Club gewinnt packendes Pokalduell


Duisburg hätte der 1.FC Nürnberg in der ersten Runde des DFB-Pokalwettbewerbs sogar ausscheiden dürfen, ohne sich zu blamieren – immerhin hatte der Club diesmal Lospech und musste zu einem Zweitliga-Rivalen reisen, wo doch auch Gegner wie Erndtebrück, Dorfmerkingen oder Rielasingen-Arlen im Pott gewesen wären. Der Club hätte also ausscheiden dürfen  – tat er aber nicht. Zum Mann des Spiels beim 2:1 (2:0)-Erfolg avancierte Sebastian Kerk, der mit Eckstößen die Kopfballtore von Hanno Behrens (21.) und Georg Margreitter (40.) vorbereitete.

Duisburg hielt in einem packenden  Duell der beiden Bundesliga-Gründungmitglieder in den ersten 45 Minuten gut mit, die besseren Chancen aber hatte  in der intensiv geführten, temporeichen Begegnung zunächst der Club. Standardspezialist Kerk hätte sich auch selbst in die Torschützenliste eintragen können, scheiterte aber zweimal am Ex-Fürther Flekken im MSV-Gehäuse (10./38.). Die beste Möglichkeit  für die Hausherren wiederum  vergab Brandstetter, der den Nürnberger Keeper Thorsten Kirschbaum nicht überwinden konnte (17.).

Nach dem Seitenwechsel verzeichneten die nie aufgebenden „Zebras“ mehr Spielanteile, der Club stand hinten aber sehr sicher. Richtig gefährlich wurde es selten. Einmal klärte Margreitter in höchster Not vor Onuegbu (69.), einmal rettete Kirschbaum gegen Iljutcenko (83.), einmal traf  Onuegbu die Latte (86.). Erst in der vierten Minute der Nachspielzeit kam der MSV doch noch zum 1:2 – Wolze verwandelte einen Foulelfmeter, den der eingewechselte Alexander Fuchs verschuldet hatte.  Kurz darauf ist Schluss und der Club eine Runde weiter. Erndtebrück, Dorfmerkingen und Rieslasingen-Arlen werden aber auch in Runde zwei nicht auf den 1.FC Nürnberg warten – sie sind allesamt ausgeschieden.

Sensationell ist was anderes

21.08.2016 --- Fussball --- Saison 2016 2017 --- DFB Pokal Vereinspokal --- 01. Runde: FC Viktoria Köln Koeln - 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / DaMa --- Choreografie der Clubfan / Clubfans / FCN-Fans / Fans vor Spielbeginn

Die Clubfans erinnerten vor Spielbeginn an glorreiche Zeiten. Foto: Sportfoto Zink

Während in Nürnberg dunkle Wolken aufzogen, herrschte im Kölner Sportpark Höhenberg am Samstag eitel Sonnenschein. Wettertechnisch gesehen zumindest, denn der Club tat sich in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen Viktoria Köln extrem schwer und musste gegen den Viertligisten sogar ins Elfmeterschießen. Auch im dritten Pflichtspiel unter Coach Alois Schwartz stand es am Ende der regulären Spielzeit nur 1:1-Unentschieden, ein Aufwärtstrend war nicht zu erkennen. Wie schon in den beiden Ligaspielen gegen Dresden und Heidenheim, brachte der FCN eine 1:0-Führung nicht über die Zeit. Insgesamt agierte der 1. FC Nürnberg zwar erwartungsgemäß überlegen, aber in der Offensive wenig zwingend. Die Doppelspitze Jakub Sylvestr und Guido Burgstaller hing über weite Strecken in der Luft. Bezeichnenderweise war es mit Georg Margreitter ein Verteidiger, der nach einer Standardsituation das 1:0 für den fränkischen Altmeister erzielte.

