Notelf mausert sich und holt einen Punkt

Die Woche:

1. Unser Fanfreund Schalke 04 steckt in der Krise. Dass für die Einordnung der Lage aber das Argument „sogar schlechter als der 1. FC Nürnberg“ verwendet wird, sollte zu denken geben.

2. Manchmal lohnt ein Blick in andere Vereins-Interna. Nach Mainz zum Beispiel. Das dortige Amtsgericht hat jetzt damit gedroht, Mainz 05 aus dem Vereinsregister zu streichen, wenn die Profiabteilung nicht ausgegliedert wird. Die Vereinsführung der Mainzer verweist nun darauf, dass dies auch Konsequenzen für andere Vereine habe. Zum Beispiel den 1. FC Nürnberg.

3. Da haben wir den Salat, genauer gesagt, diejenigen, die dachten für ihre Sky-Euros den Club live verfolgen zu können. Das heutige Mittags-Spiel war nur über Eurosport zu empfangen. Das kostet bekanntlich extra. Allerdings: Bei Eurosport bekommt der Clubfan erheblich mehr geboten als bei Sky.

Das Spiel:

Trainer Michael Köllner musste sich einiges einfallen lassen. Neben Ishak verletzten sich kurzfristig auch noch Löwen, Petrak und Valentini. Dafür konnte der wiedergenesene Sebastian Kerk von Anfang an auflaufen. Daneben zauberte Köllner den U21-Spieler Sinon Rhein aus dem Hut, von dem nicht mal die Webseite des FCN alle Daten parat hat. Demgegenüber kam der Gegner, die Frankfurter Eintracht, auf einer Erfolgswelle nach Nürnberg geschwebt. Die Erwartungshaltung war also eher gedämpft. Vielleicht dachte auch bei der Eintracht der eine oder andere, da müsse er nicht die vollen 100 Prozent abrufen.

Wie auch immer, der Club begann überraschend couragiert und erarbeitete sich mehrfach gute Chancen. Bereits in der 4. Minute ging Kapitän Hanno Behrens mit (fast) gutem Beispiel voran: Sein Weitschuss strich leider knapp am Tor vorbei. In der 18. Minute traf dann Ishak-Ersatz Törles Knöll nur den Pfosten. Bis zur Pause war der Club die bessere Mannschaft. Aber das war im letzten Heimspiel gegen Hoffenheim auch so und dann ging es in der zweiten Hälfte dahin.

Diesmal war das anders. Der Club spielte weiter forsch nach vorne und ließ die Frankfurter kaum einmal gefährlich vors eigene Tor kommen. Die Abwehr stand stabil und eng beim Gegner. Vor allem Mühl und Newcomer Rhein machten einen guten Eindruck. Eintrachttrainer Hütter sah sich demzufolge gezwungen, frischen Wind von der Bank zu bringen und wechselte Allan und Haller ein. Beim Club kamen kurz danach Palacios und Zrelak für Kerk und Knöll. Nicht einmal zwei Minuten nach seiner Einwechslung markierte Adam Zrelak das 1:0 nach schöner Hereingabe von Misidjan. Der Joker stach. Leider dann auch der auf der anderen Seite. Als wir uns alle schon über den Dreier freuten, bugsierte Haller in der 92. Minute eine Flanke von Da Costa doch noch ins Clubgehäuse. Schade! Und eigentlich nicht ganz verdient. Das Unentschieden hätten wir aber vor Spielbeginn angesichts der unterschiedlichen Ausgangslage sofort unterschrieben.

Ein Letztes:

Man kann auch bei Niederlagen Fans gewinnen. Das postete der elfjährige Junge, der das Max-Morlock-Stadion mit Legosteinen nachgebildet hat, nach der Hoffenheim-Pleite:

Erfolgsrezept: einfach länger können

1888361644So, jetzt ist auch die über 20 Jahre alte sieglose Serie gegen den FSV Frankfurt beendet. Wäre ja auch noch schöner, wenn Gleiches mit unserer – nun 18 Spiele andauernden – Serie an ungeschlagenen Spielen passiert wäre.

