Stark im Pokal, schwach in der Liga

Die Woche:

1. In Osnabrück gab es für ein Foul außerhalb des Strafraums Elfmeter. In Leipzig für eines, das noch ein bisschen weiter drinnen war, letztlich dann doch keinen. Hier zahlt es sich offenbar aus, wenn mächtige Vereinsbosse im Hintergrund wirken. Da muss noch nicht mal Geld fließen. Da reicht es wohl schon, wenn der Schiedsrichter Angst vor einem hat.

2. Die Leistungsfähigkeit fördert es eher nicht. Andererseits ist es schön, wenn unserer Profis auch mal jene Zustände erleben, mit denen sich der eher nicht so gut verdienende Fan tagtäglich herumschlagen muss. Zum Beispiel mit verspäteten und überfüllten Zügen. Auf der Heimfahrt vom Pokalspiel in Osnabrück mussten unsere Spieler sogar am Boden sitzen. Immerhin schafften es so jene Missstände, an die wir uns fast schon gewöhnt haben, in die Zeitung.

3. Anders als beim Rasensport spielt der FCN beim eSport ganz oben mit. Dort ist er – auch aufgrund namhafter Neuzugänge – sogar auf Augenhöhe mit europäischen Topclubs wie Paris St.Germain oder Manchester City. Während die ESL-Meisterschaft, wo unsere Cracks ganz vorne liegen, demnächst zuende geht, beginnt in wenigen Tagen für unsere Playstation-Cracks die virtuelle Bundesligasaison. Dabei haben alle Clubs übrigens, anders als im richtigen Leben oder bei den bekannten Managerspielen, die gleichen Startvoraussetzungen. So ist schon mal mehr Spannung garantiert als in der analogen Bundesliga.

Die Spiele:
Unter der Woche galt es für den FCN erst einmal die nächste Pokalrunde zu erreichen. Rein tabellarisch schien die Aufgabe in Osnabrück lösbar, schließlich steht der VfL aktuell ganz unten in der dritten Liga. Andererseits hatte er in Unterzahl zuvor den HSV aus dem Wettbewerb gekickt und auch der Club durfte diese Seite der Osnabrücker kennenlernen. Dabei half Schiedsrichter Dankert mit, der ein ungeschicktes Einsteigen von Patrick Kammerbauer in den Strafraum verlegte und so der Heimmannschaft bereits nach drei Minuten die Führung durch Elfmeter ermöglichte. Trainer Michael Köllner erkannt dann immerhin, wie wichtig der diesmal zunächst geschonte Patrick Erras für Ruhe und Stabilität in der Anwehr ist und korrigierte diesen Fehler. Danach kam der Club besser ins Spiel. Unser vom Saulus zum Goalgetter mutierte Schwedenstürmer Mikael Ishak traf erneut und zwar noch vor der Pauase. Kurz danach besorgte Leibold sogar die Führung, die die Osnabrücker aber noch ausgleichen konnten. So musste dann Enrico Valentini ran, um in der 74. Minute den dritten Treffer zu erzielen. „Obwohl“ dann die Osnabrücker endlich zu zehnt spielen durften (Rote Karte nach Notbremse für Furkan Zorba) gelang ihnen der neuerliche Ausgleich nicht mehr.

Womit wir am Tiefpunkt der Woche angelangt wären, der 1:0-Niederlage in Heidenheim. Eigentlich sah es dort ebenfalls nach einer klaren Sache aus. Der Tabellendritte kam zum Tabellenvorletzten. Der demonstrierte dann auch über eine Stunde lang, warum er dort unten drin steht. Fast schon mitleiderregend versiebten die Heidenheimer eine Großchance nach der anderen. Zudem standen ihnen wiederholt der beste Nürnberger an diesem Nachmittag, Torwart Thorsten Kirschbaum, und einmal die Latte im Weg.

Allerdings war auf das Unvermögen des FCH doch nicht auf Dauer Verlass. Nach gut einer Stunde herrschte nach einer Ecke (die Standards gegen uns mal wieder) Unordnung im Nürnberger Strafraum und Glatzel staubte aus kurzer Entfernung zum Siegtreffer ab.

Dem Club gelang es an der Brenz in keiner Phase des Spiels, zu alten Qualitäten zu finden. Müde, fahrig, unkonzentriert und seltsam lasch ging die Mannschaft zu Werke. Diesmal hatte Köllner Miso Brecko und Edgar Salli in der Startelf gebracht. Die Chance wusste keiner der beiden zu nutzen. Aber selbst Aktivposten wie Ewerton oder Erras leisteten sich haarsträubende Fehler. Vorne ging auch wenig zusammen. Von der einstigen Effektivität war nichts zu sehen. Ishak und Teuchert waren weitgehend abgemeldet. So kann man den Auftritt wohl als bislang schlechteste Saisonleistung einstufen und muss den Heidenheimern leider attestieren: Der Sieg war verdient.

