Schwacher Auftritt in Hannover

Auch in Hannover wurde der Club wieder mal seiner Rolle als Samariter des deutschen Profifußballs gerecht. Einem weiteren Not leidenden Gegner half man wieder auf die Beine. 96 Tage waren die 96er ohne Sieg. Da kommt schon mal Mitleid auf. Da will man doch helfen

Mitleid kam aber auch mit dem Club auf. Unter den vielen schlechten ersten Hälften, die der 1.FCN in letzter Zeit ablieferte, war das wohl eine der schlechtesten. Da lief überhaupt nichts zusammen. Hinten keine Ordnung, möglicherweise noch falsches Schuhwerk (Hlousek), im Mittelfeld kam kaum ein Ball an (Didavi) und wenn mal vorne einer einen ergatterte, dann versuchte der (Eigler) den irgendwie nur loszuwerden. Zielstrebigkeit: Null, Torgefahr: Fehlanzeige. weiter lesen

Club wieder auf dem Boden der Realitäten

Das Schöne am Fußball ist doch, dass das, was gerade gesagt wurde, schon am nächsten Spieltag widerlegt werden kann. Insofern ist der Club – und auch wir Fans – nun wieder auf dem Boden der Realitäten gelandet. Ziemlich unsanft.

Aber Hannover ist halt nicht Hertha. Und, was beim Club offenbar auch in dieser Saison wieder entscheidend ist: Auswärtsspiel ist nicht Heimspiel. Zuhause muss man das Heft in die Hand nehmen, kann man sich nicht hinten rein stellen und erst mal abwarten, um dann – wie in Berlin – irgendwann in der Schlussphase einen lichten Moment zum Siegtreffer auszunutzen. Eine Viertelstunde versuchte der Club nach vorne zu spielen, Hannover unter Druck zu setzen und sich Torchancen zu erarbeiten. Aber Hannover ließ nicht viel zu. Einmal hielt Torhüter Zieler bravourös gegen Klose. Einmal versemmelte Peckhart eine von Esswein super herausgespielte Chance. Hannover wiederum bemühte sich, nicht Torchancen herauszuarbeiten, sondern lieber Tore zu schießen. Denn die zählen und nicht die Chancen. Beim ersten stand der zuvor noch von vielen als Nationalmannschaftskandidat bezeichnete Philipp Wollscheid neben sich und zu weit weg vom Torschützen Abdellaoue. Beim zweiten agierte Raphael Schäfer wieder einmal unglücklich, konzentrierte sich auf den Ball, nicht auf den anstürmenden Gegner und verursachte so einen Elfmeter. Dass er solche Fehler nicht mehr wett machen kann und mal einen Strafstoß hält, ist leider bekannt.

Wie ausgewechselt kam der Club aus der Pause. Vielleicht lag es auch daran, dass Jens Hegeler, wie schon in Berlin, eingewechselt wurde und für die zuvor fehlende Zielstrebigkeit sorgte. Prompt machte Tomas Pekhart auf schöne Chandler-Flanke den Anschlusstreffer. Aber mehr war dann doch nicht drin. Wobei auch noch Pech dazu kam. So verletzte sich Javier Pinola so schwer, dass er nicht mehr weiter spielen konnte. Kurz zuvor hatte Trainer Hecking aber schon das dritte Mal ausgewechselt. So musste der Club am Schluss zu zehnt den Ausgleich erzwingen. Vergeblich!

Es gibt Tage, da läuft halt nichts. Dazu passt dann auch noch das zurückgekehrte Bayer-Dusel. Abputzen! Weitermachen! Immerhin geht´s das nächste Mal wieder in die Fremde. Zwar nach Dortmund. Aber im Augenblick ist das wohl besser als ein Heimspiel.

Süffig, aber im Abgang etwas mau

Die Luft war ohnehin raus im letzten Saisonspiel in Hannover. Unbelastetes Ausklingenlassen war angesagt. Insofern war es richtig von Trainer Dieter Hecking mit Plattenhardt und Wießmeier zwei Youngsters ranzulassen. Da war dann doch eher noch Motivation zu erwarten als von den Etablierten.

