Die Hoffnung währte 70 Minuten

Es hätte ein ungewöhnliches Spiel werden können. Schließlich hält Kapitän Raphael Schäfer nicht so häufig Elfmeter. Wir erinnern uns: In der Pokalsiegersaison 2006/07 wechselte  Trainer Hans Meyer den etatmäßigen Stammtormann sogar aus, wenn es um das Entschärfen von Strafstößen ging (auch im Finale gegen Stuttgart lief sich Reservekeeper Daniel Klewer in der Verlängerung schon warm, als Kristiansen abzog und mit dem 3:2 eine Elfmeter-Entscheidung unnötig machte). Und von Referee Dingert heißt es, dass er selten welche pfeift. Nun ja, diesmal trat beides ein. Dingert pfiff einen fragwürdigen Strafstoß für den FC Bayern München und gegen den Club, und Alaba scheiterte doch glatt an Schäfer.

So schien es beim 0:0 zur Pause, als hätte der 1.FC Nürnberg vielleicht eine kleine Chance, einen Punkt aus München zu entführen. Trainer Michael Wiesinger hatte Beton angerührt und mit Chandler und Plattenhardt zwei Defensivspieler anstelle von Kiyotake und Mak nominiert.  Eine Rechnung, die aufging – leider nur  70 Minuten lang. Doch dann ging das Geschehen seinen erwarteten Gang. Flanke Lahm, Kopfball Ribery – 1:0. Nochmals Flanke Lahm, und Robben schiebt den Ball ins Gehäuse zum 2:0-Endstand für den haushohen Favoriten.

Der Club, das muss man ehrlich zugeben. war letztlich überfordert, obgleich sich der eingewechselte Kiyotake redlich bemühte, nochmals für neuen Schwung zu sorgen. Die Enttäuschung am Valznerweiher sollte sich in Grenzen halten, auch wenn der letzte Bundesliga-Sieg in München nun schon – um mit BAP  zu sprechen – verdammt lang  her ist. Am 28. März 1992 war das. Der hier schreibende Club-Freund hatte das Glück, damals im Olympiastadion zu weilen, als der 1.FC Nürnberg in München 3:1 gewann.

Auch vor 21 Jahren spielte übrigens ein Elfmeter eine Rolle – beim Stand von 2:1 für den Club hätte Effenberg ausgleichen können, scheiterte aber an Keeper Andreas Köpke. Wenig später machte Sergio Zarate mit seinem zweiten Tor den Sack zu, zuvor hatte bereits Christian Wück für die Gäste getroffen. Die anderen Club-Helden waren Thomas Brunner, Kay Friedmann, Jörg Dittwar, Hans Dorfner, Marc Oechler, Andre Golke, Martin Wagner, der verletzungsbedingt frühzeitig gegen Wück ausgetauschte Dieter Eckstein und (als Libero, den es damals noch gab) Rainer Zietsch.  Als Trainer amtierte der mittlerweile verstorbene Willi Entenmann.

Nun reichts aber mit der Nostalgie. Auch wenn man in München verlieren kann, zwei Punkte aus drei Spielen sind nicht viel, hinzu kommt das peinliche Pokal-Aus.  Der Club braucht ein Erfolgserlebnis. Am besten schon kommende Woche, im nächsten bayerischen Derby gegen den FC Augsburg.

Pelle und Kiyo, das magische Zweieck

Wer solche Spiele gewinnt, der wird Meister. Hat man früher gesagt. Meister sind allerdings schon die Bayern. Aber ein Platz in Europa ist drin. Da will eh keiner hin. Auch die Mainzer ganz offensichtlich nicht. Also könnte ja der Club…

Doch der Reihe nach. Mit Mainz und dem Club trafen im Max-Morlock-Stadion die beiden Unangenehmen aufeinander. Dass das kein schönes Spiel werden würde, war zu erwarten. So kam es dann auch. Kaum ein zuende gebrachter Spielzug, kaum Torszenen, jeden Menge Fehlpässe und Nicklichkeiten. Die erste Halbzeit war eigentlich eine zum Vergessen, wenn da nicht die 27. Minute gewesen wäre. Da hatte Javier Pinola mal wieder einen Aussetzer. Sein Mann tauchte plötzlich mutterseelenallein vor Schäfer auf, wurde aber von dem hinterherlaufenden Pino noch zu Fall gebracht. Über den Elfer brauchte sich niemand zu beschweren. Höchstens über die ausgebliebene gelbe Karte. Doch die Mainzer konnten mit diesem Geschenk nichts anfangen. Szalai verschoss. Wahrscheinlich hatte ihm keiner gesagt, dass Rapha nun nicht gerade der klassische Elfmeterkiller ist. Aber diesmal hätte er ihn vielleicht gehabt. Jedenfalls war er in der richtigen Ecke.

Auch die zweite Halbzeit begann mit gefährlicheren Mainzern und einem Club, der irgendwie schläfrig wirkte. Doch es gibt ja noch die Standards und da hat der Club zwei, die das beherrschen. Das magische Zweieck: Kio und Pelle. Erst besorgte Pelle Nilsson auf Vorlage von Hiroshi Kiyotake das doch reichlich überraschende 1:0. Nach dem ebenso überraschenden Ausgleich, sorgten die beiden dann auch für die erneute Führung. Verteidiger Nilsson ist damit mit fünf Treffern Topscorer beim Club und Kiyo der Topvorlagengeber der gesamten Liga.

