Die blöde Favoritenrolle

20100307 Hecking br¸llt energischNein, die Favoritenrolle schmeckt uns nicht. Das war schon im Heimspiel gegen Freiburg so. Das setzte sich letzten Sonntag in München fort und erlebte seinen Höhepunkt heute gegen den FC Kaiserslautern.

Während nämlich bei den Clubspielern und deren Umfeld Begriffe wie „magisches Elfeck“ oder „neuer Jugendstil“ und die Frage, in welcher Nationalmannschaft man demnächst kicken soll. im Kopf herumschwirren, spielen die Gegner Fußball. Und dann lässt der „zuverlässige Rückhalt“ Raphael Schäfer auch noch den Ball ungeschickt abprallen und es heißt 0:1.

Dann denken die wackeren Abwehrrecken der favorisierten Heimmannschaft aber immer noch: Betriebsunfall, wird gleich repariert, schließlich sind wir ja Nationalspieler, z.B. von Australien oder Weißrußland. Wie da wohl das Wetter gerade ist?

Auf einmal heißt es 0:2. Häh, wer ist da auf dem Platz? FCK? Waren das nicht mal die roten Teufel? Die schauen doch ganz harmlos aus mit ihren weißen Hemdchen? Die werden sich doch nicht wehren wollen und meinen, sie hätten hier eine Chance?

Da fällt das dritte Tor.. So was Dummes aber auch! Jetzt müssen wir uns doch noch anstrengen. Ah, da ist ja der Pausenpfiff. Also erst mal entspannen! Der göttliche Schiri ist wenigstens auf unserer Seite und nun wird der Erfolgstrrainer in der Pause die richtigen Worte finden.

Doch „Trainerfuchs“ Dieter Hecking (im Bild) dürfte eher an seinem gescheiterten Experiment zu knabbern gehabt haben. Vidosic, das ewige australische Talent, das eigentlich als Stürmer gilt, rechts hinten als Ersatz für Juri Judt aufgestellt zu haben, war wohl die Hauptursache für den Rückstand. Klassischer Rohrkrepierer. Folgerichtig wurde Vidosic auch noch vor der Pause ausgewechselt.

Viel elanvoller kam der Favorit jedenfalls nicht aus der Kabine. Der FCK war weiterhin die dominante Mannschaft und hätte mehrfach noch auf 4:0 erhöhen können.

Erst die Einwechslung von Robert Mak für die alles andere als geniale Bayern-Leihgabe Ekici brachte dann etwas mehr Schwung. Mak schoss immerhin den Ehrentreffer. Dass es nicht zu weiteren Favoritentoren reichte, war unter anderem Andreas Wolf zu verdanken, der einen Elfer an die Querlatte hämmerte. Der Club hat das Spiel also wegen seiner (umformierten) Abwehr verloren. Wobei man sagen muss: Vorne lief auch nicht viel und im Mittelfeld hatte der FCK ebenfalls meist die Oberhand.

Es scheint so, als kehrte in der Bundesliga Normalität ein: Bayern hat sich gerappelt, Schalke siegt wieder, Fürth ist Vierter und der Club ein Depp.

Weil ich ein Mädchen bin

Nach der Niederlage am Millerntor hat Trainer Dieter Hecking unter anderem bemängelt, die Mannschaft habe sich einfach zu wenig reingekniet. Man kann für die Club-Mannschaft freilich auch andere Worte finden, so wie auf diesem Bild, das der Nürnberger Künstler Gymmick aufgenommen hat (vielleicht hat es ja der Hecking durch die Stadt fahren lassen):
maedchen

Ein Remis, mit dem man leben kann

454065239Am Ende strapazierte er wieder mal unsere Nerven – und daher sind wir zufrieden, dass es für den Club in Gladbach noch zu einem Unentschieden gereicht hat.

Wir haben uns – trotz der Führung bereits nach 15 Minuten durch Hegeler (Bild – was ist den mit Judt los, der kann ja flanken?) – geschworen, nicht mehr abzuheben. Freilich wäre mehr drin gewesen. Aber eben auch weniger.
weiter lesen

Auweia, diese zwei Tore tun richtig weh!

20100411 1. FC Nürnberg - VfL WolfsburgWas für ein Scheißspiel! Da schont sich der amtierende deutsche Meister fast 90 Minuten lang mit Antifußball, hat gerade einmal zwei Chancen und macht zwei Tore und der Club kassiert eine Heimniederlage, die richtig weh tut.