Genau eine halbe Stunde ging dieser Plan auch auf. Der Club führte. Ausgerechnet Julian Wießmeier traf bei seinem ersten Bundesligaspiel. Ein Supereinstand. Doch dann gings doch dahin. Hannover, mit Mainz im Nacken, musste was bringen und der Club spielte dann irgendwie normal. Hinten fehleranfällig, im Mittelfeld ideenlos und vorne weitgehend ohne Chancen. Dass dann Marek Mintal noch mal zu einem Einsatz kam, der leider wieder nicht durch ein Tor gekrönt wurde, war noch eine nette Randerscheinung.

Der Club schließt die Saison trotz des mauen Endes und der 3:1-Niederlage in Hannover als Sechster ab. Das hätte niemand erwartet. Sieht man allerdings, dass Mainz Fünfter, Kaiserslautern Siebter und Freiburg Neunter ist, dann ist zumindest das Umfeld gar nicht mal so überraschend. Verwunderlich nur, dass diese Mannschaften im Mittelfeld und nicht unten zu finden waren.

Also, Schwamm drüber! War eh egal! Supersaison!

Fröhliche Weihnachten!

413050399Ja, is den heut schon Weihnachten? Da muss selbst der Clubfreund mal den Adidas-Außenposten Beckenbauer zitieren. 22 Punkte hat der Club jetzt und überwintert auf Platz 11. Gegen Hannover war er klar überlegen. Nur der Schiri (wenn einer schon Winkmann heißt) hat die Sache nochmal spannend machen wollen, hatte aber letztlich keine Chance. Sogar bei den Standards waren die FCN-Spieler diesmal eminent gefährlich. Was will man mehr?

Allerdings waren die Voraussetzungen diesmal auch glücklich. Beim Club war Javier Pinola nach der Spucksperre wieder dabei und sorgte nicht bloß für mehr Sicherheit in der Abwehr, sondern auch für mehr Druck nach vorne. Auf der anderen Seite fehlte der für Hannover wohl noch wichtigere Ya Konan. Insofern kann man das sicher relativieren. Uns soll es egal sein. Die Saison läuft bisher besser als wir das je erwartet haben. Und die Einwechslung von Okotie kurz vor Schluss demonstrierte zudem noch, dass es sogar noch zusätzliche Optionen gibt, noch was draufzulegen. Weihnachten kann also kommen. Fast! Am Dienstag muss aber noch Pokalgegner Offenbach dran glauben.

Spitzenreiter unter Betondecke

Der Club ist Tabellenführer! Welch komfortable Position. Nein, keine Sorge, mir hat nicht der Sieg gegen Leverkusen die Sinne vernebelt. Ich beziehe mich vielmehr auf eine Aussage von Robin Dutt, Trainer des SC Freiburg, der vor dem Kellerderby des SCF gegen Hannover  (1:2) seine Schützlinge als Tabellenführer bezeichnet hatte – und zwar mit der Begründung, dass die Freiburger in der  „Abstiegsrunde“ vorne liegen. In der Tat scheint es so, als würde das Quartett am Ende die beiden Absteiger und den Relegationsteilnehmer unter sich ausmachen.

Überhaupt kristallisiert sich jetzt fast alljährlich eine Gruppe völlig abgehängter Vereine heraus, die mit reichlich Abstand zum unteren Mittelfeld gleichsam einen eigenen Wettbewerb ausspielen. 2007/08 waren das Bielefeld, Cottbus, Nürnberg, Duisburg und Rostock; 2008/09 dann Hannover, Gladbach, Bochum, Bielefeld, Cottbus und Karlsruhe.

Weil Kollege vip sich mal über die sozialdemokratische Spielweise des Clubs ausgelassen hat, sei an dieser Stelle Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, zitiert.  Der hat  im Zusammenhang mit der Armut in Deutschland von einer Betondecke gesprochen, unter der die Benachteiligten dieser Gesellschaft leben müssten. Armut habe es immer gegeben, aber das neue Problem bestehe darin, dass sie zementiert sei, dass kein Aufstieg für die Armen möglich sei.

