Langsam wird´s professionell

1. Nun gut, es hat ein bisschen gedauert, aber trotzdem ist der Club mit seinem eSports-Einstieg noch relativ weit vorne. Dafür hat er zwei Fifa-Zocker eingekauft, die den 1.FCN jetzt auf dem virtuellen Rasen voranbringen sollen. Um den herum muss zumindest schon mal kein – selbst im Unterhalt sündteures – Stadion gebaut werden.

2. Dass mittel- bis langfristig weiter an einem Stadionneubau festgehalten wird, erklärte Finanzvorstand Michael Meeske auf der Jahrenshauptversammlung. Selber Geld in die Hand nehmen wird der Club allerdings kaum können. Im Gegenteil, der Schuldenberg ist im vergangenen Jahr um weitere 1,9 Millionen auf inzwischen über 20 Millionen Euro angewachsen. Nichts war es also mit der vermuteten schwarzen Null (die aber wenigstens auf dem eigens zu FCN-JHV kreierten Bullshitbingo abgehakt werden konnte). Mit ein Grund war der Wegfall des Sponsors Wöhrl. Auch wenn Meeske angeblich zahlreiche Arbeitsessen mit potenziellen Unterstützern intus hat, zeigt sich hier erneut ein Problem der Region: Zahlungskräftige Firmen fehlen oder engagieren sich lieber beim FC Bayern bzw. in anderen Sportarten. Ansonsten war es eine selten harmonische Veranstaltung (trotz des prognostizierten Zündstoffs), was sich unter anderem auch darin niederschlug, dass die drei „abgelaufenen“ Aufsichtsräte Stefan Müller, Thomas Grethlein, der zuvor schon in der NZ eine ganzseitige „Regierungserklärung“ abgeben durfte. und Günther Koch wiedergewählt wurden. Manch einer machte für diese Harmonie den Derbysieg verantwortlich-

3. Der FC Bayern setzt im deutschen Fußball bekanntlich die Maßstäbe. Jetzt hat er Jupp Heynckes als neuen Trainer verpflichtet. Das führt uns alte Glubberer zu der Frage: Was treibt eigentlich Michael A. Roth?

Das Spiel:

Wegen der Länderspielpause bot sich für die Clubprofis – und damit auch für uns Fans – wieder einmal die Gelegenheit, unbekannte Ortschaften der Umgebung kennenzulernen. Diesmal ging es in das 1169 Einwohner zählende Pfarrdorf Meckenhausen. Das gehört zu Hilpoltstein, was jetzt auch nicht gerade eine Weltstadt ist. Unter solchen Voraussetzungen stellt sich leicht Überheblichkeit ein. Die war jedoch fehl am Platz. Gerade mal zu einem 6:1 langte es für den Club. Aber in diesen Fällen zählen ja nicht Ergebnisse, sondern Erkenntnisse – und da dürften schon angesichts der eingesetzten Nachwuchshoffnungen einige dabei gewesen sein.


Ein Letztes:

Die Kollegen von Clubfans_United haben für die Nachwelt dieses schöne Fazit aus der Jahreshauptversammlung festgehalten:

Englische Woche mit Sternchen

Die Woche:

1. Am 8. Oktober ist Jahreshauptversammlung. Wahrscheinlich eine vergleichsweise unaufgeregte nach dem Derbysieg. Da geht es dann mal offiziell um die Finanzen und nicht nur indirekt im sportlichen Hintergrund. Inzwischen würde es schon als Erfolg gewertet, wenn der Etat wenigstens ausgeglichen wäre. Ach ja und drei Posten im Aufsichtsrat sind auch zu besetzen.

2. Die Trainerfrage stellt sich beim Club aktuell glücklicherweise nicht. Insofern registrieren wird manches gelassen. Zum Beispiel, dass unser Ex bei seinem Folgeverein auch vor die Tür gesetzt wurde.

3. Letzte Woche habe ich hier die gescheiterte Bewerbung Nürnbergs als Spielort für die EM 2024 erwähnt. Mittlerweile stellt sich raus, dass die Stadt damit – wenn auch unfreiwillig – die Grundrechte schützt.