Ein Rumpel-Start und eine kritische Frage hatten im Vorfeld ausgereicht, um beim 1. FC Nürnberg schon fast so etwas wie Krisenstimmung aufkommen zu lassen. Sportvorstand Andreas Bornemann schraubte Mitte der Woche die Ansprüche der Fans zurück. „Wir haben immer gebetsmühlenartig gesagt, dass diese Liga extrem ausgeglichen und deswegen sehr kompliziert ist. Deswegen sind wir jetzt zwar nicht zufrieden, aber auch nicht völlig enttäuscht“, sagte Bornemann dem kicker. Auch Trainer Alois Schwartz bat am Donnerstag bei der Pressekonferenz um Geduld, gab sich aber gleichzeitig selbstkritisch und räumte ein Mentalitätsproblem innerhalb seiner Mannschaft ein. Die nächsten Spiele werden zeigen, ob es gelingt, den Offensivgeist der Truppe zu wecken. Dass mit Guido Burgstaller und Tim Leibold zwei Schlüsselspieler eigentlich gerne weg wollten, aber nicht durften, dürfte diese Aufgabe nicht leichter machen.

Gegen den hochmotivierten Viertligisten Viktoria Köln wechselte Schwartz vom 4-5-1- zurück zum Weiler’schen 4-4-2-System, mit dem sich die Spieler wohler fühlen. Zudem rückte Neuzugang Edgar Salli für Youngster Lukas Mühl in die Startformation. Der Club begann engagiert und ging, wie von Trainer Schwartz gefordert, zunächst aktiv in die Zweikämpfe. Die erste Großchance gehörte dennoch dem FC Viktoria Köln. In der 14. Spielminute dann gleich die nächste dicke Möglichkeit: Fatih Candan kam im Sechzehner frei zum Schuss, scheiterte aber am glänzend parierenden Club-Keeper Raphael Schäfer. Spielerisch dominierte der FCN in Durchgang eins, doch die zündende Idee fehlte. Beim Stande von 0:0 ging es schließlich in die Kabinen.

Abgesehen von einer Salli-Schwalbe (47.) und einer guten Kopfballgelegenheit durch Hanno Behrens (59.) war zu Beginn der zweiten 45 Minuten nicht viel vom 1. FCN zu sehen. In Minute 70 währte der Jubel der rund 2000 mitgereisten Clubfans nicht lange. Hanno Behrens brachte die Kugel nach einer Hereingabe von Sylvestr zum 1:0 in den Maschen unter, doch Schiedsrichter Daniel Schlager und sein Gespann hatten zuvor eine Abseitsposition von Sylvestr gesehen und die Situation unterbunden. Georg Margreitter machte es wenig später nach einem Eckball von Enis Alushi besser. Margreitter stieg in zentraler Position am höchsten und nickte das Leder per Kopf zum 1:0 ein (76.). Der Regionalligist schüttelte sich kurz, ehe Kölns Kapitän Mike Wunderlich im Halbfeld zentral an das Spielgerät kam. Von den Rot-Schwarzen fühlte sich keiner bemüßigt, den Viktoria-Spielmacher unter Druck zu setzen und so fasste sich der 30-Jährige ein Herz, zog aus gut und gerne 30 Metern ab und versenkte den Ball im Tor – 1:1 (80.). Dabei blieb es und die Partie ging in die Verlängerung.

In der Verlängerung bekam der Club dann doch noch die Riesenchance auf den Siegtreffer. Burgstaller tankte sich in der 99. Minute auf links durch und bugsierte die Kugel zu dem in der Zwischenzeit für Sylvestr gekommenenen Cedric Teuchert, der in der Mitte, etwa sieben Meter vor dem Tor, mutterseelenallein vor Viktoria-Torwart Phillipp Kühn auftauchte. Teuchert schoss und Kühn riss den Arm hoch – Glanzparade! Es kam, wie es kommen musste: Der FCN drückte vergeblich und es gab Elfmeterschießen. Vor den Augen von Ex-Nationaltrainer „Sir Erich“ Ribbeck, der auf der Tribüne saß, fiel die Entscheidung letztendlich zugunsten 1. FCN, der sich mit einer blitzsauberen Weste (kein Elfer verschossen) durchsetzte, weil Kölns Kevin Holzweiler vergab.