Der Club holte also einen Dreier gegen einen Mitkonkurrenten um einen Platz in der Europaleague. Verdient war der Sieg vielleicht nicht. Aber wie gesagt, wer solche Spiele gewinnt… Im übrigen sind wir nach wie vor europaskeptisch.

Nur ein Trio in der Rangliste

Endlich ist die Winterpause rum. Wobei über Fußball ja auch gesprochen wird, wenn der Ball nicht rollt. Dezember und Januar: Das ist die Zeit für Transfer-Spekulationen und für die großen Bilanzen. Der „kicker“ zum Beispiel erstellt dann immer seine Rangliste, die es schon seit 1956 gibt. Auf den verschiedenen Positionen werden die Spieler fein säuberlich sortiert in die Kategorien „Weltklasse“, „Internationale Klasse“, „Im weiteren Kreis“ und „Blickfeld“. In den ersten drei Kategorien gibt es ein tabellarisches Ranking, im Blickfeld werden die Spieler nur alphabtisch aufgelistet Und so kommt es, dass der „feine Techniker“ (so das „kicker“-Urteil) Hiroshi Kiyotake in der Kategorie „Mittelfeld offensiv“ Seit an Seit mit Hamburgs Star van der Vaart eingereiht wird, beide haben es ins „Blickfeld“ geschafft. Ebenso übrigens Edgar Prib – der einzige Fürther Feldspieler, der einen Notenschnitt über der 3,5 aufweist (3,44) und auch der einzige, der es in die Rangliste geschafft hat.
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スーパー 清武

Beim Nürnberger Bildungszentrum wird man wohl die Plätze im Japanisch-Kurs aufstocken müssen. So wie Hiroshi Kiyotake in Mönchengladbach aufspielte, möchten ihm sicher viele in seiner Sprache ihre Hochachtung ausdrüclen. In Gladbach machte er jedenfalls den Unterschied. An allen drei Toren war er beteiligt. Das dritte machte er selber. Die anderen beiden legte er für die Abwehrspieler Timm Klose und Timmy Simons auf. Nach Standards. Auf desem Weg ging beim Club jahrelang gar nichts. Durch Kiyotake ist das jetzt anders. Dass das auch für die Gladbacher überraschend kam, belegt vielleicht der Umstand, dass die Borussia unter Trainer Favre noch nie drei Tore in der Bundesliga kassiert hat. Die waren da offenbar nicht richtig auf den Japaner eingestellt. Da hat auch Trainer Dieter Hecking mitgeholfen, indem er vor dem Spiel angekündigt hatte, Robert Mak solle die Nadelstiche setzen. Tja, manchmal kommt es anders.

Allerdings: Auch mit Kiyotake ist der Club immer noch der Club. Mit einem depperten (Abseits!) Treffer kurz vor der Halbzeit brachte er erst den Gegner wieder zurück ins Spiel. Dann ließ er sich prompt den Ausgleich einschenken. Und obwohl dann Kiyo das dritte Tor nachlegte, war am Schluss wieder extremstes Nervenflattern bei uns Fans angesagt. Ohne einen Raphael Schäfer in Topform hätte es da wohl noch geklappert. So aber: Auswärtssieg, Super-Auftakt, Super-Kiyotake (auf Japanisch: スーパー 清武). Langsam muss der Club allerdings auch oben mitspielen, sonst wird er den Hiroshi wohl nicht halten können.

In Japan jubeln die Fans übrigens auch.
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Auch ein Grund, die Sprache zu lernen.

Klickbringer Kiyotake

Als Anfang der Woche die Meldung kam, der Club werde Takashi Inui vom VfL Bochum verpflichten, wenn der Wechsel von Takashi Usami vom FC Bayern zum FCN nicht klappt, haben wir auf Twitter noch gewitzelt: „Hauptsache ein Japaner!“ Da dachten wir noch, das ist der Shinji Kagawa-Effekt. Weil der bei Dortmund grandios eingeschlagen ist, gehe nun jeder Vereinsmanager davon aus, er brauche nur einen Japaner einkaufen und schon spielt sein Club um die Champions League-Plätze mit.

Der Kauf japanischer Spieler hat jedoch eine ganz andere Komponente, die wir Nürnberger jetzt erstmals vorgeführt bekamen. Artikel, die sich mit den japanischen Fußballstars beschäftigen, stoßen in deren Heimat auf riesiges Interesse. Heute war der Vorbericht des Kicker auf das Bayernspiel, in dem auch auf die Wechselgerüchte eingegangen und die Verpflichtung von Hiroshi Kiyotake (er soll für eine Million Euro von Cerezo Osaka kommen) vermeldet wurde, ganz oben in den News-Aggregatoren. Den Grund seht ihr hier:

Wir können uns also darauf gefasst machen, dass der FCN nicht nur Zuschauer aus Japan bekommt. Das Interesse dort wird den Club auch in Deutschland stärker in den Fokus rücken. Bei Verlinkungen wird schließlich nicht unterschieden, ob die aus Deutschland oder sonstwo in der Welt kommen. Hoffen wir mal, dass das gesteigerte Interesse dann nicht einem Zweitligaverein zugute kommt.

Und hier das Gleiche noch einmal auf Japanisch: 日本へそしてここで再び同じこと。 weiter lesen