Die Spiele:

Optimale Ausbeute aus der englischen Woche: Erst das 6:1 in Duisburg. Danach gelang gegen den VfL Bochum Historisches. Bisher waren die unser Angstgegner und in der 2. Liga unbezwingbar. Jetzt schickte der FCN die Bochumer mit einem 3:1 nach Hause. Dabei spielten die durchaus gut mit, waren anfangs gar überlegen. Trotzdem gingen sie auf eher kuriose Weise in Führung. Enrico Valentini stellte sich in den Strafraum und hob die Hand, der VfL-Stürmer nahm das Angebot an, kickte den Ball gegen den unnatürlich ausgestreckten Arm und es gab Elfmeter. Gut, es war aus Valentinis Sicht natürlich anders. Er wollte Abseits reklamieren.

In der zweiten Hälfte machte es der Clubverteidiger besser. Der erneut torgefährliche Eduard Löwen hatte zuvor schon den Ausgleich erzielt, da servierte Valentini Clubkapitän Behrens den Ball vor die Stirn und der machte den Führungstreffer. Später gelang Ishak per Elfmeter noch des 3:1. Der Clubstürmer, der monatelang nur durch Ladehemmung auffiel, spielt jetzt sogar um die Torjägerkanone mit.

Im Derby legte der Schwede nämlich gleich noch nach. Bereits in der 9. Minute schloß er auf Pass des diesmal in die Startelf beorderten Cedric Teuchert erfolgreich ab. Allerdings ließ der Club dann die Fürther kommen und verschaffte so dem, trotz der Genesung von Kirschbaum, wieder als Nummer 1 auflaufenden Fabian Bredlow genügend Chancen, warm zu werden. Besser wurde es erst als Köllner den – trotz guter Leistungen – erstmal auf die Bank verbannten Neuzugang Tobias Werner brachte. Fünf Minuten später war es allerdings der überragende Kapitän Hanno Behrens, der mit tollem Pass Teuchert bediente, der dann den scheinbar beruhigenden und angesichts des Fürther Unvermögens auch verdienten Zwei-Tore-Vorsprung herstellte.

Doch gegen die Kicker aus der Nachbarkommune sollten wir uns nie zu früh freuen. Da ist immer irgendein krummes Ding drin. Das lieferte diesmal Schiedsrichter Zwayer. Der schenkte den Fürthern in der 79. Minute einen Elfmeter. Zuvor hatte Bredlow beim Herauslaufen den Fürther Hofmann irgendwie ein bisschen im Gesicht erwischt. Danach hatten die Hausherrn natürlich Oberwasser und Bredlow jede Menge Gelegenheit, sich auszuzeichnen. Schließlich schenkte ihnen Zwayer auch noch unerklärliche vier Minuten Nachspielzeit. Die nutzte dann allerdings Behrens um nach einer eigentlich eher auf Zeitgewinn gespielten Ecke den Ball zum dritten Mal im Fürther Tor unterzubringen.

So gibt es endlich mal wieder einen Derbysieg zu feiern.

Ein Letztes:

…und damit Außenstehende halbwegs eine Ahnung davon bekommen, was das bedeutet:

Die Mutter aller Trainerentlassungen

Bereits am 2. Spieltag hatte mein Kollege hier den Trainer in Frage gestellt und dafür einiges einstecken müssen. Könnt ihr nicht erstmal abwarten und dem immerhin für eine halbe Million Ablöse von Sandhausen geholten Trainer etwas Zeit geben? Nunja, inzwischen ist einiges an Zeit vergangen und mittlerweile reden nicht bloß die Clubfreunde über Alois Schwartz, sondern fast das ganze Fanlager (einzige Ausnahme die im Auftrag der FCN-Presseabteilung twitternden Praktikanten).

Aber nicht, dass er es nicht geschafft hat, der Mannschaft Profil zu geben und ein fussballerisches Konzept zu entwickeln, könnte Schwartz nun den Kopf kosten. Derartiges steckt der Nürnberger offenbar weg. Aber zwei Mal gegen die Nachbarn aus Fürth verlieren, das nimmt er übel. Da kennt er nichts! Bei der Mutter aller Derbys gibt es keine mildernden Umstände.

Wobei wir nach solchen Umständen diesmal vergeblich suchen müssen. Weder dürfen wir die Niederlage auf den Schiedsrichter schieben, noch auf die Platzverhältnisse. Selbst eine angebliche Spuckattacke auf den Clubspieler Bulthuis reicht da wohl nicht. Der konnte schließlich mitwirken und fiel jetzt im Umfeld des limitierten, blutleerebn Club-Gekickes nicht negativ auf.