Ein Letztes:

Da tut doch ein bisschen Optimismus gut:

Im Stile eines Aufsteigers

1. FC Heidenheim - 1. FC N¸rnberg„Hier regiert der FCN!“, dröhnte es durch das Stadion, auswärts wohlgemerkt. Wer solche Fans hat, gehört in die Bundesliga. Wer solche Spiele gewinnt, steigt am Ende auf. Zwei schlagkräftige Argumente, die für den 1. FC Nürnberg als ernsthaften Aufstiegskandidaten sprechen, der nach dem 3:0 (1:0) am Samstagnachmittag in Heidenheim Tabellenplatz drei in der 2. Liga gefestigt hat – und somit auf einem Relegationsplatz überwintert.

Von Beginn an dominierte der umtriebige Nürnberger Anhang die Geräuschkulisse und das Geschehen auf den Rängen in der mit rund 14.500 Zuschauern besetzten Voith-Arena. Ganz im Gegensatz dazu der Spielablauf auf dem Rasen: Hier war der 1. FCH optisch überlegen, der FCN lauerte auf Konter und Standardsituationen. Und das tat der Club äußerst effektiv.

Vier Chancen, drei Treffer: Dank der Kaltschnäuzigkeit von Guido Burgstaller (16.), Alessandro Schöpf (60.) sowie Hanno Behrens (84.) und seiner gnadenlosen Effizienz hieß der Sieger am Ende 1. FC Nürnberg. Sehr zum Leidwesen der Gastgeber, die mit einem ihrer Meinung nach nicht gegebenen Elfmeter haderten, den unmittelbar vor dem 2:0 Miso Brecko an Arne Feick verschuldet haben soll(59.). Unsere Meinung: kein Elfer.

Da der FC St. Pauli (30 Punkte) bereits am Freitag mit 1:2 gegen den KSC verloren hat, zählt der Club nun mit 33 Punkten zu den drei Topteams der Liga. Nur RB Leipzig (41), das die SpVgg Greuther Fürth im Ronhof parallel zum Spiel des FCN mit 2:1 bezwang, und der SC Freiburg (35) haben bislang mehr auf dem Konto. Die mitgereisten Clubfans sangen derweil bis weit nach Spielende: „Franconia, Fantastica…!“ und „FCN – Liebe, Glaube, Leidenschaft“. Dem können wir uns nur anschließen.

Mit der Einstellung die Aufstellung kompensiert

Bildschirmfoto 2015-07-31 um 20.13.55Für die Fans (ausgenommen ein paar Ultras) war das gestern ein echter Befreiungsschlag. Insgeheim hoffte jeder, das würde sich heute auch auf die Mannschaft niederschlagen. Mancher munkelte, die habe in Freiburg gar nicht gegen den SC, sondern gegen den MB (Martin Bader) gespielt.

Nun ist der FC Heidenheim sicher ein anderes Kaliber als der Absteiger aus dem Breisgau. Dennoch sah man der Club-Mannschaft an, dass sie wollte und dass sie sich durchaus bemühte, ansehnlich Fußball zu spielen. Das lag sicher nicht nur daran, dass diesmal mit dem Not-/Verzweiflungs-Einkauf Miso Brecko ein echter Rechtsverteidiger auf dem Platz stand. Links vertrat mit Niklas Stark ebenfalls eine Notlösung unseren angestammten Javier Pinola. Vielmehr lag das vor allem auch an Blum und Burgstaller, die vorne echt Betrieb machten und daran, dass die Mannschaft ganz offensichtlich gewillt war zu beweisen, dass Einstellung wichtiger ist als Aufstellung.

Die Aufstellung hat ja vorwiegend MB verbockt. Bei der Einstellung hat er, siehe Raststättengate, offensichtlich auch nicht den besten Einfluss ausgeübt. Da ist auf jeden Fall Entwarnung zu vermelden. Die Aufstellung, das bewiesen selbst die spielerisch doch recht limitierten Heidenheimer, taugt für höhere Ziele nicht. Die Abwehr kam fast regelmäßig ins Schwimmen, wenn der Gegner Druck machte. Außerdem strotzte der neue Keeper Thorsten Kirschbaum – kein Wunder nach dem Sechserpack in Freiburg – auch nicht gerade vor Selbstvertrauen und Souveränität. Bei dem, zugegeben, auch glücklichen zweiten Treffer der Heidenheimer, machte er jedenfalls eine ziemlich seltsame Figur.

Dafür krempelte kurz vor Schluss noch Jan Polak die Ärmel hoch und packte seinen Hammer aus, so dass es am Ende noch zum Dreier langte. Der Club ist damit im Zweitligamittelfeld. Dort, wo er letzte Saison schon landete. Wenn er weiterhin in jedem Spiel drei Tore schießt und es schafft, hinten weniger zu kassieren, dann könnte das vielleicht sogar noch was werden.

Möglicherweise sorgt ja der neue Sportdirektor noch für ein paar brauchbare Verstärkungen der Abwehr. Sollte das der bereits beim Klassik Open Air und heute auch im Stadion gesichtete Schmelzer-Spezi Felix Magath werden, dann brauchen wir uns zumindest über neue Spieler keine Gedanken machen.