Dabei hat man anfangs durchaus gesehen, warum sich der Club gegen den FSV bisher immer erfolgslos abgestrampelt hat, selbst dann wenn das Stadion am Bornheimer Hang fest in Clubfan-Hand ist. Über dem FSV scheint nämlich die schützende Hand des DFB zu schweben, so dass die immer einen Mann mehr haben. Das war schon beim Hinspiel so, wo dem Club noch in letzter Minute der Dreier geklaut wurde. Diesmal wurde dem FCN in der 16. Minute ein korrektes Tor wegen Abseits aberkannt. So musste der Club noch mehr als 50 Spielminuten gegen das Frankfurter Bollwerk anrennen, ehe die Dose endlich geöffnet war. Nach einer Ecke erzielten Füllkrug (offiziell) und Burhstaller (inoffiziell) in Gemeinschaftsproduktion den Führungstreffer. Zuvor hatte der FCN noch Glück als Rakovsky einen Schuss von Awoniyi gerade noch mit den Fingerspitzen an die Lattenunterkante lenken konnte und der Nachschuss dann neben dem Tor landete.

Danach zeigte sich wieder: Der Club ist die Mannschaft der letzten Viertelstunde. Der eingewechselte Danny Blum ersprintete sich in der 87. Minute an der rechten Außenbahn den Ball, zieht nach innen und hämmert ihn dann ins lange Eck. Doch damit nicht genug. Blum, der auch um eine Vertragsverlängerung beim FCN kömpft, gibt zwei Minuten später erneut den Robben und legt das 3:0 nach.

Nachdem die Verfolger allesamt Federn ließen, ist dem FCN dank seiner Last-Minute-Dominanz der Relegationsplatz fast sicher. Die beiden führenden Teams werden weiter unter Druck gesetzt. Ob da irgednwann einer schwächelt wird man sehen. Ansonsten müssen wir halt in sieben Wochen eventuell nochmal nach Frankfurt und die Eintracht wegputzen.

Zurück aus dem Traumland

3488082697In Nürnberg verliert man gerne einmal den Realitätsbezug. Auch als FCN-Fan. Da reicht schon eine längere Winterpause um ins Traumland abzudriften. Der Aufstieg ist noch drin, dachte da so mancher. Der eine eher heimlich, der andere ganz offensiv. Clubtrainer Rene Weiler hatte deshalb vor dem Spiel in Frankfurt schon etwas mehr Realitätssinn eingefordert.

Aber, dass es dann so real werden würde, das hatten nicht einmal wir, die wir sonst eher zum Unken neigen, gedacht. Real, das war das sattsam bekannte einfallslose Clubgekicke, das brave, aber vergebliche Bemühen um Struktur, das immer mit dem einen oder anderen Fehler garnierte Abwehrspiel, das eher verzweiflungsgetriebene Anstürmen, wenn der Ball doch einmal in Strafraumnähe kommt… Wir kennen das aus dem letzten und auch aus dem vorletzten Jahr. Dass sich das ändern könnte, weil wir nun 2015 schreiben und der Club in Belek weilte, ja mei: Es war ein Irrtum.

Dabei hatte uns der FCN erst letzte Woche einen weiteren Irrtum aufgezeigt. Wir glaubten nämlich immer, es läuft nur sportlich nicht, dafür seien die Finanzen wenigsten in Ordnung. Falsch gedacht! Es gibt also auch noch Realitäten, die wir gar nicht kennen. Der Club scheint für den Träumer eine Wundertüte zu sein. Allerdings eine, in der vor allem Arschkarten drin sind.

Doch zurück zum Spiel. Bekanntlich gilt der FSV Frankfurt eher als graue Maus in der 2. Liga. Eine biedere Handwerkertruppe, die es dem Gegner zwar schwer macht, aber kaum in der Lage ist, selber Akzente zu setzen oder gar fußballerisch zu brillieren. Eine Billigheimer-Elf, die schauen muss, dass sie die Klasse hält. Mit dieser befand sich der Club in den besseren Momenten des Spiels auf Augenhöhe. Insofern wäre ein Unentschieden vielleicht gerecht gewesen. Allerdings hatte die Billigheimer-Elf aus Frankfurt einemn Vicenzo Grifo in ihren Reihen, der dann auch mal mit einem Weitschuss treffen kann. Es gibt also doch noch Unterschiede zwischen Bornheimer und Billigheimer.