Auch für die Bundesliga scheint die Metapher mit der Betondecke anwendbar, auch hier gibt es die Abgehängten. Eine Entwicklung, die sich meines Erachtens verschärft hat, seit die Großklubs in den internationalen Wettbewerben alljährlich groß abkassieren und ihren Vorsprung vor den Kleinen ausbauen können. Für das Quartett am Ende besteht jedenfalls wohl kaum eine Chance, den Anschluss zu schaffen. Dass Hertha BSC Berlin zu dieser Gruppe gehört, hätte man vor Saisonbeginn freilich nicht unbedingt vermutet. Da musste sich diesmal tatsächlich einer der vermeintlich Großen unter die Betondecke begeben, und traditionelle Underdogs wie Bochum oder auch Gladbach haben es heuer etwas leichter. Am Samstag reist der Club in die Hauptstadt. Und kann dort womöglich seine Tabellenführung ausbauen.

Der nette Herr Slomka

urn:newsml:dpa.com:20090101:100228-10-11427Manche Trainer haben ja Spitznamen, die sie eine ganze Karriere lang verfolgen. Felix Magath etwa ist wegen seiner Affinität zu Medizinbällen und hügeligen Landschaften, über die er seine Kicker scheuchen kann, als „Quälix“ verschrien. Ralf Rangnick gilt als der „Professor“, seit er einst im ZDF-Sportstudio an einer Tafel darüber dozierte, wie er Underdog Ulm dank revolutionärer Taktik ins Oberhaus beförderte. Ewald Lienen wiederum, der zu seiner aktiven Zeit wegen seiner markanten Frisur und seiner  politischen Einstellung als „Großneffe Lenins“ bezeichnet wurde, gilt als „Zettel-Ewald“ – nur weil er sich während des Spiels Notizen macht, was zu Beginn von Lienens Trainerkarriere offenkundig in Übungsleiter-Kreisen noch absolut unüblich war.

Auch Mirko Slomka hat seit seinem Engagement in Schalke, wo er zwischen 2006 und 2008 Cheftrainer war, einen Stempel, den er nicht mehr loswird: Er gilt wegen seiner sympathischen, uneitlen Art als der „nette Herr Slomka“. Doch nett und menschlich zu sein wird   im Haifischbecken Bundesliga ambivalent bewertet. Vielleicht lag es auch an der fehlenden Härte, die Slomka unterstellt wurde, dass er in Gelsenkirchen trotz passabler sportlicher Bilanz gehen musste und danach fast zwei Jahre  keinen Job mehr bekam – obwohl die Fachblätter ihn  überall dort, wo ein Trainer entlassen wurde, als Kandidat handelten.

Schließlich heuerte er bei Hannover 96 an. Und ist dort ausgesprochen nett – jedenfalls zum Club und den anderen Konkurrenten im Abstiegskampf. Denn er  hat seine ersten sechs Spiele mit den Niedersachsen samt und sonders verloren und damit dem FCN ermöglicht, mühevoll  von Abstiegsplatz 17 auf Relegationsrang 16 hochzukraxeln.
Slomka hat damit im übrigen einen Bundesliga-Negativrekord eingestellt, denn mit mehr als sechs Niederlagen am Stück ist noch kein Trainer bei seinem neuen Verein gestartet. Und in der Geschichte der 1963 gegründeten Bundesliga haben dieses Kunststück vor Slomka auch nur fünf Trainer geschafft: Heinz-Ludwig Schmidt (mit Tasmania Berlin in der Saison  1965/66), Janos Bedl (Wuppertaler SV, 1974/75),  Hans Tilkowski (1. FC Saarbrücken, 1977/78), Reinhard Saftig (ebenfalls Hannover, 1988/89) und zuletzt Klaus-Peter Nemet (FC St. Pauli, 1996/97).

Ganz erstaunlich: Ein Negativrekord mal ganz ohne Nürnberger Beteiligung! Die besagten Vereine sind übrigens allesamt abgestiegen, was für Hannover kein gutes Omen ist. Für den Club indes schon, denn dann wäre ein Abstiegsrang schon mal besetzt. Übrigens glaube ich, dass Mirko Slomka trotz seines missglückten Starts in Hannover ein richtig guter Trainer ist. Aber es reicht ja, wenn er sich mit dem Nachweis noch etwas Zeit lässt und das  erst kommende Saison mit 96 in der Zweiten Liga unter Beweis stellt. Das wäre richtig nett von ihm.

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