Brav spielen reicht nicht

2199527957Klar, man kann beim Tabellenzweiten verlieren. Erst recht, wenn man von allen Fachleuten als Abstiegskandidat Nummer 1 eingestuft wurde. Insofern geht das 3:0 in Mainz in Ordnung. Aber wirklich nur insofern.

Fast 90 Minuten lang war der Club nämlich die bessere Mannschaft, spielte überlegen, arbeitete sich Chancen heraus, hatte das Spiel weitgehend im Griff. Die Mainzer hatten gerade einmal dreieinhalb Möglichkeiten, ein Tor zu machen. Insofern hat die Clubmannschaft sicher die Vorgaben des Trainers gut umgesetzt. Brave Schüler! Machen das, was der Lehrer sagt. Bloß: das wissen auch die Nichtfußballer unter uns: Wer nur das macht, was der Lehrer sagt, der hat schon verloren.

Genauso erging es dann auch dem Club am Bruchweg. Er spielte nett, gar nicht schlecht, aber dann fehlte nicht bloß am Ende die Präzision, sondern auch das, was den Erfolg ausmacht: mal ein origineller Gedanke, mal ein unorthodoxer Spielzug…und der liebe Gott half auch nicht mit, schon gar nicht Schiri Gagelmann.

Ganz anders die Mainzer: Die können auch schlecht spielen. Die können auch einen Gegner kommen und die Musik machen lassen. Die wissen nämlich: Wir können Standards. Denen langt schon eine Ecke, ein Freistoß in der gegnerischen Hälfte und schon brennt es.

Was sagt uns das? Ekici stand zwar in den letzten Spielen eher neben sich, dennoch ist genau er einer, der nicht nur den braven Fußballstreber geben kann, der auch mal selber was Überraschendes anzetteln kann. Dass der zunächst auf der Bank saß, war sicher von Nachteil. Dass der Club mit dem Üben der Standards noch nicht so weit ist, wissen wir schon länger. Dass der Club beim Entleihen von Marcel Risse (bester Mann bei Mainz) einen Fehler gemacht hat: geschenkt! Dass der Club Judt und nicht Allagui von den Fürthern geholt hat, Schwamm drüber! Dass der Club allerdings in der Adventszeit überhaupt antritt und nicht alles tut, um Spiele zu diesem Zeitpunkt ausfallen zu lassen – notfalls muss man halt die Unterschrift der Eltern fälschen – das ist unverzeihlich. Warum? Das erzählen wir euch das nächste mal. Da geht es nämlich gegen den Spitzenreiter Dortmund und da wird man mit nur schön Spielen erst recht nicht punkten.

Mit dem BVB in einem Boot

Hin und wieder schauen wir auch iin der Welt herum, was andere Vereine so treiben, warum sie erfolgreicher sind als wir und ob wir vielleicht was finden, das wir den Club-Schnarchnasen (wobei sich die neuen Aufsichtsräte als solche erst noch profilieren müssen) vor den Latz knallen könnten. Und da sind wir jetzt beim gegenwärtigen Tabellenführer fündig geworden. Dessen Geschäftsführer, er heißt Hans-Joachim Watzke, hat nämlich den Vorschlag gemacht, andere Kriterien bei der gegenwärtig zur Neuregelung anstehenden Vergabe der Fernsehgeldern einzuführen. Nach dem „holländisches Modell“) sollten auch Beliebtheit, Tradion oder Zahl der Fans berücksichtigt werden. Dann, so meint Watzke, bekämen die „richtigen“ Vereine, wie etwa sein BVB, erheblich mehr, während Vereine wie Leverkusen, Wolfsburg oder Hoffenheim, die ohnehin genug Geld von ihren Eigentümern bekommen, schlechter dastünden.

An sich keine ganz abwegige Idee, zumal wenn man sich anschaut, wie etwa der Bazahlsender Sky versucht, die Dortmund-Fans mit BVB-Trikots und Spezialangeboten zu umgarnen. In Dortmund lohnt sich sowas, in Hoffenheim nicht. In Nürnberg würde sich das auch eher rentieren (wobei Sky sich da wohl denkt: Wer will schon ein Areva-Trikot geschenkt bekommen?).

Jedenfalls macht Sky – Spezialangebote hin oder her – mit Vereinen, die mehr Fans haben, auch mehr Geld und dieses Geld landet dann wieder beim Liga-Verband zum Verteilen. Also ist es doch logisch, dass die stärkeren Einnahmebringer auch stärker berücksichtigt werden.

Aber was macht unser Club? Nichts! Und was macht eine – angeblich dem Club wohlgesonnene – Lokalzeitung? Sie druckt (leider nicht online) einen SID-Kommentar ab, in dem Watzke als Witzbold dargestellt wird.

Klar, man kann auch vor lauter langweiligen Korrektheit zum Permanenzgast im Fahrstuhl werden und dort als missverstandener Musterschüler mit der Welt hadern. Wenn es aber nach mir ginge, dann sollten Traditionsvereine sehr wohl mehr vom Fernsehkuchen abbekommen. Der Obertraditionsverein ist schließlich der FCN.

Da hilft nur noch Hoffen auf die Konkurrenz

urn:newsml:dpa.com:20090101:100424-10-12159Die gute Nachricht zuerst: Die anderen Abstiegskandidaten machen es auch nicht besser. Hertha ist nach der Niederlage gegen Schalke praktisch weg. Bleibt noch ein weiterer Abstiegsplatz und der Relegationsplatz (wahrscheinlich gegen Augsburg). Um den kämpfen Bochum, Hannover, Freiburg und der Club. Und man hat das Gefühl, alle vier (Freiburg war noch nicht entschieden) strengen sich richtig an, da unten hinzukommen. Vielleicht sind es die Tantiemen, die durch die Relegationsspiele winken….

Gegen den BVB hat der Club teilweise durchaus ansehnlich gespielt. War in vielen Phasen drückend überlegen. Aber wie immer, wenn sich beim Club ein Fitzelchen Überlegenheit einstellt, dann wird man sorglos, überheblich, tändelt rum und schaut dann plötzlich ganz schnell ganz blöd aus der Wäsche. Es ist halt leider so: Die Chance, dass hinten einer einen spielentscheidenden Fehler macht, ist beim Club allemal größer, als dass vorne einer ein spielentscheidendes Tor erzielt. Da kann der FCN noch so lange drängen und spielen. Dortmund reichen gerade einmal dreieinhalb Chancen für drei Tore. Beim Club muss hingegen ein unheimlicher Aufwand betrieben werden um was Zählbares zu erreichen.

Wer zwei Spieltage vor Schluss 28 Punkte hat, für den gilt ganz klar: Ab in die 2. Liga! Wenn es diesmal trotzdem noch reichen sollte, dann höchstens aufgrund des Unvermögens der Konkurrenz. Sollte dieser letztlich desolate Club noch die Klasse halten, wäre das auf alle Fälle unverdient. Hoffen wir halt auf die Konkurrenz. Beim Club scheint nachhaltig der Wurm drin zu sein.