Der Spieler, ein Sammelsurium von Daten

Jeder, der schon einmal ein Fußballmanagerspiel gespielt hat, weiß das: Ohne eine Datenbank ist man verratzt. Ich habe mir beispielsweise immer einen mit Einfluss 20 gesucht, als Mannschaftskapitän. Einen der bei Technik und Standardsituationen mindestens 19 hatte, für die Freistösse und die Ecken. Einen Kreativen fürs offensive Mittelfeld und zwei gute Manndecker um gegnerische Spielmacher auszuschalten.

Mit dieser Strategie spiele ich jetzt mit dem Club schon das dritte Mal hintereinander in der Championsleague mit und kämpfe aktuell (bin aber schon in der Saison 2010/2011) mit Union Berlin um die erneute deutsche Meisterschaft. Der Rest hat keine Chance mehr.

Warum ich so etwas erzähle? Mit logischem Denken und guten Datenmaterial kann man ganz offenbar Erfolge erzielen. Deswegen ist es wohl kein Zufall, dass der Verein von SAP-Chef Dietmar Hopp noch an der Spitze der Bundesliga steht, und dass nun besagter Hopp (bzw. einer seiner Mitarbeiter) beim DFB ein Stück seines Erfolgsrezeptes offenbart und der Nationalmannschaft zur Verfügung stellt: Eine Datenbank, in der die deutschen Fußballer mit Leistungsmerkmalen, Gesundheitswerten und Spielstatistiken aufgeführt sind. Nichts mehr mit Zufall oder Bauchgefühl des Trainers.

Am interessantesten an dieser Meldung finde ich aber, dass sich diesmal nicht die Computergames bemühen noch näher an die Realität ran zu kommen, sondern umgekehrt die Realität bestrebt ist, ein bisschen mehr zum PC-Spiel zu werden.

Darum ist der Club abgestiegen

fm08.jpgZwischen virtueller und analoger Welt gibt es rätselhafte Wechselwirkungen. Ich zum Beispiel habe mich vor Jahren schon gerne als Fußballmanager betätigt. Habe mit dem Club dabei sogar die Champions League gewonnen und das Gleiche wenig später mit Schweinfurt 05 wiederholt. Das habe ich nur geschafft, weil ich gute Scouts hatte, die mir Tipps gaben, wo ich die kommenden Stars billig einkaufen konnte. So erwarb ich beispielsweise Robert Vittek und Jan Pollak. Als ich dann in den europäischen Wettbewerben stand, konnte ich mir auch Tomas Galasek und später sogar Jan Koller leisten. Das war alles, bevor der Club überhaupt daran dachte, diese Spieler zu kaufen. Nun könnte jemand einwenden, da sei nichts besonderes dran. Der Roth und der Bader spielen halt das gleiche Managerspiel und sparen sich so die Kosten fürs Spielerbeobachten in der realen Welt. Doch es gibt auch Zusammenhänge, die sich nicht so leicht erklären lassen: Der ehemalige Club- und jetzige Gladbach-Trainer Hans Meyer war auf dem Cover des Fußballmanager 2008. Damals war der Club Pokalsieger geworden und Hans Meyer der Trainer der Stunde. Doch kurz danach sackte der Club ab. Merkwürdigerweise passierte Ähnliches auch anderen „Coverboys“. Bei „FIFA 09“ war zum Beispiel Kevin Kuranyi vorne drauf, wenig später flog er aus der Nationalmannschaft. Auch Thomas Doll, der den Fußballmanager 2007 zierte, kam danach auf keinen grünen Zweig mehr. Davor waren Rudi Assauer, Lothar Matthäus oder Rainer Calmund drauf zu sehen. Inzwischen spricht man deshalb schon vom Cover-Fluch. Sollte das stimmen, wissen wir endlich, warum der Club abgestiegen ist. Und weil Jogi Löw „Fußballmanager 09“ ist, könnte es leicht sein, dass sich die deutsche Nationalmannschaft nicht für die WM qualifiziert und Jogi seinen Hut nehmen muss.