Die Ultras hatten vor dem Spiel ein Transparent entrollt, auf dem sie an den Pokalsieg 2007 erinnerten. „Es war ein sensationeller Abend. Die Fans haben einen Riesenlärm gemacht und wir haben auch noch gewonnen“, stand darauf. Einen Riesenlärm haben sie auch am Samstagnachmittag gemacht. Sensationell ist was anderes.

Aus der Traum

Clu

Nebel und Spielunterbrechung im Grundig-Stadion beim Stande von 1:0 für die Hertha

„Wirklich reich ist, wer mehr Träume in seiner Seele hat, als die Realität zerstören kann“, schrieb der Schriftsteller Hans Kruppa einst. „Mehr Träume, als die Realität zerstören kann“,  schrieben sich die Ultras Nürnberg am Mittwochabend beim DFB-Pokalspiel des FCN gegen Hertha BSC auf die Fahne. Als hätten sie es geahnt. Denn die Realität holte den Club, der sich nach vier Siegen in Folge im Höhenflug befand, in Form einer 0:2(0:1)-Niederlage an diesem Abend schmerzlich ein.

Ein Abend, der dank Javier Pinola so gut begonnen hatte. Der ehemalige Nürnberger Fanliebling war extra aus seinem Heimatland Argentinien angereist, um gemeinsam mit Sportvorstand Andreas Bornemann feierlich seinen eigenen Block einzuweihen: Block 31, den Javier-Pinola-Block.

Ironischerweise dauerte es dann auch rund 31 Spielminuten, bis es aufgrund des Geschehens auf dem Rasen etwas zu feiern gab. Allerdings leider drei Blöcke weiter, im Gäste-Block, weil Vladimir Darida das Leder im Club-Sechzehner von Vedad Ibisevic zugepasst bekam und freistehend das 1:0 für die Hauptstädter markierte.

Vor Freude zündete der Anhang der „Alten Dame“ gleich ein ganzes Pyro-Arsenal, woraufhin Schiedsrichter Tobias Stieler das Spiel kurz unterbrechen musste. Eine unnötige und dumme Aktion der Hertha-Fans, die nach Clubfreunde-Beobachtungen am Nachmittag auf dem Christkindlesmarkt – genauer gesagt vor Norma+Rodi am Hauptmarkt – schon genug geglüht haben dürften.

Wie dem auch sei: Verdient war die Führung des Bundesligisten zu dem Zeitpunkt allemal. Die erste Hälfte ging klar an die Hertha. Der 1. FC Nürnberg, bei dem Trainer René Weiler nach dem 2:1 gegen Freiburg auf gleich vier Positionen Veränderungen vorgenommen hatte, beschränkte sich zu sehr aufs Kontern und überließ den Berlinern das Spiel. Das rächte sich.

Die zaghaften Angriffsbemühungen der Weiler-Elf verpufften, ehe die einzige Spitze Danny Blum überhaupt in Schussposition gelaufen war. Ein einziges Mal entwickelten die Rot-Schwarzen in Durchgang eins so etwas wie Torgefahr, doch Alessandro Schöpf verzog nach Zuspiel von Guido Burgstaller meterweit (23.).

Zu Beginn der zweiten 45 Minuten wirkte es zunächst so, als ob der Ausgleich für den Club noch möglich wäre. Niclas Füllkrug und Tim Leibold kamen in der 54., brachten neuen Schwung in die Partie. Blum und Ondrej Petrak mussten dafür runter, Burgstaller rückte mit in den Sturm vor.

Dann die 65. Minute: Torschütze Darida tritt einen Eckball nach innen, Berlins John Anthony Brooks enteilt Dave Bulthuis, steigt hoch und köpft den Ball unhaltbar ins lange Eck. Ins Bild passte an diesem gebrauchten Abend, dass der 1. FC Nürnberg erst in der 80. Minute seine erste richtige Tormöglichkeit hatte. Doch Miso Brecko scheiterte an Hertha-Keeper Rune Jarstein.