Womit wir wieder beim Trainer wären. Der hatte die Mannschaft gegenüber der Heimniederlage gegen den VfL Bochum auf fünf Positionen verändert. „Ich möchte wieder Leben auf den Platz kriegen“, hatte Schwartz gesagt. Doch was dort am allermeisten fehlte, war Leben. Ein trostloser Kick konterkarierte im Ronhof den Medienhype, der auch diesmal wider besseren Wissens mit Promitipps, historischen Betrachtungen, Liveticker und Fanstatements gnadenlos durchgezogen wurde. Was die beiden im Zweitligamittelfeld herumdümpelnden Teams da auf den Rasen brachten, war jedoch an Ödheit kaum zu überbieten. In der ersten Hälfte war es eine Ecke, die aus Clubfansicht den Höhepunkt markierte. In der 2. Halbzeit ging es zunächst so weiter. Eine kurzzeitge Rudelbildung sorgte für einen Hauch von Unterhaltung. Danach schien irgendwer bei den Fürthern gerufen zu haben: Da geht noch was! Jedenfalls drängten die plötzlich, ohne dass der Club den Verwaltungsmodus beenden konnte. Und wenn man mehr probiert, dann geht ein Schuss auch mal rein. Wie in der 77. Minute als Margreitter einen Zulj-Schuss unhaltbar für Kirschbaum abfälschte. Bezeichnenderweise dauerte es bis zur 86. Minute ehe Neuzugang Ishak den ersten Ball in Richtung Fürther Tor schoß.

Das war es dann aber auch schon. Eindeutig zu wenig, um in der 2. Liga bestehen zu können. So wird der Club kaum noch etwas reißen. Denn Fürth spielte – genau wie letzte Woche Bochum – ebenfalls eher schwach. Gegen den Club reicht derzeit jedoch schon ein bisschen mehr Wille für einen Dreier.

Füllkrug erlöst Nürnberg

Fuflball 2. Bundesliga 23. Spieltag: 1. FC N¸rnberg - SpVgg Greuther F¸rth am 26.02.2016 im Grundig Stadion in N¸rnberg (Bayern). Der N¸rnberger Niclas F¸llkrug (l) jubelt mit seinem Kollegen Guido Burgstaller ¸ber seinen Treffer zum 2:1. Foto: Daniel Karmann/dpa (Wichtiger Hinweis: Aufgrund der Akkreditierungsbestimmungen der DFL ist die Publikation und Weiterverwertung im Internet und in Online-Medien w‰hrend des Spiels auf insgesamt f¸nfzehn Bilder pro Spiel begrenzt.) +++(c) dpa - Bildfunk+++

Niclas Füllkrug (links) bejubelt mit Guido Burgstaller seinen Siegtreffer. (c) dpa – Bildfunk+++

Fürths Niko Gießelmann hatte also Recht: Der Club hatte die Hosen voll. Anders lässt sich der verhaltene Beginn in diesem 260. Frankenderby am Freitagabend nicht erklären. Denn an der Motivation wird es kaum gelegen haben. Genauso wenig dürfte eine Rolle gespielt haben, dass Schiedsrichter Günter Perl wegen eines allgemeinen Verkehrskollaps rund um das Grundig-Stadion deutlich verspätet anpfiff.

Nein, der Grund war wohl vielmehr der immense Druck von zuletzt sieben sieglosen Aufeinandertreffen mit dem Erzrivalen, der auf den Schultern der Spieler lastete. Acht Jahre lag der letzte Dreier gegen den ungeliebten Nachbarn zurück!

Um 18.45 Uhr also, eine Viertelstunde nach dem geplanten Anstoß-Zeitpunkt, hatte dann offenbar auch die Mehrzahl der staugeplagten Anhänger ihren Platz in der ausverkauften Arena eingenommen. Es konnte endlich losgehen. Aus Club-Sicht allerdings leider nach hinten, die Verunsicherung der Elf von Trainer René Weiler war fast bei jedem Ballkontakt spürbar.

Folgerichtig erhielten die Rot-Schwarzen bereits in der 6. Minute die Quittung für ihre Zögerlichkeit: Robert Zulj erzielte das 1:0 für das Kleeblatt. Sebastian Heidinger hatte sich auf dem rechten Flügel durchgesetzt und flach nach innen gepasst, wo Zulj aus kurzer Distanz nur noch einschieben musste. Clubfans rechneten da schon mit dem Schlimmsten.