Der Club, jetzt auch Dominanzdepp

1742674827Selten hatte Dominanz im eigenem Stadion etwas derart Trostloses wie am heutigen Freitagabend in Nürnberg. Der Club diktierte 90 Minuten lang das Spiel, hatte im Mittelfeld die Kontrolle, ließ die Blauen aus Heidenheim kaum in die eigene Hälfte kommen, eroberte verlorene Bälle meist postwendend wieder und verdiente sich somit zumindest die eine oder andere Haltungsnote. Bis zur 28. Minute war das aus ganz gefällig und erinnerte uns ältere Fans an Zeiten, als der Club im Frankenstadion noch eine Macht war und dort kaum ein Spiel verlor.

In der 28. Minute war es aber dann vorbei. Da wurden wir jäh aus unseren Träumen geweckt. Da stand es nach einem Fehler von Patrick Rakovsky auf einmal 1:0 für die Gäste. Die führten ohne Dominanz, ganz einfach so. Wie kann das gehen? Das Tor erzielte ein gewisser Wittek. Grund genug, das Träumen wieder aufzunehmen. Waren das noch Zeiten als der Robert bei uns im Sturm stand. Der hätte einer solchen Dominanz längst mit ein paar Toren Sinn gegeben. Aber wen haben wir? Mlapa? Der stand in der Mitte wie Falschgeld herum. Was nicht allein seine Schuld war. Denn seine Kollegen zogen vor dem Abspiel meistens erstmal nach innen, um dann – umringt von Blauen – den Ball zu verdaddeln. Im Lauf des Spiels wechselte dann Planlosigkeit in Verzweiflung. Dann wurde aus der zweiten Reihe abgezogen. Manchmal sogar aus aussichtsreicher Position. Typisch ein im Ansatz torgefährlich anmutenden Polak-Schuss, bei dem dann ausgerechnet Mlapa im Weg stand. So wird aus Dominanz auch noch ein Nachteil.

Heidenheim setzte einfach nur auf die Ideenlosigkeit der Nürnberger und gewann. Der FCN bewies wieder einmal seine Qualität als Aufbaugegner für schwächelnde Komnkurrenten. Der FCN ist allerdings jetzt nur noch 2 Punkte vor den Heidenheimern. Ich hoffe, das reicht all denjenigen, die immer noch vom Aufstieg träumten, wieder in der Realität anzukommen.

Ich träume derweil von Robert Vittek und besseren Zeiten. Ob die irgendwann auch real wieder kommen? Da steht leider nicht nur Mlapa im Weg.

Es ist nicht lustig, aber ziemlich hoffnungslos

1943908274Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man ja lachen und seine Witze reißen. Aber leider ist es ernst und da müsste man in Trauer verfallen. Freilich, das hilft und ändert ebenfalls nichts. Insofern ist Humor vielleicht ein besseres Rezept um der Lage beim Club zu begegnen. Zumal dann, wenn man eh nichts ändern kann.

Doch wie ändert man was? Mal unterstellt, die Clubspieler sind keine Volldeppen und haben ein bisschen Grips in der Birne (wer zum Beispiel Mike Frantz am Dienstag bei seinen neuen Verein Freiburg beobachtet hat, könnte auf die Idee kommen), dann muss man das wohl genau so machen, wie sie das in Heidenheim gemacht haben. Wie willst du einen Manager, der derart wider alles besseren Wissens von einer einflußreichen Fangruppe unterstützt wird, sonst los werden? Da muss der Karren so weit in die Scheiße manövriert werden, dass wirklich dem letzten, verblendeten Deppen klar wird, dass da Handlungsbedarf besteht.

Ob Platz 16 in Liga 2 reicht, das ist freilich noch die Frage. Zumal ja wieder die Option besteht, den Trainer zu entlassen und so die Schuld erstmal anderweitig loszuwerden. Gut, Ismael ist mit der Situation in Nürnberg überfordert. Der kann einen Schäfer nicht einfach auf die Bank setzen. Der kann sich auch nicht gegen die anderen Mächtigen im Verein wehren. Auch mit seinen Analysen lag er meistens daneben. Zum Beispiel, wenn er uns mit der völlig überraschenden Erkenntnis kam, das sei alles eine Kopfsache und bei der Mannschaft fehlten nur ein paar Prozent. Dass es wesentlich mehr Prozente sind, sah jeder – in Karlsruhe und jetzt in Heidenheim. Im übrigen scheint Ismael auch den Unterschied zwischen Intellekt und Psyche nicht zu kennen. Deshalb ist für ihn der FCN mit Sicherheit ein zu dickes Brett. Nur: Wer will denn inzwischen noch zum Club? Welcher Trainer soll es denn da – bitteschön – richten? Da hast du dann den Bader und seine Ultras, den Marek, den Wolf, ein paar stadtbekannte Profilneurotiker und vielleicht noch ein paar besserwisserische Blogger ;-). Und jeder will dir reinquatschen.

Andererseits bekommst du so auch den Manager nie weg. Insofern hat es jetzt keinen Sinn, Bader einen Nachfolger für Ismael suchen zu lassen. Doch dazu müsste es im Aufsichtsrat erst einmal eine Mehrbheit gegen Bader geben. Da zweifle ich leider dran.

See U in Liga 3! Und das meine ich leider ernst.