In der Schlussphase entwickelte der Club plötzlich eine ganze Reihe von Hochkarätern – wohl aber auch, weil sich die Berliner schon auf ihren Lorbeeren ausruhten. Weil aber Füllkrug und Bulthuis ihre Chancen nicht nutzten, blieb es beim 0:2. Der Traum vom DFB-Pokalsieg ist damit geplatzt. Zum Glück gibt es da noch die Realität: die Zweitligatabelle. Und da steht der FCN auf Rang drei.

Pokal ist für den Club nur einmal im Jahr

MSV Duisburg - 1. FC NürnbergEs war die 22. Minute, als alle Blicke auf Mlapa gerichtet waren. Die Gladbach-Leihe glänzte aber nicht mit einer Szene im Sturm, sondern kniete am Boden und wurstelte nervös an ihrem Schuh herum. Es dauerte. Doch die Schnürsenkel wollten einfach nicht so, wie Mlapa es gerne gehabt hätte. Da der Ball ruhte, wurde es in der Schauinsland-Reisen-Arena in Duisburg langsam unruhig. Nach einer gefühlten Ewigkeit ging es dann weiter. Eine Szene, die symptomatisch für den Auftritt des 1. FC Nürnberg am Freitagabend war.

Ok, mit dem Pokal hat es der Club nicht so, das hat sich spätestens seit dem Sandhausen-Gate herumgesprochen – und das nicht nur in der dritten Liga. Natürlich war das peinliche Erstrunden-Aus bei den Fans vor der Partie Thema, man ging die Angelegenheit eben fränkisch-pessimistisch an. Allerdings: Ein Großteil der Spieler, die in der Startformation standen, wussten davon höchstens vom Hörensagen, sie waren ja letztes Jahr nicht dabei. Mit Sandhausen konnte das Spiel in der ersten Halbzeit also allenfalls marginal etwas zu tun haben. Einigen wir uns darauf: Wie an allem ist Fürth schuld, in dem Fall die krachende 5:1-Derbyniederlage von Montag. Der Stachel saß offensichtlich noch tief. So verunsichert wie Mlapa beim Schuhebinden agierte, so indisponiert und fehleranfällig präsentierte sich der 1. FC Nürnberg in Durchgang eins.

Bereits nach zehn Minuten geriet die Ismael-Truppe in Rückstand. Fast wie beim 0:2 in Fürth, durch einen Elfmeter. Angha stocherte herum, bekam keinen Zugriff auf Jancic, Stark rauschte heran und fällte Jancic, Schiedsrichter Dingert zeigte auf den Punkt. Der Gefoulte schoss selbst – und es stand 1:0. Da war er wieder, der Geist von Sandhausen. Nur wenige Minuten später rettete Schäfer, der ordentlich spielte, in letzter Sekunde auf der Linie, sonst wäre es da schon zappenduster gewesen. Auch wenn der Club mehr Spielanteile hatte, auf dem Feld passierte sonst nicht viel vor der Pause. Als nennenswerte Chance könnte man vielleicht noch eine Aktion von Petrak bezeichnen, der den Ball zumindest einmal überhaupt in Richtung MSV-Gehäuse gebracht hatte.

Nach der Halbzeitpause lief es dann aus FCN-Sicht etwas besser, Duisburg besann sich aufs Verteidigen und lauerte auf Konter. Nürnberg kämpfte jetzt, doch sah das Spiel weiterhin ideenlos aus. Es mangelte an Kreativität, ein klares Konzept war nicht erkennbar. Der Ausgleich wäre zumindest vom Spielverlauf her verdient gewesen, doch hätte der Zweitligist sich dafür erst einmal eine klare Chance erarbeiten müssen. Aber das gelang nicht. Insofern muss man leider auch festhalten: Schlecht gespielt, verdient verloren. Havelse, Sandhausen, Duisburg: Pokal ist für den Club eben nur einmal im Jahr.

Letztes Jahr brannte es nach dem Pokal-Aus bereits lichterloh am Valznerweiher, Trainer Wiesinger stand unter Druck. Und auch Ismael wird sich jetzt der Kritik stellen müssen. Wir Fans sind immerhin einiges gewöhnt.