Dabei ist der FCN von der Spielanlage und von der Qualität der Einzelspieler her in dieser Saison dem Kleeblatt so überlegen wie schon lange nicht mehr, was nicht nur der Blick auf die Tabelle bestätigt. Trotz der Schwächen, die der Club offenbarte, gelang es den Gästen nicht, die Führung auszubauen. Der Auftritt der Spielvereinigung wirkte, nunja, unkultiviert und mitunter unstrukturiert. Die Truppe von Coach Stefan Ruthenbeck beschränkte sich darauf, die Bemühungen der zunächst zaghaft agierenden Nürnberger möglichst zu unterbinden.

Umso ärgerlicher waren die hypernervösen ersten 30 Minuten, die der FCN darbot. Als Tabellendritter mit Aufstiegsambitionen darf man sich gegen einen derart schwachen Gegner zu Hause so nicht präsentieren – egal ob der nun Fürth oder Vestenbergsgreuth heißt. Das ist die eine Erkenntnis aus diesem Derby. Die andere ist die, dass mit dem Club in dieser Saison immer zu rechnen ist und ein schlechter Start und Rückstand nicht unbedingt eine Niederlage verheißen müssen – genauso wenig wie eine starke Anfangsphase (siehe Düsseldorf) einen guten Ausgang nach sich ziehen muss.

In den Minuten vor der Halbzeitpause kämpften sich Weilers Schützlinge mehr und mehr ins Spiel, schnürten die SpVgg regelrecht hinten ein. Dann fasste sich Sebastian Kerk ein Herz und zog aus gut 20 Metern ab. Der leicht abgefälschte Ball segelte ins linke obere Toreck – 1:1 (40.)! Das Stadion verwandelte sich in einen Hexenkessel. Auf einen Schlag schien der Druck von den Club-Spielern abzufallen, die Ruthenbeck-Elf konnte den Spielstand gerade noch so in die Kabine retten.

Nach dem Seitenwechsel das gleiche Bild: Der 1. FC Nürnberg drückte auf den Siegtreffer, das Kleeblatt beschränkte sich aufs Stören und Kontern. So ging es eine ganze Weile hin und her, Hochspannung war angesagt. Ausgerechnet ein Ex-Fürther sorgte schließlich für die Erlösung. Auf Vorlage von Georg Margreitter legte sich Niclas Füllkrug die Kugel per Kopf selbst vor und köpfte dann wuchtig zum 2:1 in die Maschen. Ganze 84 Minuten waren da schon gespielt, der Jubel war ekstatisch.

Der Rest war Formsache. Club-Keeper Raphael Schäfer und seine Vorderleute hielten den Kasten bis zum Schlusspfiff sauber. Dann gab es kein Halten mehr. Auch wenn die Euphorie über diesen für die Fans, für Nürnberg so wichtigen Derbysieg überwiegt, hinterlässt der erschreckend schwache Beginn doch einen faden Beigeschmack. Die nächsten Spiele werden zeigen, ob es tatsächlich nur am Druck lag. Bis dahin ist erst einmal Genießen angesagt.

Der Derbydepp verliert zway zu dray

COyLA73WgAEKBWM.jpg_largeSeien wir ehrlich, einen Sieg hätte diese Clubmannschaft nicht verdient. Aber so, wie das Spiel gelaufen ist, kann man die Schuld, dass es auch diesmal nicht zu einem Derbyerfolg für den FCN gereicht hat, auch bei Schiedsrichter Felix Zwayer suchen. Der Ausgleichstreffer zum 1:1 fiel nach einem Freistoß, der keiner war. Der 2:1-Führung der Fürther ging eine klare Abseitsstellung voraus. Insofern könnte man an der Schiedsrichtergilde und am DFB verzweifeln. Vor allem vor dem Hintergrund des abstrusen Elfmeters, den die Bayern gestern geschenkt bekommen haben. Andererseits, die Bayern haben Knete um Schiedsrichter überzeugen zu können. Was aber hat Fürth? Das dürfte selbst für Zwayer nicht reichen.

Die Fürther hatten noch nicht einmal torgefährliche Stürmer. Sonst hätten sie nämlich bereits zur Halbzeit klar führen müssen. Aber entweder verzogen sie oder sie trafen das Außennetz. Auch Thorsten Kirschbaumn war einige Male auf dem Posten bzw. kooperierte mit dem Pfosten.

