschaft nicht verdient. Aber so, wie das Spiel gelaufen ist, kann man die Schuld, dass es auch diesmal nicht zu einem Derbyerfolg für den FCN gereicht hat, auch bei Schiedsrichter Felix Zwayer suchen. Der Ausgleichstreffer zum 1:1 fiel nach einem Freistoß, der keiner war. Der 2:1-Führung der Fürther ging eine klare Abseitsstellung voraus. Insofern könnte man an der Schiedsrichtergilde und am DFB verzweifeln. Vor allem vor dem Hintergrund des abstrusen Elfmeters, den die Bayern gestern geschenkt bekommen haben. Andererseits, die Bayern haben Knete um Schiedsrichter überzeugen zu können. Was aber hat Fürth? Das dürfte selbst für Zwayer nicht reichen.

Die Fürther hatten noch nicht einmal torgefährliche Stürmer. Sonst hätten sie nämlich bereits zur Halbzeit klar führen müssen. Aber entweder verzogen sie oder sie trafen das Außennetz. Auch Thorsten Kirschbaumn war einige Male auf dem Posten bzw. kooperierte mit dem Pfosten.

Und ja, auch der Führungstreffer für den Club kam durchaus glücklich zustande. Der Schuß von Guido Burgstaller wurde unhaltbar von einem Grünen abgefälscht. Danach verließ man sich beim Club leider allzusehr auf das Glück und die Fürther Abschlussschwäche. In der 39. Minute konnte dann Berisha nach besagtem Freistoß doch den Ausgleich erzielen.

In der zweiten Hälfte gelang den Fürthern mit Schirihilfe sogar die Führung. Erst fünf Minuten vor Schluss markierte Schöpf ohne diese Hilfe den Ausgleich. Erst in der Nachspielzeit gab dann der Deppenfaktor den Ausschlag und Freis machte das Siegtor für die anderen, die – und das muss man leider konstatieren – wieder einmal mehr Siegeswillen ausstrahlten.

Für Nichtparteiische war das sicher ein ganz nettes und unterhaltsames Fußballspiel. Für Clubfans war es hingegen ein Schlag in die Magengrube. Umso mehr als das Derby mittlerweile in einer Weise gehypt wird, die solche Niederlagen noch viel peinlicher macht. Wenn man bedenkt, dass da extra Kleiderordnungen erlassen, Autobahnen gesperrt und Zeitungen mit Playstationspielen gefüllt werden, dann tun die null Punkte gleich doppelt weh. Und noch was, eure Ruckreden (Grethlein) oder eure Beförderungen (Sportdirektor Wolf) könnt ihr euch sparen. So kann man nicht in ein Derby gehen. Zwayer hin oder her.

Schmeichelhafter Punktgewinn gegen die „Löwen“

17.08.2015 --- Fussball --- Saison 2015 2016 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 03. Spieltag: 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN - TSV 1860 München Muenchen Löwen Loewen --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / WoZi ---  Niklas Stark (16, 1.FC Nürnberg / FCN ) Daylon Claasen (7, TSV 1860 München ) 2:2 im Derby gegen  den bisher noch punktlosen letztjährigen Beinahe-Absteiger TSV München 1860 – doch nach diesem Spielverlauf kann der 1.FC Nürnberg mit dem einen Punkt durchaus zufrieden sein. Gerade in den ersten 45 Minuten sind die „Löwen“ überlegen. Fast hätte sich der Club aber erfolgreich durch Durchgang eins gemogelt und wäre mit einem schmeichelhaften 0:0 in die Pause gegangen. 1860 hat zwar klare Feldvorteile, taucht jedoch nur einmal wirklich gefährlich vor dem Nürnberger Gehäuse auf, als der Ex-Nürnberger Okotie und Hain bei einer Doppelchance nacheinander den Ball nicht im Tor unterbringen (23.). Doch unmittelbar vor dem Halbzeitpfiff werden die Gäste dann doch noch für ihr Engagement belohnt. Zwar triffft der seit dem 9. Februar torlose Angreifer Okotie nach einem Adlung-Eckstoß per Kopf nur den Pfosten, aber aus dem Hintergrund eilt Bülow herbei und köpft den zurückspringenden Ball ins Netz. Club-Torwart Kirschbaum ist da bereits geschlagen, weil er dem Okotie-Kopfball vergeblich hinterhergehechtet war.

Die Nürnberger werden im ersten Abschnitt nur zweimal ansatzweise gefährlich: 60-Keeper Eicher ist bei einer Brecko-Flanke jedoch vor dem einköpfbereiten Burgstaller am Ball (38.), und Blum (nach überstandener Krankheit wieder anstelle von Sylvestr erste Wahl) verfehlt das Münchner Tor knapp (44.).

Trainer Rene Weiler reagiert mit einem Doppelwechsel auf die schwache Vorstellung seiner Startelf. Nach der Pause beginnen der zunächst zugunsten von Petrak auf die Bank verbannte Gislason und Füllkrug für Schöpf sowie Behrens.Und dann klingelt es innerhalb weniger Minuten dreimal. Doch während der Treffer der „Löwen“ durch Wolf wegen einer Abseitsstellung von Okotie nicht zählt, gelingt im Gegenzug Burgstaller mit einem wuchtigen Schuss das 1:1 (54.). Und kurz darauf tankt sich Brecko in den Münchner Strafraum und legt quer zum freistehenden Stark, der das 2:1 besorgt (63.). Eine Kombination der Nürnberger Außenverteidiger also. Die Führung der Hausherren hält elf  Minuten, dann versucht Petrak nach einer unübersichtlichen Situation im Club-Srafraum zu klären, doch der Ball landet bei Adlung – 2:2 (74.). In der Schlussphase haben dann wieder die Münchner die besseren Chancen, aber Schindler scheitert am Pfosten (83.) und Okotie aus abseitsverdächtiger Position an Kirschbaum (88.). So bleibt es beim 2:2, 60 München hat als letzter Zweitliga-Verein nun auch den ersten Punkt geholt. Der Club belegt jetzt Rang neun. „Es gibt noch viel zu tun bei uns“, sagt der Nürnberger Fußball-Chef Wolfgang Wolf nach Spielende. Dem ist nichts hinzuzufügen.