Geschichte wiederholt sich

Geschichte wiederholt sich doch. Vor einem Jahr hat uns der Club in Havelse die Freude auf die neue Saison gleich wieder genommen. Diesmal in Sandhausen. Da freut sich der Clubfan wochenlang, dass es wieder los geht. Da denkt er, es wurde gut eingekauft und bei einigen anderen, wie Robert Mak, sei endlich der Knopf aufgegangen. Doch dann ist es wieder die alte Leier.

Die alten Schwächen und die alten dafür Verantwortlichen! In Sandhausen trat alles wieder zutage. Nach wie vor schafft es der Club nicht, das Spiel zu machen. Dass er dann dennoch in Führung ging, ließ zunächst die Hoffnung aufkommen, dass mit Daniel Ginczek endlich ein Stürmer in der Mannschaft steht. Auch Mak hatte da noch Drive. Doch danach wars auch schon vorbei. In der 2. Hälfte wurde es erst richtig peinlich. Da drückte Sandhausen und vom Club war kaum was zu sehen. Keiner da, der mal einen Plan hatte, der den Kompressor zuschalten konnte. Kiyotake scheint noch nicht ganz da zu sein. Pinola ist leider immer noch der Alte. Feulner fand immer noch ein Bein, über das er fallen konnte. Chandler schien noch im Trainingsmodus und leistete sich prompt das blöde Foul das zum Elfmeter führte.

Apropos Elfmeter: Vor dem Spiel hatte Trainer Michael Wiesinger noch stolz getönt, man habe Elferschießen nicht geübt, weil er felsenfest davon ausgehe, dass der Club es vorher packt. Pfeifendeckel! Wobei: Selbst wenn Balitsch und Plattenhardt verwandelt hätten, Raphael Schäfer hätte wohl trotzdem keinen gehalten und insofern ist es einfach fahrlässig, wenn sich der Club auf Elferschießen überhaupt einlässt. Da wurde das Spiel schon vorher durch Pomadigkeit vergeigt.

Ach so! Wenn sich Geschichte weiter wiederholt, dann wird der Club wieder Zehnter und wechselt vor Weihnachten den Trainer.

Peinlich, aber das Leben geht weiter

Da haben wohl einige den Schalter nicht gefunden. Vielleicht lag es auch an der Hitze, dass sich der FCN noch in den Ferien wähnte. Zum Beispiel Neuzugang Marcos Antonio. Wer auch immer glaubte, er hätte das Potenzial um Philipp Wollscheid zu ersetzen, in Havelse war davon jedenfalls nichts zu entdecken. Klose und Pinola wirkten gegen den Regionalligisten auch nicht stabiler. Vorne spielte der Club wie letzte Saison ohne Didavi: bemüht, aber ideenlos und ineffizient.

Letztlich hatte wohl aber auch Trainer Dieter Hecking mit seinem Schonprogramm (Kiyotake) und dann auch noch der Spielverlauf (schnelle, wenn auch unverdiente Führung) die Weichen in den Spielerköpfen falsch gestellt.

Der Plan, sich bei der Hitze nicht allzusehr zu verausgaben und gegen den unterklassigen Gegner sein Pflichtprogramm abzuspulen, ging jedenfalls voll in die Hose.

Jetzt fehlt jedenfalls schon mal das Geld aus dem Pokal. Die Aussichten, einen lukrativen Deal mit einem Trikotsponsor abzuschließen, sind auch nicht gestiegen. Genauso wenig wie die Hoffnungen, in der neuen Saison einmal nicht gegen den Abstieg kämpfen zu müssen. Gut, um mit Sepp Herberger zu sprechen: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze und der HSV ist nicht Havelse.

Es gibt nämlich kaum einen Verein, gegen den der Club eine schlechtere Bilanz hat als den TSV Havelse. 2 Spiele, 2 Niederlagen. Vor 21 Jahren ist der FCN nämlich schon mal gegen die Niedersachsen im DFB-Pokal rausgeflogen. Damals allerdings erst nach Elfmeterschießen. Die Bundesligasaison schloß er dennoch auf dem 7. Platz ab.