Und ja, auch der Führungstreffer für den Club kam durchaus glücklich zustande. Der Schuß von Guido Burgstaller wurde unhaltbar von einem Grünen abgefälscht. Danach verließ man sich beim Club leider allzusehr auf das Glück und die Fürther Abschlussschwäche. In der 39. Minute konnte dann Berisha nach besagtem Freistoß doch den Ausgleich erzielen.

In der zweiten Hälfte gelang den Fürthern mit Schirihilfe sogar die Führung. Erst fünf Minuten vor Schluss markierte Schöpf ohne diese Hilfe den Ausgleich. Erst in der Nachspielzeit gab dann der Deppenfaktor den Ausschlag und Freis machte das Siegtor für die anderen, die – und das muss man leider konstatieren – wieder einmal mehr Siegeswillen ausstrahlten.

Für Nichtparteiische war das sicher ein ganz nettes und unterhaltsames Fußballspiel. Für Clubfans war es hingegen ein Schlag in die Magengrube. Umso mehr als das Derby mittlerweile in einer Weise gehypt wird, die solche Niederlagen noch viel peinlicher macht. Wenn man bedenkt, dass da extra Kleiderordnungen erlassen, Autobahnen gesperrt und Zeitungen mit Playstationspielen gefüllt werden, dann tun die null Punkte gleich doppelt weh. Und noch was, eure Ruckreden (Grethlein) oder eure Beförderungen (Sportdirektor Wolf) könnt ihr euch sparen. So kann man nicht in ein Derby gehen. Zwayer hin oder her.

Nürnberg, die Australier-Hochburg

kennedyBeim Länderspiel am Mittwoch der deutschen Nationalmannschaft gegen Australien kann der verletzte Matthew Spiranovic nicht mitwirken, lautete eine Meldung. Spiranovic? Da war doch was?  Genau. In der Ära Hans Meyer waren Australier beim 1.FC Nürnberg angesagt, der FCN wurde zur Hochburg für die Männer vom fünften Kontinent. In der Rückserie 2006/07 standen gleichzeitig vier unter Vertrag, insgesamt spielten sogar fünf für den Club.
Spielten? Na ja, das ist vielleicht etwas übertrieben. Mittelfeldmann Dean Heffernan, der vor der Saison 2006/07 zum Club wechselte, kam zu keinem einzigen Bundesligaeinsatz und verließ den Valznerweiher nach einem Jahr wieder.

Joshua Kennedy (Foto) blieb in dieser Pokalsiegersaison ebenfalls ohne Spiel, was aber an einer schweren Verletzung lag. Der langmähnige Stürmer war der einzige aus dem Australier-Quintett, der schon vorher im deutschen Profifußball Erfahrung gesammelt hatte, er kickte für Köln, Wolfsburg und Dresden. In der Vorrunde 2007/08 kam er auf 12 Einsätze und ein Tor, doch in der anschließenden Winterpause  wurde er von  Trainer Meyer aussortiert und an den Karlsruher SC  weitergereicht.

Relativ hoch im Kurs stand bei Meyer indes Verteidiger Michael Beauchamp, der 2006/07 sogar den alten Haudegen Marek Nikl (damals in seinem neunten Vertragsjahr beim Club) auf die Bank verdrängte. Im Pokalfinale spielte trotzdem Nikl. Und als Meyer gehen musste, sank auch Beauchamps Stern. Insgesamt kam der Austtralier zwischen 2006 und 2008 auf 30 Erstligaeinsätze (1 Tor).

Wie Beauchamp spielte auch Spiranovic in der Abwehr, allerdings nicht oft. Er wechselte zur Rückserie 2006/07 zum Club und ging nach der Vorrunde 2009/10. Der oft von Verletzungen geplagte Defensivspieler absolvierte 10 Erst- und 8 Zweitligaspiele für den Club (kein Tor).
Die nachhaltigsten Spuren hinterließ eigentlich der ebenfalls vom Verletzungspech gebeutelte Dario Vidosic, immerhin gelang ihm ein Tor in Fürth beim 1:1. Das war in der Zweitligasaison 2008/09, wo er zudem „goldene Treffer“ bei den 1:0-Erfolgen über Freiburg und Ingolstadt  beisteuerte (11 Einsätze). In der Bundesliga kam der vor der Abstiegssaison 2007/08 verpflichtete Offensivspieler auf 18 Spiele für den Club (kein Tor). Zur Rückserie 2009/10 wurde er an den MSV Dusburg ausgeliehen, im Winter 2010/11 verabschiedete er sich endgültig Richtung Bielefeld. Sein letztes Spiel ging völlig daneben: Im November 2010 wollte   Trainer Dieter Hecking beim 1:3 gegen Kaiserslautern den vorherigen Ergänzungsspieler zum Rechtsverteidiger umschulen, ein missglücktes Experiment, noch vor der Pause war Schluss für Vidosic.
Damit war auch das Kapitel Australier beim Club zugeklappt. Vidosic und Spiranovic gehörten übrigens zum WM-Kader Australiens 2014, Kennedy stand immerhin im vorläufigen Aufgebot, wurde dann gestrichen. Als  bester Torschütze hatte er aber maßgeblichen Anteil an der Qualifikation. Sie können schon kicken, die Nürnberger Australier. Am Valznerweiher aber hatten sie kein Glück.