Für letztere muss die Erkenntnis wohl lauten: Klasse halten und im nächsten Jahr und dann mit einem vielleicht zweitligatauglichen Linksverteidiger oben angreifen.

Zurück am Boden

Es ist halt wie immer: Kaum fängt man beim FCN an zu träumen, dann gibt es eins auf die Mütze. Wenn man die Zeitungen in den letzten Tagen gelesen hat, ging es nur um die Tabellenführung. Zumindest um die kurzzeitige. Schließlich hatte der Club bislang gut gespielt und mit Kiyotake auch endlich einen, der das Spiel machen und Standards schießen kann. Die Erwartungshaltung war groß, aber wurde halt wieder mal enttäuscht. Aber es ist nicht nur das. Der Club hat auch nach wie vor Probleme, zuhause das Spiel zu machen. Gegen Dortmund fällt das nicht auf. Die versuchen auch auswärts zu dominieren. Bei Frankfurt war das anders. Zunächst ließen die den Club kommen, der kam auch, aber nicht zum Tor. Dabei sah da alles noch gut aus. Frankfurt musste früh zwei Spieler verletzungsbedingt wechseln. Dann hätte eigentlich noch Sambrano wegen Doppelgelb vom Platz gestellt gehört. Der Club dachte zu dem Zeitpunkt wohl, er hätte es im Griff. Aber, nichts da!

Gleich danach machte Frankfurt das Tor, nutzte eine missglückte Abseitsfalle aus (Pinola war da wieder mal nicht ganz auf der Höhe). Hinterher hatte die Eintracht das Spiel plötzlich unter Kontrolle. Der Club rannte sich schon im Mittelfeld fest und wenn er doch mal vors andere Tor kam, holte der gute Eintrachtkeeper Trapp alles raus. Auffällig war, dass außer Kiyotake, auf den sich die Konkurrenz aber mittlerweile eingestellt hat, niemand im Mittelfeld Akzente setzen kann. Folgerichtig wurden Mak und Esswein dann auch ausgewechselt. Da kam einfach zu wenig Konstruktives.

Und schließlich zeigte dann auch noch der Frankfurter Japaner Inui, dass er keineswegs gewillt ist, Kiyo den Titel „bester Japaner der Bundesliga“ kampflos zu überlassen. Die Clubabwehr sah da übrigens kollektiv ziemlich alt aus. Gut aber, dass sich die Mannschaft dann aufbäumte und doch noch die Eintrachtabwehr knackte. Am Ende wäre ein Unentschieden verdient gewesen. Die Chance von Polter war eigentlich eine 150prozentige. Aber wie es halt so ist, manchmal hat man kein Glück und wenn man zu spät aufwacht, gibt man dem Glück auch kaum Chancen.

Jetzt sind wir halt wieder am Boden. War leider vorhersehbar.

Club kooperiert mit obskurem Tickethändler

Es fällt mir schon schwer, die Bayern zu loben und den Club zu tadeln. In diesem Fall ist es leider angebracht.

Weil es für das Freitagabendspiel gegen Frankfurt im Vorverkauf keine Karten mehr gibt, verweist der Club auf seiner Facebookseite die Fans auf Viagogo. Und zwar mit folgendem Text:

„Ihr möchtet den Club beim Spiel gegen den Tabellenzweiten aus Frankfurt unterstützen, aber habt keine Karte mehr bekommen? Kein Problem! Auf viagogo.de, der offiziellen Ticketbörse des 1. FC Nürnberg, gibt es noch Karten für die Begegnung. Sichert euch eure Karte und seid am Freitag live dabei.“

Für Leute, die Viagogo kennen, hört sich diese Aufforderung an, als würde der FCN auf den Schwarzmarkt verweisen. Beim Online-Ticket-Händler Viagogo stellt man seine Karte zu einem beliebigen Preis ein. Der Käufer kann sie nehmen oder nicht. Auf jeden Fall kassiert Viagogo, und zwar zehn Prozent vom Verkäufer und 15 Prozent vom Käufer – je mehr verlangt wird, desto mehr verdient Viagogo. Der Online-Händler wehrt sich freilich gegen den Vorwurf, weiter lesen