Vielleicht ist der FCN eben einfach nicht multitaskingfähig. Wenn er sich früh voll auf die Liga konzentrieren kann, tut ihm das offensichtlich gut.

Hauptsache weiter!

Eine Offenbarung war es nicht gerade, das Spiel des Clubs bei Erzgebirge Aue. Aber auch beim Pokalsieg 2007 stolperte sich das Team des damaligen Trainers Hans Meyer ja von Runde zu Runde, hatte selbst mit Cloppenburg Probleme und kam bisweilen nur dank des erstaunlichen Elfmeter-Killers Daniel Klewer (was macht er eigentlich inzwischen?) weiter.

Insofern ist es vielleicht ein gutes Omen, dass der 1. FCN im Erzgebirge zwar tolle Treffer erzielte, sich insgesamt aber beim 2:1 doch schwer tat. Julian Wießmeier, schon in seinem ersten Bundesligaspiel am Ende der Vorsaison zielsicher, traf nun auch bei seinem DFB-Pokaldebüt für den Club. Damit empfahl sich das Talent wieder für die Bundesliga, zuletzt kam der Mittelfeldmann ja vorwiegend im Regionallligateam zum Einsatz.  Alexander Essweins (Bild) Aktien dürften dank des  Sonntagsschusses zum 1:0 ebenfalls weiter steigen. Nun müssen wir auf Losglück hoffen. Bis auf Regionalligist Holstein Kiel sind nur noch Erst- und Zweitligisten im Topf – darunter Bayern und Fürth…

Wir genießen die Momentaufnahme

Der Club kann auch, wenn es ernst wird, an den guten Eindruck der Vorbereitung anknüpfen. Zunächst sah es zwar in Bielefeld nicht ganz danach aus. Da ging auf einmal die Arminia in Führung. „Schluck!“, dachte der Fan. War das in der Vorbereitung alles nur Show. hatten die Gegner sich nicht richtig reingehängt? Verkrampft der Club, wenn es um etwas geht?

Nichts dergleichen! Neuzugang Markus Feulner schaltete kurz den Turbo ein, bescherte uns Anhängern ein lange nicht mehr gekanntes Erlebnis, einen Hattrick (der letzte stammt, glaube ich, von Robert Vittek und ist schon fünf Jahre her). Dann legten noch Robert Mak, der sich zu einem echten Leistungsträger zu entwickeln scheint, und ein weiterer Neuzugang, Tomas Pekhart, nach. 5:1.

Es hätten gut noch ein paar mehr Tore sein können. Aber, was soll´s! Wenn man sich ansieht, wie zwei Ex-Clubspieler, die gedacht hatten, in Bremen weiter oben mitspielen zu können (Andreas Wolf und Mehmet Ekici), Trübsal blasen mussten, dann hat man das Gefühl: Der Club hat alles richtig gemacht. Natürlich ist das nur eine Momentaufnahme.

Bielefeld und Nürnberg: Die Fahrstuhlkönige

 „Und sehen wir uns nicht in dieser Welt
  dann sehen wir uns in Bielefeld!“, trällerte einst Udo Lindenberg. Als das Pokal-Los auf Bielefeld fiel, stöhnte ein Kollege aus der Sportredaktion – er wäre lieber mal in eine Stadt gefahren, die er noch nicht kennt. Dafür, dass es Bielefeld laut Lindenberg und vielen anderen nämlich gar nicht gibt, kreuzen sich die Wege des 1.FC Nürnberg und des DSC Arminia Bielefeld nämlich erstaunlich oft.

Gut, bisweilen gab man sich auch die Klinke in die Hand, wenn der eine mal wieder ab- und der andere aufstieg. Beide Vereine mussten sieben Mal die Bundesliga verlassen, das ist Rekord. Und bei beiden war Abstieg Nummer eins der spektakulärste: Der 1.FCN stürzte 1969 als amtierender Meister ab, Bielefeld, seit 1970  in der Bundesliga,  musste wegen des Bestechungsskandals 1972 zwangsabsteigen.