Weiler zwar schöner, aber nicht besser als Oenning

Ex-Club-Coach Michael Oenning und Neu-Coach René Weiler

Michael Oenning (links) bleibt der Coach, unter dem der 1. FC Nürnberg das letzte Frankenderby gewonnen hat (2008) – auch wenn er längst das Club-Trikot abstreifen musste und mittlerweile René Weiler den Ton am Valznerweiher angibt.

Was damals ein Christian Eigler für Michael Oenning war, ist heute Niclas Füllkrug für René Weiler: ein Torgarant (mal mehr, mal weniger), der seinen Weg aus der „Westvorstadt“ an den Valznerweiher gefunden hat. Und was damals Michael Oenning für den 1. FC Nürnberg war, sollte heute René Weiler sein: ein gut aussehender Siegertyp, der den Club zum Erfolg im Frankenderby coacht. Wohlgemerkt: Sollte.

Denn lang ist’s her. Im 252. Aufeinandertreffen der beiden Erzrivalen am 23.11.2008 hat der FCN zuletzt gegen die SpVgg Greuther Fürth gewinnen können. 2:1 stand es da am Ende, nachdem Eigler in der Schlussphase eingenetzt hatte. Heute, rund sechs Jahre später, beim 258. Kräftemessen der Nachbarstädte, waren Javier Pinola und Stephan Schröck die einzigen Protagonisten, die damals schon auf dem Platz standen. Alle anderen Spieler kennen das Gefühl eines Nürnberger Derbysiegs und den Namen Oenning wohl höchstens vom Hörensagen.

47.500 Fans wollten sich die Mutter aller Derbys nicht entgehen lassen und fanden den Weg ins Grundig-Stadion. Das heißt: Die Arena war nicht ausverkauft! Während sich ein Grüppchen jugendlicher Kleeblatt-Anhänger schon um 9 Uhr am Fürther Rathaus getroffen hatte und deshalb bereits eine Stunde vor dem Anpfiff um 13 Uhr, von der Polizei begleitet, in den Gästeblock gebracht wurde, verpassten vor der Nordkurve über 1000 Clubfans wegen verschiedener Sicherheitsvorkehrungen die ersten Spielminuten.

Schade für sie. Denn auf dem Rasen legte der im Vergleich zum Aue-Spiel unveränderte Club einen ordentlichen Zahn vor, wenn auch ohne zählbaren Erfolg. Trotzdem war die Weiler-Elf zu Beginn das bessere Team. Füllkrug, Alessandro Schöpf und Jakub Sylvestr agierten in dieser Phase in den Reihen der Nürnberger am auffälligsten und waren gleich an mehreren guten Torgelegenheiten beteiligt.

Halt, nein, wir wollen ja Pinola nicht vergessen. Der fiel wegen seines rüden Einsteigens gegen Fürths Marco Stiepermann schon in der 3. Minute derart unangenehm auf, dass ihn Schiedsrichter Florian Meyer zu Recht mit Gelb verwarnte. Doch der Argentinier blieb bis zur Pause sauber und durfte auch für die zweiten 45 Minuten wieder aufs Feld. Das durfte der Mann mit dem sympathischen Knutschfleck-Tattoo am Hals, Stephan Schröck, zunächst auch – bis Schiri Meyer den Fanliebling der Fürther in der 52. Minute mit Gelb-Rot vom Platz stellte, weil er gegen Füllkrug rücksichtslos die Sohle draufhielt.