Doch leider: Für Überlegenheit gibt es keine Punkte. Man sollte schon mal das Tor treffen. Doch damit war es nicht weit her. In der ersten Halbzeit war Javier Pinola noch der torgefährlichste Clubspieler und in der zweiten Halbzeit reichte die Chancenzahl nicht aus um die mangelnden Knipserqualitäten der Clubstürmer wettzumachen. Vor allem Marcel Risses Flanken waren diesmal völlig verpeilt. Wie Cleverness vor dem Tor aussieht, das konnten die FCN-Kicker dann von Djeko (Bild) und Grafite lernen.

Allerdings war die gesamte Wolfsburger Spielweise cleverer. Das muss man erst einmal bringen, den Gegner so fertig zu machen und einzulullen, bis es ihm zu bunt wird, bis er denkt: die armen Zuschauer, denen muss doch was geboten werden für ihr Geld! Eine Halbzeit hat der FCN dagegen gehalten und genausowenig aufgemacht wie die Wölfe, dann ist er aber umgeknickt und hat prompt den entscheidenden Konter kassiert. Möglicherweise hatte Hecking darauf spekuliert, dass Wolfsburg nach dem Europaleague-Spiel nicht mehr so fit ist und am Ende einbricht.

Nun ist der Club eingebrochen und steckt wieder voll unten drin. Hannover ist wieder dran und wenn das nächste Spiel in Freiburg verloren wird, dann sind die punktgleich. Das wird also eine richtig harte Nummer, von der Klatsche in Bremen sollte man sich da (bitte, Herr Hecking!) nicht irritieren lassen.

Neuer Trainer, alte Leier

urn:newsml:dpa.com:20090101:100117-10-11941Es erinnert irgendwie an den Auftakt dieser Saison. Auch da hatten viele hohe Erwartungen, der Club hatte gegen zweitklassige Gegner gut ausgesehen, den Kader hatte man sich schön geredet und Kritiker wurden niedergebügelt. Doch dann gab´s eine Niederlage gegen Schalke. Zum Auftakt hieß es am Schluss 1:2. Jetzt verlor der Club 0:1.

Beim Spiel auf Schalke kam zwar auch Pech dazu (zwei Pfostenschüsse). Dennoch ist das Ergebnis eigentlich trostloser als das im Hinspiel, denn inzwischen ist es das 5. Match in Folge, in dem der Club kein Tor erzielt hat. Gegen Schalke hat der neue Trainer Hecking also mit den alten Problemen zu kämpfen. Mit Charisteas, Gygax, Bunjaku, Mintal, Eigler und Choupo-Moting hat er insgesamt sechs Stürmer aufs Feld geschickt (natürlich nicht alle gleichzeitig, aber auch das hätte wohl kaum etwas genutzt): ohne Erfolg. Nun wird also wieder die alte Platte aufgelegt: es hapert im Sturm!

In der Winterpause hatte die Clubführung diese Platte vorübergehend ins Regal gestellt und behauptet, es fehlt ein gescheiter Sechser. Ich würde aber mal sagen: Wenn vorne keiner trifft, ja nicht einmal ein bisschen Angst beim Gegner verbreitet, dann schaut nicht nur jeder Sechser schlecht aus, sondern auch jeder Einser, Zweier, Dreier, Vierer oder Fünfer. Dann kannst Du höchstens auf 0:0 spielen, und dies -. das müsste jeder halbwegs intelligente Eins-bis-Sechser wissen – reicht halt nicht mehr zum Klassenerhalt. Da müssen „Dreier“ und deshalb Tore her.

Beim Hinspiel gegen Schalke haben wir prophezeit, der Club werde gegen den Abstieg spielen und dafür Prügel bezogen. Diesmal prophezeien wir nicht, dass der Club wohl der erste Absteiger sein wird. Wir möchten nicht schon wieder recht haben.

Spaß macht das alles zur Zeit jedenfalls nicht mehr. Und wenn sich Fans ins Off verabschieden, wundert uns das nicht. Aber keine Angst, wir bleiben trotzdem dran, wir sind schließlicch Kummer gewohnt.