In der Zweiten Bundesliga traf man sich nicht, denn die war damals noch in Nord und Süd zweigeteilt. Gleichwohl bewegten sich Club und Bielefeld im Gleichschritt: 1978 schafften beide Vereine die Bundesliga-Rückkehr, 1979 stürzten sie synchron in Liga zwei ab. Und 1980  gelang beiden Klubs postwendend der Wiederaufstieg. 

Anschließend hielt sich der Club vier Jahre in der Bundesliga, bis es wieder nach unten ging. Nürnberg schaffte 1985 sofort den Wiederaufstieg, traf aber die gerade abgestürzte Arminia im Oberhaus nicht mehr. Und während Bielefeld sich 1988 sogar Richtung Drittklassigkeit verabschiedete, erlebte der Club seine stabilste Bundesliga-Periode. Neun Jahre hielten sich die Rot-Schwarzen oben.     

1995/96 gab es ein Wiedersehen beider Klubs in der inzwischen längst eingleisigen Zweiten Liga. Bielefeld, gerade frisch aufgestiegen, marschierte nach oben durch, der Club landete auf Rang 17 und somit in der Regionalliga. Doch Nürnberg folgte dem Bielefelder Beispiel und war nach zwei Aufstiegen 1998 wieder erstklassig. Im Gegensatz zu Bielefeld, das 1998 wieder nach unten musste. Fortan gewann der Auf- und Abstiegswettlauf noch mehr an Dynamik: Bielefeld stieg 1999 auf, der Club 1999 ab, Bielefeld stieg 2000 ab, der Club 2001 auf. Bielefeld folgte 2002 nach. 2003 stiegen beide gemeinsam ab und 2004 wieder in die Bundesliga auf. Nun endlich stoppte der Fahrstuhl. In der Saison 2007/08 steckten beide dann ganz tief im Abstiegsstrudel, Bielefeld konnte sich retten, der Club nicht. 2009 wäre man sich beinahe in der Relegation begegnet, aber Cottbus schnappte der Arminie Rang 16 weg. Zum bislang letzten Mal gaben sich die Rekordabsteiger die Klinke in die Hand. Für Bielefeld ging es nach unten, für den Club nach oben.

Inzwischen ist Arminia Bielefeld sogar nur noch drittklassig und daher krasser Außenseiter im Duell mit dem Club. Aber die Mannschaft ist völlig neu formiert und daher unberechenbar. Vielleicht ist ja, um bei Lindenberg zu bleiben, ein Bodo Ballermann dabei, der den Club aus dem Pokal wuchtet. Wir wollen es nicht hoffen.

„Poschi“, der Chancentod

Dass das Pokalaus für den Club bitter war, ist keine Frage. Dass die Mannschaft super gefightet hat und auf Schalke teilweise tollen Fußball gespielt hat, da sind wir uns wahrscheinlich auch einig. Insofern hat der FCN auch die Chance genutzt, endlich einmal zu bester Sendezeit im öffentlich-rechtlichen Fernsehen zu zeigen, dass in Nürnberg eine gute Bundesligatruppe zuhause ist. Der Club hat dem ZDF dabei 120 Minuten Hochspannung beschert und die Leute abgehalten, aufs Dschungel-Camp umzuschalten. Nur leider: Das ZDF hat es ihm nicht gedankt.

poschNatürlich nicht das gesamte ZDF, sondern dessen Sportreporter Wolf-Dieter „Poschi“ Poschmann. Für den ist der Club offenbar nur eine niederklassige Mannschaft, die – weil sie sich von den Großen Spieler ausleiht – irrtümlicherweise oben mitspielen darf. Das genaue Gegenteil zu Schalke 04, das völlig zu Unrecht nicht an der Spitze steht und das deswegen unbedingt in einem europäischen Wettbewerb vertreten sein muss. Da behauptet Poschmann zum Beispiel, der Club habe den schlechtesten Torwart der Liga, lässt todsichere Chancen, wie die von Eigler kurz nach dem 1:0, praktisch unkommentiert, feuert einfach mal die Blauen an („ja, mach es!“) oder bemerkt zu einem Foul an Julian Schieber: wenn man Schieber heiße, müsse man damit rechnen, ab und zu geschoben zu werden.
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