Wer glaubte, der FCN würde sich nun leichter tun, hatte sich getäuscht. Im Gegenteil: Das Kleeblatt schien, vom Mute der Verzweiflung nach vorne getrieben, fortan sogar gefährlicher zu sein. Johannes Wurtz hatte in Minute 71 die dicke Chance auf das 1:0 – doch rauschte in der Mitte knapp an einer Przybylko-Hereingabe vorbei. Die Cluberer bissen sich am Fürther Abwehr-Beton die Zähne aus und wurden hinten immer wackeliger. Bezeichnend: Bis zur 83. Minute brachten die Rot-Schwarzen im zweiten Durchgang keinen einzigen Schuss aufs Tor, Fürth immerhin einen. Und so durften Weilers Mannen am Schluss froh sein, dass es beim enttäuschenden 0:0 blieb und der Tag nicht in einer erneuten Derby-Pleite endete.

Es bleibt festzuhalten: Auch Weiler schaffte es nicht, Oenning als Club-Trainer aus den Derby-Annalen zu vertreiben. Der 1. FC Nürnberg ist somit seit nunmehr über sechs Jahren sieglos im Frankenderby.

Doch noch in die Deppenfalle getappt

Eigentlich sollte man gar nichts schreiben. Was auf den Monitor schreiben hat ja irgendwie mit Effektivität zu tun. Da kommt was raus dabei. Da sieht man am Ende was.

Eigentlich sollte man sich damit trösten, dass man gute Gedanken im Mittelfeld hatte. Dass man geistig überlegen war, aber halt nichts sagen könne. Man habe auch erfolgreich die Zeilenschaltung betätigt, sich verschiedene Schrifttypen ausgesucht. Aber zu einem Satz auf die Platte hat es halt nicht gereicht…

Genauso ein Depp ist der Club. Mal wieder. Wir dachten schon, die Zeiten sind vorbei. Aber nee: Er ist noch der Alte. Wenn du denkst, es ist schon alles gelaufen, es ist alles gut, es reicht nicht mehr zum Abstieg, dann kommt so ein blödes Derby daher und unser Club tappt in die letzte noch irgendwo greifbare Deppenfalle.

Die Fürther sind praktisch schon abgestiegen, bekamen praktisch seit Wochen kaum noch was gebacken auf dem Rasen und dann bescheren ausgerechnet die dem Club die erste Heimniederlage seit Monaten. Im Frankenderby. Wo doch jeder weiß, da geht es um mehr als nur um die Punkte.

Noch dazu, wo es, wie es aussieht, erst einmal für lange Zeit das letzte Frankenderby sein wird.

Obwohl…

Das was der FCN heute ablieferte, war leider auch nicht dazu angetan, allzugroße Hoffnungen für die Zukunft zu hegen. Fangen wir vorne an, da stand mit Pekhart diesmal wieder ein Stürmer in der Mannschaft. Aber halt nur nominell. Die Außen waren diesmal mit Esswein, zunächst Chandler und dann mit dem geistig schon abgewanderten Robert Mak besetzt. Und wieder einmal lieferten sie bestenfalls einmal ein paar Kleinigkeiten für die Galerie. Das zentrale Mittelfeld blieb seltsam blass und unentschlossen. In der Abwehr hatten sie wohl Mühe die Konzentration hochzuhalten. Wobei das Tor halt ein Sonntagsschuss war, der halt vorkommen kann – besonders bei einem Sonntagsspiel.

Beim Club hatten die Zuschauer das Gefühl, dass an diesem Tag wohl nie mehr ein Ball den Weg ins Netz finden wird. Selbst die sonst so gelobten Standards stachen nicht. Selbst 14 Ecken brachten das Fürther Tor nicht ernsthaft in Gefahr…

Das einzig Positive, was ich diesem Spiel abgewinnen kann ist: Bei einem Heimsieg hätte ich vielleicht Mitleid mit den Fürthern gehabt. Jetzt nicht.

Viel Aufregung, wenig Fußball

Das war sie also, die Mutter aller Derbys. Wer die Vorgeschichte nicht kennt, wer die Emotionen, die mediale Aufregung im Vorfeld und das peinliche Sicherheitstheater der Stadt Fürth nicht mitbekommen hat, der dürfte ziemlich enttäuscht gewesen sein, was sich da knapp 90 Minuten im Ronhof auf dem Platz abspielte. Torszenen gab es praktisch keine. Spielerisch war ebenfalls wenig geboten. Ein 0:0 der eher schlechteren Sorte.