Weiß eigentlich jemand, was die längste torlose Periode einer Erstligamannschaft war? Das wäre doch ein Rekord, der dem Club noch fehlt.

Wieder einmal: „Retter“ von den Bayern

breno_DW_Sport_Marb_526427gDas letzte Mal als sich der Club einen Retter von den Bayern holte, ging das bekanntlich in die Hose. Der Club stieg ab, Uli Hoeneß laborierte am Knie und schoss kein einziges Tor.

Auch damals holte man den „Retter“in der Winterpause. Jetzt, 31 Jahre später, holt der Club erneut Rettung von den Bayern, der brasilianische Verteidiger Breno (Bild) soll auf Leihbasis die Abwehr verstärken. Andreas Ottl soll im defensiven Mittelfeld aushelfen. Und dann kursiert – schließlich ist es eh schon egal, ob zwei oder drei Ex-Bayern beim FCN kicken (dann fremdeln die wenigstens nicht) – das Gerücht, Roy Makaay könnte ablösefrei von Feyenoord Rotterdam zum Club wechseln.

Eins scheint auf jeden Fall klar: Der Club wird langsam wieder der alte. Nichts mehr mit Bescheidenheit, Kontinuität, Setzen auf Junge, Verzicht auf so genannte Altstars… Mit Michael Oenning ist diese Absicht, obwohl die auch nicht unbedingt hundertprozentig durchgesetzt wurde, anscheinend zu den Akten gelegt worden. Dieter Hecking scheint eher die bewährten Rezepte zu bevorzugen. Dafür allerdings wurde er wohl auch geholt.

Absichten und gute Vorsätze sind das eine, der Erfolg ioft etwas anderes. Auch schlechte Erfahrungen, zumal wenn sie Jahrzehnte zurück liegen, müssen einen ja nicht ewig belasten. Uns wäre es jedenfalls am liebsten, wir müssten den Namen Hoeneß hier nicht noch einmal erwähnen. Und wenn ein paar Bayern-Exporte dem Club weiterhelfen, warum nicht. Vorurteile sind dazu da, widerlegt zu werden.

Eins ist aber auch klar, diese Zugänge (wie viele auch immer es sein werden) dürften, da sie z.T. nur auf Leihbasis kommen, keine Option auf die Zukunft sein. In der Sommerpause wird es wieder einmal einen Nauaufbau geben müssen. Ganz egal, ob die Rettungsaktion gelingt.

Einkaufstour im Winter

Ich habe sie nicht gezählt, die Club-Trainerentlassungen, die ich in den vergangenen  drei Jahrzehnten miterlebt habe. Die erste weiß ich allerdings noch sehr genau: Es war Fasching anno  1981, als Horst Heese gehen musste, weil der FCN daheim gegen den TSV 1860 München 1:2 verloren hatte und Präsident Michael A. Roth dem Coach nicht mehr zutraute, die Klasse zu halten. Am Ende ging es gut, der Club blieb  mit dem Trainergespann Fritz Popp/Fred Hoffmann in der Bundesliga  – im Gegensatz zu den „60ern“.
Nun also Dieter Hecking. Eine gute Entscheidung, meiner Meinung nach. Immerhin hat  der 45-Jährige bei allen seinen Stationen solide gearbeitet.

Erstaunlich: Er hat erst eine Entlassung auf dem Konto – und die erfolgte nicht aus sportlichen Gründen. Der SC Verl feuerte Hecking  2001, nachdem er angekündigt hatte, zum Saisonende wechseln zu wollen. In  Lübeck, Aachen und  sogar in Hannover ging er jeweils freiwillig. Wobei er bei 96 mit seinem Rücktritt einer Kündigung wohl zuvorkam; aber in Hannover ist der Trainerstuhl traditionell ein Schleudersitz, insofern sind die drei Jahre, die sich Hecking dort halten konnte, aller Ehren wert.
Außerdem  baute Hecking in Hannover auch auf die Routiniers, sorgte für eine gute Mischung aus Alt und Jung. Bei Michael Oenning konnte man ja zuletzt den Eindruck gewinnen, dass er das Durchschnittsalter der Mannschaft auf 15 senken will.
Aber ein neuer Trainer allein wird nicht reichen. Ich denke, der Club muss im Winter kräftig einkaufen gehen. Ansonsten können wir seine Spiele 2010/11 wieder montags bei DSF gucken.