Am Club lag das nur bedingt. Die Mannschaft spielte souveräner und abgeklärter als die Fürther. Die wiederum versuchten ihre spielerische Unterlegenheit anderweitig wett zu machen. Nehmen wir nur Gerald Asamoah. Bezeichnend, dass er bei der einzig nennenswerten Torchance nicht den Abschluss suchte, sondern auf Elfer spielte. Er und Sararer (wenn Schäfer der Schweini wäre würde er wegen dessen Spuckattacke das Sportgericht anrufen) legten es auch gar nicht auf Fußballspielen an, sondern aufs Vergiften der Atmosphäre. Schiedsrichter Brych, den die Fürther permanent zulaberten, stellte dann auch prompt nach 36 Minuten Markus Feulner vom Platz. Für ein Foul, das ungeschickt, aber vielleicht auch mit Gelb hätte geahndet werden können.

In der zweiten Halbzeit dämmerte es aber auch Brych, worauf die Fürther abzielten und schickte schließlich Sercan Sararer runter. Asamoah wurde hingegen nicht von Brych, sondern von Mike Büskens rausgenommen. Vielleicht reichen seine Verbalfähigkeiten nicht für 90 Minuten.

Blöderweise hatte der Club bei der Gelb-Roten der Fürther schon Esswein und Kiyotake ausgewechselt. Aus dem Mittelfeld kam dann leider nicht mehr allzuviel.

Mag sein, dass die Fürther einen Punkt gewonnen haben. Die Chance, sich bei halbwegs neutralen fränkischen Fans ein paar Sympathien zu erarbeiten, haben sie vergeigt. Westentaschen-Materazzis, die in der ersten Liga nichts verloren haben! Umso ärgerlicher, dass gegen die nicht mehr als ein 0:0 rausgesprungen ist.

Als Club-Fan unter Greuthern

In letzter Zeit hat unserem Club häufig ein anderer Verein die Schlagzeilen gestohlen. Statt Rot und Schwarz waren die Bilder vorwiegend Grün und Weiß. An sich könnte uns der Dauerjubel (jetzt auch noch das) kalt lassen. Trotzdem wollen wir unserer Gastautorin Isabel Strohschein hier mal ein Forum geben. Schließlich gibt es in diesem grünweißen Gekasper auch noch andere Facetten.

Neulich gab es ja ein Großereignis in der Westvorstadt: Der Aufstieg. Ich war zwei Tage vorher nach Fürth gezogen (jaaaaa, ich weiß, aber suchen Sie mal derzeit eine schöne, große UND bezahlbare Wohnung in Nürnberg). Dachte mir also: gehste da mal hin, die neuen Nachbarn waren auch dabei. Was soll ich sagen? Ich weiß jetzt, wie sich Spione fühlen. Als Club-Fan unter Greuthern – kein Spaß.

Aber es war Sonntag, ich froh, dass der Umzug rum war: Ich hatte meinen Tag des Friedens. dachte ich. Ich nahm die ersten Zehntausend hin, die in Weiß-Grün auf dem Rathausplatz warteten. Ich trank Grüner-Bier. Ich hab nix gesagt…bis, ja, bis sie anfingen, zu singen. Diese unsägliche „Hymne“ mit dem Täterätätä und der Fürther Straße – und das Derby-Lied. Da platzte die Wunde auf: DAS muss ich mir nicht anhören, auch nicht, dass Club-Fans stinken!!!! Das geht zu weit! Ein heiliger Furor erfasste mich – ich hatte die Wahl, zu gehen, oder zu bleiben, um dann garantiert mit ganz anderen grünen Leuten zu tun zu haben.

Also wirklich: Der Trainer sagt nicht, ob er bleibt (im größten Freudentaumel), dafür fragt er die Anwesenden, wo sie denn alle gewesen seien „als wir gespielt haben“. Was sind denn das für Fans, die nur zum Feiern kommen? Eine kleine Fangruppe musste dann natürlich mitten in der Menge ein grünes bengalisches Feuer zünden – hat ein bisschen gedauert, bis sie es an hatten. Videos können sie auch nicht drehen. Ein Beispiel ist hier zu finden:

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Was soll man dazu sagen? Fädd halt!

Und hier für alle, denen es langsam zu viel wird mit FÜ (Aufstieg, Fliegerbomben-Fund usw usf): Das Lied, das wahre Fans hören:

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Wir wissen, wie man mit einem Club leiden kann (und muss). Aber es ist halt unser Glubb.  Das werden die nie verstehen! In der neuen Saison häng ich ne Clubfahne zum Fenster raus. In Fürth.